{"id":277537,"date":"2025-06-20T12:04:11","date_gmt":"2025-06-20T11:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=277537"},"modified":"2025-06-20T12:04:11","modified_gmt":"2025-06-20T11:04:11","slug":"metall-valley-statt-silicon-valley","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/metall-valley-statt-silicon-valley-10277537\/","title":{"rendered":"Metall Valley statt Silicon Valley?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-277538 size-full\" title=\"Europa ben\u00f6tigt ein klares Rohstoff-Narrativ\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/463436-e1750417367747.jpg\" alt=\"Dr. Peter Riedi mit Stra\u00dfenschild &quot;Silicon Valley&quot;\" width=\"300\" height=\"169\" \/>Wie Europa den Wettlauf, um strategische Rohstoffe zu verlieren, droht &#8211; und was jetzt passieren muss?<\/p> <p>Die Weltordnung verschiebt sich: Seltene Erden, Lithium, Kupfer &amp; Co. sind nicht l\u00e4nger nur Rohstoffe, sondern geopolitische Waffen. W\u00e4hrend China dominiert und die USA aufholt, steht Europa vor der Wahl: zusehen &#8211; oder handeln. Ein Weckruf mit der Expertise von Dr. Peter Riedi, Volkswirt und Metallexperte der Augeon AG, Lugano.<!--more--><\/p> <p>Ein neues Zeitalter der Rohstoffpolitik<\/p> <p>Was fr\u00fcher \u00d6l war, sind heute Metalle. Wer in der Welt der Hochtechnologie, der E-Mobilit\u00e4t und der gr\u00fcnen Transformation bestehen will, ben\u00f6tigt Zugang zu Kobalt, Lithium, Kupfer, Graphit oder Seltenen Erden. Doch diese Rohstoffe sind nicht nur knapp &#8211; sie sind politisch aufgeladen. China kontrolliert derzeit rund 87Prozent der weltweiten Verarbeitung seltener Erden, bei Graphit sind es sogar \u00fcber 90Prozent, und auch im Bereich Lithiumraffination liegt die Volksrepublik klar vorn.<\/p> <p>In den USA entsteht parallel das &#8222;Metall Valley&#8220; &#8211; eine strategische Antwort auf die zunehmende Abh\u00e4ngigkeit vom Ausland. Mit Milliardeninvestitionen, steuerlichen Anreizen und gezielten Partnerschaften will Washington die metallurgische Unabh\u00e4ngigkeit sichern. Und Europa? H\u00e4ngt hinterher &#8211; trotz ambitionierter Pl\u00e4ne wie dem Critical Raw Materials Act der EU-Kommission.<\/p> <p>Dr. Peter Riedi, Volkswirt und Metallexperte der Schweizer Augeon AG, bringt es auf den Punkt:<\/p> <p>&#8222;Die EU hat den Ernst der Lage erkannt &#8211; aber noch l\u00e4ngst nicht gehandelt. Es fehlt nicht an politischen Willenserkl\u00e4rungen, sondern an strategischer Konsequenz und industrieller Umsetzungskraft.&#8220;<\/p> <p>Rohstoffabh\u00e4ngigkeit &#8211; Europas verwundbare Achillesferse<\/p> <p>In der deutschen Wirtschaft h\u00e4ngen laut Zahlen des BDI \u00fcber 60Prozent der Schl\u00fcsselindustrien von der gesicherten Versorgung mit kritischen Metallen ab. Besonders dramatisch: Bei einigen Metallen, etwa Gallium oder Germanium, gibt es aktuell keine nennenswerte EU-Produktion &#8211; w\u00e4hrend China Exportkontrollen verh\u00e4ngt und Russland als Lieferant ausf\u00e4llt.<\/p> <p>Zwar k\u00fcndigte Ursula von der Leyen 2023 gro\u00df an, die EU werde sich &#8222;souver\u00e4ner&#8220; aufstellen, doch bisher gleicht die Umsetzung einem Flickenteppich. Zahlreiche Abbauprojekte, etwa in Spanien oder Finnland, werden durch Umweltauflagen, langwierige Genehmigungsverfahren oder lokalen Widerstand blockiert. Die Folge: W\u00e4hrend Kanada, Australien und die USA neue Minen er\u00f6ffnen, diskutiert man in Europa noch \u00fcber Pr\u00fcfverfahren.<\/p> <p>Riedi warnt:<\/p> <p>&#8222;Europa droht, in eine strukturelle Rohstoffl\u00fccke zu laufen, die weder durch Recycling noch durch Handel vollst\u00e4ndig geschlossen werden kann. Wer die Wertsch\u00f6pfungsketten von morgen sichern will, muss heute investieren &#8211; in Exploration, Infrastruktur und strategische Partnerschaften.&#8220;<\/p> <p>&#8222;Metall Valley&#8220;: Das Rezept der USA &#8211; und was Europa daraus lernen muss<\/p> <p>Die Vereinigten Staaten machen es vor: Mit dem Inflation Reduction Act (IRA) flie\u00dfen \u00fcber 370 Milliarden Dollar in gr\u00fcne Technologien &#8211; und damit auch in den Aufbau eigener Rohstoffinfrastruktur. Unternehmen, die Metalle lokal f\u00f6rdern, verarbeiten oder nutzen, profitieren von massiven Steuererleichterungen. In Nevada entsteht eines der gr\u00f6\u00dften Lithiumprojekte der westlichen Hemisph\u00e4re, in Texas wird in strategische Metallverarbeitung investiert.<\/p> <p>Dr. Riedi sieht in dieser Entwicklung ein strategisches Vorbild:<\/p> <p>&#8222;Die USA denken entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette &#8211; von der Mine bis zur Batterie. Europa darf sich nicht l\u00e4nger auf externe Zulieferer verlassen, sondern muss eine eigene Rohstoffpolitik als Teil der Sicherheitsarchitektur begreifen.&#8220;<\/p> <p>Was muss Europa jetzt tun? F\u00fcnf kritische Baustellen:<\/p> <p>Beschleunigung der Genehmigungsverfahren<\/p> <p>Derzeit dauern Abbauzulassungen in der EU bis zu 15 Jahre &#8211; zu lang f\u00fcr ein geopolitisches Rennen. Ohne eine Reform des Umwelt- und Planungsrechts bleibt jeder Rohstoffplan blo\u00dfe Theorie.<\/p> <p>Staatliche Beteiligungen an Schl\u00fcsselprojekten<\/p> <p>Riedi fordert: &#8222;Der Staat muss sich &#8211; wie in der Energiepolitik &#8211; als strategischer Investor zur\u00fcckmelden, um Risikokapital bereitzustellen und Projekte abzusichern.&#8220;<\/p> <p>Europ\u00e4ische Rohstoffb\u00f6rse und strategische Reservebildung<\/p> <p>Wie bei \u00d6l oder Gas braucht es auch f\u00fcr kritische Metalle eine europ\u00e4ische Vorratspolitik, gesteuert durch eine Rohstoffagentur.<\/p> <p>St\u00e4rkere Integration von Recycling und Urban Mining<\/p> <p>Laut Studien des Fraunhofer-Instituts k\u00f6nnten bis zu 30Prozent des Metallbedarfs durch Urban Mining gedeckt werden &#8211; eine gigantische Chance, die bislang kaum systematisch genutzt wird.<\/p> <p>Bildung, Forschung, Ausbildung<\/p> <p>Ohne eigene Geologen, Metallurgen und Prozessingenieure bleibt Europa technologisch abh\u00e4ngig. Hier mahnt Riedi: &#8222;Wir ben\u00f6tigen eine Renaissance der Rohstoffwissenschaften an unseren Hochschulen.&#8220;<\/p> <p>Blick nach Deutschland: Aufbruchstimmung trifft Realit\u00e4t &#8211; zwischen Euphorie und Erdung<\/p> <p>Doch l\u00e4sst sich die Vision eines deutschen &#8222;Metall Valley&#8220; wirklich halten &#8211; oder erleben wir gerade nur ein Zwischenhoch mit begrenzter Tragweite? Die n\u00fcchterne Betrachtung zeigt: Die Fundamentaldaten der deutschen Wirtschaft bleiben durchwachsen, und geopolitische Risiken, insbesondere Handelsstreitigkeiten und Abh\u00e4ngigkeiten von globalen Absatzm\u00e4rkten, sind nicht verschwunden. Trotz der beeindruckenden B\u00f6rsenrally bleibt der Konjunkturimpuls im Inland schwach &#8211; ein Widerspruch, der nach juristisch-\u00f6konomischer Kl\u00e4rung ruft: Welche strukturellen Reformen braucht Deutschland wirklich, um Kapital langfristig zu binden und nicht blo\u00df kurzfristige Spekulation anzulocken?<\/p> <p>Dr. Peter Riedi warnt aus Sicht des internationalen Rohstoffmarkts:<\/p> <p>&#8222;Wachstum auf dem Papier gen\u00fcgt nicht. Wenn Deutschland ernsthaft als alternativer Kapitalmagnet gelten will, braucht es Versorgungssicherheit, Rohstoffstrategie und Energieunabh\u00e4ngigkeit &#8211; also echte Industriepolitik.&#8220;<\/p> <p>Und genau hier liegt der Kern der Herausforderung: Die B\u00f6rsenkurse m\u00f6gen gl\u00e4nzen, doch ohne industrielle Basis, gesicherte Rohstoffketten und klare politische Stabilit\u00e4t wird es schwierig, das Vertrauen der Investoren dauerhaft zu gewinnen. Die Kapitalstr\u00f6me sind sensibel &#8211; sie folgen der Logik von Skalierbarkeit, Steuerlast, Zugang zur Infrastruktur und langfristiger Verl\u00e4sslichkeit. Die Initiative zur Unternehmensbesteuerung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber in der globalen Konkurrenz noch kein Befreiungsschlag.<\/p> <p>Die spannende Frage lautet daher: Schafft es Deutschland, sich neben den USA und China als dritter strategischer Industriepol zu positionieren &#8211; oder bleibt der j\u00fcngste B\u00f6rsenschub eine wohlwollende Zwischenbilanz ohne Substanz?<\/p> <p>Nur mit mutigen politischen Weichenstellungen und europ\u00e4ischem Schulterschluss kann aus dem &#8222;Aufschwung light&#8220; ein echtes industrielles Comeback werden. Der Rohstoff f\u00fcr diese Zukunft ist nicht nur Metall &#8211; es ist Vertrauen.<\/p> <p>Fazit: Metalle sind Macht &#8211; und Europa darf nicht weiter zaudern<\/p> <p>Der Wettlauf um die Rohstoffe der Zukunft ist l\u00e4ngst im Gang &#8211; und er entscheidet nicht nur \u00fcber wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch \u00fcber politische Handlungsf\u00e4higkeit und technologische Souver\u00e4nit\u00e4t. Wer glaubt, dass Batterien, Windr\u00e4der oder Rechenzentren einfach &#8222;vom Band fallen&#8220;, ohne Zugang zu strategischen Rohstoffen, irrt gef\u00e4hrlich.<\/p> <p>Dr. Peter Riedi fasst es so zusammen:<\/p> <p>&#8222;Europa ben\u00f6tigt ein klares Rohstoff-Narrativ &#8211; eins, das \u00d6kologie, Geopolitik und Industriepolitik zusammendenkt. Andernfalls wird das Silicon Valley von morgen nicht in Bayern oder Baden-W\u00fcrttemberg stehen, sondern in Sichuan, Texas oder Ontario.&#8220;<\/p> <p>Ausblick: Ein starkes, rohstoffresilientes Europa ben\u00f6tigt mehr als Gesetze &#8211; es braucht Entschlossenheit, Weitblick und Menschlichkeit<\/p> <p>Was Europa jetzt ben\u00f6tigt, ist mehr als ein regulatorischer Katalog. Es braucht ein Zukunftsversprechen, das wirtschaftliche St\u00e4rke mit sozialer Verantwortung und \u00f6kologischer R\u00fccksicht vereint. Ein &#8222;Green Deal 2.0&#8220;, der nicht nur auf Klimaziele zielt, sondern auch Versorgungssicherheit, Friedenssicherung und Vertragsklarheit im internationalen Rohstoffhandel umfasst.<\/p> <p>Eine resiliente Rohstoffpolitik bedeutet:<\/p> <p>Langfristige Partnerschaften mit rohstoffreichen L\u00e4ndern auf Augenh\u00f6he, die gerechte Gewinnverteilung, Umweltstandards und stabile Vertragssicherheit garantieren. Europa muss fair handeln &#8211; mit Rohstoffen, aber auch mit Respekt.<\/p> <p>Ein europ\u00e4isches Rohstoffabkommen, das wie der Schuman-Plan einst f\u00fcr Kohle und Stahl, nun f\u00fcr Lithium, Kupfer und Seltene Erden gilt &#8211; eingebettet in einen multilateralen Rahmen, der Frieden durch wirtschaftliche Kooperation sichert.<\/p> <p>Vertragsmodelle mit Nachhaltigkeitsgarantien, die sowohl Investitionen erm\u00f6glichen als auch lokale Bev\u00f6lkerung und Natur einbinden. Keine Ausbeutung unter gr\u00fcner Flagge, sondern faire Teilhabe an einer neuen industriellen Zukunft.<\/p> <p>Ein europ\u00e4isches Rohstoffkommissariat, das geostrategische Planung, Marktbeobachtung, Infrastrukturf\u00f6rderung und Risikopuffer koordiniert &#8211; nicht nur auf dem Papier, sondern in den Regionen Europas sp\u00fcrbar.<\/p> <p>Rohstoffsouver\u00e4nit\u00e4t ist machbar &#8211; wenn kluge Vertr\u00e4ge, friedliche Partnerschaften und eine klare Vision zusammenkommen. Es geht nicht um Protektionismus, sondern um Resilienz. Nicht um Abschottung, sondern um Unabh\u00e4ngigkeit in Verantwortung. Ein starkes Europa darf nicht auf andere hoffen, sondern muss selbst Hoffnung stiften &#8211; mit Vertr\u00e4gen, die halten, mit Investitionen, die wirken, und mit Entscheidungen, die Menschen und Umwelt gleicherma\u00dfen mitdenken.<\/p> <p>Die Stunde der Entscheidung ist jetzt.<\/p> <p>Denn die Frage ist nicht mehr, ob Europa souver\u00e4n sein kann &#8211; sondern ob wir den Mut haben, es auch zu wollen.<\/p> <p>Autor: Uli Bock, Ulm, Experte Schulung &amp; Marketing<\/p> <p>\u00dcber den Autor:<\/p> <p>Uli Bock ist Autor und Experte f\u00fcr Schulung und Marketing bei der Augeon AG. Mit seiner umfangreichen Erfahrung in der Markenkommunikation und der Unternehmensentwicklung hilft er, effektive Marketingstrategien und Schulungskonzepte zu gestalten. Seine Fachartikel bieten wertvolle Einblicke in innovative Marketingans\u00e4tze und moderne Weiterbildungsmethoden.<\/p> <p>Die augeon AG, mit Sitz in der Schweiz, hat sich der Aufkl\u00e4rung und Unterst\u00fctzung von Menschen bei der Neubewertung und Neuordnung ihrer Verm\u00f6gensstrategie verschrieben. In Zusammenarbeit mit Branchenexperten haben wir eine umfassende Konzeption entwickelt, die es erm\u00f6glicht, hart verdiente und bereits versteuerte Verm\u00f6genswerte au\u00dferhalb des traditionellen Bankenkreislaufs sicher anzulegen. Dies erlaubt Einzelnen, nach der Bew\u00e4ltigung bevorstehender Herausforderungen auf bew\u00e4hrte Verm\u00f6genswerte zur\u00fcckzugreifen.<\/p> <p><b>Kontakt<\/b><\/p> <p>Augeon AG<\/p> <p>Uli Bock<\/p> <p>Via Lavizzari 2a<\/p> <p>6900 Lugano<\/p> <p>+41 91 911 88 52<\/p> <p>+41 91 910 17 61<\/p> <p><img alt=\"3288d4a0b9658d0e6bb492335920f207c15b798f\" \/><\/p> <p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.augeon.com\"  >https:\/\/www.augeon.com<\/a><\/p> <p>Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Europa den Wettlauf, um strategische Rohstoffe zu verlieren, droht &#8211; und was jetzt passieren muss? Die Weltordnung verschiebt sich: Seltene Erden, Lithium, Kupfer &amp; Co. sind nicht l\u00e4nger nur Rohstoffe, sondern geopolitische Waffen. W\u00e4hrend China dominiert und die USA aufholt, steht Europa vor der Wahl: zusehen &#8211; oder handeln. 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