{"id":34115,"date":"2011-11-02T15:02:57","date_gmt":"2011-11-02T14:02:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=34115"},"modified":"2011-11-02T15:02:57","modified_gmt":"2011-11-02T14:02:57","slug":"kosovo-und-serbien-die-geleugnete-hintergruende-der-balkankrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/kosovo-und-serbien-die-geleugnete-hintergruende-der-balkankrise-1034115\/","title":{"rendered":"Kosovo &#8211; Das Knie Europas"},"content":{"rendered":"<p>Das Neueste zuerst: Russland plant eine neue Basis im S\u00fcden Serbiens. Die Zentralbalkan-Republik Serbien erh\u00e4lt damit einen &#8222;Schutzschirm&#8220; &#8211; wie stark milit\u00e4risch der ausgepr\u00e4gt sein wird, bleibt vorerst dahingestellt. Es scheint so, als sei das Ziel westlicher Interventionen, eine Rechtfertigung f\u00fcr ihre Eingriffe gegen die einstige Republik Jugoslawien zu erhalten, damit ein St\u00fcck mehr gefestigt worden.<\/p> <p>Die Russen sagen, die neue Basis nahe der Stadt Nis habe &#8222;rein humanit\u00e4re&#8220; Ziele. Piloten widersprechen und entgegnen, auf der Ebene um Nis lie\u00dfen sich wunderbar Start- und Landebahnen auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfte Flugzeuge bauen.<\/p> <p><!--more-->Das amerikanische Camp Bondsteel im nahen Kosovo, mit 386 Hektar Fl\u00e4che das gr\u00f6\u00dfte und vor allem bedeutendste nach der US-Basis in Deutschland, hat also seine Entsprechung in Serbien.<\/p> <p>Um es klar vorweg zu nehmen: Serbien hat bisher noch nichts, was eine Aufnahme in die EU rechtfertigt. Au\u00dfer seiner geostrategischen Bedeutung und der traditionell guten Beziehungen zu Russland, die den GUS-Staaten erlauben, ein Bein in die EU und in die westliche Interessenssph\u00e4re zu stellen.<\/p> <p>Serbien ist damit so eine Art Kuba auf dem Balkan<\/p> <p>Dabei profitiert die Republik Serbien von ihrer geostrategischen Lage, ohne dass ihr diese zur Gefahr wird: Denn umgeben von EU-Staaten, bleibt der Europ\u00e4ischen Union im Grunde nichts anderes \u00fcbrig, als Serbien &#8211; irgendwann &#8211; aufzunehmen. Um die Strukturen zu unterst\u00fctzen, die n\u00f6tig sind, einen solchen Schritt zu rechtfertigen, hat EU-Erweiterungskommissar Stefan F\u00fcle schon mal vorab Hunderte Millionen Euro nach Belgrad \u00fcberweisen lassen.<\/p> <p>Das sorgt f\u00fcr b\u00f6ses Blut in anderen Regionen: Nicht nur bei den Kosovaren.<\/p> <p>Denn im Grunde will selbst in der Republik Serbien die \u00fcberwiegende Mehrheit den EU-Beitritt des letzten Rumpfes des einstigen Jugoslawien nicht &#8211; die Menschen sind immer noch stolz auf ihre Geschichte und selbst auf den schon wieder neuen und besonderen Weg des Landes &#8211; umgeben von EU-Staaten. ( Serie, Teil 3 &#8211; Belgrad, die morbide Sch\u00f6ne &#8211; und die Interessen des Westens)<\/p> <p>Das wiederum macht Serbien f\u00fcr Russland und die GUS-Gemeinschaft interessant. Und f\u00fcr die EU zum potenziellen Brandsatz.<\/p> <p>Deshalb werden Zugest\u00e4ndnisse, die die EU den Kosovaren l\u00e4ngst schuldig sind, \u00fcber jedes ertr\u00e4gliche Ma\u00df hinaus verz\u00f6gert, ganz normale Leistungen nicht gew\u00e4hrt.<\/p> <p>Die Visafreiheit f\u00fcr die Menschen auf dem Kosovo Polje geh\u00f6rt dazu: Der Kosovo, das erfolgreichste &#8222;Projekt&#8220;, das die EU auf politischer Ebene je durchgefochten hat, ist zugleich der letzte verbliebene Balkanstaat, dessen B\u00fcrger keine Visafreiheit f\u00fcr Europa genie\u00dfen. W\u00e4hrend selbst Serben jederzeit visafrei quer durch Europas Kapitalen reisen d\u00fcrfen, m\u00fcssen Kosovaren in unw\u00fcrdigen, oft hunderte Meter langen Schlangen vor den Botschaften in Pristina und sonstwo auf dem Amselfeld kampieren, um einen der begehrten Stempel in ihren Ausweis zu erhalten und mit dem Visum die Reisefreiheit.<\/p> <p>&#8222;Das ist unertr\u00e4glich: Die Feinde aus dem Jugoslawien-Krieg werden mit Visafreiheit in die Siegerl\u00e4nder belohnt, die Verb\u00fcndeten mit konsequenter und fortgesetzter Verweigerung dieser Visafreiheit vor den Kopf gesto\u00dfen&#8220;, kritisieren Menschenrechtler, Historiker, Politologen &#8230; die EU bleibt stur.<\/p> <p>Die Feigheit von Rum\u00e4nien, der Slowakei, Zypern, Griechenland und Spanien, die wegen eigener Minderheitenprobleme als einzige europ\u00e4ische Nationen den Kosovo immer noch nicht anerkannt haben &#8211; weltweit haben dies bereits 86 Nationen getan &#8211; hindert Europa au\u00dferdem daran, \u00fcber die EU-Institutionen den Kosovaren gegen\u00fcber mit einer Stimme zu sprechen.<\/p> <p>Damit sind zum Beispiel Verhandlungen um eine Aufnahme in die EU so gut wie unm\u00f6glich.<\/p> <p>Das Opfer Kosovo bleibt am G\u00e4ngelband jedoch auch um anderer Ziele der internationalen Interventionisten willen: Albin Curtis &#8222;Vetevendosje&#8220;, die Partei der &#8222;Selbstbestimmung&#8220; des Kosovo, erh\u00e4lt seit Jahren einen so rapiden Zulauf, dass der Tag abzusehen ist, an dem Curti und Co. im Parlament in Pristina Beschl\u00fcsse durchsetzen oder verhindern k\u00f6nnen. Einer d\u00fcrfte sein, die Amerikaner, die umstrittene &#8222;Rechtsstaatlichkeitsmission&#8220; Eulex und die Unmik des Landes zu verweisen. Damit das nicht geschieht, werden bereits vorsorglich Pl\u00e4ne in den Schubladen der Geheimdienste gehalten, Curti aller m\u00f6glicher und unm\u00f6glicher Verbrechen zu beschuldigen, solcher eben, die ein Partisan m\u00f6glicherweise begangen haben kann oder vielleicht sogar haben muss, um zu \u00fcberleben.<\/p> <p>Bereits aktuell werden solche Vorw\u00fcrfe dem derzeitigen Pr\u00e4sidenten Hashim Thaci gemacht: Organhandel, organisierte Kriminalit\u00e4t im Handel mit Waffen, M\u00e4dchen, Drogen &#8230; es gibt kaum etwas, was die Usurpatoren des Amselfeldes seit dem Sieg \u00fcber die Serben auf dem Amselfeld nicht aus den Schubladen ihrer Verleumdungs-Kabinette geholt haben &#8211; um den Mann erpressbar zu halten: Willf\u00e4hrig soll er bleiben und nicht auf dumme Ideen kommen.<\/p> <p>Eine solche w\u00e4re, den Amis die Lande- und Stationierungsrechte f\u00fcr Camp Bondsteel zu k\u00fcndigen &#8230;<\/p> <p>&#8220; &#8230; nein, GT ist uns nicht sonderlich sympathisch, solange Sie so negative Dinge \u00fcber die USA aufdecken und so hoch h\u00e4ngen&#8220;, sagte uns neulich ein von der offiziellen US-Balkanpolitik zwar nicht \u00fcberzeugter, aber abh\u00e4ngiger Diplomat.<\/p> <p>Solche Menschen gibt es in gro\u00dfer Zahl &#8211; in Kosovo ebenso wie in Serbien. In Serbien reagieren diese Menschen, indem sie &#8211; wie soeben geschehen &#8211; die Russen ins Land holen und den Westen auch damit erpressen. In Kosovo w\u00e4re das nicht m\u00f6glich. Dort aber droht eine andere, viel gef\u00e4hrlichere Allianz: Es w\u00e4re die zwischen Albin Curti und seiner Partei und Hashim Thaci und dessen einstigen Partisanen.<br \/> Auch die von einem amerikanisch-t\u00fcrkischen Konsortium zur Zeit von Tirana, Albanien, nach Pristina, Kosovo, im Bau befindliche Autobahn w\u00fcrde nicht verhindern, dass ein Zusammenschluss aller einstigen Partisanen ein starkes und unabh\u00e4ngiges Kosovo politisch denken k\u00f6nnte, in dem die angloamerikanischen Massenvernichtungswaffen des internationalen Kapitals unwirksam w\u00e4ren und wo die EU &#8211; sei es auch aus rein humanit\u00e4ren Aspekten &#8211; stark gefordert w\u00e4re.<\/p> <p>Ein solcher Staat w\u00e4re auch den Serben nicht recht. Deshalb kokettiert man in Belgrad nicht nur mit den Russen, sondern unter Staatspr\u00e4sident Boris Tadic immer auch mit den Amerikanern &#8230; man w\u00fcrde ihnen Bondsteel lassen, erf\u00e4hrt man unter der Hand in Belgrad, wenn die Amerikaner sich f\u00fcr eine Abtrennung und Autonomie des kosovarischen Nordens einsetzen w\u00fcrden. Listige \u00dcberlegung im serbischen Weltbild ist dabei nicht nur, dass ein Rumpfkosovo ohne den Norden auf einen Gro\u00dfteil seiner Bodensch\u00e4tze verzichten m\u00fcsste &#8211; die eben im Norden zu finden sind &#8211; sondern dass ein autonomer Pufferstaat zwischen &#8222;Rumpfjugoslawien&#8220; und dem aufm\u00fcpfigen, Albanien zugewandten Kosovo \u00fcberdies auch ethnisch nicht mehr die ungeteilte Sympathie der Europ\u00e4er &#8211; und vor allem der Deutschen &#8211; finden w\u00fcrde.<\/p> <p>Diesen Spaltpilz erkennen nat\u00fcrlich auch die USA. Und nutzen ihn f\u00fcr ihre Interessen: Zum Beispiel jene, mit dem Camp auf dem Amselfeld ein Einfallstor \u00fcber den Balkan zur Seidenstra\u00dfe und bis in die entferntesten, kaukasischen Republiken zu haben. Dort \u00fcberall sind sie n\u00e4mlich schon &#8211; und dominieren druckvolle Ma\u00dfnahmen aus der S\u00fcdflanke gegen den einstigen und immer noch starken, milit\u00e4rischen &#8222;Russischen B\u00e4ren&#8220;.<\/p> <p>Deutschland ist im Spiel der M\u00e4chte nicht immer gl\u00fcckreich: Die \u00dcbernahme der Telekom Kosovo gilt als unsicher, so manches andere Projekt ebenso. Trotzdem macht die deutsche Bundeskanzlerin auf dem Balkan eine starke Figur. Das gilt sowohl gegen\u00fcber Serbien (Deutschland ist dort st\u00e4rkster Handelspartner und Angela Merkel kann man nicht ignorieren, wenn sie sagt, eine EU-Mitgliedschaft komme erst nach einer definitiven Grenzregelung mit Kosovo in Frage) als auch gegen\u00fcber dem Kosovo und den anderen, dort engagierten Playern.<\/p> <p>Das ist wichtig!<\/p> <p>Ebenso entscheidend ist, dass die Politik der EU ganz klar darum k\u00e4mpft und die folgenden vier Punkte in den Fokus ihrer Bem\u00fchungen stellt und mit einer Stimme durchdr\u00fcckt:<\/p> <p>1. Reise- und Visafreiheit f\u00fcr die Kosovaren im gesamten europ\u00e4ischen Raum.<\/p> <p>2. Einen effektiven Auf- und Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen auf Basis einer gekl\u00e4rten Vertragssituation.<\/p> <p>3. Den Umgang mit dem kleinen Land mit einer weit reichenden Vision, die mit einer Stimme verfochten wird.<\/p> <p>4. Die Anerkennung des Kosovo auch durch die kleinen, feigen Wirtschaftszwerge Rum\u00e4nien, die Slowakei, Zypern, Griechenland und Spanien.<\/p> <p>Erst wenn das erreicht ist, wird eine Politik glaubw\u00fcrdig, die sich auf der Grundlage der erfolgreichen Verteidigung der Rechte der Schw\u00e4chsten auf dem Balkan das Recht erwirbt, dann auch Serbien effektiv in die EU zu integrieren.<\/p> <p>Und erst wenn diese, glaubw\u00fcrdige Schiene aufgemacht wird, ist Europa offen f\u00fcr die Weiterentwicklung einer dann ebenfalls glaubw\u00fcrdigen politischen und wirtschaftlichen Integration der neuen L\u00e4nder im Osten, ohne dass damit Gefahren verbunden sein werden, wie sie Griechenland zur Zeit \u00fcber alle Euro-L\u00e4nder bringt.<\/p> <p>So gesehen, ist der kleine Staat Kosovo, der j\u00fcngste Europ\u00e4er, das Knie Europas.<\/p> <p>Europa, der alte Mann auf dem alten Kontinent, k\u00f6nnte nicht mehr aufrecht stehen, geschweige denn voran schreiten, wenn er es zulassen w\u00fcrde, dass ihn &#8211; wer auch immer &#8211; ins Knie schie\u00dft.<\/p> <p>Die Weiterungen der oben genannten Zusammenh\u00e4nge und Interessen in allen ihren Interdependenzen w\u00fcrden das Abendland insgesamt in seinen m\u00fchsam aufgebauten, friedlichen Strukturen und Grenzgestaltungen in Frage stellen.<\/p> <p>Es gilt mithin als eine der vordersten Priorit\u00e4ten, daf\u00fcr zu sorgen, dass es nicht wieder m\u00f6glich wird, dass fremdgesteuerte Interessen eines Landes eine Region wie den Balkan als Brandbeschleuniger f\u00fcr innereurop\u00e4ische Konflikte missbrauchen k\u00f6nnen.<\/p> <p>Keinem aus dem Reigen der M\u00e4chte der Erde w\u00e4re damit schlussendlich gedient. Das in seinen Facetten aus dem Desaster einer 130-j\u00e4hrigen, neueren Geschichte herauszuarbeiten, ist der Gegenstand der Serie in GT.<\/p> <p>Lesen Sie auch:<\/p> <p>Der Z\u00fcnder f\u00fcr das Pulverfass Balkan ist in Br\u00fcssel zu suchen, nicht in Pristina<\/p> <p>Die ganze Serie: Quo vadis Serbien &#8211; das Land im Sp\u00e4therbst 2011<\/p> <p>Der Autor:<br \/> Norbert Gisder, Buchautor und Journalist seit 35 Jahren, kennt Serbien und den Kosovo seit Mitte der 70-er Jahre von unz\u00e4hligen Recherchereisen. Norbert Gisder ist Politologe und Chefredakteur dieses Magazins.<\/p> <p>Mehr Serbien<br \/> Weiter nach Kosovo<\/p> <p>Wie Kosovo, so ist auch Serbien ein Vielv\u00f6lkerstaat. Ethnische Zusammensetzung: 82,8 Prozent Serben, 3,9 Prozent Ungarn, 2,1 Prozent Bosniaken bzw. &#8222;ethnische Muslime&#8220;, 1,4 Prozent Roma, 1,1 Prozent &#8222;Jugoslawen&#8220;, 0,9 Prozent Montenegriner, 0,9 Prozent Kroaten, 0,8 Prozent Slowaken, 0,8 Prozent Albaner, 0,5 Prozent Vlahen, 0,5 Prozent Rum\u00e4nen, 0,4 Prozent Mazedonier, 0,3 Prozent Bulgaren, 0,3 Prozent Bunjevazen, 0,2 Prozent Ukrainer (Ruthenen) und circa 4.000 Deutsche sowie Angeh\u00f6rige weiterer Gruppen der insgesamt 21 Minderheiten. Bev\u00f6lkerungswachstum: circa -0,47 Prozent (um Migrationssaldo bereinigt).<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> GT &#8211; Online-Magazin f\u00fcr Politische Kultur und Mobilit\u00e4t<br \/> Norbert Gisder<br \/> Dorfstra\u00dfe 15<\/p> <p>15712 K\u00f6nigs Wusterhausen<br \/> Brandenburg<\/p> <p>E-Mail: mail@gt-worldwide.com<br \/> Homepage: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.gt-worldwide.com\" title=\"Online-Zeitschrift f\u00fcr politische Kultur\" >http:\/\/www.gt-worldwide.com<\/a><br \/> Telefon: 033755285127<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> GT &#8211; Online-Magazin f\u00fcr Politische Kultur und Mobilit\u00e4t<br \/> Norbert Gisder<br \/> Dorfstra\u00dfe 15<\/p> <p>15712 K\u00f6nigs Wusterhausen<br \/> Brandenburg<\/p> <p>E-Mail: mail@gt-worldwide.com<br \/> Homepage: http:\/\/www.gt-worldwide.com<br \/> Telefon: 033755285127<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Neueste zuerst: Russland plant eine neue Basis im S\u00fcden Serbiens. 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