{"id":122626,"date":"2014-01-21T15:38:41","date_gmt":"2014-01-21T14:38:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=122626"},"modified":"2014-01-21T15:38:41","modified_gmt":"2014-01-21T14:38:41","slug":"das-leid-und-elend-der-fuechse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/das-leid-und-elend-der-fuechse-10122626\/","title":{"rendered":"Das Leid und Elend der F\u00fcchse"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-122627\" title=\"Bestandsdezimierung bei F\u00fcchsen\" alt=\"Bestandsdezimierung bei F\u00fcchsen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/2edbf5f852e8b8e65bf52b3da2e5ae5e.jpg\" width=\"160\" height=\"120\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/0b1638318516dc298acea59639c7a243.jpg\" \/>Derzeit ist wieder Jagdsaison &#8211; und damit entfacht die Diskussion um Sinn und Unsinn der Jagd in unserer \u00dcberflussgesellschaft auf&#8217;s Neue. Das Deutsche Tierschutzb\u00fcro hat sich mit den Argumenten der J\u00e4ger auseinandergesetzt und liefert dar\u00fcber hinaus Fakten und Forschungsergebnisse.<\/p> <p><!--more-->Seit einigen Wochen rufen Hegeringleiter wieder zu sogenannten Fuchswochen auf! \u00dcber den Zeitraum einiger Tage sollen J\u00e4ger gemeinsam und revier\u00fcbergreifend dem Fuchs &#8222;nachstellen&#8220;. Das geschieht zu einer Zeit, in welcher die Fuchsr\u00fcden um die Gunst der F\u00e4hen werben.<\/p> <p>Niemals ist der Fuchs so unvorsichtig wie w\u00e4hrend der Paarungszeit &#8211; die J\u00e4ger sprechen von der &#8222;Ranz&#8220; &#8211; auch wegen der Spuren im Schnee ist Reineke dann f\u00fcr den J\u00e4ger eine leichte Beute. W\u00e4hrend dieser Zeit sind aber auch viele F\u00e4hen schon schwanger &#8211; mit der Konsequenz, dass sp\u00e4ter im Jahr zahlreiche Jungtiere verhungern, weil der R\u00fcde nicht mehr zur Ern\u00e4hrung beitragen kann; er ist tot.<\/p> <p>Das vermeintliche Ziel ist die Reduzierung des Fuchsbestandes. Den Fuchs will man klein halten, um Krankheiten unter den Tieren vorzubeugen und Restbest\u00e4nde von Rebh\u00fchnern und Auerh\u00e4hnen zu sch\u00fctzen. Wissenschaft und Forschungsberichte kommen zu anderen Schl\u00fcssen: Die Jagd beg\u00fcnstige hohe Fuchsbest\u00e4nde und habe keinen oder nur marginalen Einfluss auf den Bestand von Bodenbr\u00fctern.<\/p> <p>Entgegen der Behauptungen von J\u00e4gern spielen auch vom Fuchs ausgehende Krankheiten f\u00fcr den Menschen und sein Umfeld nur eine untergeordnete Rolle. Die Tollwut ist ausgemerzt, die Wahrscheinlichkeit sich \u00fcber den Fuchsbandwurm zu infizieren ist weitaus geringer als ein 6er im Lotto (Daten zu Neuerkrankungen durch den Fuchsbandwurm beim Robert-Koch-Institut).<br \/> Die Jagd spielt hinsichtlich der Pr\u00e4vention \u00fcberhaupt keine Rolle &#8211; eher ist das Gegenteil der Fall, dass durch die Jagd Krankheiten unter unseren F\u00fcchsen noch verbreitet werden.<\/p> <p>Wildtierschutz Deutschland ist der Meinung, dass es keinen sachlichen Grund gibt, F\u00fcchse zu jagen. &#8222;Wir halten es f\u00fcr moralisch zutiefst verwerflich, diese anmutigen Tiere letztlich nur zu t\u00f6ten, nur um seinen Spa\u00df gehabt zu haben&#8220;, so Lovis Kauertz, der Pressesprecher der Organisation.<\/p> <p>Nachfolgend u.a. einige Fundstellen aus der Forschung:<\/p> <p>&#8211; Bestandsregulierung: Durch den jagdlichen Eingriff in den Fuchsbestand wird dieser keineswegs reduziert. J\u00e4ger erreichen dadurch lediglich, dass die durchschnittliche Anzahl der Nachkommen von verbleibenden F\u00e4hen etwa dreimal so hoch ist, wie in unbejagten Revieren. Im Nationalpark Bayerischer Wald &#8211; hier werden Beutegreifer nicht bejagt &#8211; liegt der durchschnittliche Nachwuchs pro F\u00e4he bei 1,8 Welpen (Quelle: Forschungsberichte Bayerischer Nationalpark).<\/p> <p>Hinzu kommt, dass leer geschossene Reviere schnell durch zugewanderte F\u00fcchse besetzt werden. Damit einher geht das Risiko des Einschleppens von Krankheiten. Die Fuchsjagd destabilisiert das Sozialgef\u00fcge des vorhandenen Fuchsbestandes und f\u00fchrt im Hinblick auf das Ziel Bestandsregulierung allenfalls dazu, dass im kommenden Jahr wieder genauso viele F\u00fcchse in heiterer Runde abgeknallt werden k\u00f6nnen. Ein kontinuierlicher Verzicht auf die Fuchsjagd w\u00fcrde dagegen zu einer langfristig stabilen und gesunden Fuchspopulation f\u00fchren &#8211; der als Fuchsexperte geltende Biologe Erik Zimen beschrieb das Ph\u00e4nomen der f\u00fcchsischen Geburtenregulierung mit den Worten &#8222;Geburtenbeschr\u00e4nkung statt Massenelend&#8220;.<\/p> <p>&#8211; Tollwut: Deutschland ist frei von terrestrischer Tollwut. Da sich kein Tollwuterreger in den Fuchsbest\u00e4nden befindet, kann dieser sich auch nicht mehr verbreiten. Das Argument, die Jagd k\u00f6nne durch Bestandsregulierung die erneute Ausbreitung der Tollwut verhindern, ist nicht nur deshalb falsch, sondern auch weil mittels der Jagd eine dauerhafte Bestandsregulierung nicht stattfindet, die Sozialgef\u00fcge der F\u00fcchse zerst\u00f6rt werden, die Best\u00e4nde anf\u00e4llig f\u00fcr Krankheiten werden.<\/p> <p>&#8211; Fuchsbandwurm: Es gibt nicht einen wissenschaftlich haltbaren Beleg daf\u00fcr, dass sich die Jagd positiv auf die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm auswirkt. Eher ist das Gegenteil der Fall, da das Risiko der Einschleppung durch infizierte F\u00fcchse besteht (siehe oben). Der Fuchsbandwurm kann dauerhaft nur durch Entwurmung auf fast Null reduziert werden (FH Weihenstephan \/ TU M\u00fcnchen).<\/p> <p>&#8211; Der Fuchs als vermeintliche Gefahr f\u00fcr Bodenbr\u00fcter &#8211; es gibt einige wenige Beispiele daf\u00fcr, dass auf sehr kleinem, abgeschlossenem Territorium (z.B. Friesische Inseln) die Fuchsjagd mit gro\u00dfem Aufwand neben der intensiven Biotop-Pflege zu geringerer Pr\u00e4dation von Bodenbr\u00fcterbest\u00e4nden gef\u00fchrt hat. In aller Regel jedoch hat die Bejagung des Fuchses fast \u00fcberhaupt keine Auswirkung auf die Pr\u00e4dation von Bodenbr\u00fctern. Hierzu und zur Bestandreduzierung von Pr\u00e4datoren im Allgemeinen finden sich bei Langgemach, T. &amp; J. Bellebaum 2005 zahlreiche Belege:<\/p> <p>&#8211; &#8222;Diese Schwierigkeiten auf Inseln deuten an, wie viel schwieriger es auf dem Festland bei uneingeschr\u00e4nkter Zuwanderung ist, Raubs\u00e4uger zu reduzieren. Die Ausbreitung und rapide Bestandszunahme von Marderhund und Waschb\u00e4r wurden auch durch eine Bejagung ohne Schonzeit nicht ansatzweise verhindert, wahrscheinlich nicht einmal verlangsamt.&#8220;<\/p> <p>&#8211; &#8222;F\u00fcr den Fuchs nehmen HEYDON &amp; REYNOLDS (2000) an, dass die in Gro\u00dfbritannien \u00fcblichen Formen der Bek\u00e4mpfung, die deutlich weiter gehen als die deutschen Jagdmethoden, die Dichte regional begrenzen k\u00f6nnen. Nach HEWSON (1986) dagegen konnten vergleichbare Methoden die Fuchsfamiliendichten in einem schottischen Gebiet nicht verringern.&#8220;<\/p> <p>&#8211; &#8222;Auch bei Zahlung von Abschusspr\u00e4mien an J\u00e4ger lie\u00dfen sich tollwutfreie Fuchsbest\u00e4nde nach der Erfahrung in verschiedenen L\u00e4ndern nicht nachhaltig reduzieren (z. B. Schweiz: KAPHEGYI &amp; BREITENMOSER 1995; Australien: ANONYMUS 2003).&#8220;<\/p> <p>&#8211; &#8222;In anderen L\u00e4ndern ist mehrfach versucht worden, zumindest lokal die relevanten Pr\u00e4datoren zu dezimieren, wobei die meist jagdlich motivierten Ma\u00dfnahmen die Vernichtung einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Zahl potenzieller Nestr\u00e4uber (v. a. Raubs\u00e4uger und Rabenv\u00f6gel) unabh\u00e4ngig von deren Anteilen an Nestverlusten anstrebten, z. B. in der nordamerikanischen Pr\u00e4rie (SARGEANT et al. 1995; SOVADA et al. 2001) oder in England (z. B. TAPPER et al. 1996). Die meisten Ma\u00dfnahmen konnten wenigstens die Bruterfolge steigern, aber nur selten die Brutbest\u00e4nde im darauffolgenden Fr\u00fchjahr (\u00dcbersicht: C&#8220;T &amp; SUTHERLAND 1997).&#8220;<\/p> <p>&#8211; &#8222;An der Ostseek\u00fcste Schleswig-Holsteins hat die Fuchsbejagung in Schutzgebieten die Pr\u00e4senz von F\u00fcchsen nicht merklich verringert. Auf dem Graswarder blieb z. B. die Pr\u00e4dation auf Gelege und Jungv\u00f6gel der Sturmm\u00f6we unver\u00e4ndert hoch (KUBETZKI 2002). Am Bottsand wurden Erfolge nur erzielt, wenn gleichzeitig ein Elektrozaun betrieben wurde (BEHMANN 1998).&#8220;<\/p> <p>&#8211; &#8222;In Deutschland fanden Versuche zur Fuchsreduzierung bisher gew\u00f6hnlich mit Hilfe der \u00f6rtlichen Jagdp\u00e4chter statt. Trotz gesteigerter Absch\u00fcsse in Projektgebieten wurden aber keine oder nur kurzfristige Erfolge erzielt. Auch bei intensiver Kooperation mit den J\u00e4gern und Zahlung von Pr\u00e4mien \u00fcber zehn Jahre in zwei Trappenschongebieten in Brandenburg lie\u00dfen sich keine messbaren Ver\u00e4nderungen der Pr\u00e4dationsverluste erzielen (SCHWARZ et al. 2005).&#8220;<\/p> <p>Kauertz weiter: &#8222;Fuchsjagd ist eine reine Spa\u00df-Jagd auf eines unserer sch\u00f6nsten Wildtiere. Sie zerst\u00f6rt Sozialgef\u00fcge, erh\u00f6ht das Krankheitsrisiko der Tiere und tr\u00e4gt nicht zu einer Reduzierung der Best\u00e4nde bei. Die Jagd f\u00fchrt unter den verbleibenden F\u00fcchsen vielmehr zu Leid und Elend, sie ist Tierqu\u00e4lerei und w\u00fcrde &#8211; wenn nicht die &#8222;weidgerechte&#8220; Jagd vom Tierschutz ausgenommen w\u00e4re &#8211; den Kriterien des Tierschutzgesetzes nicht standhalten.&#8220;<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/\" title=\"Respekt aus Sympathie\" >http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<\/a><br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit ist wieder Jagdsaison &#8211; und damit entfacht die Diskussion um Sinn und Unsinn der Jagd in unserer \u00dcberflussgesellschaft auf&#8217;s Neue. 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