{"id":1729,"date":"2009-08-21T09:47:02","date_gmt":"2009-08-21T08:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=1729"},"modified":"2022-05-24T11:51:15","modified_gmt":"2022-05-24T10:51:15","slug":"evolution-erklart-kindliches-verhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/evolution-erklart-kindliches-verhalten-101729\/","title":{"rendered":"Evolution erkl\u00e4rt kindliches Verhalten"},"content":{"rendered":"<p>Buchneuerscheinung fordert neue Sichtweise der Erziehung<\/p> <table style=\"float: right; width: 168px;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"5\"> <tbody> <tr> <td align=\"center\" bgcolor=\"#ededed\"> <table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"3\" width=\"168\"> <tbody> <tr> <td align=\"center\"><\/td> <\/tr> <tr> <td class=\"txtklein\" colspan=\"2\" align=\"center\"><!-- copyrighttext -->Das Verhalten von Kindern machte sie in der Evolution erfolgreich (Foto: Kosel Verlag)<!-- end copyrighttext --><\/td> <\/tr> <\/tbody> <\/table> <\/td> <\/tr> <\/tbody> <\/table> <p><!--PTE:ORT-->Mannheim (pte\/20.08.2009\/06:00) &#8211; Eltern sollten gelassener reagieren, wenn sie das Verhalten ihrer Kinder nicht nachvollziehen k\u00f6nnen. Dahinter k\u00f6nnte sich eine \u00dcberlebenstaktik verbergen, die sich im Laufe der Evolution als erfolgreich herausgestellt hat. Zu diesem Schluss kommt der Mannheimer Kindermediziner Herbert Renz-Polster im j\u00fcngst erschienenen Buch &#8222;Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder pr\u00e4gt&#8220;. Ohne ein wichtiges Thema auszusparen &#8211; von Koliken, Abstillen, Schlafen und Sauberwerden bis zur Moral- und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung ist alles vertreten &#8211; betrachtet der Autor die kindlichen Entwicklungsphasen mit der Brille der gesamten Menschheitsgeschichte. Alle wissenschaftlichen Studien dazu, die der Autor in m\u00fchsamer Kleinarbeit zusammengetragen hat, werden auf einer Begleithomepage www.kinder-verstehen.de n\u00e4her ausgef\u00fchrt. &#8222;Diese Sichtweise soll Eltern helfen, ihren Kindern auf ,nat\u00fcrlichere&#8216; Weise zu begegnen. Eltern k\u00f6nnen dann die St\u00e4rken ihrer Kinder besser wahrnehmen&#8220;, so Renz-Polster im pressetext-Interview. <!--more--><\/p> <p>Dass Kinder eine sehr hohe Kompetenz besitzen, mit ihrer Lebenswelt zurecht zu kommen, ist die zentrale Botschaft des Buches. &#8222;Kinder sind keine unfertigen Erwachsenen, sondern sind bereits perfekt ausgestattet, um die Herausforderungen ihrer Entwicklung zu meistern. Da die St\u00e4rken bereits vorhanden sind, m\u00fcssen sie nicht erst geschaffen werden. Allerdings muss Kindern auch der Erfahrungsraum zugestanden werden, in dem sie ihre Kompetenzen ausspielen k\u00f6nnen. Durch unsere Lebensweise schotten wir uns immer mehr von diesen M\u00f6glichkeiten der Erfahrung ab&#8220;, so der Autor. Das heutige Leben im \u00dcberfluss vergleicht Renz-Polster mit einem Zoo, in den sich die Menschen selbst begeben haben. &#8222;Es gibt zwar Futter im \u00dcberma\u00df, das Leben spielt sich jedoch zwischen Eisenst\u00e4ben ab&#8220;, so der Autor. Und dadurch werde auch das Leben als Familie nicht leichter. So sei etwa die Entwicklung elterlicher Kompetenz durchaus mit dem Erlernen des Schifahrens zu vergleichen, bei dem es darauf ankomme, einmal selbst auf den Schiern zu stehen. &#8222;Sich Erziehung nur anzulesen hilft nichts, sondern man muss selbst Erfahrungen machen. W\u00e4hrend das Leben in fr\u00fcheren Zeiten auf Schritt und Tritt Erfahrungen im Umgang mit kleinen, unreifen Menschen anbot, erleben viele frischgebackene Eltern die Geburt ihres Kindes so, wie wenn sie pl\u00f6tzlich auf der schwarzen Piste stehen, ohne jemals auf eigenen Brettern gestanden zu sein. Dass sie da Angst haben, ist verst\u00e4ndlich.&#8220;<\/p> <p>Erstaunliche F\u00e4higkeiten zeigen Kinder etwa in ihrer Anpassung an sehr unterschiedliche Lebensbedingungen, entwickeln sie sich doch sowohl in der Arktis als auch in der W\u00fcste Sahara zu kompetenten Erwachsenen. Dabei helfen ihnen &#8222;offene&#8220; Lernprogramme, die in jeder Umwelt ausgepackt werden k\u00f6nnen. &#8222;Wie flexibel diese Programme funktionieren, zeigt zum Beispiel die Sprache. Das gleiche Lernprogramm l\u00e4sst die Kung in der afrikanischen Kalahari eine Sprache aus Klicklauten erlernen, chinesische Kinder in kantonesischen Sprachmelodien kommunizieren und deutsche Kinder eben Deutsch sprechen&#8220;, so Renz-Polster. Diese enorme Flexibilit\u00e4t des Homo sapiens erstrecke sich auch auf die Ern\u00e4hrung. &#8222;In der Arktis ern\u00e4hrt er sich etwa v\u00f6llig gem\u00fcsefrei allein von Fisch- und Robbenfett, w\u00e4hrend ihm im Amazonas die Fr\u00fcchte fast schon in den Mund wachsen. Das Interessante dabei ist, dass die Kinder durch ihre &#8218;offenen&#8216; Lernprogramme genau diejenigen Nahrungsmittel lieben lernen, die vor Ort vorhanden sind &#8211; je nach Region also fettes Robbenfleisch, gegrillte Vogelspinnen oder Kn\u00f6del&#8220;, so der Kinderarzt.<\/p> <p>Die Evolution wurde bisher kaum als gedankliches Werkzeug f\u00fcr ein Erziehungsbuch gew\u00e4hlt, scheinen doch die ehernen Prinzipien von Mutation und Selektion kaum mit f\u00fcrsorglicher Elternliebe vereinbar. Zu Unrecht, wie Renz-Polster behauptet. Viele Theoretiker der Evolutions-Debatte h\u00e4tten sich in der Vergangenheit viel zu sehr aus ihrem Kerngebiet hinausgelehnt und die Evolution als einen gnadenlosen, egoistischen Prozess beschrieben. &#8222;Dabei wurde unterschlagen, dass Kooperation ebenso ein \u00dcberlebensprinzip sein kann, sowohl f\u00fcr Verhaltensweisen als auch f\u00fcr einzelne Gene&#8220;, bem\u00e4ngelt der Autor. Werturteile wie freimachend und bindend w\u00fcrden nicht zum Evolutionsgedanken passen. &#8222;Die Evolution ist nicht gut oder b\u00f6se, sie ist einfach das Grundmuster, nach dem sich das Leben entwickelt.&#8220; Die Evolution wirke auch heute noch weiter, gibt Renz-Polster zu bedenken. &#8222;Allerdings geschieht sie in so gro\u00dfen Zeitfenstern, dass sich die radikalen Ver\u00e4nderungen unseres Lebens seit der Industrialisierung nicht in unseren Genen wiederfinden.&#8220;<\/p> <p>Falsch sei auch der Versuch, Evolution immer mit Fortschritt gleichzusetzen. Und dies gelte sogar f\u00fcr die kulturelle Evolution. &#8222;Wir denken, wir h\u00e4tten st\u00e4ndig dazugelernt und st\u00fcnden mit unserer Kultur auf einer immer h\u00f6heren Stufe. Wir haben aber auch Erlerntes wieder verloren, etwa Technologien, Fertigkeiten und Wissen, wie wir unter einfacheren Bedingungen gut mit unserer Umwelt zurechtkommen.&#8220; Durch zahlreiche Berichte von Erziehungspraktiken nicht-westlicher Kulturen verdeutlicht Renz-Polster in seinem Buch diesen Kulturverlust. Ein Beispiel daf\u00fcr k\u00f6nne auch die heimische Geburtshilfe liefern, gehe doch die steigende Kaiserschnittrate auch mit einem Verlust geburtshelferischen K\u00f6nnens bei schwierigeren Vaginalgeburten einher. &#8222;Wer kann heute noch eine Stei\u00dflage oder Zwillinge vaginal entbinden?&#8220;, so der P\u00e4diatrist. Ebensowenig d\u00fcrfe man annehmen, dass die Menschheit heute kompetenter mit der Umwelt umgehe als in fr\u00fcheren Zeiten. Im Gegenteil, so Renz-Polster: &#8222;Wenn nicht alles tr\u00fcgt, ist die angeblich erfolgreichste Art der Evolution gerade dabei, den Planeten gegen die Wand zu fahren.&#8220; (Ende)<\/p> <p><strong>Verlagsgruppe Random House GmbH<\/strong><br \/> Neumarkter Str. 28<br \/> 81673 M\u00fcnchen<\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/pressetext.de\/\"  target=\"_new\" rel=\"noopener noreferrer\"><\/a><br \/> Aussender: pressetext.deutschland<br \/> Redakteur:                        Johannes Pernsteiner<br \/> email: pernsteiner@pressetext.com<br \/> Tel. +43-1-81140-316<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchneuerscheinung fordert neue Sichtweise der Erziehung Das Verhalten von Kindern machte sie in der Evolution erfolgreich (Foto: Kosel Verlag) Mannheim (pte\/20.08.2009\/06:00) &#8211; Eltern sollten gelassener reagieren, wenn sie das Verhalten ihrer Kinder nicht nachvollziehen k\u00f6nnen. 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