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E-Book

Wie ich mit meiner Oma Onlinedating machte - ... UND DIE GROSSE LIEBE FAND

AutorKayli Stollak
VerlagGoldmann
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783641130886
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Abenteuer Onlinedating - originell, unverblümt, witzig!
Als ihr Freund mit ihr Schluss macht, wendet sich Kayli Stollak trostsuchend an ihre Oma. Doch die lässt erst gar nicht zu, dass Kayli ihrer gescheiterten Beziehung nachheult, und schlägt vor, es doch mal mit 'einer dieser Dating-Websites' zu versuchen. Gesagt, getan: Gemeinsam wagen sie sich in die Welt der Cyber-Romanzen. In ihrem Buch erzählt Kayli Stollak von diesem Abenteuer. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Odyssee durch die Tücken der modernen Partnersuche. Schnell wird klar: Die Suche nach dem Glück bleibt immer dieselbe - ganz egal ob man nun 25 oder 75 ist.


Kayli Stollak studierte Filmproduktion an der Tisch School of the Arts der New York University. Sie wurde durch den Blog 'Granny is my Wingman' bekannt, in dem sie von ihren eigenen und den Online-Dating-Abenteuern ihrer Großmutter Gail erzählt.

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Leseprobe

Ohrfeigen sind Teil des Heilungsprozesses

Du kannst mich schlagen, wenn du willst«, sagte Charlie bei unserem letzten Treffen.

Ich wusste, dass er es nicht ernst meinte, aber diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Es klingt schäbig, aber ihn zu ohrfeigen war genau das, was ich wollte. Es war wirklich vorbei. Wir hatten uns fast ein Jahr zuvor getrennt, und da wir in verschiedenen Ländern lebten, gelang es uns danach ziemlich gut, auf Distanz zu bleiben. Trotzdem flog ich nach der Trennung einige Male über den Atlantik. Es wurden sexuelle Handlungen vorgenommen und, schlimmer noch, Liebesbekundungen ausgetauscht. Wir hielten uns gegenseitig hin. Aber damit war jetzt Schluss. Aus und vorbei. Er fing an, mit anderen Frauen auszugehen. Er war gerade 36 geworden und zu all den erwachsenen Dingen bereit, die ich nie mit ihm teilen würde.

Mit 24 stand ich auf einer Kopfsteinpflasterstraße in London, der Stadt, in der ich eigentlich hätte leben sollen, dem Mann gegenüber, der eigentlich zu mir hätte gehören sollen. Die Realität der Trennung traf mich (ganz ohne Ironie) wie ein Schlag ins Gesicht. Ich holte tief Luft und versuchte, den Knoten in meinem Magen und die Anspannung in meiner Brust zu lösen. Irgendwie hatte ich es im letzten Jahr, in den verschiedenen Stadien der Trauer über unsere gescheiterte Liebe, geschafft, die Vorstellung zu vermeiden, dass wir am Ende nicht zusammenbleiben würden.

Ich war krank vor Wut und ließ ungeniert die Tränen über mein Gesicht laufen. Ich spürte Groll in mir aufsteigen. Er wollte nicht mehr mit mir zusammen sein – das war kein Verbrechen, aber es fühlte sich an, als ob er mich umbrachte. Wenn eine Trennung ein Trauerprozess ist, dann hatte ich definitiv die Wutphase erreicht und die erhebenden Phasen der Verhandlung und der Depression noch vor mir.

Mit tränennassen Augen standen wir uns lächelnd in der Shoreditch High Street gegenüber und wussten beide, dass das Ende zwar hässlich war, aber der Anfang und die Mitte atemberaubend schön gewesen waren. Dann führte ich mit meiner rechten Hand einen Schlag gegen seine linke Wange aus. Wir standen schweigend da, geschockt von meinem Akt physischer Gewalt. Meine Ohrfeige war unreif. Sie verursachte nur einen kurzen, folgenlosen Schmerz. Und doch verletzte ich ihn damit – wenn auch nur für einen Augenblick. Wir wischten uns gegenseitig die Tränen aus dem Gesicht, umarmten uns und gingen getrennter Wege. Und das war’s.

Das Ende hatte eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dem Anfang. Unsere Geschichte begann und endete auf der Straße. Alles holte uns so ein, wie wir immer befürchtet hatten. Es hatte auf meinem Territorium, in meinem Land, meiner Stadt New York begonnen. Wir lernten uns am Labor-Day-Wochenende 2006 kennen, ein paar Tage vor Beginn meines zweiten Studienjahres an der New York University. Er war Engländer und besuchte die Stadt an diesem Wochenende, um an der Hochzeit eines Freundes teilzunehmen. Er war damals Anfang 30 und hatte genug Bartstoppeln, um bei einem jungen Mädchen die Hormone in Wallung zu bringen.

Während ich in der Ludlow Street auf der Lower East Side vor meiner Wohnung auf der Bordsteinkante saß, sah ich, wie er eine Take-away-Margarita aus dem El Sombrero, einem billigen Mexikaner an der Ecke, trank. Meine Mitbewohnerin und ich hatten gerade für 20 Dollar einen schweren Kleiderschrank von einem Junkie in der Bowery gekauft und den Fahrer eines vorbeifahrenden Lieferwagens dazu überredet, ihn vor unserem Haus abzuladen. Er passte perfekt in unsere vollgestopfte Wohnung, aber ihn in den siebten Stock hochtragen zu wollen, war völlig aussichtslos.

Ich war 19, vollbusig, frech und selbstbewusst. Ich zog mein Tanktop herunter, um noch einige Zentimeter mehr von meinem Dekolleté zu zeigen, während ich auf ihn und seinen Freund zuschlenderte. »Trinkt ihr gern Bier?«, schnurrte ich und versuchte, dabei die sexuelle Erfahrung einer mindestens 22-Jährigen auszustrahlen. Sie schauten von ihren Margaritas auf, schirmten ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne ab und nickten begeistert.

»Cool, kommt rauf, wir haben einen Sixpack Corona«, sagte ich lächelnd. Klar, »normale« Mädchen würden keine fremden Männer mit der Aussicht auf Alkohol in ihre Wohnung locken, aber wir waren wild entschlossen, jeden spontanen Augenblick auszukosten, den diese Stadt zu bieten hatte. Es war Sommer, und wir waren 19 und lebten eine Rund-um-die-Uhr-Partyfantasie aus.

Die Männer sahen überrascht, aber zufrieden aus – wahrscheinlich liefen in ihren 30-jährigen Köpfen Pornoszenen mit College-Mädchen ab. »Aber könntet ihr uns vorher noch diesen Schrank hochtragen?«, fragte ich und zeigte in Richtung meiner Mitbewohnerin, die verführerisch am Schrank lehnte und mit ihren goldenen Locken spielte.

Leichtsinnigerweise willigten sie ein. Ihnen dabei zuzuschauen, wie sie mit dem Kleiderschrank kämpften und dabei immer noch versuchten, uns kichernde Mädchen zu beeindrucken, während sie ihn die sieben Stockwerke hinauf in unsere winzige Wohnung schleppten, gehört zu den lustigsten Augenblicken meines Lebens. Wir öffneten Bierflaschen, während die Jungs sich in unserer Freak-Wohnung umsahen. Sie war ein Katastrophengebiet, übersät mit Glitzertops und Fotos, auf denen wir unter anderem mit Keksteig bekleckert zu sehen waren, dazu ein Sexvideo von Paris Hilton und ein gigantischer Dildo, den uns jemand geschenkt hatte und der wie der Schutzheilige der Ludlow Street auf unserem Fernseher stand.

»Und was jetzt?«, fragte Charlie.

Unsere Blicke trafen sich, zwischen uns gab es sofort eine Verbindung. »Wir tun was Verrücktes«, antwortete ich. Und so fing es an. Wir verbrachten den Rest des Tages und der Nacht zusammen, wanderten von einer Bar zur nächsten, teilten unsere Geschichten, unseren Humor, unsere Leidenschaft, Drinks und originelle Tanzbewegungen.

Es funkte gewaltig zwischen uns, aber wir fürchteten beide das Unvermeidliche. Abgesehen davon, dass er am nächsten Morgen abreisen würde, war er zwölf Jahre älter als ich (ungeachtet dessen, was mein gefälschter Ausweis sagte) und lebte auf einem anderen Kontinent.

Als die Sonne aufging, saßen wir in meinem Bett, aßen Cheerios-Frühstücksflocken und tranken Bier und zählten die Stunden bis zu seinem Abflug nach London. Wir hielten es für das Beste, es als flüchtige Liebelei abzutun. Aber ich war jung, und er war ein Draufgänger, und wir konnten nicht voneinander lassen.

Eine Reihe lustiger E-Mails zog eine Reihe wilder Abenteuer nach sich. Es gab Motorradreisen durch Europa, Trekking in Guatemala, Musikfestivals in Spanien. Alles war so spontan, wild und romantisch. Aber Beziehungen lassen sich nicht dauerhaft über große Entfernungen hinweg aufrechterhalten.

Aus Liebe machten wir große Gesten und brachten Opfer, um unsere Beziehung am Leben zu halten. Wir jagten hin und her über den Atlantik, verbrachten abwechselnd sechs Monate im Land des anderen und versuchten, ein Gleichgewicht zu finden und uns auf eine Homebase zu einigen. Nach meinem Abschluss waren wir glücklicherweise beide in der Lage, sowohl in New York als auch in London unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Er war Schriftsteller und konnte diesem Beruf überall nachgehen, und ich arbeitete für eine Produktionsfirma, die Niederlassungen in beiden Ländern hatte. Aber jeder von uns hatte eine Bindung an seine eigene Stadt.

Als er 35 wurde, nahmen die Probleme, die wir vorhergesehen hatten, Gestalt an. Seine Vateruhr fing an zu ticken, und er war beruflich sehr erfolgreich. Er wollte seinen Beruf in England ausüben, näher bei Verwandten und Freunden sein und letztlich eine Familie gründen.

Ich hatte erst ein Jahr zuvor das College beendet. Ich wusste, dass ich mit ihm zusammen sein wollte, aber ich wusste nicht, wann ich dazu bereit sein würde, einen Ring am Finger oder ein Kind im Bauch zu tragen. Ich fing gerade erst an, wie eine Erwachsene in New York zu leben.

Im Winter 2010 flog er nach London, und es war geplant, dass ich im Frühjahr nachkommen und für immer dort bleiben würde. Ich versuchte, die Sache voranzutreiben: Ich beantragte mein Visum und gab mir alle Mühe, mich mit dem Gedanken anzufreunden, Vollzeit in der englischen Niederlassung der Produktionsfirma zu arbeiten. Ich fing sogar an, mir einzureden, dass ich in ein oder zwei Jahren Kinder bekommen könne und dass es mir gefallen würde, auf dem Land zu leben.

Als die Jahreszeiten wechselten, hatte die Entfernung zwischen uns ihre ernüchternde Wirkung entfaltet und uns aus unseren liebestrunkenen Illusionen gerissen. Er begann sich von mir zurückzuziehen und fand ständig einen Anlass zum Streiten. Keiner von uns betrog den anderen oder tat ihm je wirklich unrecht, aber wir wurden erwachsen und traten in unterschiedliche Lebensphasen ein, die wir nicht mehr gemeinsam durchlaufen konnten. Unser Verfallsdatum war erreicht.

Bittere E-Mails, unbehagliche Unterhaltungen auf Skype und tränenreiche Telefonate beherrschten unsere Beziehung. Auch auf die Gefahr hin, klischeehaft zu klingen: Er war bis zu diesem Zeitpunkt die Liebe meines Lebens gewesen, und ich hatte schreckliche Angst davor, die Chance zu verpassen, die eine große Liebe zu erleben. Ich klammerte mich hartnäckig an die Vorstellung von dem lebenslustigen, liebevollen Typen, den ich auf der Straße kennengelernt hatte, dem Typen, der mich in einem Kloster auf einem Berg in Italien von hinten gevögelt hatte, dem Typen, der einen Song mit dem Titel »Kayli Fever« für mich geschrieben hatte, dem Typen, mit dem die schönsten Erinnerungen meines Lebens verbunden waren. Tief drinnen wusste ich, dass wir Schluss machen mussten, aber...

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