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E-Book

Albert Einstein

AutorJohannes Wickert
VerlagRowohlt Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783644519619
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis3,99 EUR
Rowohlt E-Book Monographie Albert Einstein ist eine Jahrhundertgestalt. Seine Forschungen haben unser Weltbild revolutioniert - und beschäftigen die Naturwissenschaftler und Philosophen bis heute. Johannes Wickerts Biographie bietet in kompakter Form eine Einführung in Leben und Denken des großen Gelehrten. Sie beschreibt auch den Zeitgenossen Einstein und sein politisches Engagement. Und sie schildert einen Mann, der durch sein unkonventionelles Auftreten schon zu Lebzeiten ein Mythos der Moderne wurde. Das Bildmaterial der Printausgabe ist in diesem E-Book nicht enthalten.

Johannes Wickert studierte Freie Malerei (Stuttgart, Nürnberg, Florenz) und anschließend Psychologie und Physik (Frankfurt a. M., Freiburg, Basel). Seine Dissertation in Basel schrieb er über Albert Einstein. Nach seiner Habilitation im Fach Psychologie in Tübingen wechselte er als Universitätsprofessor an die Universität zu Köln. Wickert lebt und arbeitet zurzeit als Maler in Köln und Elsenborn (Belgien). Bis heute befasst er sich wissenschaftlich mit dem Werk Einsteins. In der Reihe rowohlts monographien erschienen von ihm die Bände «Albert Einstein» (1972, überarb. Neuausg. 2005, rm 50666) und «Isaac Newton» (1995, rm 50548).

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Leseprobe

Erste Berufsjahre


Einsteins Diplomzeugnis fiel gut aus. Bei einer optimalen Bewertung von 6 Punkten erreichte er im Durchschnitt 4,91 Punkte. Seinen Studienkollegen Großmann, Kollros[32] und Ehrat[33] wurde nach dem Abschluss eine Assistentenstelle am Polytechnikum angeboten; damit durfte Einstein nicht rechnen. Obgleich er es gewohnt war, bescheiden zu leben, tauchten nun finanzielle Probleme auf. Für kurze Zeit besserten Auswertungsarbeiten an der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich die Lage. Und während mehrerer Monate lebte Einstein bei seinen Eltern in Mailand. Erst im Mai 1901 – ein Jahr nach bestandenem Examen – regte sich endlich neue Hoffnung. Am Technikum in Winterthur musste der dort lehrende Mathematikprofessor seinen Militärdienst ableisten, und Einstein sollte, wie er in einem Brief dem Züricher Professor Alfred Stern[34] mitteilte, den Unterricht übernehmen. Ich bin außer mir vor Freude darüber, denn heute erhielt ich die Nachricht, daß alles definitiv geordnet sei. Ich habe gar keine Ahnung, welcher Menschenfreund mich dorthin empfohlen hat, denn soviel man mir sagte, bin ich bei keinem einzigen meiner früheren Lehrer gut angeschrieben […]. Aber das ist gewiß, daß mir noch keiner so entgegengekommen ist wie Sie, und daß ich mehr als einmal in trauriger oder bitterer Stimmung zu Ihnen ging und dort stets Freudigkeit und inneres Gleichgewicht wiederfand. Damit Sie mich jetzt aber nicht allzusehr auslachen, muß ich doch gleich dazusetzen, daß ich ganz gut weiß, daß ich ein lustiger Fink bin und ohne einen verdorbenen Magen oder so was Ähnliches gar kein Talent habe zu melancholischen Stimmungen […]. In den nächsten Tagen gehe ich zu Fuß über den Splügen, um mit der angenehmen Pflicht noch ein schönes Vergnügen zu verbinden.[35]

Am 16. Mai 1901 trat Einstein seine Stelle in Winterthur an. Er blieb dort als Hilfslehrer bis zum 11. Juli 1902. Da seine Anstellung befristet war, meldete er sich anschließend auf ein Inserat der «Schweizerischen Lehrer-Zeitung». Der Rektor des Knabenpensionats in Schaffhausen, Dr. Jakob Nüesch, suchte eine Hilfskraft. Einstein wurde auf Empfehlung seines Aarauer Schulfreundes Conrad Habicht[36] eingestellt und zunächst auch in die Hausgemeinschaft des Pädagogen aufgenommen. Seine Aufgabe war es, einen jungen Engländer auf das eidgenössische Abitur vorzubereiten. «Auf beiden Seiten scheint der Lern- und Lehreifer jedoch temperiert gewesen zu sein.»[37] Differenzen im Haus Nüesch führten dazu, dass Einstein schließlich in das Städtchen ausquartiert wurde. «Man hat einen Hilfslehrer engagiert, keinen Sokrates.»[38]

Der eigenwillige, aber bescheidene junge Mensch[39], für den Einstein sich hielt, dürfte die unsichere äußere Situation – trotz aller inneren Unabhängigkeit – schließlich doch als bedrückend empfunden haben. Jedenfalls schreibt er im Rückblick: Das Größte, was Marcel Großmann als Freund für mich getan hat, war dies: Etwa ein Jahr nach Beendigung des Studiums empfahl er mich mit Hilfe seines Vaters an den Direktor des Schweizerischen Patentamtes [Friedrich Haller], das damals noch «Amt für geistiges Eigentum» hieß. Nach eingehender mündlicher Prüfung hat Herr Haller mich dort angestellt. Dadurch wurde ich 190209 in den Jahren besten produktiven Schaffens von Existenzsorgen befreit. […] Endlich ist ein praktischer Beruf für Menschen meiner Art überhaupt ein Segen. Denn die akademische Laufbahn versetzt einen jungen Menschen in eine Art Zwangslage, wissenschaftliche Schriften in impressiver Menge zu produzieren – eine Verführung und Oberflächlichkeit, der nur starke Charaktere zu widerstehen vermögen. Die meisten praktischen Berufe sind ferner von solcher Art, daß ein Mensch von normaler Begabung das zu leisten vermag, was von ihm erwartet wird. Er ist in seiner bürgerlichen Existenz nicht von besonderen Erleuchtungen abhängig. Hat er tiefere wissenschaftliche Interessen, so mag er sich neben seiner Pflichtarbeit in seine Lieblingsprobleme versenken. Die Furcht, daß seine Bemühungen ohne Ergebnis bleiben können, braucht ihn nicht zu bedrücken.[40]

Der Beamte Einstein verbrachte sieben fruchtbare Jahre in Bern. Er erhielt ein Jahresgehalt von 3500 Franken, das 1906, nach seiner Beförderung, auf 4500 Franken stieg. Ja, was soll ich denn mit dem vielen Geld anfangen?[41], habe Einstein Direktor Haller gefragt.

Dabei hatten sich die Lebensverhältnisse Albert Einsteins mittlerweile entschieden verändert. Am 6. Januar 1903 hatte er seine frühere Kommilitonin Mileva Marić geheiratet und sich mit ihr in der Tillierstraße eine Wohnung gemietet.

Sein Herzensschatzerl[42], wie er sie damals zärtlich nannte, war 1875 als Tochter einer serbischen Beamten- und Gutsbesitzerfamilie geboren und im griechisch-orthodoxen Glauben erzogen worden. Mit 21 Jahren hatte sie sich entschieden, ihre Heimat zu verlassen, um in der freien Schweiz an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ein physikalisch-technisches Studium zu beginnen, das sie allerdings nicht abzuschließen vermochte. Schon während des Studiums blieb sie eine Außenseiterin, die durch ein verkürztes Bein auffiel, sie war meist wortkarg und wirkte unsicher, doch der Kommilitone Albert Einstein wurde ihr Freund. Sie lasen zusammen physikalische Bücher, wenngleich Milevas naturwissenschaftliches Interesse allmählich nachließ. Es war nicht leicht für sie, an Einsteins Seite zu leben, denn er war ein Erzschlamper. Damit kam er freilich ihrer großzügigen Haushaltsführung entgegen. Fast täglich traf er sich mit seinen Freunden und diskutierte mit ihnen bis in die Nacht hinein. Armin Hermann teilt in seiner ausführlichen Biographie mit, Mileva habe sich seinen Kollegen gegenüber «sehr abweisend und mißtrauisch» verhalten. «Weil er lieber fachsimpelte, ließ er sie auch abends allein. Wenn sie sich dann bei ihm beklagte, sprach er von ihrer ‹Unselbständigkeit›.»[43]

Mileva hatte es schwer. Ausgestattet mit einem geringen Selbstwertgefühl, litt sie an einer depressiven Grundstimmung und unter quälender Eifersucht. Einstein äußerte sich unterschiedlich zu ihrer Persönlichkeit: Er konnte sagen: Alles in allem ist Mileva doch eine ungewöhnliche Frau[44], oder Liebevolles schreiben: Am Sonntag küss’ ich Dich mündlich.[45] Und er konnte hart und verbittert urteilen, Mileva sei raffiniert und verlogen[46], oder ihr sogar eine schizophrene Erbanlage[47] unterstellen. Die meisten Biographen resümieren: Einsteins erste Ehe verlief nicht glücklich.

Bereits ein Jahr vor der Eheschließung war Einstein Vater geworden. Mileva reiste in das damalige Ungarn und brachte dort eine Tochter zur Welt. Wir wissen nicht, was aus dem Kind geworden ist. Nach dem zweiten Hochzeitstag erblickte dann der erste Sohn Hans Albert das Berner Licht und nach weiteren sechs Jahren, im Juli 1910, Eduard, ein Sorgenkind, das später in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt leben musste. Rückblickend (1931) gestand Einstein ein, er habe selbst der engeren Familie nie mit ganzem Herzen angehört […], sondern all diesen Bindungen gegenüber ein nie sich legendes Gefühl der Fremdheit und das Bedürfnis nach Einsamkeit empfunden[48]. Nach traditioneller Rollenverteilung blieb es Milevas Aufgabe, für die Kinder zu sorgen. Erziehungsprobleme traten auf, besonders gravierend nach der Trennung des Paares 1914.

Die Briefe Einsteins an seine Cousine Elsa schon während der Ehejahre mit Mileva – Elsa Einstein war geschieden und hatte zwei Töchter – lesen sich wie Liebesbriefe. Sie geben Aufschluss über seine zerrüttete Ehe und zeugen von der Hoffnung auf eine erfreulichere Beziehung mit Elsa. Sie drängte auf Scheidung. Glaubst Du, es ist so leicht, sich scheiden zu lassen, wenn man von der Schuld des anderen Teils keinen Beweis hat […]? Er habe sein eigenes Schlafzimmer und vermeide es, mit ihr allein zu sein. In dieser Form halte ich das Zusammenleben ganz gut aus.[49] Mileva wiederum fürchtete sich davor, ihrem Mann nach Berlin zu folgen, wohin ihn 1914 ein höchst ehrenvoller Ruf an die Preußische Akademie der Wissenschaften zog. Denn dort wartete nicht nur die verehrte Elsa, sondern obendrein die Mutter Einsteins, die damals Elsa oft besucht hatte (der Vater war 1902 in Mailand gestorben). Meine Mutter ist sonst großmütig, aber als Schwiegermutter der wahre Teufel.[50] Die Mutter sah das sich anbahnende Verhältnis zwischen ihrem Albert und Cousine Elsa mit Wohlwollen. Er komme haleluja allein, weil mein Kreuz [Mileva] mit den Kindern auf Befehl des Arztes nach Locarno gehen muß zur Erholung[51].

Für wenige Wochen folgte ihm die Familie nach Berlin, dann holte sie ein Freund aus Schweizer Tagen, Michele Besso, wieder ab. Die Ehe ließ sich offenbar nicht fortsetzen. Als Mileva und die beiden Söhne den Zug nach Zürich bestiegen, weinte Einstein.

1919 wurde die Ehe geschieden. Mileva erhielt das...

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