{"id":101957,"date":"2013-10-18T15:47:55","date_gmt":"2013-10-18T15:47:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=101957"},"modified":"2014-12-31T11:06:28","modified_gmt":"2014-12-31T10:06:28","slug":"umweltkatastrophe-giftmuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/umweltkatastrophe-giftmuell-10101957\/","title":{"rendered":"Umweltkatastrophe Giftm\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment alighnleft alignleft\" title=\"zehntausende Tonnen HCB-durchseuchter Abf\u00e4lle\" alt=\"zehntausende Tonnen HCB-durchseuchter Abf\u00e4lle\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/5b16782dcbcbb20da295d82c81002ece.jpg\" width=\"127\" height=\"127\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/9c6b2d10487b05d44c0b5b21ab88b044.jpg\" \/>Ukrainischer Giftm\u00fcll &#8211; ein polnisches Problem<\/p> <p>Hexachlorbenzol sch\u00e4digt langfristig das Erbgut, und bringt auch den ges\u00fcndesten Menschen irgendwann um. Kein Wunder das niemand diesen Giftm\u00fcll haben m\u00f6chte. Doch bestimmte Menschen werden nicht gesch\u00e4digt &#8211; ganz im Gegenteil: Sie verdienen an jedem Fass. Warum? Das fragen wir uns auch.<br \/> Gdansk, polnische Ostseek\u00fcste. Gesch\u00e4ftig wie immer drehen sich die Frachtkr\u00e4ne der traditionsreichen Hafenstadt. Die hier umgeschlagenen Waren werden auf den riesigen Cargolinern in alle Welt transportiert. Nat\u00fcrlich ist auch der eine oder andere Container dabei, der mehr enth\u00e4lt als das, was die Frachtpapiere aussagen &#8211; aber dieses Problem hat jede Hafenstadt, und besch\u00e4ftigt Zollbeamte weltweit.<\/p> <p><!--more-->W\u00e4hrend allerdings bei Drogen, Alkohol, Zigaretten und anderen Schmuggelwaren den Verd\u00e4chtigen schnell zu Leibe ger\u00fcckt wird, scheinen beim Thema Giftm\u00fcll alle T\u00fcren offen. Doch was hier staatlich sanktionsfrei abgeladen wurde, hat das Potential einer Umweltkatastrophe erster G\u00fcte. Und ganz nebenbei werden einige Menschen unverdient etwas reicher. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr etwas Aufkl\u00e4rungsarbeit.<\/p> <p>Hexachlorbenzol (HCB) &#8211; exakt so giftig wie es sich liest. In den 1940ern als Fungizid f\u00fcr die Getreidewirtschaft auf den Markt gebracht, verbreiteten sich Produktion und Verwendung schnell weltweit. Es dauerte nicht lange und der erste Skandal wurde publik: Zwischen 1955 und 1959 starben in der Region Anatolien (T\u00fcrkei) gesch\u00e4tzt 500 Menschen an einer HCB-Vergiftung, weitere 4.000 erkrankten teils schwer weil sie Brot a\u00dfen, hergestellt aus HCB-behandeltem Getreide. Noch heute leiden die damals Betroffenen unter einer Vielzahl von Sp\u00e4tfolgen.<\/p> <p>Im Jahr 1966 verbaten die Vereinigten Staaten die Nutzung von HCB als Pflanzenschutzmittel, Deutschland folgte 1981. Die Stockholmer Konvention von 2001 (Inkrafttreten 2004) dehnte das Verbot mit (aktuell) 179 ratifizierenden Staaten quasi weltweit aus; HCB geh\u00f6rt seit dem zum &#8222;Dreckigen Dutzend&#8220; &#8211; einer Gruppe sch\u00e4dlicher und langlebiger organischer Schadstoffe.<br \/> Als chemisches Intermediat &#8211; also als Zwischenprodukt in der Herstellungskette anderer Stoffe wie beispielsweise PVC &#8211; ist HCB weiterhin erlaubt, allerdings nur von zugelassenen und registrierten Unternehmen. Ebenfalls weiter zul\u00e4ssig, wenn auch umstritten, ist die Verwendung von HCB als L\u00f6sungsmittel f\u00fcr andere Pestizide. Automatisch stellt sich die Frage, was mit den Resten und Abf\u00e4llen nach Nutzung passiert.<\/p> <p>In Deutschland ist die Verbrennung von HCB in Sonderm\u00fcllverbrennungsanlagen an der Tagesordnung, stellte doch beispielsweise der Bayer Konzern HCB bis in die fr\u00fchen 90er Jahre selbst her. Dass Bau und Betrieb einer solchen Anlage nicht unbedingt g\u00fcnstig sind, versteht sich von selbst. Folglich kann eine Verbrennung von fremdem HCB auch nur gegen Geld stattfinden. Viel Geld.<br \/> In Deutschlands Nachbarland Polen haben sich ebenfalls einige Firmen diese Aufgabe zu Eigen gemacht, und mit der Ukraine einen dankbaren Abnehmer der eigenen Leistung gefunden. In der ehemaligen Sovietrepublik lagern noch immer zehntausende Tonnen HCB-durchseuchter Abf\u00e4lle, welche die vorhandenen Sonderm\u00fcllanlagen nicht annehmen wollen oder k\u00f6nnen. Investitionen in eigene zertifizierte Verbrennungsanlagen sind mangels finanzieller Substanz ebenfalls ausgeschlossen. So bleibt die Exportl\u00f6sung.<\/p> <p>Der Export giftiger Abfallprodukte zur sicheren Endlagerung oder zertifizierten Vernichtung im Ausland ist definitiv nichts Ungew\u00f6hnliches. Das sich die Empf\u00e4nger des Giftes auch nur gegen schn\u00f6den Mammon zur Vernichtung bereiterkl\u00e4ren sollte ebenfalls verst\u00e4ndlich sein.<\/p> <p>Was allerdings auch nicht verwundert, ist die schlichte Tatsache dass nicht jeder Mensch gleichsam vertrauensw\u00fcrdig ist. Paart sich dies mit Gier und einer geh\u00f6rigen Portion Unverfrorenheit, wird es gef\u00e4hrlich f\u00fcr Au\u00dfenstehende:<br \/> Die ukrainische SI BUD Sistem TOV beteiligt sich v\u00f6llig legal an staatlichen Ausschreibungen zum Abtransport und endg\u00fcltigen Vernichtung von HCB-Abf\u00e4llen. In der Vergangenheit wurden solche Ausschreibungen auch gewonnen, und der Abtransport begann &#8211; Ziel: Polen. Was dort allerdings mit dem Gro\u00dfteil der Abf\u00e4lle &#8211; genauer: 22.000 Tonnen(!) &#8211; geschah, war ungewiss. Die Firma konnte weder eine grobe Dokumentation, noch offizielle Dokumente, welche eine Vernichtung nachweisen k\u00f6nnten, vorweisen. Eine offizielle Untersuchung der staatlichen Stellen blieb nicht ohne Ergebnis: Das Unternehmen hat die Abf\u00e4lle nach Polen ausgef\u00fchrt, nur um sie in Gdansk illegal zu deponieren &#8211; nur etwa 100 Meter von der Ostsee entfernt. Theoretisch w\u00fcrde ein Starkregen gen\u00fcgen, um die Giftstoffe ins Meer zu sp\u00fclen.<\/p> <p>Die Tatsache, dass die toxischen HCB-Abf\u00e4lle in unzureichenden Beh\u00e4ltnissen (durchrostete F\u00e4sser, undichte Plastikbeutel) transportiert wurden, warf nat\u00fcrlich die Frage auf, was mit gebrochenen Beh\u00e4ltern, gerissenen Beuteln und Leckagen passierte. Auch hierauf konnte keine Antwort gegeben werden. Sicher scheint nur eines: Die ukrainische Regierung hat Geld f\u00fcr eine Leistung gezahlt, die sie so niemals erhielt.<\/p> <p>Aber aus Fehlern lernt der Mensch. Normaler Weise. Allerdings gibt es auch unbelehrbare Mitmenschen: Exakt das Unternehmen, welches nachweislich Schindluder mit den \u00fcbertragenen Aufgaben treibt, nimmt erneut an diesen staatlichen Ausschreibungen teil &#8211; und gewinnt. Diese Logik kann und will man als Au\u00dfenstehender nicht verstehen. Und ist nicht alleine: Die damaligen Inspektoren bem\u00fchen sich um Medienbeteiligung, um den Druck auf die betreffenden Stellen, sowohl in den beteiligten Unternehmen wie auch in der Regierung selbst, drastisch zu erh\u00f6hen.<\/p> <p>Die Umweltschutzorganisation Greenpeace &#8211; hier stellvertretend genannt f\u00fcr viele andere ebenfalls beteiligte Netzwerke und Organisationen &#8211; lief bereits Sturm. Der EU-Kommission liegen Anfragen vor, ob, wann und wie endlich eingeschritten wird. Aber auch in Br\u00fcssel windet man sich, schweigt sich eloquent aus.<\/p> <p>Und w\u00e4hrend augenscheinlich niemand auch nur auf dem Papier Kontakt zu dieser tickenden chemischen Zeitbombe haben m\u00f6chte, werden die Beh\u00e4ltnisse instabiler, mehr Giftstoffe werden freigesetzt, und verteilen sich langsam aber sicher im Gel\u00e4nde. Zum Meer ist es nicht mehr weit.<\/p> <p>Scheinbar e.V. wurde als die Stimme vieler kleiner Umweltgruppierungen 2013 in Berlin gegr\u00fcndet. Wir verstehen uns als gemeinn\u00fctzige PR- und Presseagentur, und erm\u00f6glichen auch &#8211; nach Pr\u00fcfung &#8211; die Ver\u00f6ffentlichung von Artikeln zu Randthemen.<\/p> <p>Kontakt:<br \/> Scheinbar e.V.<br \/> Tatjana Scheiner<br \/> Unter den Linden 28<br \/> 10117 Berlin<br \/> +4915757091973<br \/> redaktion@scheinbarev.de<br \/> http:\/\/www.scheinbarev.de<\/p> <p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukrainischer Giftm\u00fcll &#8211; ein polnisches Problem Hexachlorbenzol sch\u00e4digt langfristig das Erbgut, und bringt auch den ges\u00fcndesten Menschen irgendwann um. Kein Wunder das niemand diesen Giftm\u00fcll haben m\u00f6chte. Doch bestimmte Menschen werden nicht gesch\u00e4digt &#8211; ganz im Gegenteil: Sie verdienen an jedem Fass. Warum? Das fragen wir uns auch. Gdansk, polnische Ostseek\u00fcste. 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