{"id":36913,"date":"2011-11-24T12:05:34","date_gmt":"2011-11-24T11:05:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=36913"},"modified":"2011-11-24T12:07:06","modified_gmt":"2011-11-24T11:07:06","slug":"rheinland-pfalz-mehr-jagd-mehr-wildschweine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/rheinland-pfalz-mehr-jagd-mehr-wildschweine-1036913\/","title":{"rendered":"Starke Bejagung f\u00fchrt zu einer deutlich h\u00f6heren Fortpflanzung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Kondome an Keiler? Bache mit Frischlingen.\" src=\"http:\/\/3.bp.blogspot.com\/-7QPF1wJdY1M\/TszWBS77V_I\/AAAAAAAAG3E\/uRiUcIlvGMo\/s400\/Bache+mit+Frischlingen.jpg\" alt=\"\" width=\"127\" height=\"86\" \/>Zun\u00e4chst mag man denken, es sei ein Widerspruch &#8211; doch die Realit\u00e4t lehrt uns anderes. In Rheinland-Pfalz ist die Anzahl der get\u00f6teten Wildschweine &#8211; die J\u00e4ger sprechen von der &#8222;Schwarzwildstrecke&#8220; &#8211; im langj\u00e4hrigen Durchschnitt trotz einer Intensivierung der Jagd kontinuierlich steigend. Wurden im Jagdjahr 1991\/92 noch etwa 20.000 Wildschweine im langj\u00e4hrigen Jahresschnitt zur Strecke gebracht, so waren das 19 Jahre sp\u00e4ter bereits 55.000, Tendenz steigend wie das Rekordjahresergebnis von 2008\/09 mit \u00fcber 80.000 toten Tieren verdeutlicht.<\/p> <p>Gr\u00fcnde f\u00fcr die starke Vermehrung der Wildschweine gibt es reichlich. <!--more-->So tr\u00e4gt der Klimawandel mit einer H\u00e4ufung sogenannter &#8222;Mastjahre&#8220; dazu bei. Mastjahre bescheren dem Wild ein \u00fcppiges Angebot an Waldfr\u00fcchten wie Bucheckern und Eicheln und f\u00fchren in den Folgejahren zu einer erh\u00f6hten Reproduktion. Kontinuierlicher noch als Mastjahre ist die Regelm\u00e4\u00dfigkeit, mit welcher J\u00e4ger das Schwarzwild f\u00fcttern: Hochrechnungen der Forschungsanstalt f\u00fcr Wald\u00f6kologie und Forstwirtschaft, Rheinland-Pfalz, zufolge bringen J\u00e4ger dazu jedes Jahr bis zu 1.384 Tonnen (!) Mais zum Anf\u00fcttern des Wildes in den rheinland-pf\u00e4lzischen Wald &#8211; zus\u00e4tzlich zu dem Angebot unserer immer h\u00e4ufiger monokulturell angelegten Landwirtschaft, die den Schwarzkitteln mit riesigen Mais- oder Rapsfeldern \u00fcbrigens eine pr\u00e4chtige Deckung bietet.<\/p> <p>Das Landwirtschafts- und Umweltministerium in Mainz versucht gemeinsam mit dem Landesjagdverband, den Bauern und anderen Interessensgruppen dieser Entwicklung mit einer seit Jahren zunehmenden Intensivierung der Jagd zu begegnen &#8211; bisher ohne Erfolg.<\/p> <p>Dabei gibt es in Rheinland-Pfalz kaum noch Tabus: Da werden revier\u00fcbergreifende Gesellschaftsjagden mit Hundertschaften von J\u00e4gern und Treibern mit ihren Jagdhunden veranstaltet, das Jagen der f\u00fcr das Sozialgef\u00fcge so wichtigen Leitbachen &#8211; ob tragend oder nicht &#8211; wird propagiert, Frischlingsfallen aufgestellt, Tiere in der Winterruhe gest\u00f6rt, die Jagd des nachts mit Zusatzscheinwerfern erlaubt und Schonzeiten aufgehoben.<\/p> <p>Der Umgang mit den Wildschweinen st\u00f6\u00dft auch im Kreis der J\u00e4gerschaft auf zunehmende Akzeptanzprobleme und auf Widerstand. Erhard B\u00e4der, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, beklagte erst k\u00fcrzlich den &#8222;Stress f\u00fcr seine J\u00e4ger&#8220;. Andere halten die Wertung der Tiere als Sch\u00e4dlinge f\u00fcr nicht tragbar. Schon 2002 prangert Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner &#8211; selber J\u00e4ger &#8211; an: &#8222;Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht&#8220;. F\u00fcr die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die J\u00e4ger selbst verantwortlich. &#8222;Ungeordnete Sozialverh\u00e4ltnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschlie\u00dflich der Jagdaus\u00fcbung anzulasten.&#8220;<\/p> <p>Zur Intensivierung der Jagd kommt eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern um Sabrina Servanty, die 2009 im renommierten &#8222;Journal of Animal Ecology&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde, zu folgendem Ergebnis: Starke Bejagung f\u00fchrt zu einer deutlich h\u00f6heren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. In Gebieten, in denen wenig J\u00e4ger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt sp\u00e4ter und erst bei einem h\u00f6heren Durchschnittsgewicht ein.<\/p> <p>Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung M\u00fcnchen leitet, f\u00fchrt diesen Sachverhalt auch darauf zur\u00fcck, dass in einem Gebiet in welchem durch die Jagd viele Tiere get\u00f6tet werden, die Verbliebenen ein besseres Futterangebot haben. &#8222;Tiere, die gest\u00e4rkt \u00fcberleben, pflanzen sich im Fr\u00fchjahr zeitiger und zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rker fort&#8220;, sagt Reichholf.<\/p> <p>Es gibt zahlreiche Indizien daf\u00fcr, dass die Schwarzwildjagd trotz oder vielleicht gerade wegen der intensiven Bejagung hinsichtlich ihrer Effektivit\u00e4t am Ende ist. Neben tierschutzrechtlichen und ethischen Bedenken st\u00f6\u00dft die Jagd auch an zeitliche und r\u00e4umliche Grenzen.<\/p> <p>Eine Alternative zum hohen Jagddruck k\u00f6nnte nach Meinung von Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland e.V., die R\u00fcckkehr zur herk\u00f6mmlichen Ansitzjagd sein, verbunden mit der strikten Unterlassung jeglicher F\u00fctterung und im Rahmen der \u00fcblichen Jagdzeiten im Herbst und Winter. Unterst\u00fctzen k\u00f6nnte man diesen Weg mittels Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung in punktuell kritischen Regionen. Impfstoffe mit EU-Zulassung, die auch im Hinblick auf die Verwertung des Wildbrets unbedenklich sind, stehen im Bereich der Nutztierhaltung bereits zur Verf\u00fcgung. Allerdings bed\u00fcrfen hierzu einige Bereiche noch der wissenschaftlichen Begleitforschung, welche das Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, voranbringt. Um eine Finanzierung des 3-4 Jahre dauernden Projektes bem\u00fcht sich Wildtierschutz Deutschland.<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/\" title=\"Wildtierschutzverein - Respekt aus Sympathie\" >http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<\/a><br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p> <p>Informieren Sie sich weiter \u00fcber Fachzeitschriften aus dem Bereich <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/seite\/p\/kat\/katid\/47\" title=\"Fachzeitschriften zum Thema Tiere\" >Tiere<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst mag man denken, es sei ein Widerspruch &#8211; doch die Realit\u00e4t lehrt uns anderes. 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