{"id":76802,"date":"2013-06-28T10:34:09","date_gmt":"2013-06-28T09:34:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=76802"},"modified":"2013-06-28T10:34:09","modified_gmt":"2013-06-28T09:34:09","slug":"bestandverluste-durch-jagd-lassen-geburtenrate-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/bestandverluste-durch-jagd-lassen-geburtenrate-steigen-1076802\/","title":{"rendered":"Bestandverluste durch Jagd lassen Geburtenrate steigen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-76803\" title=\"m\u00fcssen junge F\u00fcchse gejagt werden?\" alt=\"m\u00fcssen junge F\u00fcchse gejagt werden?\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/b201a1c56bae2c8ad0a449e9bb479e25.jpg\" width=\"191\" height=\"127\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/f760e2850d3e5156ee1c3a8c4271665b.jpg\" \/>Mit besonders harten Bandagen wird die Auseinandersetzung um die Fuchsjagd derzeit im Saarland gef\u00fchrt: Dort gilt seit 2010 eine sechsmonatige Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse. Vielen J\u00e4gern ist selbst dieser vor\u00fcbergehende Schutz ihres Beutekonkurrenten Reineke ein Dorn im Auge. Sie argumentieren, F\u00fcchse h\u00e4tten sich seit Einf\u00fchrung der Jagdruhe stark vermehrt, wodurch nun vermehrt die R\u00e4ude auftrete.<\/p> <p>Allerdings gibt es weder f\u00fcr die behauptete Zunahme der Fuchspopulation noch f\u00fcr eine eventuelle Ausbreitung der R\u00e4ude \u00fcberhaupt belastbare Daten. Die Anhaltspunkte, die tats\u00e4chlich existieren, weisen eher auf das Gegenteil hin: <!--more-->Die Anzahl der get\u00f6teten F\u00fcchse ist seit Inkrafttreten der Schonzeit deutlich gesunken. Wurden 2009\/2010 im Saarland noch 4.701 F\u00fcchse von J\u00e4gern get\u00f6tet, so waren es 2010\/2011 nur noch 3.559 und 2011\/2012 lediglich 2.890 Tiere. Auch von Wildtierstationen wurde gemeldet, dass tendenziell weniger verwaiste Jungf\u00fcchse abgegeben wurden.<\/p> <p>Als Mittel zur Bek\u00e4mpfung von Wildtierseuchen ist die Jagd gerade beim Fuchs eher kontraproduktiv: Bestandsverluste durch die Jagd lassen die Geburtenrate steigen, dadurch w\u00e4chst der Anteil an Jungf\u00fcchsen in stark bejagten Revieren. Da Jungf\u00fcchse im Herbst auf Reviersuche gehen und dabei oft kilometerweit wandern, sind sie es meist, die Krankheiten erst in neue Gebiete einschleppen.<\/p> <p>Fakt ist zudem, dass die R\u00e4ude schon seit Jahrzehnten in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden lokal aufflackert. Dabei zeigt sich, anders, als etwa vom Landesjagdverband Saar behauptet, dass vor allem geschw\u00e4chte F\u00fcchse besonders anf\u00e4llig f\u00fcr eine Infektion sind. Neben Parasiten, Krankheiten oder Nahrungsmangel kann auch hoher Jagddruck die Konstitution der Tiere beeintr\u00e4chtigen. So zeigen verschiedene Studien, dass beim Tod eines Fuchsr\u00fcden, der seine Familie mit Nahrung versorgt, der k\u00f6rperliche Zustand sowohl der F\u00fcchsin als auch der Welpen erheblich beeintr\u00e4chtigt wird. Auch dies legt eine kontraproduktive Wirkung der Fuchsbejagung nahe.<\/p> <p>Mittlerweile kann \u00fcbrigens als gesichert gelten, dass sich vielerorts Fuchsbest\u00e4nde herausbilden, die weitgehend gegen die R\u00e4ude resistent sind. Nur bei einem kleinen Teil dieser Tiere treten tats\u00e4chlich Symptome auf. J\u00e4ger k\u00f6nnen einem Fuchs eine eventuelle R\u00e4uderesistenz jedoch nicht ansehen und t\u00f6ten somit wahllose resistente Tiere ebenso wie f\u00fcr den Parasiten anf\u00e4llige. Infolgedessen wird der sich aus der Resistenz ergebende \u00dcberlebensvorteil eliminiert, was abermals dem Ziel der Reduktion von R\u00e4udef\u00e4llen in Fuchspopulationen zuwiderlaufen d\u00fcrfte.<\/p> <p>Auch in Baden-W\u00fcrttemberg moniert der Jagdverband seit geraumer Zeit angeblich viel zu hohe Fuchsdichten und f\u00fchrt ins Feld, dass eine intensive Bejagung der Fuchspopulation f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der R\u00e4ude unerl\u00e4sslich sei. Einzelne R\u00e4udef\u00e4lle, \u00f6ffentlichkeitswirksam in Tageszeitungen platziert, erwecken f\u00fcr den unbedarften B\u00fcrger den Eindruck eines massiven Befalls der F\u00fcchse.<\/p> <p>Wirft man jedoch einen Blick auf die Fakten, relativieren sich die Warnungen der J\u00e4gerschaft dramatisch: Studien zeigten, dass von 2.481 F\u00fcchsen nur etwa drei Prozent tats\u00e4chlich in Kontakt mit R\u00e4udemilben gekommen waren. Als Haut und Fell dieser etwa 80 Tiere genauer untersucht wurden, stellte sich heraus, dass nur vier von ihnen tats\u00e4chlich \u00e4u\u00dfere Markmale einer R\u00e4udeerkrankung aufwiesen. Hochgerechnet bedeutet dies, dass von 10.000 baden-w\u00fcrttembergischen F\u00fcchsen etwa 300 r\u00e4udepositiv sind und gerade einmal 15 von ihnen auch Symptome zeigen.<\/p> <p>Diese Zahlen belegen eindrucksvoll das tats\u00e4chliche Ausma\u00df des vermeintlichen &#8222;R\u00e4udeproblems&#8220; und legen nahe, dass die Jagdverb\u00e4nde die R\u00e4ude wie zuvor Tollwut und Fuchsbandwurm instrumentalisieren, um in der Bev\u00f6lkerung R\u00fcckhalt f\u00fcr die Bejagung des Fuchses im allgemeinen und die R\u00fccknahme der Schonzeit im Besonderen zu gewinnen.<\/p> <p>Dass es bei der Fuchsjagd letztlich um etwas ganz anderes als den Kampf gegen Wildtierseuchen geht, zeigen beispielsweise Jagdforen im Internet, in den J\u00e4ger sich stolz mit ihrer blutigen Beute &#8211; ob Altfuchs oder Welpe &#8211; pr\u00e4sentieren. Vor den Augen einer immer kritischeren \u00d6ffentlichkeit d\u00fcrfte Jagdlust aber kaum als Argument f\u00fcr die massenhafte T\u00f6tung von F\u00fcchsen bestehen k\u00f6nnen.<\/p> <p>Literatur:<br \/> &#8211; Constantin, E.-M. (2005): Epidemiologische Untersuchung zur Verbreitung der R\u00e4ude beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Baden-W\u00fcrttemberg. Dissertation, Berlin.<br \/> &#8211; Davidson, R.; Bornstein, S.; Handelanda, K. (2008): Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host\/parasite adaptation. Veterinary Parasitology, Vol. 267(3-4): .<br \/> &#8211; Vergara, V. (2001): Comparison of parental roles in male and female Red Foxes, Vulpes vulpes, in southern Ontario. Canadian Field Naturalist, Vol. 115(1)<br \/> &#8211; Zabel, C.J. (1986): Reproductive Behavior of the Red Fox (Vulpes vulpes): A Longitudinal Study of an Island Population<\/p> <p>Firmenkontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/\" title=\"Respekt aus Sympathie\" >http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<\/a><br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p> <p>Pressekontakt<br \/> Wildtierschutz Deutschland e.V.<br \/> Lovis Kauertz<br \/> Am Goldberg 5<\/p> <p>55435 Gau-Algesheim<br \/> Deutschland<\/p> <p>E-Mail: lovis.kauertz@gmail.com<br \/> Homepage: http:\/\/www.wildtierschutz-deutschland.de\/<br \/> Telefon: 0177 7230086<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit besonders harten Bandagen wird die Auseinandersetzung um die Fuchsjagd derzeit im Saarland gef\u00fchrt: Dort gilt seit 2010 eine sechsmonatige Schonzeit f\u00fcr F\u00fcchse. 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