{"id":136295,"date":"2014-03-12T15:41:24","date_gmt":"2014-03-12T14:41:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=136295"},"modified":"2014-07-29T06:25:03","modified_gmt":"2014-07-29T05:25:03","slug":"die-listige-nistgemeinschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/die-listige-nistgemeinschaft-10136295\/","title":{"rendered":"Die listige Nistgemeinschaft"},"content":{"rendered":"<p>Was tun, wenn auf der einen Seite ein gef\u00e4hrlicher R\u00e4uber lauert, auf der anderen Seite der einzige Schutz aber darin besteht, diesen durch eine Spezies fernzuhalten, deren Speiseplan man zuoberst ziert? Die scheue Springspinne hat daf\u00fcr einen ausgekl\u00fcgelten Plan entwickelt, nachzulesen in den Forschungsergebnissen von Ximena Nelson von der University of Canterbury in Neuseeland und Robert Jackson von der University of Canterbury.<\/p> <p><!--more-->Scheue Springspinne setzt Ameisen als Bodyguard ein<\/p> <p>Ameisen besch\u00fctzen Springspinnen in ihrem Kampf gegen aggressive Speispinnen<\/p> <p>Um nicht als Beute zu enden, setzt eine scheue Springspinne den Duftstoff von Ameisen als Geheimwaffe gegen r\u00e4uberische Speispinnen ein. Dieser Plan hat allerdings eine Schattenseite, denn die Springspinnen sind auch eine Leibspeise ihrer eigenen Besch\u00fctzer. Aber auch hier hat die Springspinne einen Plan entwickelt, wie sie sich sch\u00fctzen kann, und baut ameisensichere Nester. Die Forschungsergebnisse von Ximena Nelson von der University of Canterbury in Neuseeland und Robert Jackson von der University of Canterbury und dem International Centre of Insect Physiology and Ecology in Kenia erscheinen in der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.<\/p> <p>Solche Gemeinschaften, in denen eine verwundbarere Spezies den Schutz einer k\u00e4mpferischeren Art sucht, um R\u00e4uber abzuschrecken, sind eher bei V\u00f6geln als bei Arachniden bekannt. Ximena Nelson und Robert Jackson f\u00fchrten deshalb Untersuchungen am International Rice Research Institute auf den Philippinen durch, um die Beziehungen zwischen einer Springspinne (Phintella piatensis), der territorialen Weberameise (Oecophylla smaragdina) und einer netzbauenden, r\u00e4uberischen Speispinne (Scytodes sp) zu verstehen.<\/p> <p>Die Speispinne l\u00e4hmt ihre Beute, indem sie diese aus der Distanz anspuckt. Auf den Philippinen lebt sie wie die Springspinne auf gro\u00dfen, w\u00e4chsernen Bl\u00e4ttern. Um die Jagd einfacher zu gestalten, webt sie normalerweise ihr Netz genau \u00fcber dem Nest der Springspinne. Die Wissenschaftler fanden allerdings heraus, dass die Speispinne sich der Springspinne nicht n\u00e4hert, wenn diese ihr Nest in der N\u00e4he von Weberameisen gebaut hat. Das liegt daran, dass die Speispinne durch den spezifischen Duftstoff der Ameisen vertrieben wird.<\/p> <p>Die Forscher fanden heraus, dass die Springspinnen ihren Nistplatz danach aussuchen, ob sie lebende Ameisen sehen, deren Duftstoff wahrnehmen oder einen verlassenen Bau von Weberameisen entdecken. In Sicherheit ist die Springspinne aber noch lange nicht, schlie\u00dflich ist sie ja auch ein Lieblingssnack ihrer Besch\u00fctzer. Deshalb bauen Springspinnen ameisensichere Nester, die sie so ungew\u00f6hnlich fest und dicht weben, dass sie f\u00fcr Insekten nur sehr schwer aufzubrechen w\u00e4ren. Au\u00dferdem bringen sie schwenkbare Klappen aus Spinnenseide an jedem Ende des Nestes an, die wie Schwingt\u00fcren funktionieren. Wenn die Spinne das Nest verl\u00e4sst oder betritt, hebt sie diese schnell an, bevor eine der Ameisen ihr folgen kann.<\/p> <p>\u201eNistgemeinschaften mit ans\u00e4ssigen Ameisen, aus denen diese keinen Vorteil ziehen, existieren bei Gliederf\u00fc\u00dfer anscheinend h\u00e4ufiger als bisher angenommen\u201c, schlussfolgert Nelson. \u201eWir gehen davon aus, dass bei n\u00e4herer Betrachtung von Beziehungen zwischen Ameisen und anderen Gliederf\u00fc\u00dfern noch eine ganze Reihe \u00e4hnlicher Beispiele gefunden werden. Das verbessert unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Komplexit\u00e4t der Entstehung von Mikrolebensr\u00e4umen und ihren \u00f6kologischen Verflechtungen.\u201c<\/p> <p>Quelle: Nelson, X.J. &amp; Jackson, R.R. (2014). Timid spider uses odor and visual cues to actively select protected nesting sites near ants, Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007\/s00265-014-1690-2<\/p> <p>Der Volltext-Artikel und ein Foto sind f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<br \/> Kontakt: Joan Robinson | <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer<\/a> | Tel.: +49-6221-487-8130 | joan.robinson@springer.com<\/p> <p>Springer-Verlag GmbH, Heidelberg, Zweigniederlassung der Springer-Verlag GmbH, BerlinTiergartenstrasse 17D-69121 Heidelberg<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tun, wenn auf der einen Seite ein gef\u00e4hrlicher R\u00e4uber lauert, auf der anderen Seite der einzige Schutz aber darin besteht, diesen durch eine Spezies fernzuhalten, deren Speiseplan man zuoberst ziert? 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