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E-Book

Lernen zu lernen

Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen

AutorMartin Schuster, Werner Metzig
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2005
Seitenanzahl228 Seiten
ISBN9783540292524
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR

Wer wirkungsvoll lernen will, findet in diesem Buch bestimmt die richtige Lernmethode für seinen Lernstoff. Jede Lerntechnik wird so beschrieben, dass man sie direkt anwenden kann. In der 7. Auflage behandeln die Autoren in einem neuen Kapitel interaktive Lernangebote im Internet, von Sprachlernprogrammen über Prüfungsfragen für Studenten bis zu Lernspielen für Schüler.

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Leseprobe
7 Lernen durch Analogiebildung (S.143)

Das menschliche Weltverständnis vollzieht sich ganz grundlegend durch Analogiebildungen, d. h. durch den ständigen Bezug zu Ähnlichem, bereits Bekanntem. Viele Begriffe heben auf etwas Bekanntes ab, das in einen neuen Zusammenhang gesetzt wird: Ein Wasserfloh ist ein Lebewesen »wie ein Floh« auf dem Wasser. Der Begriff ist eine Analogiebildung. Insofern ist jedem Leser die Analogiebildung auch völlig vertraut. Will man einen Sachverhalt erklären, bedient man sich der Analogie. Versuchen Sie sich vorzustellen, sie sollen in einer Quizsendung klarmachen, was man unter dem Wort »Yeti« versteht. Man würde sagen: »Es ist ein Mensch, der im Schnee lebt. Er ist aber größer und hat möglicherweise eine andere Fußform und ein weißes Fell«. Es wird also die Analogie »er ist wie ein Mensch« verwendet.

Dann kann zur weiteren Erklärung das gesamte Gegenstandswissen vom Menschen verwendet werden, ja es können beim Hörer darüber hinaus auch weitere Schlüsse gezogen werden, z. B. ob er eine Schneekartoffel isst. Sicher scheint, dass er etwas isst und auch trinkt. Eine Analogie setzt einen Wissensbereich mit einem anderen Wissensbereich bezüglich seiner Funktion, seiner Struktur oder seiner Elemente in eine Ähnlichkeitsbeziehung. Der Begriff »Modell« wird manchmal synonym verwendet werden, meist ist das Modell aber eine verkleinerte oder irgendwie vereinfachte Abbildung, z. B. der konkrete Fall eines allgemeinen Begriffes.

Die Kinderzeichnung ist ein Bereich erster (visueller) Analogien. Schon mit drei Jahren erkennt das Kind in einem langen Strich mit einem Kreis einen Menschen. Es ist das Merkmal der Vertikalität, das die einfache Analogie trägt. Der Mensch ist also zunächst mal hoch und schmal. Die Schlange ist wie ein Strich und der Regenwurm ebenfalls. Diese Analogien werden dann auch für Problemlösungen verwendet. Meili-Dworetzki (1957) beobachtet auf den Zeichnungen ihres Sohnes immer steil nach oben ragende Haare. Als sie ihn einmal (zu diesem Zeitpunkt hatte er keine Zeichnung angefertigt) fragte, wohin denn die Haare von Menschen wachsen, wenn man sie nicht schneidet, antwortet er: »nach oben an die Decke.« Er benutzt also seine Zeichnung, um diese Voraussage zu leisten, er verlängert nämlich dort einfach die Haarlinien, ohne die Schwerkraft zu berücksichtigen.

Führen Analogien in die Irre?

Hier müssen wir zunächst eine unerwünschte Begleiterscheinung beim Denken und Lernen mit Analogien besprechen. Sie können verwirren und Missverständnisse hervorrufen. Es gibt den »ungeeigneten « Vergleich. Z. B. wenn man sich die Bedeutung der Worte horizontal und vertikal dadurch merken will, dass man beim Sprechen von vertikal den Mund schmal macht und beim Sprechen von horizontal den Mund breit öffnet, so wird man sich öfter irren. Tatsächlich sind die Lippenstellungen beim Sprechen von vertikal und horizontal gar nicht besonders unterschiedlich. Ein viel besserer Trick wäre, daran zu denken, dass horizontal und Horizont eben eine gleiche Bedeutung haben. Nun kann man die Bedeutungen nicht mehr verwechseln. 
 
Verwirrung kann auch dadurch entstehen, dass die gewählte Analogie zu spezifisch ist und eine falsche Problemlösung erbringt. Wimmer und Perner (1979) geben hierzu folgendes Beispiel:
Wenn die Aussagen »Alle a sind b und einige b sind c« bildhaft analog folgendermaßen repräsentiert sind,

aaaaaa
bbbbbbbbbbbbbb
ccc

dann könnte der Schluss gezogen werden, immer seien einige a auch c. Dies muss aber nicht der Fall sein, wie die folgende Form der Analogiebildung zeigt:

aaaaaaaaa
bbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb 
                   cccc
Inhaltsverzeichnis
Zum Aufbau und zur Verwendung des Buches5
Inhaltsverzeichnis7
1 Wie das Gedächtnis arbeitet11
Lerntraining11
Dreispeichermodell17
Traditionelle Lernbücher, neue Lernbücher29
2 Lernverhalten33
Lernen als Arbeit33
Allgemeine Bedingungen des Lernens34
Lernaktivitäten47
Affektive Hemmung56
Individuelle Unterschiede und Lerntechniken56
Abschließende Hinweise59
3 Bildhafte Vorstellungen61
Innere visuelle Vorgänge61
Lernen wie Gedächtniskünstler: die Locitechnik66
Weitere bildhafte Gedächtnistechniken76
Optimierung bildhafter Vorstellungen86
Spezielle Anwendungen90
4 Lerntechniken für Zahlen, Buchstaben und Namen95
Bedeutungsarmes Lernmaterial95
Phonetisches System97
Zahlenbedeutung und bildhafte Vorstellung103
Rhythmisierung beim Zahlenlernen104
Namen und Gesichter106
Studien zur Effizienz108
5 Organisation des Lernstoffs111
Organisation im Kurzzeit- und Langzeitspeicher111
Lernhilfen durch semantische Organisation des Lernstoffs116
Mind-Mapping127
Organisation und Verständlichkeit134
Vorangestellte Organisationshilfe (advance organizer)136
Lernen aus Hypertext139
6 Tiefe der Verarbeitung141
Was bedeutet tiefe Verarbeitung?141
Anwendungsmöglichkeiten145
Gegenargumente147
Träges Wissen151
Tiefe der Verarbeitung und Individualentwicklung152
Tiefe der Verarbeitung und Ängstlichkeit beim Lernen152
7 Lernen durch Analogiebildung153
Führen Analogien in die Irre?154
Wie gelangt man zu Analogien?158
Modellvorstellungen und »emotionales« Verständnis159
Wirkungen der Analogien160
8 Suggestopädie/ Superlearning165
Ein Traum: Super- Lernleistungen ohne Mühe165
Methoden der Suggestopädie/Superlearning168
Theoretische Grundlagen169
Konsequenzen für die Selbststeuerung von Lernprozessen176
Anleitung zur Nutzung positiver Ressourcen für Lern- und Prüfungssituationen178
9 Lernen, Angst und Kränkung181
Ängstlichkeit und ihre Auswirkungen auf Lern- und Prüfungssituationen181
Beschämungsfreies Lernen199
10 Lernprodukte und Nützliches im Internet207
11 Lernen aus Büchern, lernen im Leben211
Literatur213
Sachverzeichnis225

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