{"id":271707,"date":"2020-06-19T11:53:01","date_gmt":"2020-06-19T10:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=271707"},"modified":"2025-03-28T14:59:18","modified_gmt":"2025-03-28T13:59:18","slug":"zum-weltfluechtlingstag-am-20-juni-kindheit-im-camp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/zum-weltfluechtlingstag-am-20-juni-kindheit-im-camp-10271707\/","title":{"rendered":"Zum Weltfl\u00fcchtlingstag am 20. Juni: Kindheit im Camp"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-271708 size-full\" title=\" Weltweit sind 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Die H\u00e4lfte ist unter 18 Jahre alt. \" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/385933-e1592563846153.jpg\" alt=\"kleines M\u00e4dchen vor einer Schale Reis\" width=\"300\" height=\"200\" \/>Je l\u00e4nger die Debatte um die Aufnahme von unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen aus den Fl\u00fcchtlingslagern auf den griechischen Inseln \u2013 allen voran Moria auf Lesbos \u2013 weitergeht, desto l\u00e4nger m\u00fcssen tausende Kinder dort unter schrecklichen Bedingungen ausharren. Wie schlimm es in den Camps zugeht, wei\u00df Popi Gkliva. Sie ist die Leiterin eines SOS-Nothilfe-Projekts f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos und beschreibt anl\u00e4sslich des Weltfl\u00fcchtlingstag am 20. Juni, wie es den Kindern geht und was sie brauchen.<\/p> <p>Sie arbeiten seit einigen Jahren in den Fl\u00fcchtlingslagern in Griechenland. Beschreiben Sie bitte Ihre Eindr\u00fccke.<\/p> <p><!--more-->Popi Gkliva: Worte k\u00f6nnen nicht beschreiben, was ich hier alles mit ansehen musste. Kleine Kinder, die in einem provisorischen Zelt leben m\u00fcssen, das im Schlamm versinkt. Es herrschen hier schlimmste hygienische Bedingungen. Wir d\u00fcrfen nicht hinnehmen, dass Kinder und Jugendliche im Europa des 21. Jahrhunderts keine gesunde Ern\u00e4hrung erhalten, krank sind, ohne einen Arzt aufsuchen zu k\u00f6nnen, und leichte Opfer f\u00fcr Kriminelle sind.<\/p> <p>Wie gehen Sie mit den Kindern um?<\/p> <p>Ich versuche einfach, f\u00fcr sie da zu sein. Aber wie hilfst du einer Siebenj\u00e4hrigen dabei, die Tatsache zu ertragen, dass sie ihre Mutter eventuell nie wiedersehen wird? Oder was antwortest du, wenn ein Fl\u00fcchtlingskind dich abends fragt, ob du jetzt auch in so einem Container schlafen gehst, wie es selbst? Wie erkl\u00e4rst du wissbegierigen Kindern, dass sie nicht zur Schule gehen k\u00f6nnen? Diese Machtlosigkeit ist kaum zu ertragen.<\/p> <p>Moria wird also zu Recht als \u201eH\u00f6lle auf Erden\u201c bezeichnet?<\/p> <p>Moria ist menschenunw\u00fcrdig und vor allem kinderunw\u00fcrdig. Aber es geht nicht darum, dass die Medien mit Extrem-W\u00f6rtern um sich werfen, sondern darum, dass sich etwas \u00e4ndert. Aber f\u00fcr mich sieht es so aus, als ob die Gesellschaft die Zust\u00e4nde in den Lagern sowie die Schicksale der Kinder und Familien dort zwar bedauert, aber als unvermeidbar hinnimmt. Es darf nicht sein, dass ihre Realit\u00e4t im Camp zur Normalit\u00e4t der Kinder wird.<\/p> <p>Was muss passieren?<\/p> <p>Wir m\u00fcssen die Kinder dort rausholen. Es sind Kinder! Ein Fl\u00fcchtlingscamp ist einfach nicht der richtige Ort f\u00fcr ein Kind. Sie haben ein Recht auf F\u00fcrsorge und Schutz und darauf, Kind sein zu k\u00f6nnen. Wir riskieren, eine Generation zu verlieren, wenn wir jetzt nicht handeln. Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen ergriffen werden, um die Betreuung, Bildung und den Schutz der Kinder zu gew\u00e4hrleisten.<\/p> <p>Weltweit sind 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Die H\u00e4lfte ist unter 18 Jahre alt. Was brauchen Fl\u00fcchtlingskinder am dringendsten?<\/p> <p>Neben Nahrung, Medizin und Schutz brauchen diese jungen Menschen eine Chance im Leben. Wir m\u00fcssen uns vor Augen f\u00fchren, wie sich die schrecklichen Lebensbedingungen auf jedes einzelne Kind langfristig auswirken werden, wenn wir ihnen nicht helfen. Diese Kinder haben in der Regel ohnehin schon sehr viel Grausames vor und auf ihrer Flucht erleben m\u00fcssen. Doch deshalb sind sie keine hoffnungslosen F\u00e4lle! Mit Traumatherapie, Schulbildung und liebevoller F\u00fcrsorge k\u00f6nnen wir den Kindern einen Neustart erm\u00f6glichen.<\/p> <p>Wie helfen die SOS-Kinderd\u00f6rfer vor Ort?<\/p> <p>Es gibt vier SOS-Kinderd\u00f6rfer in Griechenland sowie mehrere Nothilfe- und Familienhilfe-Programme. Seit Dezember 2015 k\u00fcmmern sich Mitarbeiter der SOS-Kinderd\u00f6rfer um Fl\u00fcchtlingskinder und -Familien, unter anderem auf der Insel Lesbos. Der Fokus liegt auf unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen. Bisher konnte \u00fcber 10.600 Kindern und 920 Eltern geholfen werden. Zum Beispiel mit Unterk\u00fcnften, psychosozialer und rechtlicher Unterst\u00fctzung, Bildungsangeboten oder sportlichen Aktivit\u00e4ten. Auf Lesbos gibt es auch einen Kindergarten sowie Bildung f\u00fcr Schulkinder. So kann SOS monatlich rund 850 Menschen allein auf Lesbos helfen.<\/p> <p>Wie beeinflusst die Coronakrise die Situation im Camp?<\/p> <p>Die Corona-Ma\u00dfnahmen f\u00fchren dazu, dass noch mehr Menschen Hilfe brauchen, w\u00e4hrend aber wegen der notwendigen Distanzierung weniger aufgenommen werden k\u00f6nnen. Die Menschen, und ganz besonders Kinder und Jugendliche, sind ohnehin in einer sehr schwierigen psychischen Verfassung. Verzweiflung, Depressionen und Angst sind weit verbreitet. Wenn unsere Mitarbeiter nun nicht mehr t\u00e4glich kommen, bedeutet das eine zus\u00e4tzliche Verunsicherung. Keinen direkten, zwischenmenschlichen Zugang zu haben, stellt uns vor eine Herausforderung, die wir aber mit neuen, angepassten Abl\u00e4ufen meistern. So gibt es beispielsweise Online-Bildungs-Plattformen, Therapiesitzungen per Telefon und die Verteilung von Nahrung sowie Hygienekits. Wir leisten auch Corona-Aufkl\u00e4rung, damit die Menschen sich sch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p> <p>Spendenkonto:SOS-Kinderd\u00f6rfer weltweit<\/p> <p>IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00<\/p> <p>Stichwort: \u201eCoronahilfe weltweit\u201c<\/p> <p>Weitere Informationen finden Sie im SOS-Kinderd\u00f6rfer weltweit<\/p> <p>Die SOS-Kinderd\u00f6rfer sind eine unabh\u00e4ngige soziale Organisation, die 1949 von Hermann Gmeiner ins Leben gerufen wurde. Seine Idee: Jedes verlassene, Not leidende Kind sollte wieder eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf haben, in dem es wie andere Kinder in Geborgenheit heranwachsen kann. Aus diesen vier Prinzipien ist eine global agierende Organisation entstanden, die sich haupts\u00e4chlich aus privaten Spenden finanziert. Sie ist heute mit mehr als\u00a0575 Kinderd\u00f6rfern und rund 2.500 weiteren\u00a0SOS-Einrichtungen wie Kinderg\u00e4rten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Ausbildungs- und Sozialzentren, Krankenstationen, Nothilfeprojekte und der SOS-Familienhilfe in 137 L\u00e4ndern aktiv. Weltweit unterst\u00fctzen die SOS-Kinderd\u00f6rfer etwa 1,5 Millionen Kinder und deren Angeh\u00f6rige.<\/p> <p><b>Firmenkontakt<\/b><\/p> <p>SOS-Kinderd\u00f6rfer weltweit<\/p> <p>Louay Yassin<\/p> <p>Ridlerstr. 55<\/p> <p>80339 M\u00fcnchen<\/p> <p>089 17914 259<\/p> <p>louay.yassin@sos-kd.org<\/p> <p><b>Pressekontakt<\/b><\/p> <p>SOS-Kinderd\u00f6rfer weltweit<\/p> <p>Louay Yassin<\/p> <p>Ridlerstr. 55<\/p> <p>80339 M\u00fcnchen<\/p> <p>089 17914 259<\/p> <p>louay.yassin@sos-kd.org<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je l\u00e4nger die Debatte um die Aufnahme von unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen aus den Fl\u00fcchtlingslagern auf den griechischen Inseln \u2013 allen voran Moria auf Lesbos \u2013 weitergeht, desto l\u00e4nger m\u00fcssen tausende Kinder dort unter schrecklichen Bedingungen ausharren. Wie schlimm es in den Camps zugeht, wei\u00df Popi Gkliva. 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