{"id":269088,"date":"2017-07-31T14:39:56","date_gmt":"2017-07-31T13:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=269088"},"modified":"2017-07-31T14:39:56","modified_gmt":"2017-07-31T13:39:56","slug":"die-neue-insel-utopia-und-der-brexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/die-neue-insel-utopia-und-der-brexit-10269088\/","title":{"rendered":"Die &#8222;neue Insel Utopia&#8220; und der Brexit"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-269089 size-full\" title=\"Henrike L\u00e4hnemann\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/image001.jpg\" alt=\"Bild\" width=\"149\" height=\"99\" srcset=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/image001.jpg 149w, https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/image001-40x27.jpg 40w\" sizes=\"auto, (max-width: 149px) 100vw, 149px\" \/>Germanistin Henrike L\u00e4hnemann erl\u00e4utert, was die Reformation 1517 mit dem Brexit-Votum knapp 500 Jahre sp\u00e4ter zu tun haben k\u00f6nnte<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p> <p>Im Referendum am 23. Juni 2016 stimmte eine knappe Mehrheit der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler in Gro\u00dfbritannien f\u00fcr die Option \u201aLeave the European Union&#8216;. \u201eDieses Brexit-Votum hat viele \u00fcberrascht, l\u00e4sst sich aber in Anbetracht der Geschichte Gro\u00dfbritanniens als eine logische Folge ableiten\u201c, sagt Prof. Dr. Henrike L\u00e4hnemann, Gastwissenschaftlerin an der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t. Ihrer Einsch\u00e4tzung nach lie\u00dfe sich vor allem aus der Reformationszeit lernen, wie Gro\u00dfbritannien versuchte, durch eine Reihe von Austrittsbem\u00fchungen eine Inselutopie umzusetzen<\/p> <p><!--more-->Getreu dem Motto der britischen Comedy-Gruppe Monty-Python \u201aWhat have the Romans ever done for us?\u2018 begann die Serie von Brexits laut L\u00e4hnemann im Jahr 410 mit dem Austritt aus dem r\u00f6mischen Imperium. Es setzte sich im gesamten Mittelalter mit den Abwehrk\u00e4mpfen gegen die D\u00e4nen und Wikinger fort und fand sein Echo in unterschiedlichsten Formen von \u201aExceptionalism\u2018 im 20. Jahrhundert. \u201eH\u00f6hepunkt und Schl\u00fcsselereignis war aber die Trennung von der p\u00e4pstlichen Autorit\u00e4t in der Reformation und die L\u00f6sung von einem neuen r\u00f6mischen Imperium\u201c, erl\u00e4utert die Medi\u00e4vistin.<\/p> <p>Besonders relevant, um die Motivation hinter dieser Entscheidung vor einem halben Jahrtausend zu verstehen, sei ein Text, den ein Politiker genau ein halbes Jahrtausend vor dem Brexit ver\u00f6ffentlicht habe. Der Lordkanzler Thomas Morus schrieb 1516 seine Vision \u201evom besten Zustand eines Staates und der neuen Insel Utopia\u201d. Er habe damit nicht nur eine neue literarische Gattung begr\u00fcndet, sondern auch einen Schl\u00fcsselroman f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis seiner Landsleute geschrieben. \u201eEs geht in \u201aUtopia&#8216; \u2013 mit einer geh\u00f6rigen Prise Ironie, die f\u00fcr jedes Verst\u00e4ndnis britischer Befindlichkeit weiterhin entscheidend ist \u2013 um Regierungsformen, Krankenversorgung und, entscheidend, Fragen der Souver\u00e4nit\u00e4t.\u201c Ein Jahr sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, die sich gegen die von Rom aus orchestrierte Ablasspraxis richteten.<\/p> <p>Der englische K\u00f6nig Heinrich VIII. sei zwar ein entschiedener Gegner Luthers und seiner Bewegung gewesen. Er habe die Abkehrbewegung, die von der deutschen Reformation ausging, gleichzeitig jedoch genutzt, um sich von Rom zu l\u00f6sen und in England eine eigene Kirche mit maximaler Souver\u00e4nit\u00e4t in politischer und religi\u00f6ser Sicht aufzubauen. Thomas Morus, der sich weigerte, diese neue Ordnung anzuerkennen, wurde 1535 hingerichtet. \u201eSeine s\u00e4kulare Utopie einer Insel ohne kirchliche Obrigkeit und ohne Abh\u00e4ngigkeit aber lebte weiter: in dem politischen Gebilde, das sich unter Heinrich VIII. formte, und in den Idealvorstellungen britischer W\u00e4hler, auch wenn ihnen von dem Werk von 1516 wenig mehr als der Titel bekannt ist.\u201c Dass eine politische Umsetzung einer Utopie nicht das erhoffte Ergebnis bringe, sei eine Einsicht von vor 500 Jahren, die sich im gegenw\u00e4rtigen Brexit-Diskurs erst langsam durchzusetzen beginne..<\/p> <p><strong>Kontakt:<\/strong><\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.pr.uni-freiburg.de\/pm\/expertendienst\/reformation-brexit-laehnemann\"  >https:\/\/www.pr.uni-freiburg.de\/pm\/expertendienst\/reformation-brexit-laehnemann<\/a><\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p><strong>Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg<\/strong><\/p> <p>Stabsstelle \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Beziehungsmanagement<\/p> <p>Abt. Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit<\/p> <p>Rektorat . Fahnenbergplatz . 79085 Freiburg<\/p> <p>&nbsp;<\/p> <p>Tel.: 0761\/203-98604<\/p> <p>Mail: sandra.meyndt@pr.uni-freiburg.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Germanistin Henrike L\u00e4hnemann erl\u00e4utert, was die Reformation 1517 mit dem Brexit-Votum knapp 500 Jahre sp\u00e4ter zu tun haben k\u00f6nnte\u00a0 Im Referendum am 23. Juni 2016 stimmte eine knappe Mehrheit der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler in Gro\u00dfbritannien f\u00fcr die Option \u201aLeave the European Union&#8216;. \u201eDieses Brexit-Votum hat viele \u00fcberrascht, l\u00e4sst sich aber in Anbetracht der Geschichte Gro\u00dfbritanniens<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":269089,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-269088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-gesellschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=269088"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":269090,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269088\/revisions\/269090"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/269089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=269088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=269088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=269088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}