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Religion erleben

Ein Arbeitsbuch für den Religionsunterricht -

AutorHans Mendl
VerlagKösel
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl440 Seiten
ISBN9783641037192
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis23,99 EUR
Nur wer Religion erlebt, kann auch etwas über Religion lernen
Religionsunterricht sollte mehr sein als nur Reden über Religion. Denn Religion muss man erleben, um sie zu verstehen. Doch Kinder und Jugendliche bringen heute oft kaum noch religiöse Erfahrungen mit. In 20 Kapiteln zeigt der bekannte Religionspädagoge Hans Mendl praxisnah, wo und wie sich gelebte Religion in der Schule entdecken und erfahren lässt.

Hans Mendl, geb. 1960, ist Professor für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Passau. Mitherausgeber der Schulbuchreihe 'Religion vernetzt'. Umfangreiche Tätigkeit in der Lehrerfortbildung.

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Leseprobe
Theorie ohne Praxis ist leer, freilich ist auch die Praxis ohne Theorie blind. Mein Interesse besteht darin, die Tragfähigkeit performativer Theorien und auch die kritischen Anfragen vor dem Hintergrund der praktischen Religionsdidaktik auf möglichst vielen Feldern zu durchleuchten. Denn bei allen Diskursen auf der Theorieebene möchte ich immer wieder die praktische Gretchenfrage stellen, was das denn nun für ganz konkrete Handlungsvollzüge im Religionsunterricht bedeutet. Deshalb wird das einleitende theoretische Kapitel zur Herkunft und zum Konzept eines performativ ausgerichteten Religionsunterrichts relativ knapp gehalten sein, auch wenn es für die folgenden Konturen und Grenzziehungen selbstverständlich grundlegend und handlungsleitend ist. Der Schwerpunkt liegt im ausführlichen Praxisteil.
Die Ausgangsfrage lautet: Wie kann objektive Religion heute überhaupt noch verständlich werden angesichts eine Schülergeneration, die mehrheitlich dazu keine intensiven Bezüge hat? Diese Frage bestimmt die inhaltliche Reihung der vier großen Blöcke.
Im ersten großen Block »Fremde Heimat erkunden« geht es um Möglichkeiten, der Innenseite gelebter Religion zu begegnen: Räume, Menschen, Erinnerungen, Zeitrhythmen.
Der zweite Block »Gott und das Leben feiern« ist von der Beobachtung geprägt, dass sich Diskussionen um die Grenzwertigkeit performativer Elemente häufig an den Themenfeldern Liturgie und Gebet entzünden. Deshalb werden Gebet und Meditation, liturgische Elemente, heilende und leibliche Vollzüge und die Erfahrbarkeit der Schöpfung in den Blick genommen. Gerade in diesen Feldern wird der spezifische Modus einer religiösen Wirklichkeitserfassung und -deutung verständlich - oder eben nicht!
Der dritte Block »Konsequenzen des Glaubens erleben« thematisiert Inhaltsfragen des Religionsunterrichts (Bibelarbeit, interreligiöses Lernen, Ethik lernen, der Umgang mit Glaubensfragen und biografisches Lernen). Diese sollen ja nicht nur als »Fragen an sich«, sondern in ihrer Bedeutung als »Fragen für mich« didaktisch ins Spiel kommen, wenn es um den Erwerb von religiöser Kompetenz geht; auch hier wird reflektiert, welchen Wert performative Elemente haben, um sowohl der Eigenart des Lerngegenstandes gerecht zu werden als auch die Nachhaltigkeit von Lernprozessen zu unterstützen.
Im vierten Block schließlich lege ich einen methodischen Fokus an, da sich performative Elemente vor allem auf der Ebene der Lernwege manifestieren, ohne dass allerdings die Diskussion um die Bedeutung des Performativen auf Handlungsorientierung beschränkt werden darf. Der performative Umgang mit den ausgewählten exemplarischen Medien (Sprache, Bilder, Kunstwerke, Musik,
PC und Internet) soll sich dabei in mehrfacher Hinsicht als produktiv erweisen: im Sinne einer Ausdrucksförderung bei den Kindern und Jugendlichen und als Chance, die Erkenntnislogik des jeweiligen Mediums in seinem religionshermeneutischen Eigenwert besser zu begreifen.

Den 20 praxisorientierten Kapiteln liegt jeweils die gleiche Struktur zugrunde:
Zunächst wird beschrieben, worin die Herausforderung des jeweiligen Themenfeldes besteht und wieso meines Erachtens ein primär kognitiver Zugriff auf den jeweiligen Wirklichkeitsausschnitt nicht genügt, um vernünftig und persönlich Religion zu lernen und dem jeweiligen Teilgegenstand von Religion selbst gerecht zu werden.
Danach werden die besonderen Lernchancen performativer Unterrichtsansätze skizziert.
Anschließend diskutiere ich kritische themenbezogene Anfragen, die von ganz unterschiedlichen Seiten geäußert werden.
Die Leitfrage für den nächsten Abschnitt lautet dann: Welche spezielle Kompetenzen benötigen die Lehrenden, um diese Art von Unterricht durchzuführen?
Und schließlich folgen exemplarische Hinweise auf Praxisprojekte, die meines Erachtens zur beschriebenen performativen Lerndynamik gehören. Dabei unterscheide ich nicht zwischen verschiedenen Schulstufen, da ich auf die Kompetenz der Leserinnen und Leser vertraue, das jeweils für die eigenen Lerngruppen Passende zu entdecken.

Bei einer Reihe von Fortbildungen in den letzten Jahren von Luxemburg bis Linz und von Hildesheim bis Tirol habe ich die Inhalte, die nun in diesem Buch versammelt sind, immer wieder vorstellen können. Etliche Lehrkräfte, vor allem an Grundschulen, fanden, dass sie durch die präsentierte Theorie und die Praxisbeispiele Bestätigung für die alltäglich bereits praktizierte Didaktik erfahren, andere dagegen haben mitunter Unbehagen geäußert, ob mit bestimmten Elementen nicht das Maß des Zulässigen überschritten wird. Im Gegenzug gab es auch kritische Anfragen bezüglich der konkreten Gestalt des Religionsunterrichts ab der Sekundarstufe, besonders an Gymnasien, wo der Präsentationsmodus häufig eben nicht als handlungsund lebensweltorientiert erfahren wird - zwei zentrale Kriterien für die Akzeptanz des Religionsunterrichts bei Kindern und Jugendlichen (vgl. Bucher 2000). Ich danke den Praktikern vor Ort für die vielen inspirierenden Rückmeldungen, die dieses Buch erst ermöglicht haben!
Natürlich soll das vorliegende Buch die Diskussion um einen performativ ausgerichteten Religionsunterricht vorantreiben. In erster Linie ist es aber für Lehrerinnen und Lehrer geschrieben, die an einer Reflexion, Vertiefung und vielleicht Innovation des eigenen unterrichtlichen Handelns und durchaus auch an einer Veränderung (ich meine: Verbesserung) der Schulkultur interessiert sind. Da ich um das enge Zeitbudget von Lehrkräften, Seminarlehrern und Religionspädagogen der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung weiß, habe ich mich schon bei der Strukturierung des Buches um Leserfreundlichkeit bemüht. Gerade die 20 praxisorientierten Kapitel im zweiten Teil des Buches haben einen überschaubaren Umfang von je 10 bis 20 Seiten. Sie sind als abgeschlossene Einheit geschrieben; dort, wo es für ein umfassenderes Verständnis nötig ist, wurden behutsam Querverweise eingefügt. Der Preis dieser Darstellung sind gewisse Redundanzen, die mir diejenigen, die das ganze Buch lesen sollten, nachsehen mögen. Eine leicht zu bewältigende Lektüre eines Teilkapitels zum Tagesausklang oder eine anregende (oder aufregende, wenn man zur oben angedeuteten Gruppe der Skeptiker gehört) zum Tagesbeginn - das wäre ein möglicher Sitz im Leben. Selbstverständlich eignet sich das Buch aber auch zum intensiven Studium, zur Gestaltung von Seminaren und zur Aufbereitung von Prüfungsstoff. Vor allem aber soll es helfen, die Vorstellung von einem guten Religionsunterricht auszubilden.
Schließlich danke ich den Mitarbeitern an meinem Lehrstuhl für die kritische Begleitung des Projekts; für die Sorgfalt bei der Manuskripterstellung bedanke ich mich bei Frau Elfriede Seitz-Rodatus und bei Frau Ulrike Oerterer sowie bei Frau Margarete Stenger, die das Buch nicht nur lektoriert, sondern während der Entstehungsphase motivierend begleitet hat.
Ein Wahlspruch, der die Notwendigkeit einer Inszenierung des Religionsunterrichts untermauert, könnte ein Satz aus dem Exerzitien-Büchlein von Ignatius von Loyola sein: »Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Genüge, sondern das Fühlen und Kosten der Dinge von innen« (Ignatius von Loyola 1956, 7). In diesem Sinne möchte ich dazu ermuntern, mutig die Inszenierung von Religion(sunterricht) zu wagen!
Hans Mendl

TEIL I:

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A. Religion erleben - Problemanzeige und aktuelle Herausforderungen

Wie viel an Erfahrung im Religionsunterricht darf sein?
Blick ins Buch

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