{"id":26577,"date":"2011-08-18T14:20:14","date_gmt":"2011-08-18T13:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=26577"},"modified":"2011-08-18T14:22:50","modified_gmt":"2011-08-18T13:22:50","slug":"jungen-und-maedchen-getrennt-voneinander-zu-erziehen-ist-der-falsche-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/jungen-und-maedchen-getrennt-voneinander-zu-erziehen-ist-der-falsche-weg-1026577\/","title":{"rendered":"Kaum relevante geschlechtsspezifische Unterschiede im Gehirn von M\u00e4dchen und Jungen"},"content":{"rendered":"<table style=\"float: left; width: 100px;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"1\"> <tbody> <tr> <td align=\"center\" bgcolor=\"#ffffff\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Online-Ausgabe des Springer-Journals Sex Roles\" src=\"http:\/\/images.springer.com\/cda\/content\/image\/cda_displayimage.jpg?SGWID=0-0-16-684316-0\" alt=\"\" width=\"102\" height=\"135\" \/><\/td> <\/tr> <\/tbody> <\/table> <p>Wissenschaftler k\u00f6nnen geschlechtsspezifische Unterschiede von Gehirnen bei Jungen und M\u00e4dchen nicht best\u00e4tigen<\/p> <p>New York \/ Heidelberg, 18. August 2011<\/p> <p>Es gibt keine wissenschaftlich haltbare Grundlage daf\u00fcr, dass Jungen und M\u00e4dchen getrennt voneinander erzogen werden sollten. Dies ist das Ergebnis einer amerikanischen Untersuchung von Lise Eliot von der Chicago Medical School. Ihre umfassende Studie enth\u00fcllt grundlegende Fehler in der Argumentation derer, die eine getrenntgeschlechtliche Schule propagieren. <!--more-->Die Verfechter dieser Erziehungsform st\u00fctzen ihre Behauptung darauf, es gebe wesentliche Unterschiede zwischen dem \u201am\u00e4nnlichen\u2019 und dem \u201aweiblichen Gehirn\u2018 und dies habe ein unterschiedliches Lernverhalten von Jungen und M\u00e4dchen zur Folge. Eliot macht jedoch deutlich, dass die Neurowissenschaften kaum relevante Unterschiede zwischen den Gehirnen von Jungen und M\u00e4dchen entdeckt haben, die sich beim Lernverhalten und der Erziehung bemerkbar machen. Ihre Arbeit erscheint jetzt in der Online-Ausgabe des Springer-Journals Sex Roles.<\/p> <p>Eliot macht zun\u00e4chst deutlich, dass die Verfechter der getrennten Erziehung oft Unterschiede von Gehirnen bei Jungen und M\u00e4dchen anf\u00fchren, die aus Studien mit erwachsenen M\u00e4nnern und Frauen resultieren. Bei Kindern wurden jedoch solche geschlechtsspezifischen Unterschiede nicht festgestellt. Die Annahme, dass Kindergehirne genauso funktionieren wie die von Erwachsenen, ist schlichtweg falsch, denn Kindergehirne entwickeln sich bis zum erwachsenen Alter. Die neuronalen Vorg\u00e4nge bei Erwachsenen jedoch sind zum gro\u00dfen Teil abh\u00e4ngig von dem sozialen Umfeld und der Erziehung eines Individuums. Die Annahme, dass biologische Unterschiede der Gehirne starr, gewisserma\u00dfen \u201efest verdrahtet\u201c sind, ist ungenau.<\/p> <p>Eliot untersucht sieben Argumente, die oft als Rechtfertigung f\u00fcr getrennten Erziehung benutzt werden: Geschlechtsunterschiede im Corpus callosum* und Sprachlateralisierung**; Unterschiede in Hirn-Reifetempo und -ablauf zwischen Jungen und M\u00e4dchen; Geschlechtsunterschiede bei Geh\u00f6r, Sehkraft, und im autonomen Nervensystem; Geschlechtshormone und Lernverhalten; und schlie\u00dflich bevorzugte Lernarten von Jungen und M\u00e4dchen. F\u00fcr jedes dieser Argumente zeigt sie auf, wie wissenschaftliche Erkenntnisse verdreht und \u00fcbertrieben wurden, um eine Rechtfertigung f\u00fcr die getrennte Erziehung zu finden \u2013 Eltern kamen f\u00e4lschlicherweise zur \u00dcberzeugung, es g\u00e4be eine wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr das Erziehen von Jungen und M\u00e4dchen in getrennten Klassenzimmern.<\/p> <p>Zweifellos haben Jungen und M\u00e4dchen unterschiedliche Interessen, sie reagieren anders auf verschie-dene F\u00e4cher. Den Neurowissenschaftlern ist es aber schwergefallen, wirkliche Unterschiede in den neuronalen Abl\u00e4ufen bei beiden Geschlechtern auszumachen \u2013 selbst beim Lesen lernen, was bis heute am h\u00e4ufigsten untersucht wurde, ist dies nicht gelungen. Und obwohl Forschungsergebnisse zeigen, dass M\u00e4nner und Frauen \u2013 nicht aber Jungen und M\u00e4dchen \u2013 zu unterschiedlichem Lernverhalten nei-gen, gibt es keinen Hinweis darauf, dass ein speziell auf solche Unterschiede abgestimmter Unterricht wirklich von Vorteil ist.<\/p> <p>Eliot schlussfolgert: \u201e\u00dcber die Fehlinterpretation von Forschungsergebnissen wollen wir gar nicht reden \u2013 allein der Gedanke, Kinder aufgrund anatomischer und physiologischer Unterschiede zu trennen, widerspricht Zweck und Prinzipien der Erziehung. Anstatt Kinder unter dem Vorwand angeblich unab\u00e4nderlicher F\u00e4higkeiten und Lernverhaltensweisen zu trennen, sollten Schulen das Gegenteil tun: in Kindern den Glauben an ihre Flexibilit\u00e4t st\u00e4rken und ihre Lernf\u00e4higkeit f\u00f6rdern, unabh\u00e4ngig von Geschlecht, Rasse oder anderen demografischen Besonderheiten.\u201c<\/p> <p>*der Gehirnbalken aus wei\u00dfer Substanz, der die beiden Gehirnhemisph\u00e4ren verbindet und den Informationsaustausch zwischen der rechten und linken Seite des Gehirns erm\u00f6glicht<br \/> ** die Vorstellung, dass Sprachfunktionen haupts\u00e4chlich von der linken Gehirnh\u00e4lfte ausgef\u00fchrt werden<\/p> <p>Quelle<br \/> Eliot L (2011). Single-sex education and the brain. Sex Roles. DOI 10.1007\/s11199-011-0037-y<\/p> <p>Der vollst\u00e4ndige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verf\u00fcgung.<br \/> Kontakt: Renate Bayaz, <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Verlag f\u00fcr wissenschaftliche Publikationen\" >Springer<\/a>, Tel. +49 6221 487-8531, renate.bayaz@springer.com<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler k\u00f6nnen geschlechtsspezifische Unterschiede von Gehirnen bei Jungen und M\u00e4dchen nicht best\u00e4tigen New York \/ Heidelberg, 18. August 2011 Es gibt keine wissenschaftlich haltbare Grundlage daf\u00fcr, dass Jungen und M\u00e4dchen getrennt voneinander erzogen werden sollten. Dies ist das Ergebnis einer amerikanischen Untersuchung von Lise Eliot von der Chicago Medical School. 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