{"id":158800,"date":"2014-06-11T15:05:50","date_gmt":"2014-06-11T14:05:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=158800"},"modified":"2014-06-11T15:06:20","modified_gmt":"2014-06-11T14:06:20","slug":"kontrolle-ist-besser-als-vertrauen-der-begattungspfropf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/kontrolle-ist-besser-als-vertrauen-der-begattungspfropf-10158800\/","title":{"rendered":"Kontrolle ist besser als Vertrauen &#8211; Der Begattungspfropf"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-159235\" title=\" Geschlechts\u00f6ffnungen der Weibchen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/76868b102e0e21248e35846da22784f6.png\" alt=\" Geschlechts\u00f6ffnungen der Weibchen\" width=\"119\" height=\"139\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/76868b102e0e21248e35846da22784f6.png\" \/>Mit einem Keuschheitsg\u00fcrtel verbindet man in der Regel eine massive, teils kunstvoll verzierte metallische Vorrichtung, die im Mittelalter zur Wahrung der Unversehrtheit der hinterbliebenen Frauen eingesetzt wurde. Dass es sich auch um eine geleeartige Masse handeln k\u00f6nnte, d\u00fcrfte dagegen Vielen neu sein. Wie immer gibt es zu dem menschlichen Verhalten ein Pendant in der Tierwelt &#8211; So verschlie\u00dfen Zwergspinnenm\u00e4nnchen w\u00e4hrend der Begattung den Gentaltrakt des Weibchens mit einem Pfropf.<\/p> <p><!--more-->Zwergspinnen: Keuschheitsg\u00fcrtel zur Sicherung der Vaterschaft<\/p> <p>Pfropf hindert andere Spinnenm\u00e4nnchen an der Befruchtung<\/p> <p>Keuschheitsg\u00fcrtel sind keine reine Erfindung des Mittelalters. Viele Tierarten haben vergleichbare Schutzvorrichtungen entwickelt, um ihre Vaterschaft sicherzustellen. So verwenden Zwergspinnen-M\u00e4nnchen Begattungspfropfe, um den Genitaltrakt der Weibchen zu blockieren, nachdem sie sich gepaart haben. Je gr\u00f6\u00dfer und \u00e4lter der Pfropf, desto besser stehen die Chancen, dass andere M\u00e4nnchen keine Spermien mehr in der Samentasche des Weibchens ablegen k\u00f6nnen. Zu diesen Ergebnissen kommen Katrin Kunz und ihre Coautorinnen vom Zoologischen Institut und Museum in Greifswald in ihrer Forschung \u00fcber diese europ\u00e4ische Spinne. Der Artikel erscheint online im Springer Fachjournal Behavioral Ecology and Sociobiology.<\/p> <p>Die Studie st\u00fctzt sich auf fr\u00fchere Untersuchungen unter Leitung von Coautorin Gabriele Uhl. Diese haben gezeigt, dass Zwergspinnen-M\u00e4nnchen (Oedothorax retusus) Begattungspfropfe in den beiden Geschlechts\u00f6ffnungen der Weibchen hinterlassen, die Wiederverpaarungen verhindern k\u00f6nnen.<\/p> <p>Kunz und ihre Kolleginnen gingen in ihrer Forschung einen Schritt weiter und untersuchten, in wie weit die Gr\u00f6\u00dfe und das Alter der Pfropfe ihre Wirksamkeit bestimmen. Sie stellten fest, dass das M\u00e4nnchen das Pfropfmaterial in fl\u00fcssigem Zustand ins Weibchen injiziert, damit es bis zu einem gewissen Grad aush\u00e4rten kann, um dicht abzuschlie\u00dfen. Auch die Langlebigkeit der Pfropfe wurde getestet. Nachdem die Weibchen bei der ersten Begattung Pfropfe unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe von den M\u00e4nnchen erhalten hatten, wurden erneute Begattungen initiiert. Die Spinnenweibchen wurden anschlie\u00dfend unter einem Rasterelektronenmikroskop genau untersucht.<\/p> <p>Insgesamt stellten die Wissenschaftlerinnen fest, dass kleinere Pfropfe nicht so wirksam waren wie gr\u00f6\u00dfere. Das deutet darauf hin, dass kleinere Mengen des Pfropfmaterials leichter von nachfolgenden paarungswilligen M\u00e4nnchen entfernt oder \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Am ineffektivsten sind kleine Pfropfe kurz nach ihrer Platzierung. Dies legt nahe, dass nicht nur die Gr\u00f6\u00dfe, sondern auch die Aush\u00e4rtung des Materials, eine wichtige Rolle dabei spielen, wie gut der Pfropf funktioniert. Wenn die Pfropfe erst einmal \u00e4lter als einen Tag sind, versperren sie zuverl\u00e4ssig den Zugang zu den weiblichen Samentaschen.<\/p> <p>Die Untersuchungen zeigten, dass selbst bei erneuter Begattung durch nachfolgende M\u00e4nnchen ein Teil des Samens au\u00dferhalb des weiblichen Genitaltrakts verbleibt. Dies best\u00e4tigt die Wirksamkeit des Begattungspfropfes. Wenn es einem M\u00e4nnchen also gelingt beide Geschlechtsorgane eines Weibchens zu verpfropfen, sind seine Chancen, Vater der Nachkommen zu werden, sehr hoch.<\/p> <p>\u201eDer Begattungspfropf der Zwergspinne ist offensichtlich ein mechanisches Hindernis f\u00fcr rivalisierende M\u00e4nnchen\u201c, sagt Kunz. \u201eBegattungspfropfe sind leistungsf\u00e4hige mechanische Schutzvorrichtungen, deren Wirksamkeit von ihrer Gr\u00f6\u00dfe und ihrem Alter abh\u00e4ngt.\u201c<\/p> <p>Quelle: Kunz, K. et al (2014). Does the size and age of mating plugs alter their efficacy in protecting paternity? Behavioral Ecology and Sociobiology DOI 10.1007\/s00265-014-1742-7<\/p> <p>Der Volltext-Artikel, Fotos und ein Video sind f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<\/p> <p>Kontakt: Joan Robinson | <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"der Wissenschaftsverlag\" target=\"_blank\">Springer<\/a> | Corporate Communications tel +49 6221 487 8130 | joan.robinson@springer.com<\/p> <p>Springer-Verlag GmbH, Heidelberg, Zweigniederlassung der Springer-Verlag GmbH, BerlinTiergartenstrasse 17D-69121 Heidelberg<\/p> <p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Keuschheitsg\u00fcrtel verbindet man in der Regel eine massive, teils kunstvoll verzierte metallische Vorrichtung, die im Mittelalter zur Wahrung der Unversehrtheit der hinterbliebenen Frauen eingesetzt wurde. Dass es sich auch um eine geleeartige Masse handeln k\u00f6nnte, d\u00fcrfte dagegen Vielen neu sein. 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