{"id":270692,"date":"2019-04-26T12:03:29","date_gmt":"2019-04-26T11:03:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=270692"},"modified":"2025-11-14T11:29:42","modified_gmt":"2025-11-14T10:29:42","slug":"zukunftsweisende-forschung-zu-plastikabbauenden-meeresbakterien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/zukunftsweisende-forschung-zu-plastikabbauenden-meeresbakterien-10270692\/","title":{"rendered":"Zukunftsweisende Forschung zu plastikabbauenden Meeresbakterien"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-270693 size-full\" title=\"Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/364108-e1556276302467.jpg\" alt=\"Experten im Gespr\u00e4ch\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/364108-e1556276302467.jpg 300w, https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/364108-e1556276302467-40x29.jpg 40w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Journalistenseminar &#8222;Mikroben k\u00f6nnen mehr als krank machen&#8220;<\/p> <p>In einem viereinhalbmin\u00fctigen Fernsehbeitrag berichtete SAT1-Reporterin Katja Senftleben \u00fcber das vielf\u00e4ltigste Bioressourcenzentrum der Welt. Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen ist aber nicht nur das vielf\u00e4ltigste Zentrum von Mikroben, Pilzen, Viren und Zellkulturen, sondern gleichzeitig auch eine der gr\u00f6\u00dften Sammlungen weltweit. Die DSMZ hat ihren Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-S\u00fcd und versorgt Wissenschaftler weltweit mit Bakterien, Phagen, Pilzen sowie tierischen und menschlichen Zelllinien. Das Leibniz-Institut ist einerseits Sammlung und andererseits Forschungsinstitut. Im Rahmen des 50-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums, das das weltbekannte Leibniz-Institut DSMZ in diesem Jahr begeht, fand am 13. Marz 2019 ein Fachjournalistenseminar statt.<\/p> <p><!--more-->Mikroben k\u00f6nnen mehr als krankmachen<\/p> <p>In seiner Einf\u00fchrung machte der Wissenschaftliche Direktor des Leibniz-Instituts, Professor Dr. J\u00f6rg Overmann, deutlich, dass Mikroben nicht in erster Linie krankmachende Organismen sind. Der international renommierte Mikrobiologe betonte, dass von den momentan rund 15.000 entdeckten Bakterienarten nur 580 krankmachend sind. Das Gros der Bakterien ist also nicht gef\u00e4hrlich, sondern f\u00fcr den Menschen n\u00fctzlich, gesund oder zumindest als neutral zu betrachten, erl\u00e4uterte Professor Overmann. Er informierte dar\u00fcber, dass bisher gerade einmal 0,1 Prozent der Bakterienarten bekannt sind. Der Mikrobiologe geht davon aus, dass noch viele Arten entdeckt werden. Darunter auch solche, die wertvolle Wirkstofflieferanten sind. Professor Overmann leitet das Leibniz-Institut DSMZ seit fast zehn Jahren. Das Institut hat 200 Mitarbeiter, darunter fast 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.<\/p> <p>Bakterien entdeckt, die Plastik zersetzen<\/p> <p>Dr. Basak \u00d6zt\u00fcrk berichtete \u00fcber ihre zukunftsweisende Forschung zu plastikabbauende Meeresbakterien. Eindrucksvoll zeigte sie in ihrem Labor, dass sie bestimmte Meeres-Bakterien isoliert hat, die Plastikfolien innerhalb weniger Tage zersetzen k\u00f6nnen. Einerseits k\u00f6nnen bestimmte Bakterien Plastik vernichten und andererseits andere Plastikmaterialien erzeugen. Die Wissenschaftlerin Basak \u00d6zt\u00fcrk steht der Nachwuchsforschergruppe Mikrobiologische Biotechnologie am Leibniz-Institut DSMZ vor und erl\u00e4uterte auch, warum Bakterien \u00fcberhaupt Materialien &#8222;fressen&#8220;, die es vor wenigen Jahrzehnten noch nicht gab. Bakterien passen sich besonders rasch an und haben damit einen Selektionsvorteil. Sie erschlie\u00dfen sich damit Plastik als N\u00e4hrstoffquelle und r\u00e4umen gleichzeitig menschlichen M\u00fcll weg, informierte Dr. Basak \u00d6zt\u00fcrk.<\/p> <p>Bakteriophagen sind &#8222;Bakterienfresser&#8220;<\/p> <p>Die Mikrobiologin Dr. Christine Rohde geh\u00f6rt seit Jahren zu den bekanntesten Phagenforschern in Europa. Bakteriophagen sind die h\u00e4ufigste Daseinsform auf der Erde, sie sind in der Lage, Bakterien zu zerst\u00f6ren. Im Gegensatz zu Antibiotika sind die &#8222;Bakterienfresser&#8220; dabei auf eine Bakterienart spezialisiert und zerst\u00f6ren nicht unspezifisch eine Vielzahl von Mikroorganismen. Im von Doktor Rohde geleiteten Kuratorium Klinische Phagen und Regulation am Leibniz-Institut DSMZ befindet sich mit der Deutschen Phagenbank auch die gr\u00f6\u00dfte Sammlung von Bakteriophagen in Deutschland. Christine Rohde erl\u00e4uterte den Einsatz von Phagen bei bakteriell bedingten Erkrankungen und zeigte eine Timeline bis zur Zulassung von Phagen in der klinischen Anwendung auf. Bakteriophagen k\u00f6nnen bei multiresistenten Keimen (MRSA), die durch Antibiotika nicht mehr behandelbar sind, effektiv eingesetzt werden. Aktuell ist dies in Deutschland aber noch nicht m\u00f6glich, da die Phagentherapie noch nicht zugelassen ist.<\/p> <p>Warum in Italien Oliven\u00f6lbaume sterben<\/p> <p>Ein wichtiges Forschungsfeld der DSMZ ist die Pflanzenviren-Forschung, die der Leiter der Abteilung f\u00fcr Pflanzenviren, Dr. Stephan Winter, eindrucksvoll pr\u00e4sentierte. Pflanzenviren bedrohen unsere Nutzpflanzen und damit auch unsere Ern\u00e4hrung, informierte der weltweit renommierte Pflanzenviren-Forscher Winter. Aktuell bedroht aber ein Bakterium die Oliven\u00f6lb\u00e4ume im Mittelmeerraum. Das Bakterium Xyllela fastidosa, auch Feuerbakterium genannt, bef\u00e4llt Olivenb\u00e4ume, die daran zugrunde gehen. In S\u00fcditalien sind bereits mehrere hunderttausend Olivenb\u00e4ume infiziert. Das werden wir auch in Deutschland merken, denn es f\u00fchrt massiven Ernteeinbu\u00dfen: Der Preis f\u00fcr Oliven\u00f6l geht in die H\u00f6he. Stephan Winter macht deutlich, dass virale Krankheiten von Pflanzen nicht heilbar sind. Daher m\u00fcssen befallene Pflanzen m\u00f6glichst schnell vernichtet und Pflanzenerkrankungen rasch erkannt werden. Doktor Winter und seine Mitarbeiter besch\u00e4ftigen sich insbesondere mit der Rettung von Cassavapflanzen, die in vielen L\u00e4ndern S\u00fcdamerikas und Afrikas das Grundnahrungsmittel Maniok liefern. Im Rahmen ihrer Forschungen ist es unter anderem gelungen, eine Cassava-Variante in S\u00fcdamerika zu finden, die in Afrika gegen dort \u00fcbliche Virenerkrankungen immun ist und so die Ern\u00e4hrungsgrundlage rettet. Die Pflanzenvirenforscher aus Braunschweig arbeiten auch eng mit dem Zoll zusammen und stellen Pflanzenviren-Antigene zur Diagnostik von Pflanzenkrankheiten zur Verf\u00fcgung. Damit k\u00f6nnen potentielle Bedrohungen beim Import von Pflanzen festgestellt werden. Die Forschungsgew\u00e4chsh\u00e4user der Abteilung Pflanzenviren der DSMZ befinden sich nicht auf dem Science Campus Braunschweig-S\u00fcd, sondern auf dem Gel\u00e4nde des Julius K\u00fchn-Instituts in Braunschweig.<\/p> <p>Zelllinien k\u00f6nnen Tierversuche \u00fcberfl\u00fcssig machen<\/p> <p>Seit drei Jahrzehnten leitet der Mediziner Professor Dr. Hans G. Drexler die Abteilung Menschliche und Tierische Zellkulturen an der DSMZ. Forschungsschwerpunkt seiner Abteilung sind Leuk\u00e4mie-Lymphome und die Grundlagenforschung in diesem Bereich. Drexlers Abteilung arbeitet mit immortalisierten Zelllinien. Zelllinien sind Zellen einer Gewebeart, die sich in der Kultur unbegrenzt fortpflanzen k\u00f6nnen. Zelllinien erm\u00f6glichen reproduzierbare Forschungsergebnisse und k\u00f6nnen sogar einen Teil der Tierversuche ersetzen, machte Professor Drexler deutlich.<\/p> <p>Am 23. September 2019 findet in Braunschweig ein weiteres Journalistenseminar mit ver\u00e4nderten Schwerpunkten statt. Anmeldungen von Journalisten werden unter <a href=\"mailto:press@dsmz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">press@dsmz.de<\/a> ab sofort entgegengenommen.<\/p> <p>Die DSMZ ist eines der gr\u00f6\u00dften Bioressourcenzentren weltweit. Die Sammlung umfasst derzeit \u00fcber 67.000 Kulturen, einschlie\u00dflich \u00fcber 35.000 verschiedene Bakterien- und 4000 Pilz-St\u00e4mme, 800 menschliche und tierische Zelllinien, 41 Pflanzenzelllinien, 1.400 Pflanzen-Viren und Antiseren und 13.000 verschiedene Typen genomischer Bakterien-DNA.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen<\/p> <p>Sven-David M\u00fcller<\/p> <p>Inhoffenstra\u00dfe 7 B<\/p> <p>38124 Braunschweig<\/p> <p>0531-5312616300<\/p> <p><a href=\"mailto:sven.david.mueller@dsmz.de\">sven.david.mueller@dsmz.de<\/a><\/p> <p>http:\/\/www.dsmz.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistenseminar &#8222;Mikroben k\u00f6nnen mehr als krank machen&#8220; In einem viereinhalbmin\u00fctigen Fernsehbeitrag berichtete SAT1-Reporterin Katja Senftleben \u00fcber das vielf\u00e4ltigste Bioressourcenzentrum der Welt. 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