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E-Book

Gesundheitsökonomik

AutorFriedrich Breyer, Mathias Kifmann, Peter S. Zweifel
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl618 Seiten
ISBN9783540267812
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR

Das Buch macht den Leser mit den zentralen Fragestellungen und dem analytischen Werkzeug der Gesundheitsökonomik vertraut. Erörtert werden u.a. die Ausgabendynamik im Gesundheitswesen, der Umgang mit der Gesundheit, die Rolle des Arztes und sein Verhalten, Ineffizienzen in Krankenhäusern und die Anreize zur Risikoselektion im Krankenkassenwettbewerb. Diese Themen werden stringent mit mikroökonomischen Methoden analysiert, ethische Gesichtspunkte werden jedoch auch berücksichtigt. Die Autoren diskutieren zudem Ergebnisse empirischer Forschung und aktuelle Reformvorschläge wie die Bürgerversicherung und die Einführung von Pauschalprämien in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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Leseprobe

2 Zur ökonomischen Bewertung von Leben und Gesundheit (S. 19-20)

2.1 Anwendungsbereiche der Bewertung von Leben und Gesundheit

„Das Leben ist das höchste Gut und lässt sich nicht in Geld aufwiegen." Dies ist ein Grundsatz, dem wohl die meisten Menschen zustimmen würden. Auf der anderen Seite werden (notwendigerweise!) nicht nur von Individuen, sondern auch von Parlamenten und Behörden regelmäßig Entscheidungen getroffen, die eine Abwägung zwischen der Erhaltung und Verlängerung menschlichen Lebens und dem Einsatz knapper Mittel (Geld) beinhalten. Beispiele für solche Entscheidungen im öffentlichen Bereich lassen sich sowohl im Gesundheitswesen selbst finden als auch in vielen anderen Bereichen, vor allem in der Verkehrs- und in der Umweltpolitik. In allen Ländern, in denen entweder ein nationaler Gesundheitsdienst oder eine gesetzliche Krankenversicherung besteht, entscheiden politische oder zumindest politisch legitimierte Gremien von Zeit zu Zeit über die Aufnahme neuer Arzneimittel, neuer Heilverfahren und neuer medizintechnischer Geräte in den Katalog der innerhalb dieses Gesundheitssystems finanzierten Leistungen. In aller Regel sind solche neuen Verfahren mit zusätzlichem finanziellen Aufwand verbunden - es handelt sich also nicht um kostensparende „Prozessinnovationen" - und versprechen therapeutische Vorteile, oft in Form einer Reduktion der Gefahr vorzeitigen Todes einer bestimmten Risikopopulation.

So kann die Bereitstellung einer mobilen Herzinfarkt-Einheit mit Gesamtkosten von mehreren Millionen € dazu dienen, bei Herzinfarkt-Patienten bereits an Ort und Stelle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Herzfunktion zu ergreifen und somit das Risiko, noch vor Erreichen des nächstgelegenen Krankenhauses zu sterben, erheblich vermindern. Ebenso kann eine medikamentöse Dauertherapie von Hypertonikern mit blutdrucksenkenden Präparaten dem Risiko eines Herzinfarkts wirksam vorbeugen. Auch hier stehen dem verminderten Todesrisiko erhebliche volkswirtschaftliche Kosten der Entwicklung und Herstellung der Medikamente gegenüber.

Ein nicht weniger bekannter Anwendungsbereich ist die Vorhaltung und der Betrieb von Dialysegeräten für Patienten mit chronischem Nierenversagen. Außerhalb des Gesundheitsbereichs sind die Beispiele, in denen „Leben" gegen „Kosten" abgewogen werden müssen, nicht weniger zahlreich. So müssen Gemeinden und Landkreise entscheiden, ob sie bestimmte notorische Unfallschwerpunkte (z.B. enge, unübersichtliche Kurven) durch Begradigung oder Verbreiterung der Straße entschärfen sollen. In Wohngebieten kann umgekehrt gerade durch das Pflanzen von Bäumen und das Einziehen von Schwellen und anderen Hindernissen das Fahrtempo gesenkt und somit die Lebensgefahr für spielende Kinder verringert werden.

Alle diese Maßnahmen sind mit zusätzlichen Ausgaben für die öffentlichen Haushalte verbunden. Auch im Umweltbereich ist es nicht schwer, ähnliche Beispiele zu finden. So vermindert der Einbau kostspieliger „redundanter" Sicherheitssysteme in Kernkraftwerken nicht nur die Gefahr einer Katastrophe mit Tausenden von Todesfällen, wie sie sich 1986 in Tschernobyl ereignet hat, sondern reduziert auch die Abgabe radioaktiver Strahlung, die die exponierte Bevölkerang einem erhöhten Risiko, an Leukämie zu erkranken, aussetzt. Aufwendige Filteranlagen zur Rückhaltung von Schwefeldioxid und anderen Schadstoffen aus Kohlekraftwerken verbessern die Luftqualität und senken damit u.a. das Risiko, an Atemwegsleiden zu erkranken. In allen genannten Anwendungsgebieten kann eine rationale Entscheidung der öffentlichen Instanzen nur dann getroffen werden, wenn eine umfassende und präzise Bewertung der mit einer Maßnahme verbundenen zukünftigen Vorteile (und gegebenenfalls Nachteile) vorgenommen wird, damit diese den Projekt- und Folgekosten gegenübergestellt werden können. Dabei leuchtet es sofort ein, dass eine derartige Kosten-Nutzen-Analyse die Entscheidungsbildung vor allem dann erleichtern kann, wenn die in die Berechnung eingehenden Größen kommensurabel sind, d.h. in einer gemeinsamen Recheneinheit ausgedrückt werden können. Da die Projektkosten generell in Geldeinheiten gemessen werden, erscheint es wünschenswert, auch alle Vorteile in Geldwerten auszudrücken. Dies gilt dann natürlich auch für die Verlängerung menschlichen Lebens oder die Verbesserung des Gesundheitszustandes, die mit der Realisierung eines Projekts verbunden sind.

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Vorwort zur 1. Auflage6
Inhaltsverzeichnis9
Abbildungsverzeichnis23
Tabellenverzeichnis26
1 Einleitung29
1.1 Gesundheit - ein unbezahlbares Gut?29
1.2 Einzel- und gesamtwirtschaftliche Betrachtungsweisen der Gesundheit32
1.3 „Ökonomik der Gesundheit" vs. „Ökonomik des Gesundheitswesens": ein erster Überblick39
1.4 Eine Systemanalyse des Gesundheitswesens42
1.5 Zusammenfassung des Kapitels45
2 Zur ökonomischen Bewertung von Leben und Gesundheit46
2.1 Anwendungsbereiche der Bewertung von Leben und Gesundheit46
2.2 Verfahren der Evaluation im Gesundheitsbereich48
2.3 Kosten-Nutzwert-Analyse52
2.4 Kosten-Nutzen-Analyse65
2.6 Zusammenfassung des Kapitels94
2.7 Lektürevorschläge96
3 Das Individuum als Produzent seiner Gesundheit99
3.1 Problemstellung99
3.2 Zum Konzept der Gesundheitsproduktion101
3.3 Die Gesundheit als Teil des Humankapitals103
3.4 Gesundheitsproduktion als Einflussnahme auf einen Zufallsprozess114
3.5 Zusammenfassung des Kapitels137
3.6 Lektürevorschläge138
3. A Anhang zu Kapitel 3139
3. Ü Übungsaufgaben151
4 Empirische Untersuchungen zur Gesundheitsproduktion153
4.1 Überblick über die Fragestellungen153
4.2 Untersuchungen anhand von aggregierten Daten155
4.3 Untersuchungen anhand von Individualdaten177
4.4 Nachfrage nach Gesundheit, Nachfrage nach Gesundheitsleistungen187
4.5 Zusammenfassung des Kapitels195
4.6 Lektürevorschläge196
4. Ü Übungsaufgaben197
5 Besonderheiten von Gesundheitsgütern und ihre allokativen Konsequenzen198
5.1 Problemstellung198
5.2 Marktversagen auf den Märkten für Gesundheitsgüter200
5.3 Marktversagen auf den Märkten für Krankenversicherung208
5.4 Gerechtigkeit als Begründung für staatliche Eingriffe im Gesundheitswesen212
5.5 Zur Gestaltung einer Sozialen Krankenversicherung220
5.6 Zusammenfassung des Kapitels228
5.7 Lektürevorschläge229
5. A Anhang zu Kapitel 5 - Märkte für Krankenversicherung mit asymmetrischer Information230
5. Ü Übungsaufgaben243
6 Optimale Ausgestaltung von Krankenversicherungsverträgen246
6.1 Problemstellung246
6.2 Typen von Krankenversicherungsverträgen und ihre Anreizwirkungen249
6.3 Optimaler Versicherungsschutz bei Abwesenheit von Moral Hazard252
6.4 Optimaler Versicherungsschutz bei Ex-ante Moral Hazard269
6.5 Optimaler Versicherungsschutz bei Ex-post Moral Hazard278
6.6 Der empirische Zusammenhang zwischen Versicherungsdeckung und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen289
6.7 Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer sozialen Krankenversicherung291
6.8 Zusammenfassung des Kapitels293
6.9 Lektürevorschläge294
6. Ü Übungsaufgaben295
7 Risikoselektion im Krankenversicherungswettbewerb298
7.1 Problemstellung298
7.2 Risikoselektion301
7.3 Weitere Argumente für einenfinanziellenAusgleich zwischen Krankenversicherungen322
7.4 Zur Ausgestaltung von Finanzausgleichssystemen324
7.5 Vermeidung von Risikoselektion in Deutschland und der Schweiz341
7.6 Zusammenfassung des Kapitels348
7.7 Lektürevorschläge350
8 Der Arzt als Anbieter medizinischer Leistungen355
8.1 Einleitung355
8.2 Der Zusammenhang von Ärztedichte und Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen356
8.3 Die These von der angebotsinduzierten Nachfrage nach ambulanten Arztleistungen358
8.4 Nutzenmaximierung des Arztes und die Zieleinkommens- Hypothese361
8.5 Ärztedichte und Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen: alternative Erklärungen369
8.6 Empirische Überprüfung der Hypothesen371
8.7 Zusammenfassung des Kapitels374
8.8 Lektürevorschläge374
8. Ü Übungsaufgaben375
9 Krankenhausleistungen376
9.1 Problemstellung376
9.2 Das Krankenhaus als Produktionsbetrieb378
9.3 Der Krankenhausbetriebsvergleich385
9.4 Zusammenfassung des Kapitels401
9.5 Lektürevorschläge401
9. Ü Übungsaufgaben402
10 Optimale Vergütung von Leistungserbringern403
10.1 Problemstellung403
10.2 Ökonomische Theorie der Vergütung405
10.3 Die Vergütung von Ärzten438
10.4 Die Vergütung von Krankenhäusern442
10.5 Zusammenfassung446
10.6 Lektürevorschläge447
10. Ü Übungsaufgaben448
11 Organisationsformen der medizinischen Versorgung452
11.1 Fragestellung452
11.2 Der Arzt als Sachwalter des Patienten456
11.3 Ergänzende Sachwalterbeziehungen im Gesundheitswesen457
11.4 Die Health Maintenance Organization als alternative Form der Versorgung461
11.5 Zusammenfassung des Kapitels470
11.6 Lektürevorschläge470
ll. Ü Übungsaufgaben471
12 Der Arzneimittelmarkt472
12.1 Problemstellung472
12.2 Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels474
12.3 Die Innovation als Investition479
12.4 Die Rolle des Patentschutzes485
12.5 Preisregulierung der Arzneimittel492
12.6 Der Preiswettbewerb bei Arzneimitteln497
12.7 Zusammenfassung des Kapitels503
12.8 Lektürevorschläge504
12. Ü Übungsaufgaben505
13 Die Politische Ökonomie des Gesundheitswesens506
13.1 Problemstellung506
13.2 Kollektiv flnanzierte Gesundheitsversorgung in der Demokratie507
13.4 Zusammenfassung des Kapitels524
13.5 Lektürevorschläge525
13. Ü Übungsaufgaben526
14 Herausforderungen an das Gesundheitswesen527
14.1 Fragestellung527
14.2 Die technologische Herausforderung529
14.3 Die demographische Herausforderung538
14.4 Gesundheitsausgaben, Alter und medizinischer Fortschritt544
14.5 Internationale Herausforderungen560
14.6 Zusammenfassung des Kapitels564
15 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen568
15.1 Gesundheit als ökonomisches Gut568
15.2 Wettbewerb oder Regulierung im Gesundheitswesen?569
15.3 Gesundheitspolitische Empfehlungen im einzelnen571
15.4 Reformprogramme aus einem Guss?576
Literaturverzeichnis578
Autorenverzeichnis596
Sachverzeichnis603
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