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E-Book

Peter Schneider, wie wird eine Ehe schön?

Gespräche über Partnerschaft und Liebe

AutorBarbara Lukesch
VerlagWörterseh Verlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783037637555
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Die Autorin Barbara Lukesch ist sich sicher, dass es eine erlernbare Kunst ist, eine schöne Ehe zu führen. Um diese These festzumachen, kontaktierte sie den Zürcher Psychoanalytiker Peter Schneider. Er würde - davon war sie überzeugt - klare Statements dazu abgeben, was eine Ehe schön machen, aber auch scheitern lassen kann. Und da diese Idee auch ihn begeisterte, nahmen sich die beiden viel Zeit, über all das zu reden, was für eine Partnerschaft wichtig ist: Geld, Haushalt, Sexualität, Streit, Gleichberechtigung, Vertrauen, Kinder, Liebe und Respekt, aber auch Empathie, Großzügigkeit und Humor. Dass ihre Gespräche nun in Buchform vorliegen, ist ein Geschenk, denn Barbara Lukesch ist eine ebenso hartnäckige wie geistreiche Fragerin und Peter Schneider nicht nur ein neugieriger Gesprächspartner, sondern auch ein ausgewiesener Fachmann, der seine Ein- und Ansichten einleuchtend und vor allem witzig formuliert. Das Buch 'Peter Schneider, wie wird eine Ehe schön?' gehört daher nicht nur auf den Gabentisch von Frischvermählten, sondern ebenso auf den Nachttisch eines jeden Paares. Sich daraus vorzulesen, ist garantiert ein Genuss.

Barbara Lukesch, geb. 1954, studierte Germanistik, Anglistik und Literaturkritik. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und ist als Dozentin an verschiedenen Fachhochschulen tätig. Für Wörterseh verfasste sie bereits die Bücher 'Starke Worte' (mit Koautor Balz Spörri), 'Klaus Heer, was ist guter Sex?', 'Und es geht doch! - Wenn Väter mitziehen' sowie die Bestseller 'Wie geht Karriere? - Strategien schlauer Frauen' und 'Bauernleben - Die unglaubliche Geschichte des Wisi Zgraggen'. Barbara Lukesch, die seit 1990 verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, lebt in Zollikon ZH und in Gais AR. Peter Schneider, geb. 1957, verheiratet sei 1988, Vater seit 1990, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie. Er lebt in Zürich und führt dort eine psychoanalytische Praxis. Von 2004 bis 2014 war er Privatdozent für Psychoanalyse sowie bis 2017 Professor für Entwicklungs- und pädagogische Psychologie an der Universität Bremen. Seit 2014 ist er PD für klinische Psychologie an der Universität Zürich und seit 2017 Gastprofessor für Geschichte und Wissenschaftstheorie der Psychoanalyse an der International Psychoanalytic University in Berlin. Außerdem betätigt er sich seit vielen Jahren als Satiriker (SRF 3 und 'Sonntagszeitung') und Kolumnist ('Tages-Anzeiger' und 'Bund'). Er ist Autor zahlreicher Bücher.

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Leseprobe
 

Hausarbeit


»Unkompliziertheit macht attraktiv«


Die Hausarbeit gibt in vielen Beziehungen Anlass zu Streit. Auch deshalb, weil sie einen viel zu großen Stellenwert hat.


Was sind die wichtigsten Posten, die innerhalb eines Paarhaushalts vergeben werden müssen?

Einkaufen und Kochen, Putzen, Waschen, übers Bügeln kann man sich streiten. Wenn man seine Hemden geschickt aufhängt, ist es überflüssig. Ich trage heute ein ungebügeltes Hemd und sehe trotzdem nicht absolut verlottert aus. Was es sicher braucht, ist die Administration. Wichtig ist auch das Warten der technischen Geräte, insbesondere der Computer. Gartenpflege. Da gibt es ja häufig jemanden, der das gern macht. Vielleicht sogar beide. Wenn nicht, soll das Paar den Garten doch möglichst günstig bepflanzen und einmal im Jahr einen Gärtner kommen lassen.

Geld macht vieles einfacher.

Das ist so. Ich bin überzeugt, dass Paare, die genügend Geld haben oder sich das irgendwo absparen können, etwas vom Besten für ihre Ehe tun, wenn sie die Hausarbeit oder einen Teil davon delegieren. Wenn die Organisation des Haushalts ständig im Vordergrund steht und zahllose Absprachen erfordert, wird es mühsam.

Da spricht der Angehörige der gehobenen Mittelschicht. Aber es muss ja auch Lösungen geben für Leute, die sich weder eine Putzhilfe noch regelmäßig den Essensservice leisten können.

Ein brauchbares Motto wäre meiner Meinung nach: So viel Hausarbeit wie nötig und so wenig wie möglich. Das ist keine wahnsinnig raffinierte Lösung, aber immerhin ein Ansatz. Noch wichtiger erscheint mir, dass nicht eine Person das Arschloch ist, dem ständig die ganze Arbeit aufgehalst wird.

Sonst landet man beim ehelichen Worst-Case-Szenario …

… in dem der »Schlufi« jeden Abend mit dem Bier vor dem Fernseher sitzt, seine Beine knapp hochhebt, wenn seine frühzeitig gealterte Frau im grauen Kittel die Stube staubsaugt, bevor sie sich dranmacht, den Küchenboden zu schrubben. Was natürlich ein Klischee ist. Das Normale ist ja wohl heute, dass die Reibungspunkte im Haushalt nicht allumfassend sind.

Trotzdem gibt die Hausarbeit in vielen Beziehungen immer noch Anlass zu Streit. Was sorgt wohl für so viel Unmut und Ärger?

Nehmen Sie folgende Situation: Heute früh, Sonntagmorgen, war bei uns kein Käse im Haus. Meine Frau hatte meinen Schnittkäse aufgegessen, und ich hatte vergangenen Abend nach einer Podiumsdiskussion einen Fressanfall und habe unseren Cream-Cheese vertilgt. Die Folge? Heute Morgen gabs eine Scheibe Brot mit Butter. Das wars dann auch schon. Wenn man in einer solchen Situation improvisieren kann und kein großes Dings draus macht, ist das ziemlich viel wert. Aber man kann sich ja auch folgenden Fortgang der Geschichte vorstellen. Er flucht: »Ich schufte mir den Arsch ab, und du schaffst es nicht einmal, dafür zu sorgen, dass wir am Wochenende eine Scheibe Käse im Kühlschrank haben!« Es gibt Leute, die in einem solchen Moment das ganze Fass aufmachen. Da wird der Haushalt dann zum Stein des Anstoßes, der andere Beziehungsprobleme mit ins Rollen bringt.

Im Haushalt fällt nun mal viel Arbeit an, die einfach keinen Spaß macht. Woche für Woche die gleiche Mühsal!

Aber vieles kann man in einem normalen Haushalt doch auch nebenher erledigen. Kochen ist für mich keine mehrstündige Angelegenheit, die mich vollständig absorbiert. Man kann ja auch mal einen Braten machen, der in den Topf kommt und sieben Stunden gart. Fertig, Schluss. Zubereitungszeit: zehn Minuten. Klar kann man auch viel mehr Zeit investieren und in der Küche das totale Chaos anrichten. Aber wenn man sich einigermaßen geschickt anstellt, ist man mit Multitasking ziemlich effizient. Da macht man mit dem Fuß den Kühlschrank zu, während man noch schnell etwas im Schüttstein abspült und dann die Bratensauce nachwürzt. Das ist doch keine so große Sache.

Es gibt aber auch Leute, die bedächtiger vorgehen: eins nach dem anderen. Oder die zum Perfektionismus neigen und ein ausgeprägtes Sauberkeits- und Ordnungsbedürfnis haben.

Wer die ganze Wäsche bügelt und sie stets perfekt geordnet in den Schrank schichtet, hat natürlich viel mehr Stress und braucht länger. Aber vielleicht hat er auch große Freude daran.

Woher kommen solche – in meinen Augen – überrissenen Ansprüche? Aus den Herkunftsfamilien?

Das weiß ich auch nicht genau. Was mir in dem Zusammenhang aber ganz wichtig scheint: Man sollte den anderen in seiner Art, wie er putzen und haushalten will, leben lassen und ihm eventuell übertriebene Sauberkeitsvorstellungen nicht vorhalten. Im Gegenteil, man sollte ihn für die von ihm geleistete Arbeit loben und dankbar für seinen Einsatz sein. Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil er selber weniger im Haushalt macht, kann sich auf jeden Fall nicht davon befreien, indem er dem anderen falsche Standards vorwirft.

Aber wenn der andere anfängt, Terror zu machen, und seine Pingeligkeit zum Maß aller Dinge erhebt?

Ich bin nicht sicher, ob es gescheit ist, hier von Terror zu reden. Wenn sich derjenige, der sich Mühe gibt, auch noch gegen den Angriff wehren muss, er übe Terror aus? Das erinnert mich an ein beliebtes WG-Thema: Eine Mitbewohnerin findet, es müsse mal wieder jemand den Abwasch machen, worauf die anderen meinen: »Was ist das denn für ein Terror? Wir haben doch immer sauberes Geschirr.« Worauf sie erwidert: »Ja, klar, weil ich es immer abwasche.«

Mein Mann und ich haben seit Jahren klar festgelegte Bereiche: Ich kaufe ein und koche, organisiere Soziales, also Einladungen, Kultur, während er wäscht und für die Administration, Technik und Reisen zuständig ist. Putzen tun wir beide nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Diese Aufteilung entspricht unseren Vorlieben, aber auch unseren Fähigkeiten und funktioniert reibungslos.

Leider taugt dieses Modell nicht als Patentlösung, weil es Paare gibt, bei denen beiden alles stinkt oder die beide gern dasselbe tun, zum Beispiel kochen. Bei anderen ist es völlig asymmetrisch: Einem geht der Haushalt leicht von der Hand, während der andere zwei linke Hände hat. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, in welchen Fällen das Konfliktpotenzial größer ist. Sicher ist nur: Man darf nichts verändern, wenn man – wie Sie und Ihr Mann – eine Lösung gefunden hat, mit der beide glücklich sind.

Wie machen denn Sie und Ihre Frau es?

Huch, komplizierter auf jeden Fall. Wir haben eine Putzfrau, meine Frau saugt täglich das Bad, weil ihr das wichtig ist, sie macht die Wäsche und kauft ein, ich koche meistens, vor allem, weil ich sehr schnell aus dem, was im Kühlschrank liegt, etwas Genießbares herstellen kann. Die Geschirrspülmaschine räume in der Regel ich ein und aus. Wir sind zwar überhaupt keine Haushaltsfans – weder ist meine Frau eine begeisterte Wäscherin noch bin ich ein leidenschaftlicher Koch, der über Kochbüchern brütet und Glücksmomente am Herd erlebt –, aber unser Haushalt läuft komplett konfliktfrei. Das ist angenehm, aber schließlich ist ein Zweipersonenhaushalt auch nicht der volle Hammer, wenn man es sich nicht extra kompliziert macht.

Laut aktuellen Studien ist es nach wie vor so, dass Frauen den Löwenanteil der Hausarbeit leisten. Sie wenden 7,1 Stunden wöchentlich für das Kochen auf, Männer 3,8. Frauen putzen 4,5 Stunden, Männer 1,9. Ins Waschen und Bügeln investieren Frauen 2,3 Stunden, Männer 0,6. Einzig bei den administrativen und handwerklichen Arbeiten liegen die Männer mit 3,0 Stunden im Vergleich zu 2,1 ihrer Partnerinnen vorn. Offenbar ist die Hausarbeit ein »pièce de résistance«, gegen das sich die Männer nach wie vor mit viel Erfolg zur Wehr setzen.

Die gute Nachricht ist doch: Verglichen mit den Fünfzigerjahren, zeigen die aktuellen Zahlen einen deutlichen Fortschritt. Besser wäre allerdings, wenn sich die Werte von Frauen und Männern noch wesentlich stärker annähern würden.

In dem neuen Buch der Sozialwissenschaftlerin Margret Bürgisser, »Partnerschaftliche Rollenteilung – ein Erfolgsmodell«, für das sie 28 Paare während mehr als zwanzig Jahren begleitet hat, liest man, dass vergleichsweise wenige dieser Ehen zerbrachen. Wenn es dennoch zu einer Scheidung kam, lag es oft an der Hausarbeit: Die Frauen beklagten sich, dass ihre Männer zu wenig im Haushalt machten. Wie lässt sich dieses Konfliktpotenzial entschärfen?

Man müsste es gelassener angehen. Das ist zwar leichter gesagt als getan, wenn jemand eineinhalbmal so lange in der Küche steht oder putzt wie der Partner. Aber ich halte trotzdem viel von dieser schönen Tugend.

Was sagen Sie zu folgender Ausgangslage: Er ist zu hundert Prozent erwerbstätig, sie für ein, zwei Jahre daheim und betreut die Kinder. Könnte man unter diesen Umständen nachsichtiger gegenüber dem Mann und Familienernährer sein und argumentieren, dass seine Frau mindestens in dieser Phase ja wohl genügend Zeit habe, um den größeren Teil des Haushalts zu erledigen?

Nicht grundsätzlich. Verschiedene Tätigkeiten lassen sich teilweise sehr schlecht zeitlich bemessen und miteinander vergleichen. Wie wollen Sie denn acht Stunden Erwerbsarbeit mit einem Tag daheim mit den Kindern vergleichen? Immer wenn die Mutter zu ihrer Tochter sagt: »Räum jetzt deine Legosteine weg!«, notieren wir fünfzehn Sekunden Erziehungsarbeit? Aus der Schwierigkeit, verschiedene Arbeiten miteinander zu vergleichen, resultiert ja auch das nach wie vor ungelöste Problem der ungerechten...

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