{"id":126084,"date":"2014-01-31T15:19:44","date_gmt":"2014-01-31T14:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=126084"},"modified":"2014-01-31T15:19:44","modified_gmt":"2014-01-31T14:19:44","slug":"ns-raubkunst-fachveranstaltung-in-koeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/ns-raubkunst-fachveranstaltung-in-koeln-10126084\/","title":{"rendered":"NS-Raubkunst &#8211; Fachveranstaltung in K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-126085\" title=\"Fachveranstaltung begr\u00fc\u00dfte im Wallraf-Richartz-Museum\" alt=\"Fachveranstaltung begr\u00fc\u00dfte im Wallraf-Richartz-Museum\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/29218512e8be5cdf396a7793fb334131.jpg\" width=\"139\" height=\"104\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/6a282c79032b81eb9ddc5753d74a7306.jpg\" \/>Geraubte Kunst &#8211; Nicht erst seit dem j\u00fcngsten Fund in einer M\u00fcnchner Wohnung Ende vergangenen Jahres ist dieses Thema von \u00f6ffentlichem Interesse. Als &#8222;entartet&#8220; beschlagnahmt, wurden viele Kunstsch\u00e4tze unter dem Nazi-Regime in windige Kan\u00e4le geschleust und finden nun schwer Ihre rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer. Zum 14. Deutschen Kunstsachverst\u00e4ndigentag trafen sich rund 100 Vertreter der Fachwelt in K\u00f6ln.<\/p> <p><!--more-->&#8222;Raub- und Beutekunst &#8211; dieses Thema ist auch rund siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hochbrisant&#8220;, so BVS-Pr\u00e4sident Willi Schmidbauer in seiner Er\u00f6ffnungsrede zum 14. Deutschen Kunstsachverst\u00e4ndigentag in K\u00f6ln. Der BVS (Bundesverband der \u00f6ffentlich bestellten und vereidigten sowie qualifizierten Sachverst\u00e4ndigen e. V.) als Initiator und Ausrichter der Fachveranstaltung begr\u00fc\u00dfte im Wallraf-Richartz-Museum rund 100 Teilnehmer der Fachwelt. &#8222;Insbesondere wurden j\u00fcdische Kunsth\u00e4ndler und Galeristen w\u00e4hrend des NS-Terrorregimes enteignet. Die erbeuteten und als entartete Kunst deklarierten Gegenst\u00e4nde wurden verschleppt und verkauft &#8211; der Erl\u00f6s vielfach als harte Kriegsdevisen eingesetzt. Auch heute noch sind Restitutionen ein langwieriger Prozess&#8220;, so Schmidbauer weiter. Gerade am Holocaust-Gedenktag sei Reflektion wichtig. Der BVS verpflichte sich daher mit seinem Leitbild f\u00fcr die Sachverst\u00e4ndigent\u00e4tigkeit seiner Mitglieder zu h\u00f6chsten Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen. Die im BVS organisierten Mitglieder des Fachbereiches Kunst, Antiquit\u00e4ten und Juwelen seien aufgrund der Bestellung und des BVS-Leitbildes insbesondere verpflichtet, mit diesem sensiblen Thema gewissenhaft umzugehen.<\/p> <p>Raub- und Beutekunst. Hier nahm Dr. Frithjof Hampel, der als Mitorganisator in seiner Funktion als Bundesfachbereichsleiter des BVS f\u00fcr Kunst, Antiquit\u00e4ten und Juwelen den Kunstsachverst\u00e4ndigentag leitete, zun\u00e4chst eine Differenzierung der beiden Begriffe vor, die in der \u00d6ffentlichkeit nicht immer sauber getrennt werden. Die im Dritten Reich erbeuteten Kunstgegenst\u00e4nde &#8211; teils durch Enteignung, teils durch widerrechtlich erwirkte Zwangsversteigerung mit anschlie\u00dfendem Einzug des Versteigerungserl\u00f6ses &#8211; werden als Raubkunst bezeichnet. Unter dem Begriff Beutekunst werden alle k\u00fcnstlerischen und gestalterischen Werke zusammengefasst, die von den Alliierten aus Deutschland verbracht worden sind. Nicht zuletzt der aktuelle Fall Cornelius Gurlitt, in dessen Schwabinger Wohnung rund 1.400 Gem\u00e4lde, Zeichnungen und Aquarelle gefunden wurden, zeigt, dass das Thema Raub- und Beutekunst noch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen ist.<\/p> <p>So berichtete der Jurist und Kunstforscher Dr. Willi Korte, bekannt durch die R\u00fcckf\u00fchrung des Quedlinburger Domschatzes, am Beispiel des j\u00fcdischen Kunsth\u00e4ndlers Max Stern, wie dessen Kunstwerke in seiner D\u00fcsseldorfer Galerie von den Nazis beschlagnahmt wurden. Ver\u00e4u\u00dfert wurden die Gem\u00e4lde, darunter auch das mit dem Titel &#8222;M\u00e4dchen aus den Sabiner Bergen&#8220; von Franz Xaver Winterhalter, 1937 \u00fcber das traditionsreiche Kunstauktionshaus Lempertz in K\u00f6ln. Im Jahr 2005 wurde das Gem\u00e4lde in einem US-Auktionshaus angeboten. Korte, von Sterns Testamentvollstrecker beauftragt, erreichte nach einer juristischen Auseinandersetzung vor US-amerikanischen Gerichten durch mehrere Instanzen, dass das Bild als &#8222;diebstahlsm\u00e4\u00dfig schon damals entzogen worden&#8220; bezeichnet wurde und daher nach geltendem US-amerikanischen Recht nicht versteigert werden k\u00f6nne. Hier zeigte Korte klar den Unterschied zur deutschen Gesetzgebung auf, die keine besonderen Regelungen zur Restitution von Raubkunstgegenst\u00e4nden kennt. Insbesondere dadurch erschwere und verz\u00f6gere sich immer wieder die R\u00fcckf\u00fchrung von Kunstgegenst\u00e4nden zu ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzern, meist den Enkeln, auch wenn Deutschland die Washingtoner Erkl\u00e4rung unterschrieben habe, so Korte. Dieses 1998 getroffene Abkommen ist eine die Unterzeichnerstaaten rechtlich nicht bindende \u00dcbereinkunft, um w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus geraubte Kunstwerke zu identifizieren, deren Vorkriegseigent\u00fcmer oder deren Erben ausfindig zu machen und eine &#8222;gerechte und faire L\u00f6sung&#8220; zu finden.<\/p> <p>Einblicke in die aktuelle Provenienzforschung gab Wolfgang Sch\u00f6ddert, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Berlinischen Galerie. &#8222;Provenienzforschung zur Umsetzung der Washingtoner Prinzipien und der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung ist f\u00fcr die Sammlung der Berlinischen Galerie auch Kontextforschung. Berlin besa\u00df deutschlandweit die ehemals gr\u00f6\u00dfte Dichte an Kunstsammlern und -h\u00e4ndlern. Herkunftsrecherchen zu Werken aus der Berliner Sezession, der Novembergruppe, der DADA-Bewegung und von anderen K\u00fcnstlern der Moderne f\u00fchren tief in die gepr\u00e4gte Kunstwelt des jungen 20. Jahrhunderts hinein und damit zu einem Kernthema des Museums&#8220;, so Sch\u00f6ddert. Unter den vielf\u00e4ltigen Best\u00e4nden dieser Abteilung sei auch der Nachlass des Galeristen Ferdinand M\u00f6ller, der ab 1938 auch zu den H\u00e4ndlern &#8222;entarteter&#8220; Kunst z\u00e4hlte und heute einen besonderen Stellenwert hat. Seit 2006 wird in den K\u00fcnstler-Archiven untersucht, wann M\u00f6ller welche Kunstwerke gehandelt hat und wer seine Kunden waren. Die Erschlie\u00dfung dieser Unterlagen, die 2008 eines der ersten langfristig gef\u00f6rderten Projekte der Arbeitsstelle f\u00fcr Provenienzforschung beim Institut f\u00fcr Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin &#8211; Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz &#8211; wurde, hat inzwischen Informationen zu rund 8.000 Kunstwerken erbracht und die Suche nach NS-Raubkunst bereits vielfach unterst\u00fctzt, f\u00fchrte Sch\u00f6ddert aus.<\/p> <p>Ein weiteres Beispiel gab der Provenienzforscher Jan Thomas K\u00f6hler anhand der Sammlung Goudstikker. Jacques Goudstikker, der zu den renommiertesten Kunsth\u00e4ndlern f\u00fcr niederl\u00e4ndische und fl\u00e4mische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts z\u00e4hlte, dokumentierte seinen Kunstbestand vor dessen Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten nach der Besetzung der Niederlande. Den gr\u00f6\u00dften Teil davon beschlagnahmte Hermann G\u00f6ring f\u00fcr seine Privatsammlung. Die Bem\u00fchungen der Erben um die Wiedererlangung des Kunstbesitzes gilt weltweit als eine der gr\u00f6\u00dften Kunst-Restitutionsf\u00e4lle.<\/p> <p>Mehr Transparenz bei der Aufkl\u00e4rung forderte Dr. Andrea Baresel-Brand in ihren Ausf\u00fchrungen zur Dokumentation von NS-Raubkunst und Beutekunst. Die Leiterin der Koordinierungsstelle Magdeburg f\u00fcr Kulturdokumentation und Kulturgutverluste h\u00e4lt es f\u00fcr eine wichtige Notwendigkeit, wieder den Menschen in den Mittelpunkt des Geschehnisses zu r\u00fccken. Lostart.de ist die zentrale deutsche \u00f6ffentliche Koordinierungsstelle und Serviceeinrichtung f\u00fcr Kulturgutdokumentation und Kulturgutverluste. \u00dcber www.lostart.de werden Such- und Fundmeldungen zu im Rahmen der NS-Verfolgung entzogenen Kulturg\u00fctern und kriegsbedingt verbrachten Kulturg\u00fctern dokumentiert und zusammengef\u00fchrt.<\/p> <p>Der Direktor der Schl\u00f6sser und Sammlungen der Direktionsstiftung Preu\u00dfische Schl\u00f6sser und G\u00e4rten, Dr. Samuel Wittwer, erkl\u00e4rte aus der Sicht eines Museums das Thema Beutekunst. Nicht nur das NS-Regime beschlagnahmte Tausende von Kunstgegenst\u00e4nden. Auch die Besatzer schafften ebenso zahlreich Gem\u00e4lde, Porzellan, M\u00f6bel und andere Kunstsch\u00e4tze als Beute aus Deutschland. Die R\u00fcckf\u00fchrung dieser Kunstsch\u00e4tze erweist sich als ebenso aufwendig und zeitintensiv. Insbesondere muss auch hier sensibel mit dem Thema umgegangen werden, erkl\u00e4rte Wittwer.<\/p> <p>Als bis heute skandal\u00f6s bezeichnete der Journalist und Autor Stefan Koldehoff den in Deutschland etablierten Umgang mit NS-Raubkunst. Nach Auffassung Koldehoffs habe es der Gesetzgeber bis heute verpasst, das Kapitel Raubkunst anzugehen. Arbeiteten nahezu alle Berufsgruppen die Nazizeit auf, so sei der Bereich Kunst und Kunsthandel offenbar immer noch nicht hierzu bereit, erkl\u00e4rte der Redakteur von Kultur heute. Insbesondere das mangelnde Unrechtsbewusstsein und die fehlende gesetzliche Grundlage sind nach Koldehoff Basis daf\u00fcr, dass bis heute immer noch mit Bildern aus der NS-Raubkunst gehandelt werde. So zeige auch der aktuelle Fall Gurlitt, dass dieser l\u00e4ngst und auch ganz offiziell als Kunsth\u00e4ndler gef\u00fchrt worden sei und auch eine Recherche schon viel fr\u00fcher m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Dennoch betonte der Kulturredakteur auch, dass er hier nicht &#8222;alle \u00fcber einen Kamm scheren wolle&#8220;. Denn das Engagement zahlreicher Institutionen, Museen und weiterer Einrichtungen zu diesem sensiblen Thema ist anzuerkennen.<\/p> <p>Das Schlusswort richtete Dr. Frithjof Hampel als \u00f6ffentlich bestellter und vereidigter Kunstsachverst\u00e4ndiger an die Teilnehmer und speziell an seine Kollegen: &#8222;Die Veranstaltung zeigt, wie wichtig nach wie vor das Thema Raubkunst und Beutekunst ist, insbesondere f\u00fcr uns Kunstsachverst\u00e4ndige. Wir bewerten Kunstgegenst\u00e4nde und haben die Verpflichtung, hier nicht nur den Wert und die Echtheit zu bestimmen, sondern dar\u00fcber hinaus auch weiterzudenken und in Hinblick auf Raub- und Beutekunst zu pr\u00fcfen. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus unserem BVS-Leitbild&#8220;<\/p> <p>Weitere Informationen unter <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.bvs-ev.de\" title=\"der BVS \u2013 der Bundesverband \u00f6ffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverst\u00e4ndiger e.V. (BVS).\" >http:\/\/www.bvs-ev.de<\/a><\/p> <p>Informationen zum BVS-Leitbild unter http:\/\/www.bvs-ev.de\/bundesverband\/leitbild-bvs\/<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Bundesverband \u00f6ffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverst\u00e4ndiger e.V. (BVS)<br \/> Willi Schmidbauer<br \/> Charlottenstra\u00dfe 79\/80<\/p> <p>10117 Berlin<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: info@bvs-ev.de<br \/> Homepage: http:\/\/www.bvs-ev.de<br \/> Telefon: 030 255 938-0<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Bundesverband \u00f6ffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverst\u00e4ndiger e.V. (BVS)<br \/> Willi Schmidbauer<br \/> Charlottenstra\u00dfe 79\/80<\/p> <p>10117 Berlin<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: info@bvs-ev.de<br \/> Homepage: http:\/\/www.bvs-ev.de<br \/> Telefon: 030 255 938-0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geraubte Kunst &#8211; Nicht erst seit dem j\u00fcngsten Fund in einer M\u00fcnchner Wohnung Ende vergangenen Jahres ist dieses Thema von \u00f6ffentlichem Interesse. Als &#8222;entartet&#8220; beschlagnahmt, wurden viele Kunstsch\u00e4tze unter dem Nazi-Regime in windige Kan\u00e4le geschleust und finden nun schwer Ihre rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer. Zum 14. 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