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E-Book

Diskriminierung

Grundlagen und Forschungsergebnisse

AutorUlrike Hormel, Albert Scherr
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl362 Seiten
ISBN9783531923949
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,96 EUR
Vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Bedeutung des Menschenrechtsdiskurses in der Europäischen Union und in Folge der Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes gewinnt die Auseinandersetzung mit Diskriminierung an gesellschaftspolitischer Relevanz.
Auch in wissenschaftlichen Debatten findet der Terminus 'Diskriminierung' zunehmend Verwendung, so etwa in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus, geschlechtsbezogener Benachteiligung, mit der Situation von Behinderten und alten Menschen sowie in den Diskursen zu Diversity und Heterogenität.
Im deutschen Sprachraum hat sich aber bislang eine eigenständige Diskriminierungsforschung erst in Ansätzen entwickelt. Insofern mangelt es der politischen, rechtlichen und medialen Thematisierung von Diskriminierung an einer angemessenen wissenschaftlichen Fundierung.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes sind in Anschluss an die internationale Fachdiskussion auf eine theoretische Analyse von Diskriminierung ausgerichtet und stellen Ergebnisse empirischer Forschung zu Formen und Folgen von Diskriminierung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen dar.

Dr. Ulrike Hormel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Dr. Albert Scherr ist Professor für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

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Leseprobe
Die Diskriminierung ‚ausländischer‘ Jugendlicher bei der Lehrlingsauswahl (S. 192-193)

Christian Imdorf

1 Einleitung


Ethnische Ungleichheiten im Zugang zu Arbeitsplätzen halten sich weltweit hartnäckig. Eine langjährige Forschungstradition hat untersucht, in welchem Ausmaß Diskriminierung eine Rolle bei der Formung solcher Arbeitsmarkt-Disparitäten spielt (Pager/Shepherd 2008). Mit dem Begriff Diskriminierung werden dabei unterschiedliche soziale Prozesse gefasst, die letztendlich zur Folge haben, dass eher zugeschriebene Ethnizität als meritokratische Leistungsprinzipien den Zugang zu Erwerbsarbeit regelt.

Ich beziehe mich im vorliegenden Aufsatz – im Sinne einer exemplarischen Analyse – auf einen Spezialfall der Stellenvergabe, der sich, wie noch zu zeigen sein wird, für die Untersuchung von Diskriminierung besonders eignet: Die Vergabe betrieblicher Ausbildungsplätze in Schweizer Klein- und Mittelbetrieben. Berufslehren in Ausbildungsbetrieben stellen einen zentralen Bestandteil des Schweizer Berufsausbildungssystems dar. Zwei von drei Jugendlichen be nden sich spätestens zwei Jahre nach Abschluss des neunten Schuljahrs in einer Berufsausbildung, die zu über 80 % als alternierende Ausbildung in Betrieb und Berufsschule organisiert ist (Stalder/Meyer/Hupka-Brunner 2008).

Die betrieblichen Ausbildungsplätze werden dabei zu annähernd 90 % von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) angeboten (Imdorf 2008: 153). Jugendliche bewerben sich u. a. auf bestimmte Ausbildungsplätze, weil sie entweder einen Beruf oder einen Betrieb interessant nden. Der Zugang zum Schweizer Lehrstellenmarkt entscheidet dabei über ihre späteren Erwerbsaussichten mit, denn junge Erwachsene ohne Berufsbildungsabschluss sind besonders häu g von prekären Arbeitsverhältnissen und Arbeitslosigkeit betroffen (Stalder et. al. 2008).

Es sind jedoch die Betriebe, die in eigener Regie über den Abschluss eines Ausbildungsvertrags entscheiden, und die bei der Auswahl neben ihren eigenen Bedürfnissen auch die für eine erfolgreiche Ausbildung erforderlichen beru ichen und schulischen Anforderungen klären (Imdorf 2009b). Der erste Schritt in den Schweizer Arbeitsmarkt erfolgt demnach – ebenso wie in Deutschland – nicht erst nach Abschluss der beru ichen Erstausbildung, sondern bereits am Ende der obligatorischen Schule, wenn sich eine große Zahl von SchulabgängerInnen mit der Herausforderung konfrontiert sieht, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu ergattern.

Dabei ist der Lehrstellenmarkt nicht für alle Schülergruppen in gleichem Maß zugänglich. Bestimmte Gruppen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund – insbesondere Kinder aus Immigrantenfamilien aus Nicht-EU-Staaten, denen in der Schweiz in besonderem Maße das Ausländerstigma2 anhaftet – sehen sich mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert, sich erfolgreich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Solange diesen Jugendlichen der Zugang in die betriebliche Berufsausbildung vorenthalten bleibt, besteht das Risiko, dass ihnen später die gesellschaftlich abverlangte Sozialintegration via quali zierte Berufsarbeit nicht gelingt (Imdorf 2008).

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