{"id":101226,"date":"2013-10-16T14:15:05","date_gmt":"2013-10-16T14:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=101226"},"modified":"2013-10-17T15:02:15","modified_gmt":"2013-10-17T14:02:15","slug":"fundamentaler-wertewandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/fundamentaler-wertewandel-10101226\/","title":{"rendered":"Fundamentaler Wertewandel"},"content":{"rendered":"<div> <p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-101555\" title=\"Forschung gestaltet die Zukunft\" alt=\"Forschung gestaltet die Zukunft\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/95c9f861e7f7705659c5c3b1f22e47c7.png\" width=\"186\" height=\"122\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/95c9f861e7f7705659c5c3b1f22e47c7.png\" \/>TU Berlin: &#8222;Generation 35plus&#8220;: Zwischen hoffnungsfroh und fatalistisch<\/p> <p>Die neue Studie &#8222;Generation 35plus &#8211; Aufstieg oder Abstieg? Hoch-qualifizierte und F\u00fchrungskr\u00e4fte in Wirtschaft und Wissenschaft&#8220; aus dem Fachgebiet Medien- und Geschlechtersoziologie der TU Berlin zeigt, welche Motive die neue F\u00fchrungsgeneration in Wissenschaft und Wirtschaft besch\u00e4ftigt. Die Ergebnisse wurden am 16. Oktober 2013 im Rahmen einer Tagung vorgestellt und diskutiert.<\/p> <p>Selbsterf\u00fcllung, Sinnstiftung und Gestaltungsfreiheit, so lauten die Schlagworte, die angeblich den Wertekanon der so genannten &#8222;generation y&#8220;, der nach 1980 Geborenen, ausmachen. Job, Gehalt, Aufstieg &#8211; diese Generation stellt demnach alles in Frage &#8211; nicht umsonst wird das deutsche y im Englischen so wie das englische Wort &#8222;why&#8220; (warum) ausgesprochen. <!--more-->Ein so fundamentaler Wertewandel passiert jedoch nicht von heute auf morgen. Vorboten m\u00fcssten sich jetzt schon bei der &#8222;Generation 35plus&#8220; feststellen lassen &#8211; der Vorhut der eigentlichen &#8222;generation y&#8220;. Dazu z\u00e4hlen Berufst\u00e4tige, die bereits einige Jahre im Arbeitsleben stecken, bestehende Strukturen kennen und die kommende F\u00fchrungsgeneration darstellen. &#8222;Genau dieser Frage sind wir nachgegangen&#8220;, erz\u00e4hlt Prof. Dr. Christiane Funken, Leiterin des Fachgebiets Medien- und Geschlechtersoziologie an der TU Berlin. In einem Feldvergleich &#8222;Wirtschaft &#8211; Wissenschaft&#8220; haben die wissenschaftli-che Mitarbeiter Sinje H\u00f6rlin und Jan-Christoph Rogge jeweils zwischen 20 und 30 Personen aus den Arbeitsfeldern in Tiefeninterviews zu ihren Erfahrungen, ihren Motiven und ihrer Zukunftsplanung befragt. &#8222;Den Wertewandel als Universalerkl\u00e4rung f\u00fcr die sehr unterschiedlichen Karriere- und Lebensentw\u00fcrfe der j\u00fcngeren Alterskohorten heranzuziehen, ist aus unserer Sicht eine unzutreffende Analyse&#8220;, so das Res\u00fcmee von Prof. Funken.<\/p> <p>Allen Befragten gemeinsam ist, dass sie sich in F\u00fchrungspositionen oder Aufstiegspositionen befinden. Trotz dieser vergleichbaren Ausgangssituation kommt die Studie zu dem klaren Ergebnis: &#8222;Keineswegs ist unter den Angeh\u00f6rigen der &#8222;Generation 35plus&#8220; von gleichen Motiven auszugehen. Vielmehr zeigen sich vielf\u00e4ltige Reaktionen auf den strukturellen Wandel, die aber &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur in Teilaspekten von den Medien aufgegriffen und dann f\u00e4lschlicherweise als umfassender Einstellungs- und Wertewandel etikettiert werden&#8220;, so Prof. Funken. Ein gr\u00f6\u00dferes Bild zu erstellen und die strukturellen Bedingungen der Arbeitswelt mit den Einstellungen der Besch\u00e4ftigten in Bezug zu setzen, ist das Ziel der jetzt abgeschlossenen Untersuchung, deren Ergebnisse die Arbeitsgruppe am 16. Oktober 2013 auf einer gro\u00dfen Abschlusskonferenz in Berlin pr\u00e4sentierte.<\/p> <p>Wirtschaft: &#8222;Kulturvermittler&#8220;, &#8222;Dynamiker&#8220; und &#8222;Entschleuniger&#8220;<\/p> <p>In den Arbeitswelten Wissenschaft und Wirtschaft lassen sich fundamentale Ver\u00e4nderungen beobachten: Beide Felder sind fest im Griff von enormer Beschleunigung, hoher Leistungsverdichtung und einer starken Projektorientierung. W\u00e4hrend allerdings in der Wissenschaft ein zentraler Aspekt &#8211; der drastisch versch\u00e4rfte Wettbewerb &#8211; die Wahrnehmung dominiert, zeigt der Strukturwandel in der Wirtschaft seine Wirkung auf ganz unterschiedliche Weise. &#8222;Unter den F\u00fchrungskr\u00e4ften in der Wirtschaft bilden sich drei Gruppen heraus&#8220;, so TU-Wissenschaftlerin Sinje H\u00f6rlin, &#8222;die wir unter die Schlagw\u00f6rter &#8222;Kulturkritik&#8220;, &#8222;Dynamik&#8220; und &#8222;Entschleunigung&#8220; zusammengefasst haben.&#8220; Die Gruppe der &#8222;Kulturkritischen&#8220; ist stark aufstiegsorientiert, zieht aber oft den Wechsel in ein kleineres oder mittelst\u00e4ndisches Unternehmen in Erw\u00e4gung. &#8222;Ursache ist meist der erlebte Widerspruch zwischen neuen unternehmerischen Leitbildern und den Bedingungen des Konzern-umfelds, die es h\u00e4ufig unm\u00f6glich machen, diesen Leitbildern gerecht zu werden&#8220;, so Sinje H\u00f6rlin. Die ebenfalls karriereambitionierten &#8222;Dynamiker&#8220; haben das unternehmerische Credo der fortw\u00e4hrenden Ver\u00e4nderungsbereitschaft zum Bestandteil ihrer eigenen Identit\u00e4t gemacht und halten sich bewusst alle Optionen offen. Dagegen ziehen die &#8222;Entschleuniger&#8220; die Kon-sequenz aus massiver Leistungsverdichtung und der sich aufl\u00f6senden Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben: Sie setzen ihrer Karriere ein bewusstes Ende. Vor allem die weiblichen F\u00fchrungskr\u00e4fte dieser Gruppe thematisieren die Kluft zwischen einer Arbeitswelt, die von der Flexibilit\u00e4t und der Autonomie ihrer Mitarbeitenden profitiert, ihren Mitarbeitenden aber oft genau diese Selbstbestimmung verweigert. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den F\u00fchrungspositionen in Teilzeit, ein Modell, das nach wie vor auf erhebliche Widerst\u00e4nde st\u00f6\u00dft.<\/p> <p>Wissenschaft: &#8222;Fatalisten&#8220;, &#8222;Hoffnungsvolle&#8220; und &#8222;Spiel-verweigerer&#8220;<\/p> <p>Ganz anders in der Wissenschaft: Hier ist der alles dominierende Faktor die statistisch extrem verschlechterte Karrierechance, die jeden betrifft, der in diesem System arbeitet. Das deutsche Wissenschaftssystem kennt als einziges Karriereziel nach wie vor nur die Professur. &#8222;So sind in den vergangenen Jahren in der Wissenschaft rund 40.000 neue Stellen entstanden &#8211; aber nur rund 400 neue Professuren&#8220;, erl\u00e4utert Jan-Christoph Rogge. &#8222;Diese &#8222;Monodirektionalit\u00e4t&#8220; sowie die Vermassung des wissenschaftlichen Nachwuchs gegen\u00fcber dem minimalen Angebot an F\u00fchrungspositionen, f\u00fchrt zu einer unzumutbaren Belastung aller Angestellten und wirkt innovationsverhindernd&#8220;, ist Prof. Funken \u00fcberzeugt. Einziges strukturierendes Merkmal in der Menge der befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist demnach auch die jeweilige Reaktion des Individuums auf diesen Notstand.<\/p> <p>Auch hier hat die Arbeitsgruppe drei potentielle Grundmuster erkannt und mit den Begriffen &#8222;Fatalisten&#8220;, &#8222;Hoffnungsvolle&#8220; und &#8222;Spielverweigerer&#8220; charakterisiert. Die &#8222;Hoffnungsvollen&#8220; haben einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig entspannten Umgang mit der beruflichen Unsicherheit gefunden und sind aus sich selbst heraus aufstiegsorientiert. Die &#8222;Fatalisten&#8220; sehen sich den Strukturen des Wissenschaftssystems nahezu hoffnungslos ausgeliefert und zeigen eine erzwungene Aufstiegsorientierung. Die &#8222;Spielverweigerer&#8220; dagegen verweigern eine dezidierte Aufstiegsorientierung. &#8222;Ihre Idealvorstellung w\u00e4re ein der Forschung gewidmetes Leben auf einer unbefristeten wissenschaftlichen Stelle &#8211; in der Realit\u00e4t sitzen sie dagegen aber eher auf befristeten Stellen&#8220;, erl\u00e4utert Jan-Christoph Rogge. Alle Befragten in der Gruppe der &#8222;Hoffnungsvollen&#8220; erfahren eine intensive Karriere-F\u00f6rderung. Einerseits durch Mentoren oder Mentorinnen, andererseits durch einen starken privaten Partner, der im besten Falle viele emotionale und finanzielle Unsicherheiten, die der Wissenschaftsbetrieb mitbringt, abfedert. Interessante Nebenerkenntnis: Frauen sind in dieser Gruppe unterrepr\u00e4sentiert. Insgesamt zeigt die Studie klar, dass trotz zahlreicher Programme wie das Professorinnen-Programm des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung oder die forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Aufstieg im Wissenschaftssystem f\u00fcr Frauen nach wie vor weit schwieriger ist als f\u00fcr M\u00e4nner.<\/p> <p>&#8222;Die Attraktivit\u00e4t der Wissenschaft als Beruf hat unter dieser &#8222;Monodirektionalit\u00e4t&#8220; und dem stark versch\u00e4rften Konkurrenzdruck erheblich gelitten&#8220;, ist TU-Professorin Christiane Funken \u00fcberzeugt. &#8222;Der Verbleib in der Wissenschaft ist bei den von uns befragten &#8222;\u00dcberzeugungst\u00e4tern&#8220;, die sich bewusst f\u00fcr die Forschung entschieden haben, keine Frage mehr von Inhalten, sondern von materiellen Zw\u00e4ngen und der privaten Situation. Ob dieser Konkurrenzdruck zu einer Qualit\u00e4tssteigerung in der Wissenschaft f\u00fchrt, darf bezweifelt werden&#8220;, so Prof. Funken. Letztlich steht damit nicht nur die Attraktivit\u00e4t der deutschen Wissenschaft auf dem Spiel, sondern auch ihre Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p> <p>Katharina Jung<\/p> <p>Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Christiane Funken, TU Berlin, Institut f\u00fcr Soziologie, Fachgebiet Kommunikations- und Medienso-ziologie, Geschlechterforschung, Tel.:030\/314-28425, E-Mail:<br \/> christiane.funken@tu-berlin.de<\/p> <p>Die TU Berlin versteht sich als international renommierte Universit\u00e4t in der deutschen Hauptstadt, im Zentrum Europas. Eine scharfe Profilbildung, herausragende Leistungen in Forschung und Lehre, die Qualifikation von sehr guten Absolventinnen und Absolventen und eine moderne Verwaltung stehen im Mittelpunkt ihres Agierens. Ihr Streben nach Wissensvermehrung und technologischem Fortschritt orientiert sich an den Prinzipien von Exzellenz und Qualit\u00e4t.<\/p> <p>Kontakt<br \/> TU Berlin, Stabsstelle Presse, \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Alumni<br \/> Stefanie Terp<br \/> Stra\u00dfe des 17. Juni 135<br \/> 10623 Berlin<br \/> 030\/314-23922<br \/> pressestelle@tu-berlin.de<br \/> <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.tu-berlin.de\" title=\"Technische Universit\u00e4t Berlin\" >http:\/\/www.tu-berlin.de<\/a><\/p> <p>Pressekontakt:<br \/> TU Berlin, Institut f\u00fcr Soziologie, Fachgebiet Kommunikations- und Mediensoziologie<br \/> Prof. Dr. Christiane Funken<br \/> Stra\u00dfe des 17. Juni 135<br \/> 10623 Berlin<br \/> 030\/314-28425<br \/> christiane.funken@tu-berlin.de<br \/> http:\/\/www.pressestelle.tu-berlin.de\/menue\/service_fuer_journalisten\/<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TU Berlin: &#8222;Generation 35plus&#8220;: Zwischen hoffnungsfroh und fatalistisch Die neue Studie &#8222;Generation 35plus &#8211; Aufstieg oder Abstieg? Hoch-qualifizierte und F\u00fchrungskr\u00e4fte in Wirtschaft und Wissenschaft&#8220; aus dem Fachgebiet Medien- und Geschlechtersoziologie der TU Berlin zeigt, welche Motive die neue F\u00fchrungsgeneration in Wissenschaft und Wirtschaft besch\u00e4ftigt. Die Ergebnisse wurden am 16. 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