{"id":505,"date":"2010-06-23T08:39:18","date_gmt":"2010-06-23T07:39:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/?p=505"},"modified":"2015-10-23T11:01:02","modified_gmt":"2015-10-23T10:01:02","slug":"wintermaerchen-fussball-suedafrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/fachbeitraege\/wintermaerchen-fussball-suedafrika-10505\/","title":{"rendered":"Winterm\u00e4rchen 2010? Die Bedeutung der Fu\u00dfball-WM f\u00fcr S\u00fcdafrika"},"content":{"rendered":"<table style=\"float: left; width: 100px;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"1\"> <tbody> <tr> <td align=\"center\" bgcolor=\"#ffffff\"><\/td> <\/tr> <\/tbody> <\/table> <p style=\"text-align: left;\">Winterm\u00e4rchen 2010?<br \/> Die Bedeutung der Fu\u00dfball-WM f\u00fcr S\u00fcdafrika<br \/> Christian von Soest<br \/> Panafrikanismus, Internationale Organisationen, Wirtschaftspolitik<br \/> S\u00fcdafrika hat die Fu\u00dfball-WM im eigenen Land von Anfang an<br \/> als afrikanisches Projekt pr\u00e4sentiert. Aufgrund seiner wirtschaftlichen<br \/> Kapazit\u00e4ten und seines politischen Gewichts ist S\u00fcdafrika<br \/> pr\u00e4destiniert, das Gro\u00dfereignis durchzuf\u00fchren, sieht sich<br \/> als regionale F\u00fchrungsmacht im restlichen Afrika allerdings<br \/> gewichtigen Vorbehalten gegen\u00fcber.<!--more--> Die WM bietet dem<br \/> Kontinent die Chance, sich der internationalen \u00d6ffentlichkeit<br \/> in einem neuen Licht darzustellen.<br \/> Es entspricht sowohl dem Selbstverst\u00e4ndnis der politischen<br \/> Entscheidungstr\u00e4ger und der Bev\u00f6lkerung in S\u00fcdafrika<br \/> als auch der internationalen Wahrnehmung, dass einzig dieses<br \/> Land im subsaharischen Afrika in der Lage ist, ein solches<br \/> Weltereignis wie die Fu\u00dfball-WM organisatorisch und finanziell<br \/> zu stemmen. In diesem Exceptionalism dr\u00fcckt sich gleichzeitig<br \/> implizit ein F\u00fchrungsanspruch in Afrika aus. Grunds\u00e4tzlich<br \/> besteht in der Forschung zu regionalen F\u00fchrungsm\u00e4chten<br \/> Einigkeit, dass ein solches Land \u00fcber Gr\u00f6\u00dfe und Ressourcen<br \/> verf\u00fcgen muss, um eine Region beeinflussen zu k\u00f6nnen und<br \/> die regionalen Nachbarstaaten zu f\u00fchren. Mit 49 Millionen<br \/> Einwohnern steht S\u00fcdafrika in Afrika nach Nigeria, \u00c4thiopien,<br \/> \u00c4gypten und der Demokratischen Republik Kongo an f\u00fcnfter,<br \/> im s\u00fcdlichen Afrika sogar an zweiter Stelle der Gr\u00f6\u00dfentabelle.<br \/> Entscheidend ist allerdings die wirtschaftliche und politische<br \/> Bedeutung des Landes am Kap. S\u00fcdafrika verf\u00fcgt als einziges<br \/> Land des subsaharischen Afrikas \u00fcber eine international wettbewerbsf\u00e4hige<br \/> Industrie und tr\u00e4gt in Kaufkraftparit\u00e4ten ungef\u00e4hr<br \/> 32 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von<br \/> Afrika bei. Das BIP des Landes ist fast viermal gr\u00f6\u00dfer als das<br \/> der zweitgr\u00f6\u00dften \u00d6konomie \u00c4gypten. Gro\u00dfkonzerne wie SABMiller,<br \/> AngloAmerican oder Sasol sind nicht nur in Afrika,<br \/> sondern auch weltweit aktiv, der Bankensektor mit den \u201egro\u00dfen<br \/> vier\u201c Standard Bank, Absa, First National und Nedbank gut<br \/> ausgebaut und sehr stabil.<br \/> Auch politisch ist die Kaprepublik auf dem Kontinent \u00e4u\u00dferst<br \/> aktiv: Seit dem Ende der Apartheid, dem Unterdr\u00fcckungssystem<br \/> der wei\u00dfen Bev\u00f6lkerungsminderheit, im Jahr 1994 hat das<br \/> vormals isolierte S\u00fcdafrika mehr als 40 diplomatische Vertretungen<br \/> in Afrika er\u00f6ffnet und die Zahl der bilateralen Kommissionen<br \/> massiv erh\u00f6ht. Im Jahr 2007 bestanden 13 solcher Kommissionen,<br \/> unter anderem mit Marokko, dem einzigen afrikanischen<br \/> Staat, der nicht Mitglied der Afrikanischen Union (AU) ist.<br \/> S\u00fcdafrika ist damit im zu Gegensatz den meisten anderen afrikanischen<br \/> L\u00e4ndern kontinentweit vertreten. Am bemerkenswertesten<br \/> ist jedoch die Ausbreitung der s\u00fcdafrikanischen Wirtschaft<br \/> in Afrika. Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen des Landes stiegen<br \/> von 8 Milliarden Rand 1996 auf 26 Milliarden allein im Jahr<br \/> 2000. S\u00fcdafrika erzielt au\u00dferdem einen hohen \u00dcberschuss im<br \/> Handel mit dem afrikanischen Kontinent: Importen von 13<br \/> Milliarden Rand im Jahr 2003 stehen Exporte in H\u00f6he von<br \/> 39 Milliarden gegen\u00fcber.1 Die nackten Zahlen sagen allerdings<br \/> nichts dar\u00fcber aus, wie gro\u00df der F\u00fchrungsanspruch S\u00fcdafrikas<br \/> und die Akzeptanz dieses Anspruchs sind. Zwei Hauptelemente<br \/> pr\u00e4gen die ehrgeizigen internationalen Bem\u00fchungen des Landes<br \/> seit dem Ende der Apartheid: zum einen die eigene friedliche<br \/> Transformation, die ein demokratisches Gemeinwesen hervorbrachte,<br \/> zum anderen die afrikanische Identit\u00e4t, die eine starke<br \/> Triebkraft f\u00fcr den Kampf gegen die \u201eglobale Apartheid\u201c, also die<br \/> Ungleichheit zwischen Nord und S\u00fcd, die Vertretung Afrikas auf<br \/> der globalen Ebene sowie das Engagement auf dem afrikanischen<br \/> Kontinent selbst bedeutet. Die Au\u00dfenpolitik S\u00fcdafrikas ist dabei<br \/> durch ein Paradox gekennzeichnet: Zum einen will die Regierung<br \/> des African National Congress (ANC) die Verbreitung von<br \/> demokratischen Werten, die afrikanische Erneuerung und die<br \/> Interessen Afrikas und des S\u00fcdens auf globaler Ebene durchsetzen.<br \/> Zum anderen vermeidet S\u00fcdafrikas au\u00dfenpolitische Elite<br \/> in der Region ein dominantes Auftreten. Statt von \u201eF\u00fchrung\u201c<br \/> spricht sie von \u201eVerantwortung\u201c. S\u00fcdafrikas F\u00fchrungsanspruch<br \/> kommt auf leisen Sohlen.<br \/> Unter dem Banner \u201eIt\u2019s Africa\u2019s turn\u201c soll das Fu\u00dfballfest<br \/> ein Event f\u00fcr ganz Afrika werden und den Kontinent in einem<br \/> neuen Licht zeigen. Bei der Pr\u00e4sentation vor dem FIFA-Exekutivkomitee<br \/> am 14. Mai 2004 erkl\u00e4rte der damalige Pr\u00e4sident<br \/> Mbeki:<br \/> \u201eThis is an African journey of hope \u2013 hope that, in time,<br \/> we will arrive at a future when our continent will be free<br \/> of wars, refugees and displaced people, free of tyranny,<br \/> of racial, ethnic and religious divisions and conflicts,<br \/> of hunger, and the accumulated weight of centuries of<br \/> the denial of our human dignity \u2026 we undertake that<br \/> as hosts of the Soccer World Cup, we would ensure that<br \/> our continent shares a common sense of empowering<br \/> achievement \u2026 We pray that thus you will help us fully<br \/> to restore Africa\u2019s dignity \u2026 as together we undertake<br \/> a journey of hope that would be crowned by the joyful<br \/> festival that will be the 2010 Soccer World Cup\u201d.2<br \/> Die Ausrichtung des Megaevents kann dabei als Kr\u00f6nung der<br \/> Mission Mbekis gesehen werden, die kontinentale Erneuerung,<br \/> die African Renaissance, anzuschieben. So nahm S\u00fcdafrika 2002<br \/> bereits eine Schl\u00fcsselrolle bei der Gr\u00fcndung der Afrikanischen<br \/> Union (AU), der Nachfolgeorganisation der ineffektiven Organisation<br \/> f\u00fcr Afrikanische Einheit (OAU), ein. Mbeki wirkte auch<br \/> als treibende Kraft der \u201eNeuen Partnerschaft f\u00fcr Afrikas Entwicklung\u201c<br \/> (NEPAD), die im Juli 2001 von den afrikanischen Staatsund<br \/> Regierungschefs in Sambias Hauptstadt Lusaka verschiedet<br \/> wurde. Deren Kerngedanke ist es, durch gute Regierungsf\u00fchrung<br \/> zu Wachstum und Entwicklung in Afrika beizutragen. Das<br \/> wesentliche Element ist dabei der \u201eAfrican Peer Review Mechanism\u201c<br \/> (APRM), der sicherstellen soll, dass die Prinzipien guter<br \/> Regierungsf\u00fchrung von den NEPAD-Mitgliedsl\u00e4ndern eingehalten<br \/> werden. Im Jahr 2001 war S\u00fcdafrika ebenfalls ma\u00dfgeblich<br \/> an der umfassenden Reform der \u201eEntwicklungsgemeinschaft des<br \/> s\u00fcdlichen Afrika\u201c (SADC) beteiligt. Schlie\u00dflich verging kaum<br \/> ein G-8-Gipfel, auf dem Pr\u00e4sident Mbeki \u2013 zumeist mit anderen<br \/> ausgew\u00e4hlten Staatschefs wie Nigerias Obasanjo \u2013 das Anliegen<br \/> Afrikas \u00f6ffentlichkeitswirksam auf globaler B\u00fchne vertrat.<br \/> Vorbehalte in Afrika<br \/> Doch Vormachtstellung und F\u00fchrungsanspruch des politisch<br \/> einflussreichsten und wirtschaftlich st\u00e4rksten Landes werden im Rest<br \/> des Kontinents durchaus mit Argwohn betrachtet. 2004 standen in<br \/> Z\u00fcrich mit Marokko, \u00c4gypten und S\u00fcdafrika zwei nordafrikanische<br \/> und ein Bewerber des subsaharischen Afrika zur Wahl. Die vier<br \/> Afrikaner im h\u00f6chsten Gremium des Weltfu\u00dfballs \u2013 Issa Hayatou<br \/> (Kamerun), Amadou Diakite (Mali), Ismail Bhamjee (Botswana)<br \/> und Slim Aloulou (Tunesien) stimmten geschlossen gegen die<br \/> Republik am Kap. Dies erinnert an die fehlende Unterst\u00fctzung des<br \/> Restkontinents f\u00fcr S\u00fcdafrikas Bestreben, einen st\u00e4ndigen Sitz im<br \/> Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu erlangen.<br \/> Auch auf anderen Feldern wurden S\u00fcdafrikas demokratisch<br \/> gew\u00e4hlter Regierung schon fr\u00fch die Grenzen der Gefolgschaft<br \/> aufgezeigt: 1993 hatte Pr\u00e4sident Nelson Mandela in einem Foreign<br \/> Affairs-Artikel die grundlegenden Werte benannt, die von nun<br \/> an S\u00fcdafrikas Au\u00dfenpolitik leiten sollten: Schutz der Menschenrechte,<br \/> die Verbreitung der Demokratie, gewaltfreie Konfliktl\u00f6sungen,<br \/> verst\u00e4rkte regionale und internationale Kooperation und<br \/> die Hinwendung zum afrikanischen Kontinent.3 Die Verbreitung<br \/> von Demokratie und Menschenrechten sollte nach der erfolgreichen<br \/> Transition den St\u00fctzpfeiler der eigenen Au\u00dfenpolitik bilden.<br \/> Der Anti-Apartheidsbonus bedeutete jedoch keineswegs<br \/> automatisch die Unterst\u00fctzung der s\u00fcdafrikanischen Positionen.<br \/> Als ein fr\u00fches Schl\u00fcsselereignis kann die Reaktion gelten,<br \/> als Pr\u00e4sident Mbeki 1995 das nigerianische Abacha-Regime<br \/> wegen der Exekution des Aktivisten Ken Saro-Wiwa und acht<br \/> seiner Mitstreiter \u00f6ffentlich anprangerte und den s\u00fcdafrikanischen<br \/> Botschafter aus Nigeria abzog. Die Frage nach der Identit\u00e4t<br \/> S\u00fcdafrikas und in welchem Ausma\u00df das Land wirklich ein<br \/> \u201eafrikanischer Staat\u201c oder nicht doch ein \u201eLakai\u201c des Westens sei,<br \/> r\u00fcckte sofort in den Mittelpunkt. Dies gipfelte in der Feststellung<br \/> des damaligen nigerianischen Au\u00dfenministers, S\u00fcdafrika<br \/> sei \u201eein wei\u00dfes Land mit einem schwarzen Pr\u00e4sidenten\u201c.4<br \/> Auch auf milit\u00e4rischem Gebiet wurden die Begrenzungen<br \/> s\u00fcdafrikanischer Vorherrschaft deutlich. Im September<br \/> 1998 marschierten 600 s\u00fcdafrikanische Soldaten im kleinen<br \/> Nachbarstaat Lesotho ein, um gewaltsame Ausschreitungen<br \/> nach umstrittenen Parlamentswahlen zu beenden. \u201eOperation<br \/> Boleas\u201c wurde zwar durch 200 Soldaten aus Botswana unterst\u00fctzt<br \/> und schnell als SADC-Einsatz ausgewiesen. Das de facto<br \/> unilaterale Vorgehen wurde von anderen Nachbarn jedoch als<br \/> Apartheid-\u00e4hnliche Intervention kritisiert und verminderte die<br \/> regionale Akzeptanz von S\u00fcdafrikas F\u00fchrerschaft.<br \/> Zudem verfolgen die Staatschefs anderer L\u00e4nder wie<br \/> Simbabwe und Angola, sowie auf kontinentaler Ebene Libyen<br \/> oder Nigeria, eigene hegemoniale Interessen. Als Beispiel kann<br \/> die Rivalit\u00e4t zwischen S\u00fcdafrika und Simbabwe um die F\u00fchrerschaft<br \/> im SADC-Organ f\u00fcr Politik, Verteidigung und Sicherheit<br \/> gelten. Im subsaharischen Afrika wird oftmals Nigeria,<br \/> das ebenfalls stark in AU-Friedensmissionen engagiert ist, als<br \/> Sprecher Afrikas gesehen.<br \/> Schlie\u00dflich bestehen in Wirtschafts- und Handelsfragen<br \/> Interessengegens\u00e4tze. S\u00fcdafrika hat in diesem Bereich sehr<br \/> viel h\u00e4ufiger ohne R\u00fccksichtnahme gehandelt als in anderen<br \/> Politikfeldern. So weigerte sich das Land im Dezember 2007,<br \/> das Wirtschaftspartnerschafts-Abkommen (Economic Partnership<br \/> Agreement, EPA) zu unterzeichnen, das die anderen<br \/> Partner der Southern Africa Customs Union (SACU) mit der<br \/> EU ausgehandelt hatten. Die Regierung erkl\u00e4rte, dass wesentliche<br \/> Teile des Abkommens dem Land die Freiheit bei der Gestaltung<br \/> seines Handelsregimes nehmen w\u00fcrden und somit der<br \/> heimischen Wirtschaft schaden k\u00f6nnten. Bereits im Jahr 1999<br \/> hatte S\u00fcdafrika ein bilaterales Freihandelsabkommen mit der<br \/> EU unterzeichnet, ohne seine Partner zu konsultieren. Dieses<br \/> Vorgehen verstie\u00df gegen Artikel 31 des SACU-Abkommens, in<br \/> dem es hei\u00dft: \u201ekein Mitgliedsstaat soll ohne die Zustimmung<br \/> der anderen Mitgliedsstaaten neue Handelsabkommen mit<br \/> Drittparteien aushandeln oder abschlie\u00dfen oder existierende<br \/> Abkommen ver\u00e4ndern.\u201c<br \/> Bei den Nachbarn besteht erhebliches Misstrauen, dass<br \/> S\u00fcdafrika mit seiner dominanten Industrie den propagierten<br \/> Abbau der Zollgrenzen einseitig zum Vorteil der eigenen<br \/> Gro\u00dfkonzerne ausnutzen k\u00f6nnte. So sind die SADC-Zollunion<br \/> und -Freihandelszone vor allem im Interesse der s\u00fcdafrikanischen<br \/> Industrie, die mehr als zwei Drittel des gesamten BIPs<br \/> der SADC erwirtschaftet und zur Expansion in andere Staaten<br \/> f\u00e4hig ist. So sch\u00fctzte das Land seine heimische Textilindustrie<br \/> \u00fcber nicht tarif\u00e4re Handelshemmnisse (Ursprungsregeln)<br \/> gegen\u00fcber Importen aus anderen SADC-L\u00e4ndern, w\u00e4hrend<br \/> die Regierung gleichzeitig massiv auf den Abbau der Z\u00f6lle<br \/> dr\u00e4ngte. Vor allem im Bereich Handel und Wirtschaft wird der<br \/> F\u00fchrungsanspruch \u00e4u\u00dferst misstrauisch betrachtet, die Bereitschaft<br \/> zur Gefolgschaft ist beschr\u00e4nkt.<br \/> Kooperative Hegemonie<br \/> Auf dem afrikanischen Kontinent hat das Land insgesamt in erster<br \/> Linie eine \u201eStrategie der kooperativen Hegemonie\u201c5 verfolgt. Diese<br \/> Strategie beinhaltet, dass die regionale F\u00fchrungsmacht \u00f6ffentliche<br \/> G\u00fcter zur Verf\u00fcgung stellt, also zu einem guten Teil die Lasten f\u00fcr<br \/> Aufbau und Bestand von Institutionen wie AU, NEPAD, SADC<br \/> und SACU tr\u00e4gt. So ist S\u00fcdafrika ein entscheidender Beitragszahler<br \/> f\u00fcr die AU und finanziert das Panafrikanische Parlament<br \/> der Organisation mit Sitz im s\u00fcdafrikanischen Midrand zu einem<br \/> wesentlichen Teil. Ein weiterer Beleg f\u00fcr das regionale Engagement<br \/> S\u00fcdafrikas sind zahlreiche Vermittlungsbem\u00fchungen der<br \/> Pr\u00e4sidenten Mandela und Mbeki in Afrika. Erfolgreich verliefen<br \/> diese in den Konflikten zwischen Angola und Zimbabwe 1994<br \/> und den Krisen in der Demokratischen Republik Kongo seit 1999<br \/> und in Burundi seit 2000, wo der heutige s\u00fcdafrikanische Pr\u00e4sident<br \/> Zuma eine wichtige Rolle spielte. Im AU-Rahmen ist S\u00fcdafrika<br \/> zudem einer der engagiertesten Truppensteller. Zu Beginn<br \/> 2009 stellte die s\u00fcdafrikanische Armee ungef\u00e4hr 3.400 Soldaten<br \/> f\u00fcr UN- und AU-Missionen auf dem afrikanischen Kontinent<br \/> ab. Diese signifikanten Vorleistungen zur Bildung multilateraler<br \/> Organisationen und das Engagement innerhalb der Institutionen<br \/> sind Ausdruck des F\u00fchrungsanspruchs von S\u00fcdafrika auf dem<br \/> gesamten Kontinent. Nach diesem Selbstverst\u00e4ndnis dienen auch<br \/> die massiven Investitionen S\u00fcdafrikas f\u00fcr die Fu\u00dfball-WM 2010<br \/> dem Image des gesamten Kontinents.<br \/> Tats\u00e4chlich ist die Akzeptanz der F\u00fchrungsrolle S\u00fcdafrikas<br \/> im Norden schon immer h\u00f6her gewesen als in Afrika selbst.<br \/> Durch die friedliche Transition, die Beteiligung an multilateralen<br \/> Friedensmission und Entscheidungen wie die Beendigung<br \/> des Apartheid-Atomwaffenprogramms genoss S\u00fcdafrika einen<br \/> hohen Vertrauensvorschuss, den die ANC-Regierung auf globaler<br \/> Ebene nutzte, um als Br\u00fcckenbauer zwischen Nord und S\u00fcd<br \/> und \u2013 zunehmend \u2013 als Sprecher Afrikas zu fungieren. Mit dem<br \/> Begriff der \u201eafrikanischen Wiedergeburt\u201c war Pr\u00e4sident Mbeki<br \/> lange Zeit sehr erfolgreich, den Kontinent auf die Tagesordnung<br \/> internationaler Gipfel zu setzen. Trotz der Kontroversen<br \/> um HIV\/Aids, die Simbabwe-Politik und das Abstimmungsverhalten<br \/> als Nichtst\u00e4ndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats von<br \/> 2007 bis Ende 2008, wo sich S\u00fcdafrika gegen eine Verurteilung<br \/> 5 Vgl. Flemes 2009.<br \/> der Regime in Myanmar, Sudan und Simbabwe wandte, ist die<br \/> Soft Power der Regenbogennation noch immer betr\u00e4chtlich.<br \/> S\u00fcdafrika nach der WM<br \/> Zum ersten Mal findet mit der Fu\u00dfball-WM 2010 ein globales<br \/> Megaevent auf afrikanischem Boden statt. Aufgrund der materiellen<br \/> Kapazit\u00e4ten und des hohen internationalen Ansehens stellt<br \/> sich tats\u00e4chlich die Frage: wer wenn nicht S\u00fcdafrika? Jedoch zeigte<br \/> die Bewerbung um die Ausrichtung der Fu\u00dfball-WM exemplarisch<br \/> auch die Vorbehalte auf dem Kontinent gegen\u00fcber der regionalen<br \/> F\u00fchrungsmacht. Nat\u00fcrlich ist es reine Spekulation, wie sich die<br \/> Fu\u00dfball-WM auf die Innen- und Au\u00dfenpolitik S\u00fcdafrikas auswirken<br \/> und was bleiben wird. Einige Trends lassen sich aber schon jetzt \u2013<br \/> vor Beginn des Fu\u00dfballfests am 11. Juni 2010 \u2013 erkennen:<br \/> Erstens k\u00f6nnte das Gro\u00dfereignis \u2013 einen positiven Verlauf vorausgesetzt<br \/> \u2013 als sinnstiftendes Ereignis zum Nation Building im<br \/> Land beitragen. Angesichts der massiven sozialen Gegens\u00e4tze<br \/> und der augenblicklichen Diskussionen um die Ermordung<br \/> des F\u00fchrers der rechtsradikalen Afrikaner Weerstandsbeweging,<br \/> Eug\u00e8ne Terre\u2019Blanche, w\u00e4re das ein w\u00fcnschenswertes,<br \/> wenngleich unerwartetes Ergebnis.<br \/> Zweitens werden die wirtschaftlichen Effekte beschr\u00e4nkt<br \/> bleiben. Zwar werden Stadien, verbesserte Infrastruktur und<br \/> einige zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze auch nach der WM fortbestehen,<br \/> doch zeigt die Erfahrung anderer Veranstaltungen,<br \/> dass solche Megaevents punktuelle Ereignisse mit hohen<br \/> Kosten und geringen langfristigen Auswirkungen sind.<br \/> Drittens werden die positiven Effekte wohl am ehesten internationaler<br \/> Natur sein. Die Fu\u00dfball-WM erm\u00f6glicht es, Afrika<br \/> auch als Kontinent der guten Nachrichten auf die geistige<br \/> Landkarte im au\u00dferafrikanischen Ausland zu bringen. Zudem<br \/> dokumentiert sie, dass S\u00fcdafrika im gro\u00dfen Konzert der<br \/> aufstrebenden Schwellenl\u00e4nder mitspielen kann \u2013 schlie\u00dflich<br \/> veranstaltete China die vergangene Sommerolympiade und<br \/> Brasilien wird die Fu\u00dfball-WM 2014 ausrichten.<br \/> Vielleicht wird die Fu\u00dfball-WM aber auch einfach ein wundersch\u00f6nes<br \/> Sportfest oder \u2013 gem\u00e4\u00df der dann in S\u00fcdafrika vorherrschenden<br \/> Jahreszeit \u2013 ein afrikanisches Winterm\u00e4rchen.<\/p> <p style=\"text-align: left;\">Literaturverzeichnis<br \/> Daniel, John \/ Lutchman, Jessica (2006): South Africa in Africa: Scrambling for Energy, in: Buhlungu, Sakhela<br \/> u. a. (Hrsg.): State of the Nation, South Africa 2005-2006, Cape Town \/ East Lansing, HSRC Press \/ Michigan<br \/> State University Press, S. 484-509.<br \/> Flemes, Daniel (2009): Regional Power South Africa: Co-operative hegemony constrained by historical<br \/> legacy, in: Journal of Contemporary African Studies 27, S. 135-157.<br \/> Mbeki, Thabo (2004): Presentation to the Fifa Executive Committee on South Africa\u2019s bid for the 2010 Soccer<br \/> World Cup, African National Congress (ANC), Z\u00fcrich 2004. http:\/\/www.anc.org.za\/show.php?doc=ancdocs\/<br \/> history\/mbeki\/2004\/tm0514.html (abgerufen am 14.3.2010).<br \/> Mandela, Nelson (1993): South Africa\u2019s Future Foreign Policy, in: Foreign Affairs 72, S. 86-97.<br \/> Van der Westhuizen, Janis (2009): Has South Africa Lost Its Soft Power?, Washington, DC, Foreign Policy.<br \/> com blog. http:\/\/experts.foreignpolicy.com\/posts\/2009\/04\/10\/has_south_africa_lost_its_soft_power<br \/> (abgerufen am 20.10.2009).<\/p> <div dir=\"ltr\"><span style=\"font-family: Times New Roman; color: #000000; font-size: small;\">Herr Prof. Dr. Lutz Kleinw\u00e4chter<br \/> WeltTrends e. V.<br \/> Waldhornweg 25<br \/> 14480 Potsdam <\/span><\/div> <p style=\"text-align: left;\">","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winterm\u00e4rchen 2010? Die Bedeutung der Fu\u00dfball-WM f\u00fcr S\u00fcdafrika Christian von Soest Panafrikanismus, Internationale Organisationen, Wirtschaftspolitik S\u00fcdafrika hat die Fu\u00dfball-WM im eigenen Land von Anfang an als afrikanisches Projekt pr\u00e4sentiert. 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