{"id":56325,"date":"2013-03-20T17:43:29","date_gmt":"2013-03-20T16:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=56325"},"modified":"2013-03-20T17:44:09","modified_gmt":"2013-03-20T16:44:09","slug":"jagdverordnung-soll-umwelt-tier-und-artenschutzgerechter-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/jagdverordnung-soll-umwelt-tier-und-artenschutzgerechter-werden-1056325\/","title":{"rendered":"Jagdverordnung soll umwelt- tier- und artenschutzgerechter werden?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-56326\" title=\"Jungf\u00fcchse d\u00fcrfen weiterhin ganzj\u00e4hrig bejagt werden. Bild: Fabien Gagnon\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/9156c10fcae747364a96773bf58f3f88.jpg\" width=\"143\" height=\"112\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/9156c10fcae747364a96773bf58f3f88.jpg\" \/>Die in diesem Sommer geplante \u00c4nderung der Landesjagdverordnung des Mainzer Landwirtschaftsministeriums sieht gem\u00e4\u00df Aussagen der rheinland-pf\u00e4lzischen Ministerin Ulrike H\u00f6fken eine Jagd vor, die &#8222;umwelt-, tier- und artenschutzgerechter&#8220; sein soll. Ferner soll durch eine Konsolidierung von Jagdzeiten eine effektivere und fehlerfreiere Jagd erm\u00f6glicht werden.<br \/> Es sind u.a. folgende \u00c4nderungen vorgesehen:<\/p> <p><!--more-->F\u00fcr Rehe und Hirsche soll eine einheitliche Jagdzeit vom 1. August bis 31. Januar gelten. Ausnahmen gibt es f\u00fcr Jungtiere und f\u00fcr Rehb\u00f6cke, die bereits ab Mai bejagt werden d\u00fcrfen. F\u00fcr Hirsche und Damwild, welche sich nur in sogenannten &#8222;Bewirtschaftungsbezirken&#8220; aufhalten sollen, soll der Schie\u00dfbefehl k\u00fcnftig ohne Schonzeit ganzj\u00e4hrig gelten. Die Abschaffung der Schonzeit f\u00fcr Wildschweine soll ebenfalls manifestiert werden.<\/p> <p>Der Iltis soll k\u00fcnftig ganzj\u00e4hrig geschont werden; erwachsene F\u00fcchse, Waschb\u00e4ren und Marderhunde soll eine Schonzeit vom 1. M\u00e4rz bis 31. Juli gew\u00e4hrt werden. Die Jagdzeiten f\u00fcr m\u00e4nnliche und weibliche Fasanen werden angeglichen und ebenso die f\u00fcr Rabenkr\u00e4hen und Elstern. Ferner entfallen die Jagdzeiten f\u00fcr T\u00fcrkentauben und f\u00fcr M\u00f6wen.<\/p> <p>Dazu erkl\u00e4rt Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland e.V.:<\/p> <p>&#8222;Wir h\u00e4tten es begr\u00fc\u00dft, wenn das Ministerium den Mut gehabt h\u00e4tte, einen einheitlichen l\u00e4ngeren Zeitraum zu schaffen, in dem die Jagd f\u00fcr alle Tierarten ruht. Auch h\u00e4tten wir die ganzj\u00e4hrige Einstellung der Jagd auf F\u00fcchse, Marder, Dachse und andere Beutegreifer oder zumindest wesentlich l\u00e4ngere Schonzeiten f\u00fcr diese Wildtiere von einem &#8222;Gr\u00fcnen&#8220; Ministerium erwartet. Viele Erkenntnisse aus der Wildtierforschung bleiben mit dem vorliegenden Entwurf auf der Strecke.<\/p> <p>\u2022 W\u00e4re es dem Ministerium ernst mit der Zielsetzung eine &#8222;umweltgerechtere Jagd&#8220; zu schaffen, so h\u00e4tte &#8211; wie es zum Beispiel in diversen Staatsforsten in Deutschland schon der Fall ist &#8211; jegliche Jagd mit Bleimunition unterbunden werden m\u00fcssen. Giftige Bleimunition tr\u00e4gt unn\u00f6tigerweise zur Bleibelastung von Feld und Flur und zur Vergiftung aasfressender Wildtiere bei. Diese Position vertritt im \u00dcbrigen auch Cornelia Behm, Sprecherin f\u00fcr Waldpolitik der Bundestagsfraktion von B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN.<\/p> <p>Wiederk\u00e4uendes Schalenwild:<br \/> \u2022 Nach uns vorliegenden Informationen soll f\u00fcr wiederk\u00e4uendes Schalenwild (Rehe, Hirsche) k\u00fcnftig eine einheitliche Jagdzeit vom 1. August bis 31. Januar gelten. Gleichwohl gibt es Ausnahmen, zum Beispiel f\u00fcr Rehb\u00f6cke und Jungtiere. Es ist vor der Zielsetzung tierschutzrechtlicher Belange nicht nachvollziehbar, warum nicht eine einheitliche Zeit der vollst\u00e4ndigen Jagdruhe f\u00fcr das gesamte Schalenwild (Rehe, Hirsche, Wildschweine u.a.) &#8211; besser noch f\u00fcr alle jagdbaren Arten &#8211; eingef\u00fchrt wird.<\/p> <p>\u2022 Der vorgesehene Beginn der Jagdzeit am 1. August ist insbesondere f\u00fcr Ricken (weibliche Rehe) und ihre Kitze viel zu fr\u00fch und sollte nicht vor dem 1. September beginnen. Diese Meinung vertritt auch der Landesjagdverband. Wir gehen davon aus, dass sich ein einheitlicher Beginn am 1. September auch nur unwesentlich auf die Gesamtanzahl der get\u00f6teten Tiere und \u00fcberhaupt nicht auf die Gesamt-Wildschadenssituation in Rheinland-Pfalz auswirkt.<\/p> <p>\u2022 Das Ende der Jagdzeit am 31. Januar ist viel zu sp\u00e4t gew\u00e4hlt. Dieser Termin l\u00e4sst die Biologie von Rehwild und von Hirschen, welche ab ca. Mitte\/Ende Dezember in die Winterruhe \u00fcbergehen und ihre Ressourcen schonen m\u00fcssen, vollkommen au\u00dfer Acht und wird weitgehend unabh\u00e4ngig von den Schalenwildstrecken (Anzahl der get\u00f6teten Huftiere = Schalenwild) zu unvermindertem Pflanzenverbiss f\u00fchren.<\/p> <p>\u2022 Die Aufhebung der Schonzeiten f\u00fcr Wildtierarten wie den Hirschen oder das Damwild au\u00dferhalb von sogenannten Bewirtschaftungsbezirken ist tierschutzrechtlich nicht zu vertreten. Eine \u00e4hnliche Meinung vertritt auch der Landesjagdverband.<\/p> <p>Wildschweine:<br \/> \u2022 Das Bejagungskonzept Schwarzwild der Landesregierung mit dem Ziel die Best\u00e4nde in den Griff zu bekommen, ist &#8211; wie leicht den kontinuierlich steigenden Strecken (Durchschnitte der jeweils letzten 10 Jahre) f\u00fcr Rheinland-Pfalz zu entnehmen ist &#8211; vollkommen gescheitert. Die Aufhebung von Schonzeiten, tierqu\u00e4lerische Bewegungsjagden mit jeweils hoher Anzahl angeschossener Tiere, die Jagd bei Tag und Nacht, selbst mit Scheinwerfern, die M\u00f6glichkeit Sauf\u00e4nge einzusetzen, all\u2018 das hat hinsichtlich der Zielsetzung, Wildsch\u00e4den zu vermeiden zu \u00fcberhaupt nichts gef\u00fchrt &#8211; au\u00dfer zu unermesslichem Tierleid. Die Schonzeit f\u00fcr Wildschweine nun endg\u00fcltig aufheben zu wollen, ist der falsche Weg und wird nicht einmal von J\u00e4gern unterst\u00fctzt.<\/p> <p>Beutegreifer (Fuchs, Dachs, Waschb\u00e4r, Marderhund, Iltis u.a.):<br \/> \u2022 So sehr wir die Einf\u00fchrung von Schonzeiten f\u00fcr Beutegreifer begr\u00fc\u00dfen, so sehr ist es nicht nachvollziehbar, warum sich das Ministerium dabei nicht an den aktuellen Ergebnissen von Forschung und Wissenschaft orientiert.<\/p> <p>\u2022 Eine Bejagung von Fuchs, Waschb\u00e4r, Marderhund und Co. mit dem Ziel der Regulierung oder gar Reduktion von Best\u00e4nden ist zumindest in der Breite nach weitgehend \u00fcbereinstimmender Meinung f\u00fchrender Biologen, Forscher und Wissenschaftler mit jagdlichen Mitteln nicht erreichbar (z.B. Bellebaum\/Langgemach, Harris, Michler, Baker, Kaphegyi \/Breitenmoser u.a.).<\/p> <p>Im unbejagten Nationalpark Bayerischer Wald liegt die durchschnittliche Wurfgr\u00f6\u00dfe von F\u00fcchsen bei 1,7 Welpen &#8211; in bejagten Revieren ist die Anzahl der Nachkommen durchschnittlich drei- bis viermal so hoch. Verluste durch die Jagd werden durch st\u00e4rkere Vermehrung \u00fcberkompensiert. Die Jagd ist hinsichtlich einer Regulierung von Beutegreiferbest\u00e4nden kontraproduktiv.<\/p> <p>\u2022 Die Beschr\u00e4nkung der Schonzeit auf erwachsene F\u00fcchse wird vermutlich dazu f\u00fchren, dass gerade auch diese nach wie vor bejagt werden. Der J\u00e4ger kann sich ja auf eine Verwechslung mit einem Jungtier berufen. Eine einheitliche Regelung f\u00fcr alle Tiere einer Art w\u00e4re sicherlich zielf\u00fchrender.<\/p> <p>\u2022 Dass es auch anders geht, zeigt die im Saarland 2010 eingef\u00fchrte Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse aller Altersklassen vom 15. Februar bis 15. August. Es werden durch die Jagd weniger F\u00fcchse get\u00f6tet, dennoch steigen weder die Best\u00e4nde signifikant, noch ergeben sich daraus Probleme f\u00fcr den Artenschutz oder das Seuchengeschehen. Wie das Beispiel Nationalpark Bayerischer Wald zeigt, w\u00fcrde auch eine ganzj\u00e4hrige Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse diese Situation vermutlich kaum \u00e4ndern.<\/p> <p>\u2022 Waschb\u00e4ren werden in Deutschland ohne Frage immer mehr. Waschb\u00e4ren sind aber weder aus \u00f6konomischer, noch aus \u00f6kologischer oder epidemiologischer Sicht in Deutschland ein Problem. Es gibt keinerlei belastbare wissenschaftliche Daten, die etwas anderes vermuten lie\u00dfen. Auch aus den USA oder Kanada gibt es dazu allenfalls wissenschaftliche Untersuchungen, welche diese Aussage best\u00e4tigen.<\/p> <p>\u2022 Dass die Bejagung von Waschb\u00e4ren keineswegs zu einer Reduktion der Best\u00e4nde f\u00fchrt, wusste 1981 bereits die Pionierin der Waschb\u00e4renforschung, Frau Dr. Walburga Lutz. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dfern sich Forscher wie Michler, Robler (US-Waschb\u00e4renforscher), Bellebaum und andere. Ebenfalls hilfreich ist der Blick auf die bundesdeutsche Streckenstatistik. Trotz einer Intensivierung der Waschb\u00e4renjagd in den vergangenen Jahrzehnten steigen die Strecken j\u00e4hrlich auf hohem Niveau weiter an. Die Jagd ist vermutlich nicht einmal in der Lage, die Bestandsentwicklung von Waschb\u00e4ren zu verlangsamen (Bellebaum 1995).<\/p> <p>\u2022 Die Bejagung des Marderhundes entbehrt unseres Wissens jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Es ist zwar ein sogenanntes Neozoon, aber eben nicht invasiv. Seine Nachstellung ist ebenso wie die Jagd auf den Waschb\u00e4r auch nicht durch das Artenschutzprotokoll von Rio 1992 zu rechtfertigen.<\/p> <p>\u2022 Wir begr\u00fc\u00dfen die geplante Vollschonzeit f\u00fcr den Iltis, fragen uns jedoch warum nicht auch Hermeline und Marder geschont werden.<\/p> <p>Federwild<br \/> \u2022 Unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten erschlie\u00dft sich uns nicht, warum die Jagdzeit f\u00fcr Fasanen insgesamt verl\u00e4ngert wird, anstatt diese im Sinne einer Konsolidierung der Jagdzeiten insgesamt zu verk\u00fcrzen.<\/p> <p>\u2022 Nach artenschutzrechtlichen Erw\u00e4gungen ist es vollkommen unverst\u00e4ndlich, warum &#8211; wenn auch unter Vorbehalt &#8211; nach wie vor eine Bejagung von Rebh\u00fchnern zugelassen wird. Die Restbest\u00e4nde sind in den vergangenen 20 Jahren soweit gesunken, dass die Tierart bereits auf den Roten Listen gef\u00e4hrdeter Arten zu finden ist.<\/p> <p>\u2022 Nach wie vor wird die Jagdzeitenverordnung in Rheinland-Pfalz die Jagd auf Zugv\u00f6gel zulassen. Dadurch erfolgt weder eine landesweit relevante Wildschadenreduzierung noch werden die Tiere in der Regel genutzt. \u00dcber die Gr\u00f6\u00dfenordnung einer Reduzierung der Best\u00e4nde in weiteren L\u00e4ndern, welche von den Zugv\u00f6geln passiert werden, ist wenig bis nichts Genaues bekannt. Wir halten die Zugvogeljagd in Deutschland, genauso wie in Italien oder Malta f\u00fcr tier- und artenschutzrechtlich nicht vertretbar.<\/p> <p>\u2022 Die Bejagung von Rabenv\u00f6geln widerspricht der EU-Vogelschutzrichtlinie und entbehrt fundierter Daten hinsichtlich der Sinnhaftigkeit. Sie ist weder aus arten- noch aus tierschutzrechtlichen Gr\u00fcnden vertretbar. In der Regel erfolgt durch die Jagd lediglich eine Vertreibung der Schw\u00e4rme auf andere Felder oder in die vor der Jagd gesch\u00fctzten St\u00e4dte.<\/p> <p>\u2022 Die Bejagung von Waldschnepfen, eine mittlerweile gef\u00e4hrdete Tierart, d\u00fcrfte ebenfalls der artenschutzrechtlichen Zielsetzung der Ministerin widersprechen.<\/p> <p>Der Entwurf des Landwirtschaftsministeriums zur Landesjagdverordnung und zu den Jagdzeiten wird weder dem Tier- noch dem Artenschutz gerecht. Aktuelle Ergebnisse aus jagdunabh\u00e4ngiger Forschung werden missachtet, nicht einmal bleihaltige Munition wird unterbunden. Frau Ministerin H\u00f6fken wird mit diesen \u00c4nderungen ihrer eigenen Zielsetzung nicht gerecht.&#8220;<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/\" title=\"Respekt aus Sympathie\" >http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<\/a><br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de<br \/> Telefon: 01777230086<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in diesem Sommer geplante \u00c4nderung der Landesjagdverordnung des Mainzer Landwirtschaftsministeriums sieht gem\u00e4\u00df Aussagen der rheinland-pf\u00e4lzischen Ministerin Ulrike H\u00f6fken eine Jagd vor, die &#8222;umwelt-, tier- und artenschutzgerechter&#8220; sein soll. 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