Palstek Verlag GmbH

Dieser Verlag veröffentlicht folgende Fachzeitschriften:

PALSTEK

PALSTEK

Technische Informationen rund um Segelboote: Antriebstechnik, Rigg und Segel, Elektrik, Elektronik, Werkstoffe, Konstruktion und Bootsbau. Trimm, Seemannschaft, Navigation, Revierreports, Reiseberichte und Wassersportreportagen. Tipps für Überholung, Instandhaltung und Ausbau von Booten. Seriöse Yacht- und Gebraucht- boot -Tests, hilfreiche ...

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PALSTEK-Stapellauf dank Spray




Wer segeln will, braucht ein Boot. Wer Ozeane bereisen möchte, ein großes. Wenn das Geld nicht bis zum Bug reicht, erscheint ein Selbstbau als strahlender Ausweg aus der Zwickmühle. So fing alles an. Ulrich Kronberg versucht aus einigen Wegepunkten einen Rückblick zu knüpfen.





Der Bau der Spray MIROUNGA vor fast 30 Jahren war schon ein Abenteuer, wenn auch in keiner Weise vergleichbar mit den Einhandreisen von Joshua Slocum, die ihn auf seiner hölzernen Spray um die Welt führten. Hier in Hamburg mussten widerspenstige Stahlplatten in eine schiffige Form gezwungen werden. Verzögerungen oder sogar Stillstand waren an der Tagesordnung; verursacht durch Unsicherheit, Fehler in der Bauzeichnung, lange Beschaffungswege. Die Uhr tickte. Länger als fünf Jahre sollte der Bau nicht dauern. Die einfachste Lösung schien darin zu bestehen, Gleichgesinnte unter den Gequälten zu suchen, um Erfahrungen auszutauschen.




Gedankengang




Februar 1985: Im eiskalten Rumpf der Spray wird gearbeitet. Schweißnass, mit dem schweren Winkelschleifer hantierend, kam die Idee zu einem Mitteilungs-Blättchen für Selbstbauer. Im Inhalt: jede Menge Tipps und Tricks, clevere Werkzeuge und pfiffige Produkte, die man beim eigenen Bau entdeckt hat, sollten allen Selbstbauern Hilfe leisten. Wenn die „Zeitung“ erst im Umlauf wäre, könnten die Leser von den Erfahrungen anderer profitieren. Der Sommer strich übers Land. Auf den wenigen Törns, die der Selbstbau noch zuließ, wurde die Idee zum Cockpitthema. Fast ausnahmslos wurde der Bedarf an praktischen Informationen bestätigt. Den bereits etablierten Magazinen war diese Thematik wohl zu dreckig. Im Herbst kam der PALSTEK Nummer 1 aus der Druckmaschine. Und der sorgte auf der Hanseboot 1985 gleich für ordentlich Furore. Nicht unter den Seglern, die das Blättchen kostenlos mitbekamen, sondern bei einem Mitbewerber: Die Unterzeile „Kos¬tenlose Segler-Zeitung“ passte nicht in sein Denkmuster, Anlass genug, seinen Anwalt auf uns anzusetzen.




Kleinanzeigen




Etliche Klippen und viele Untiefen mussten in den Jahren umschifft werden. Erwähnenswert aus dem Stapel der Abmahnungen sind die kostenlosen Kleinanzeigen, die einem Marktbegleiter Magenschmerzen verursachten. Der Verlag stellte uns eine gerichtliche Verfügung zu, in der uns untersagt wurde, weiterhin kostenlose Kleinanzeigen für private Verkäufe zu veröffentlichen. Wir hatten diesen Service gerade erst eingeführt, um den Handel mit privatem gebrauchtem Zubehör anzukurbeln. Die Rechtsanwälte rieben sich wieder die Hände. 

Gewonnen hat der Regenwald. Zwar mussten wir unter dem Druck von 500.000 Mark angedrohtem Strafgeld nun Geld von den Seglern einfordern, aber dieses floss direkt an den Verein Rettet den Regenwald e.V., der davon in Ecuador fleißig Regenwald kaufte. Wir können hier stolz verkünden, dass dieser noch heute freudig vor sich hin wächst. Die erste Landbesitzurkunde über zweieinhalb Millionen Quadratmeter wurde 1995 ausgestellt und der ecuadorischen Umweltvereinigung übergeben. 




Umweltgedanken




Vor 20 Jahren war es nur grünen Spinnern erlaubt, Ermahnungen zu einem freundlicheren Umgang mit der Natur in Worte zu fassen. Wir lebten in einer Ex-und-hopp-Gesellschaft. Es war schick, verschwenderisch mit Ressourcen umzugehen. Wer dieses Verhalten anprangerte, war ein Nestbeschmutzer. Viele Segler konnten als Teil dieser konservativen Gesellschaft nicht über die „grünen und politisch falschen Ansichten“ hinweglesen, obwohl ihnen der technische Teil gut gefiel. So haben die Umweltartikel „Wir müssen die Jäger zur Strecke bringen“, „Walkampf“ und „Vollgas zur Automobilmachung“ Wellen von Abonnement-Kündigungen verur¬sacht, aber auch eine große Anzahl neuer Leser gebracht, Segler, die unserer Meinung waren, dass wir die Welt ein wenig pfleglicher behandeln sollten. Heute sind diese Probleme Allgemeinwissen und wir brauchen dafür keinen Platz mehr im PALSTEK freizuhalten. 




Farbenfroh




Seit 1987 treiben wir es bunt, also genau 20 Jahre nach Einführung des Farbfernsehens. Die Grossisten fanden Schwarz-Weiß-Publikationen langweilig bis eklig, und wollten sie nicht mehr im Verkaufsregal platzieren. Wir kuschten zähneknirschend. Zuerst reichte das Geld nur für die Farbe auf dem Umschlag, später kroch sie Druckbogen für Druckbogen in das ganze Heft. Über die Jahre bekam der PALSTEK ein freundlicheres Erscheinungsbild und wir waren inzwischen froh über den Zwang zur Farbe. Beschwingt beschleunigten wir die Farbwerdung und sahen mit Erstaunen, wie sich unser Blättchen zum Magazin mauserte. Das düstere Schwarz verschwand. Kurz danach wurde es noch besser: Um weißes Druckpapier herzustellen, musste der Zellstoff nicht mehr mit elementarem Chlor gebleicht werden. Das Bleichen besorgt stattdessen Sauerstoff in Zusammenarbeit mit seinen hoch reaktiven Verbindungen, Peroxid und Ozon. Der kleine Gewinn für die Umwelt war ein großer für den kleinen PALSTEK. Wir waren unter den ersten Zehn, die in Deutschland auf das neue Papier umstellten! Jetzt stand das Heft vierfarbig auf strahlend weißem Papier gedruckt im Regal. Wir waren überrascht, wie attraktiv unser Magazin aussah.




Technologien




Als wir im Heft Solarzellen zur Aufladung von Batterien für Segelboote als praktikabel vorstellten, wurden wir endgültig in die Daniel-Düsentrieb-Ecke gestellt. Zwar war die Fotovoltaik-Technologie bereits ein alter Hut und hatte sich längst bewährt, aber der Segler von gestern liebte seinen Landanschluss oder schaltete auf Nachttörns die Positionslichter aus. Hier hat sich vieles geändert, nun ist auch das Wirtschaftswunder Geschichte. In zehn Jahren – falls ich mir in diesem Rückblick einen Ausblick erlauben darf – wird auf Segelbooten nur noch elektrisch „gedieselt“. 

Als gutes Beispiel für umweltfreundlicheres Verbrennen von nachwachsenden Rohstoffen rüsteten wir unser Redaktionsauto mit einem Pflanzenölmotor von Elsbeth aus. So konnten wir zeigen, dass sich diese Technologie im Alltag bewährt, also für Boote den idealen Verbrennungsmotor abgibt. Dafür bekamen wir viel Beifall, aber nur eine Handvoll Skipper folgten.




Innovationspreis




Als wir in guter Laune unser Zehnjähriges leise feierten, die Erfahrungen der letzten Jahre noch mal Revue passieren ließen, beschlossen wir, den technischen Teil des Segelns stärker zu fördern. Viele hilfreiche Neuerungen führten schon zu lange ein Schattendasein und kamen nur mit Verzögerungen auf den Markt. An Ideen mangelte es den Seglern nicht. Eine hochrangige Jury sollte Produkte bewerten, die den Wassersportlern helfen könnten, das Segeln sicherer und einfacher auszuüben. Der PALSTEK-Innovationspreis wurde ausgelobt. Als „Pokal“ gab es eine Halbbüste von Albert Einstein. Das erste Jahr bekam Horst Glacer den Preis. Seine Erfindung, das Trapez-Rigg, „konnte ohne erkennbare Leistungseinbußen ohne Baum auskommen“. Ein echter Gewinn an Sicherheit, nach den Worten der Juroren. Ein netter Erfolg. 

Durch die technische Ausrichtung war die Bindung zu unseren Lesern schon immer eng. Die vielen Anfragen zu den technischen Problemen der Skipper wollten wir kanalisieren und in die Fachgebiete der Experten fließen lassen. So starteten wir die Expertenseiten. Im ersten Monat kamen über 700 Leserbriefe. Alle diese Leser hatten ein Problem – und wir nun auch. Diese Riesenmenge konnte unsere kleine Redaktion nur mit Überstunden und langem Atem abarbeiten. Für die jungen Leser: Damals wurden noch Briefe getippt, gefalzt, in einen Umschlag gesteckt, mit einem Postwertzeichen (Briefmarke) beklebt und in einen gelben, langsam aussterbenden Kasten gesteckt. Vor diesem Hintergrund ist es gut zu verstehen, dass wir die Digitalisierung herzlich begrüßen.

Die digitale Welt hat kräftig mitgeholfen, unseren PALSTEK laufend den Lesegewohnheiten anzupassen. Da Selbstbauer so selten geworden sind wie die Blaue Mauritius, wurde das Magazin zu einem Magazin für Bootseigner. Und damit haben wir unseren Heimathafen gefunden. Eigner wollen Wahres wissen. Wir trauen uns zu, das leisten zu können. Das Urteil über unsere Arbeit kann aber nur der Leser sprechen. 




Spaßfaktor




Ich hoffe, dass wir vielen Seglern den Spaß am eigenen Boot vermitteln können. Ich selbst segle jetzt auf einem kleinen Boot. Schon der Gedanke, im Cockpit zu sitzen und vorbeiziehendes Wasser und fliegende Wolken zu beobachten, das Gluckern des vorbeistreichenden Wassers zu hören, lässt mein Herz aufgehen. Ich kann mir ein Leben ohne Schiff nicht vorstellen. Mein Rat, falls Sie noch auf der Suche sind: Trauen Sie sich. Das Einsteigen war noch nie so günstig wie heute. Sie müssen keinen Selbstbau wagen, der Gebrauchtbootmarkt bietet Boote in allen Preislagen. 

Es wäre sicherlich noch Einiges zu sagen. 25 Jahre PALSTEK Verlag könnten ein Buch füllen, sind aber auch nicht so wichtig, dass die Vergangenheit 25 Seiten im vorliegenden PALSTEK einnehmen dürften. 

Etwas Wichtiges wäre noch hinzuzufügen: Wir sind stolz darauf, dass wir immer noch als eigenständiger Verlag agieren. Und das Allerwichtigste habe ich mir für das gute Ende aufgespart: Die PALSTEK-Crew ist fantastisch. Eine bessere ist nicht zu finden. Vielen Dank.