{"id":95208,"date":"2013-09-24T16:11:21","date_gmt":"2013-09-24T15:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/?p=95208"},"modified":"2013-09-24T16:11:21","modified_gmt":"2013-09-24T15:11:21","slug":"keine-grenzerweiterung-durch-hyperlink-filme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/keine-grenzerweiterung-durch-hyperlink-filme-1095208\/","title":{"rendered":"Keine Grenzerweiterung durch Hyperlink-Filme"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-95571\" title=\"Springer-Fachzeitschrift Human Nature.\" alt=\"Springer-Fachzeitschrift Human Nature.\" src=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/5712e820173797cc4456042e23272f42.jpg\" width=\"105\" height=\"157\" imagescaler=\"https:\/\/www.fachzeitungen.de\/pressemeldungen\/wp-content\/imagescaler\/724cf5b0e762688df226145b4e1051b5.jpg\" \/>Filme, die an unsere kognitiven Grenzen gehen<\/p> <p>Studie zeigt, dass moderne \u201eHyperlink-Filme\u201c den Normen sozialer Netzwerke entsprechen<\/p> <p>Hyperlink-Filme spiegeln die globalisierte Welt von heute wider. Dabei verwenden sie spannungserzeugende Kinoelemente und parallel laufende Handlungsstr\u00e4nge, um den Eindruck einer sozial vielseitig vernetzten Welt zu erzeugen. Allerdings sind Hyperlink-Filme wie Crash, Babel und Love Actually nicht so neu und innovativ wie angenommen und entsprechen auch weiterhin konventionellen sozialen Mustern. <!--more-->Diese Forschungsergebnisse von Jaimie Krems von der Arizona State University in den USA und Robin Dunbar von der University of Oxford in Gro\u00dfbritannien erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Human Nature.<\/p> <p>Das Hyperlink-Kino setzt kinotechnische Effekte wie R\u00fcckblenden, eingeworfene Szenen au\u00dferhalb der chronologischen Reihenfolge, Bildschirmteilungen und Off-Stimmen ein, um ein interagierendes soziales Netz von Handlungen und Charakteren \u00fcber Raum und Zeit hinweg zu erzeugen. Das vermittelt den Eindruck, dass sich die Lebenswege der Menschen auf eine Art und Weise kreuzen, wie es ohne moderne Reise- und Kommunikationstechnik nicht m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p> <p>Krems und Dunbar stellten sich die Frage, ob die Gr\u00f6\u00dfe der sozialen Gruppen und die Eigenschaften der sozialen Netzwerke in solchen Filmen stark von denen im echten Leben oder in der Belletristik abweichen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob diese Filme die nat\u00fcrlichen kognitiven Beschr\u00e4nkungen umgehen k\u00f6nnen, die die \u00fcbliche Anzahl und Qualit\u00e4t sozialer Beziehungen von Menschen begrenzen. In den bisher ver\u00f6ffentlichten Studien zeigte sich zum Beispiel, dass Gespr\u00e4chsgruppen mit mehr als vier Teilnehmern h\u00e4ufig ins Leere laufen. Zudem fanden Dunbar und weitere Wissenschaftler heraus, dass Menschen nur in der Lage sind, ein soziales Netzwerk mit maximal 150 Personen zu pflegen. Dieses ist unterteilt in eine Unterst\u00fctzungsgruppe aus 4-5 Personen, eine Sympathiegruppe mit weiteren 12 bis 15 Personen und eine Bezugsgruppe aus 30 bis 50 Personen.<\/p> <p>Daf\u00fcr wurden zw\u00f6lf Hyperlink- und zehn Frauenfilme sowie Beispiele aus dem echten Leben und der Belletristik analysiert. Krems und Dunbar fanden heraus, dass alle Beispiele mit wenigen Abweichungen \u00fcberwiegend den gleichen, allgemeinen sozialen Mustern der realen Welt folgten. Hyperlink-Filme zeigen durchschnittlich 31,4 Charaktere, die f\u00fcr den Aufbau der Handlung wichtig sind, was der Gr\u00f6\u00dfe einer Bezugsgruppe in der heutigen Gesellschaft gleicht. Die Besetzungslisten der Filme f\u00fchrten eine mit Shakespeare-St\u00fccken vergleichbare Anzahl (27,8) sprechender Charaktere auf, was einen gr\u00f6\u00dferen, weniger intimen Wirkungsbereich zeigt. Das Genre Frauenfilm hatte durchschnittlich 20 relevante Charaktere \u2013 dies entspricht der Gr\u00f6\u00dfe der Sympathiegruppe und bildet damit Netzwerke von Frauen im echten Leben nach.<\/p> <p>\u201eUnsere evolution\u00e4r entwickelte Psyche erlaubt es uns nicht, die unsichtbare Barriere zu durchbrechen, die unsere F\u00e4higkeit beim Umgang mit sozialen Beziehungen oder unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr komplexe zwischenmenschliche Dramen nat\u00fcrlich begrenzt\u201c, erl\u00e4utert Krems. Er ist davon \u00fcberzeugt, dass die mentalen F\u00e4higkeiten eines Menschen bestimmen, inwieweit er mit grenz\u00fcberschreitenden Genres wie Hyperlink-Filmen umgehen oder sich von solchen begeistern lassen kann.<\/p> <p>\u201eAuch wenn digitale und andere neue Medien uns dies suggerieren wollen: Sie k\u00f6nnen uns nicht helfen, soziale Netzwerke oder gr\u00f6\u00dfere soziale Zusammenh\u00e4nge zu bew\u00e4ltigen. Unser Verstand ist einfach nicht in der Lage, gleichzeitig die Gef\u00fchlswelt von mehr als einer handvoll Menschen zu verstehen oder damit umzugehen\u201c, f\u00fcgt Dunbar hinzu.<\/p> <p>Quelle: Krems, J.A. &amp; Dunbar, R.I.M. (2013). Clique Size and Network Characteristics in Hyperlink Cinema: Constraints of Evolved Psychology, Human Nature. DOI 10.1007\/s12110-013-9177-9<\/p> <p>Der Volltext-Artikel ist f\u00fcr Journalisten auf Anfrage verf\u00fcgbar.<br \/> Kontakt: Joan Robinson, <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.springer.com\/?SGWID=1-102-0-0-0\" title=\"Der Wissenschaftsverlag\" >Springer<\/a>, Tel.: +49-6221-487-8130, joan.robinson@springer.com<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filme, die an unsere kognitiven Grenzen gehen Studie zeigt, dass moderne \u201eHyperlink-Filme\u201c den Normen sozialer Netzwerke entsprechen Hyperlink-Filme spiegeln die globalisierte Welt von heute wider. 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