{"id":385,"date":"2008-06-23T15:53:12","date_gmt":"2008-06-23T14:53:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/journalistische-online-recherche-auf-dem-prufstand-10385\/"},"modified":"2010-07-26T14:22:23","modified_gmt":"2010-07-26T13:22:23","slug":"journalistische-online-recherche-auf-dem-prufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/journalistische-online-recherche-auf-dem-prufstand-10385\/","title":{"rendered":"Journalistische Online-Recherche auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<p><strong> Journalistische Online-Recherche auf dem Pr\u00fcfstand: Qualit\u00e4tssteigerung notwendig<\/strong><\/p> <p>Neue LfM-Studie zeigt Perspektiven journalistischer Arbeitsweisen im Internetzeitalter<\/p> <p style=\"margin-top: 15px\"><strong>(lifepr) D\u00fcsseldorf, 23.06.2008<\/strong> #Das Internet fordert den wichtigsten Bereich journalistischer Arbeit heraus: Die Qualit\u00e4t der Recherche steht online wie offline auf dem Pr\u00fcfstand; eine Steigerung der Qualit\u00e4t ist hier notwendig. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Landesanstalt f\u00fcr Medien NRW (LfM). Mit der breit angelegten Untersuchung wird erstmals gro\u00dffl\u00e4chig das Thema Online-Recherche in deutschen Zeitungs-, Fernseh-, H\u00f6rfunk- und Internetredaktionen unter die Lupe genommen. Im Rahmen einer hochkar\u00e4tig besetzten Tagung im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin forderten f\u00fchrende Journalisten aller Mediengattungen eine offensive Auseinandersetzung mit dem Thema.<!--more--><\/p> <p>Die Recherche im Internet gewinnt f\u00fcr Journalisten zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die Schnelligkeit der Informationsbeschaffung und die Vielfalt der Informationen bieten erhebliche Vorteile. Doch aus ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen in Redaktionen erwachsen auch Risiken und Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel. Eine \u00dcberpr\u00fcfung von Online-Quellen findet nur selten statt. Und: Journalisten greifen bei ihrer Recherche im Netz vornehmlich auf andere journalistische Erzeugnisse zur\u00fcck anstatt auf Prim\u00e4rquellen wie etwa Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen.<\/p> <p>Man schreibt also sprichw\u00f6rtlich voneinander ab. Prof. Dr. Marcel Machill von der Universit\u00e4t Leipzig, der die Studie &#8222;Journalistische Recherche im Internet&#8220; im Auftrag der Landesanstalt f\u00fcr Medien NRW (LfM) geleitet hat, beobachtet in diesem Zusammenhang eine gesteigerte Selbstreferentialit\u00e4t im Journalismus: &#8222;Computergest\u00fctzte Recherche macht es den Medienschaffenden noch einfacher, schnell nachzuschauen, was die Kollegen zu einem aktuellen Thema erarbeitet haben.&#8220;<\/p> <p>Gemeinsam mit seinem Team vom Lehrstuhl f\u00fcr Journalistik II hat er insgesamt 34 Medienangebote (Tageszeitungen, \u00f6ffentlich-rechtliche und private H\u00f6rfunk- und TV-Sender, redaktionelle Onlineangebote) untersucht. \u00dcber 600 Journalisten wurden bundesweit schriftlich befragt und 235 Journalisten bei ihrer Arbeit beobachtet. Am Montag, 23. Juni, wurden die Studienergebnisse bei der LfM-Tagung im Haus der Bundespressekonferenz erstmals \u00f6ffentlich pr\u00e4sentiert.<\/p> <p>Google hat auch bei Journalisten eine Vormachtstellung<\/p> <p>Das Telefon ist nach wie vor das wichtigste Rechercheinstrument der Journalisten. Doch gerade bei der Ermittlung von Zusatzquellen &#8211; wenn Journalisten also das auf ihren Schreibtisch eingehende Material erweitern wollen &#8211; kommen die Suchmaschinen im Internet zum Einsatz. Und hier dominiert auch bei den Medienschaffenden eindeutig Google den Markt. Wer bei Google beispielsweise zu einem aktuellen journalistischen Thema als Experte unter den ersten zehn Treffern gelistet wird, hat gr\u00f6\u00dfte Chancen, wiederum von Journalisten interviewt zu werden. Die Suchmaschine kanalisiert also auch bei den professionellen Kommunikatoren die Aufmerksamkeit. Die befragten Redakteure sehen indes die Dominanz des privaten Suchmaschinenanbieters Google \u00fcberwiegend pragmatisch: Sie sind sich m\u00f6glicher Probleme bewusst, greifen aber weiterhin auf die marktf\u00fchrenden Angebote zur\u00fcck, statt alternativ in Eigeninitiative unabh\u00e4ngige Quellen zu recherchieren. Daf\u00fcr werden haupts\u00e4chlich strukturelle Gr\u00fcnde (personelle Engp\u00e4sse und Zeitmangel im Redaktionsalltag) verantwortlich gemacht.<\/p> <p>&#8222;Unsere Pilotstudie &#8218;Journalistische Recherche im Internet&#8216; verweist auf einen prek\u00e4ren Sachverhalt&#8220;, sagte LfM-Direktor Prof. Dr. Norbert Schneider. &#8222;Die Medienunternehmen m\u00fcssen ein hohes Eigeninteresse daran haben, dass ihre Nachrichten sauber recherchiert sind &#8211; auch wenn sie auf Online-Recherche beruhen. Schlie\u00dflich geht es hier um ein hohes Gut der Medien: n\u00e4mlich ihre Glaubw\u00fcrdigkeit, die man in der Regel nur einmal verlieren kann.&#8220; Schneider betonte mit Blick auf Journalisten und ihre Arbeitsweisen, dass selbstverst\u00e4ndlich klassische journalistische Standards weiterhin eingehalten werden m\u00fcssen. Er forderte Unternehmen auf, die daf\u00fcr unverzichtbaren Arbeitsbedingungen auch vorzuhalten.<\/p> <p>Handlungsempfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/p> <p>Die LfM-Studie formuliert vor diesem Hintergrund spezielle Handlungsempfehlungen, z. B. das Berufsbild des Dokumentationsjournalisten zu f\u00f6rdern. Im anglo-amerikanischen Bereich sind die so genannten &#8222;fact-checkers&#8220; in vielen Redaktionen Standard. Bei der journalistischen Aus- und Fortbildung, so eine weitere Empfehlung der Studie, m\u00fcsse Recherchekompetenz verst\u00e4rkt in den Fokus ger\u00fcckt werden.<\/p> <p>Auch die \u00dcberlegung einer genossenschaftlich finanzierten, verl\u00e4sslichen und unparteiischen Suchmaschinentechnologie wurde auf der hochkar\u00e4tig besetzten LfM-Medientagung in Berlin diskutiert. Zu den Panelteilnehmern z\u00e4hlten Peter Kloeppel (Chefredakteur RTL), J\u00f6rg Sadrozinski (Redaktionsleiter tagesschau.de), Detlef Noormann (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Programmdirektor Berliner Rundfunk), Lorenz Maroldt (Chefredakteur &#8222;Der Tagesspiegel&#8220;), Thomas Leif (Vorsitzender Netzwerk Recherche), Volker Hummel (Initiative Qualit\u00e4t im Journalismus) u. a.<\/p> <p>Bibliographische Angaben:<\/p> <p>Marcel Machill, Markus Beiler, Martin Zenker:<br \/> Journalistische Recherche im Internet.<br \/> Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, H\u00f6rfunk, Fernsehen und Online<\/p> <p>Berlin: Vistas 2008, Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt f\u00fcr Medien Nordrhein-Westfalen, Band 60, 406 Seiten.<br \/> ISBN 978-3-89158-480-4. 23,- Euro<\/p> <p class=\"meldung_listasp\">Ansprechpartner:<\/p> <p>Herr Dr. Peter Widlok<\/p> <p>Telefon: +49 (211) 77007-141<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalistische Online-Recherche auf dem Pr\u00fcfstand: Qualit\u00e4tssteigerung notwendig Neue LfM-Studie zeigt Perspektiven journalistischer Arbeitsweisen im Internetzeitalter (lifepr) D\u00fcsseldorf, 23.06.2008 #Das Internet fordert den wichtigsten Bereich journalistischer Arbeit heraus: Die Qualit\u00e4t der Recherche steht online wie offline auf dem Pr\u00fcfstand; eine Steigerung der Qualit\u00e4t ist hier notwendig. 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