{"id":51550,"date":"2013-01-21T16:00:18","date_gmt":"2013-01-21T15:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=51550"},"modified":"2013-01-21T16:00:18","modified_gmt":"2013-01-21T15:00:18","slug":"studie-zur-risikoeinschaetzung-von-tierangriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/studie-zur-risikoeinschaetzung-von-tierangriffen-1051550\/","title":{"rendered":"Studie zur Risikoeinsch\u00e4tzung von Tierangriffen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-51555\" title=\"Springer-Fachzeitschrift Human Ecology \" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/25b703ff3d313a93c031efcc9dacce87.jpg\" width=\"110\" height=\"149\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/f91a93d3973d64f74f8e6b293cd23aa0.jpg\" \/>Mensch gegen Tiger: Werden die Risiken \u00fcbersch\u00e4tzt?<\/p> <p>Das Risiko von Tigerangriffen in den Sundarbans von Bangladesch wird als deutlich h\u00f6her wahrgenommen als es ist<\/p> <p>Tiersch\u00fctzer sind sich des hohen Konfliktpotentials zwischen Mensch und Tier bewusst: Auf der einen Seite sind die bedrohten Tierarten, die sie zu sch\u00fctzen versuchen und demgegen\u00fcber stehen die Menschen, die sich mit den Tieren den Lebensraum teilen m\u00fcssen. Raubtiere wie Tiger stellen f\u00fcr Menschen und ihren Viehbestand eine potentielle Gefahr dar, die oft als Begr\u00fcndung f\u00fcr das T\u00f6ten der Tiger ausreicht. <!--more-->Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass das T\u00f6ten von Tieren gleicherma\u00dfen durch soziale und psychologische Faktoren, wie die wahrgenommene Bedrohung, als auch durch eine tats\u00e4chlich bestehende Gefahr motiviert sein kann.<\/p> <p>In einer neuen Studie in der Springer-Fachzeitschrift Human Ecology wurden mehrere Schl\u00fcsselfaktoren identifiziert, die die Wahrnehmung des Risikos durch Tiger in einem Schutzgebiet in Bangladesch beeinflussen. Es ist die erste Studie, bei der Participatory Risk Mapping (PRM) und umfangreiche Interviews eingesetzt wurden, um den weitgefassten sozio\u00f6konomischen Konflikt zwischen Mensch und Tiger zu untersuchen. Die Studie wurde von Chloe Inskip und ihren Kollegen vom Durrell Institute of Conservation and Ecology in Kent, Gro\u00dfbritannien, und WildTeam aus Bangladesh durchgef\u00fchrt.<\/p> <p>Rund um die Sundarbans-Mangrovenw\u00e4lder im S\u00fcdwesten Bangladeschs, die auch eine der weltweit gr\u00f6\u00dften verbliebenen Tigerpopulationen beheimaten, wurde eine Umfrage durchgef\u00fchrt. Zwar sind die Sundarbans selbst unbewohnt, doch in den acht Gemeinden in unmittelbarer N\u00e4he zur Waldgrenze leben insgesamt 1,7 Millionen Menschen. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass in der Gegend j\u00e4hrlich etwa 30-50 Menschen von Tigern get\u00f6tet werden.<\/p> <p>Die Wissenschaftler f\u00fchrten 54 Interviews in sechs D\u00f6rfern durch, die an der Grenze der Sundarbans-W\u00e4lder liegen und lie\u00dfen sich in zehn weiteren Grenzd\u00f6rfern 385 Frageb\u00f6gen ausf\u00fcllen. Die Tiger wurden als Hauptproblem f\u00fcr die Existenz der dort lebenden Bev\u00f6lkerung genannt. Als weitere Probleme werden Armut, das niedrige Einkommen, die Abh\u00e4ngigkeit von nat\u00fcrlichen Ressourcen, die schlechte Infrastruktur, der Mangel an sauberem Wasser, Bodenerosion und die Wetterverh\u00e4ltnisse genannt. Inskip und ihre Kollegen fanden heraus, dass diese genannten Probleme einen direkten Einfluss drauf hatten, wie die Dorfbewohner die Bedrohung durch Tiger wahrnehmen: Probleme im Zusammenhang mit Armut bestimmten ma\u00dfgeblich, wie stark der Mensch-Tiger-Konflikt als solcher wahrgenommen wurde und inwiefern es Aussicht gab, diesen Konflikt zu entsch\u00e4rfen.<\/p> <p>Die Autoren gehen davon aus, dass je besser die sozio\u00f6konomischen Probleme gel\u00f6st werden, umso weniger wird sich die Bev\u00f6lkerung von den Tigern bedroht f\u00fchlen. Und dies wiederum k\u00f6nnte dazu beitragen, dass weniger Tiger get\u00f6tet w\u00fcrden. F\u00fcr Tiersch\u00fctzer w\u00e4re dies ein Wechsel von einer traditionellen Konfliktl\u00f6sung zu einem ganzheitlichen Ansatz. Dadurch k\u00f6nnten auch situationsspezifische Ma\u00dfnahmen einbezogen werden, um die wahrgenommene Bedrohung abzubauen. In vielen armen, l\u00e4ndlichen Gemeinden in Schutzgebieten wie den Sundarbans gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Abbau einer geringer wahrgenommenen Bedrohung durch Tiger und der Linderung der Armut.<\/p> <p>Die Autoren sind der \u00dcberzeugung, dass das T\u00f6ten bedrohter Tierarten erst dann nachl\u00e4sst, wenn die menschlichen und sozialen Aspekte des Konflikts zwischen Mensch und Tierwelt hinreichend verstanden sind und mit den Erkenntnissen angemessen umgegangen wird. Sie kommen zu der Schlussfolgerung, dass \u201eParticipatory Risk Mapping (PRM) und qualitative Forschung wertvolle Tools sind, um das Verst\u00e4ndnis der wahrgenommene Bedrohung durch die Tierwelt zu verbessern. Durch die Methode sollen auch unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen beschrieben und ergriffen werden k\u00f6nnen, die gro\u00dfen Einfluss auf die Bereitschaft zum T\u00f6ten bedrohter Tierarten haben.\u201c Die Einflussnahme auf die Risikowahrnehmung erfordern langfristige angelegte Projekte und Finanzierung.<\/p> <p>Quelle:<br \/> Inskip C et al. (2013) Human-tiger conflict in context: risks to lives and livelihoods in the Bangladesh Sundarbans. Human Ecology; DOI 10.1007\/s10745-012-9556-6<\/p> <p>Der Volltext-Artikel ist f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<br \/> Kontakt: Joan Robinson, <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer<\/a>, Tel.: +49-6221-487-8130, joan.robinson@springer.com<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mensch gegen Tiger: Werden die Risiken \u00fcbersch\u00e4tzt? 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