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Amberg

Kleine Stadtgeschichte

AutorJohannes Laschinger
VerlagVerlag Friedrich Pustet
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl176 Seiten
ISBN9783791760520
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Die Geschichte Ambergs hat einiges zu bieten: einst Pfand eines Bischofs und familiärer Zankapfel der Wittelsbacher - mal bayerisch, mal pfälzisch -, Augapfel Kaiser Ludwigs des Bayern und Hauptstadt der 'heroberen Pfalz', mittelalterliche Erzmetropole und abgehängtes Stiefkind der industriellen Revolution, Schauplatz einer spektakulären Hochzeit und Spielplatz großartiger Baumeister. Johannes Laschinger, Leiter des Amberger Stadtarchivs, nimmt den Leser mit auf eine kurzweilige Reise durch die Geschichte Ambergs. Politik, Wirtschaft und Kultur werden von der ersten Erwähnung bis zur unmittelbaren Gegenwart vorgestellt - reich illustriert mit zum Teil farbigen Abbildungen.

Johannes Laschinger, Dr. phil., geb. 1955, ist Leiter des Stadtarchivs Amberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Politik-, Rechts- und Kulturgeschichte Bayerns.

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Leseprobe

Vom bambergischen Dorf zur bayerischen Stadt: Amberg im Hochmittelalter


1034: Erstnennung Ammenbergs


Als Kaiser Konrad II. in Regensburg am 22. April 1034 Eberhard, dem ersten Bischof des 1007 begründeten Bistums Bamberg, in einer villa quae dicitur Ammenberg, einem Dorf, das Ammenberg genannt wurde, eine ganze Reihe von Rechten verlieh, konnte keiner der Beteiligten ahnen, dass mit der Beurkundung die – wenn man so möchte – »Geburtsurkunde« für die spätere Stadt Amberg ausgestellt worden war. Da frühere urkundliche Belege fehlen, überliefert dieses Privileg die erste schriftliche Nennung Ambergs, das dabei als im Nordgau und in der Grafschaft eines Grafen Otto gelegen bezeichnet wird. Der Ortsname Ammenberg leitet sich von der Burg eines Ammo ab, die sich auf der Anhöhe des heute als Mariahilfberg bezeichneten Hügels befand. »Der ursprünglich in Hochlage positionierte Befestigungspunkt muss aber schon vor der Jahrtausendwende in die Flussebene der Vils verlegt worden sein« (Alois Schmid).

Zu den mit der Urkunde übertragenen Herrschaftsrechten gehören Bann, Markt, Zoll, Fährgerechtsame, Mühlen, stehende und fließende Gewässer, Fischerei- und Jagdrecht sowie alles, was sonst noch an kaiserlichen und herzoglichen Rechten in Amberg bestand. Von großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung ist die Festschreibung des Diploms, die es dem Bamberger Bischof gestattete, für seinen Ort Rechte zu erlassen (leges facere) und hier auf jegliche Art seinen Nutzen zu mehren.

Angesichts der umfassenden Verleihung mutet es merkwürdig an, dass der Kaiser dem Bischof, zu dessen Hochstift Ammenberg gehörte, keine grundherrlichen Rechte verlieh. Daraus lässt sich eigentlich nur der Schluss ziehen, dass der Bamberger diese bereits besaß.

Freilich wurde die »Geburtsurkunde« nicht unmittelbar nach der Entstehung der Siedlung ausgefertigt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass Ammenberg wesentlich älter ist. Als Indiz dafür wurde häufig die Existenz eines dem hl. Martin geweihten Heiligtums innerhalb des Ortes angeführt. Das Vorhandensein eines Martinspatroziniums deutet vielfach auf den Bau einer Kirche in karolingischer Zeit hin. Dies legt nahe, dass es sich bei dem Diplom von 1034 um ein zufällig erhaltenes Dokument handelt, dem möglicherweise schon frühere, nicht erhaltene Beurkundungen vorangegangen waren.

Ambergs Pfarrkirche: St. Georg


Auf die Frage nach den grundherrlichen Rechten des Bamberger Bischofs in Amberg scheint im Zusammenhang mit der ersten Nennung einer Amberger Pfarrkirche im Jahr 1094 ein wenig Licht zu fallen. In diesem Jahr kam der Kleriker und Chronist Cosmas von Prag in einen Ort namens Amberk. In seiner »Chronica Boemorum«, der »Chronik der Böhmen«, berichtet Cosmas, dass seine kleine Reisegruppe die außerhalb des Dorfes gelegene, sehr geräumige Pfarrkirche nicht betreten konnte, um die Messe zu lesen, weil deren Boden mit Todesopfern einer Seuche bedeckt war. Die von Cosmas genannte Kirche ist mit gutem Grund mit der St. Georgskirche zu identifizieren. Ihre Lage außerhalb des Ortes deutet darauf hin, dass sie der Bamberger Bischof dort aufgeführt hatte, wo er Herr über den Grund und Boden war. Damit ist im Falle Ambergs mit Sicherheit von (mindestens) zwei verschiedenen Grundherrschaften auszugehen.

Abb. 2: Urkunde Kaiser Konrads II. vom 24. April 1034 mit der ersten Nennung Ambergs, einer »villa, quae dicitur Ammenberg«

Aufschlüsse zur Geschichte der St. Georgskirche und ihrer Vorgängerbauten gaben 1977 im Inneren der Kirche durchgeführte archäologische Grabungen. Sie belegen Umbauten und Erweiterungen des Sakralbaus. Zur Zeit des Cosmas von Prag dürfte sich der Bau als Saalkirche mit einer eingezogenen Apsis präsentiert haben. Die geräumige Pfarrkirche des Chronisten wies eine Länge von immerhin 20 m und eine Breite von 8,40 m auf.

Dass nicht immer die Kirche der Siedlung folgen muss, zeigt das Amberger Beispiel St. Georg. Im Zusammenhang mit der Inkorporation der Kirche in das Stift St. Jakob in Bamberg 1109 schenkte der später heiliggesprochene Bischof Otto I. von Bamberg dem Stift nicht nur die (Pfarr-)Kirche mit dem dazugehörigen Pfarrhof (Widdum), sondern darüber hinaus den Zehnt, Zinsen und Mühlen sowie 52 genutzte und ungenutzte Baugrundstücke. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass im Schatten der Kirche im Westen der späteren Stadt eine bambergische Siedlung entstanden war.

Die Schenkung bedeutete nicht nur eine Mehrung der Einkünfte des Stifts St. Jakob, sondern machte es zum Patronatsherrn der Amberger Kirche. Damit lag das Präsentationsrecht auf die Pfarrei Amberg beim dortigen Stiftspropst, der in dessen Ausübung dem Regensburger Bischof einen Kandidaten für die Besetzung der Pfarrei vorschlagen konnte. Das Präsentationsrecht sollte das Stift bis zu seiner Säkularisation 1803 ausüben; danach ging es an den bayerischen Kurfürsten bzw. seit 1806 König über.

Möglicherweise gab die Schenkung von 1109 den Anstoß für bauliche Veränderungen der Kirche; so wurde zu Beginn des 12. Jhs. im Nordosten des Langhauses ein Turm angebaut. Daraufhin wurde der Saalbau mit einem Rechteckchor versehen und beträchtlich erweitert. Das Aussehen des zweiten Baus der romanischen Kirche vor der Zerstörung durch Brand zeigt das älteste Amberger Stadtsiegel. Der Neubau der gotischen Basilika begann 1359, wie aus der Bauinschrift hervorgeht.

1999 wurde im Pfarrgarten der gepflasterte Karner wiederentdeckt, auf den man bereits 1862 beim Bau des Sommerbierkellers der Malteserbrauerei gestoßen war. Der Karner war, wie aus dem Bautagebuch zu schließen, im Zusammenhang mit dem geplanten Kollegbau der Jesuiten am 4. Januar 1631 abgebrochen worden. Der Fund von 1862 war aber vollkommen in Vergessenheit geraten. Bei seiner Neuentdeckung befand sich der Karner hinter dem genannten Bierkeller unter einer meterhohen Aufschüttung an der Stadtmauer. Diese war in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Bastion angelegt worden, obwohl zu dem Zeitpunkt bereits Vorwerke vor der Mauer existierten. Der Karner misst ca. 15 x 7,2 m und hat eine Höhe von etwa 3,5 m. Bei ihrer ersten Auffindung 1862 war die Ulrichskapelle, wie der Karner nach der darauf gestifteten Messe genannt wurde, zu einem Drittel mit Todtengebeinen angefüllt.

Der befestigte Markt der Amberger Kaufleute


Aus den Bischof Eberhard I. gewährten Rechten kann gefolgert werden, dass der als Siedlung Handel treibender Kaufleute entstandene Ort am linken Ufer der Vils 1034 schon recht weit entwickelt war. Auf Bitten des Bamberger Bischofs Eberhards II. erfuhren die Amberger (Fern-)Händler im 12. Jh. durch zwei bedeutende Zollprivilegien weitere Förderung: Am 13. März 1163 verlieh Kaiser Friedrich I. den Kaufleuten von Bamberg und Amberg die gleichen Rechte im Reich wie sie die Nürnberger bereits hatten; drei Jahre später, 1166 – die Urkunde ist nicht exakt datiert –, gewährte Bischof Rupert von Passau den Amberger Bürgern bei ihren Handelsfahrten auf der Donau die Freiheiten der Regensburger. Schon zwei Jahrzehnte früher sind zwei Einträge im Ensdorfer Traditionsbuch zu datieren, in denen der Ort als oppidum Amberch bzw. als forense oppidum Amberch, als befestigter Markt bezeichnet wird. Sie fallen in die Jahre 1139 bis 1146, die Regierungszeit des Bamberger Bischofs Egilbert.

Zwei Stellen im »Codex Falkensteinensis«, Besitz- und Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein, belegen, dass neben dem Bamberger Bischof der bayerische Herzog in Amberg präsent war. So nahm Otto I., der erste bayerische Herzog aus dem Haus Wittelsbach, 1182 zwei Rechtshandlungen in Amberg vor, nach deren Abschluss er aufbrach, um sich zu Kaiser Friedrich I. nach Mainz zu begeben. Eine erfolgte im monasterio Ammenperch dextro choro; oder wie Aventin übersetzend schreibt: daz gischah zi Amninberc in dem chori. »Ob es sich bei diesem Kloster um ein kleines Stift handelte, das bei St. Martin, St. Georg oder bei der späteren Spitalkirche angesiedelt war, muß offenbleiben« (Heinrich Wanderwitz). Wenig später saß der Herzog in orreo suo Ammenperch zu Gericht. Unklar ist, wo sich das [h]orreum, ein magazinartiger Bau, befand.

An Letzteres kann die Frage angeschlossen werden, die im Zusammenhang mit der Spitalgründung König Ludwigs des Bayern immer wieder thematisiert wurde: ob sich außerhalb der ummauerten Stadt ein Königshof befand, zu dem eine Kapelle gehörte, die in der späteren Spitalkirche aufgehen sollte. 1311 wird deutlich, dass die kleine Kirche dem hl. Johannes dem Täufer geweiht war; nach ihrer Umwidmung kam ein Petrus-Patrozinium hinzu.

 

BIOGRAFIE

 

Markgraf Berthold IV. von Hohenburg

Der um 1215 geborene Markgraf wird sich wenig um seine civitas Amberg gekümmert haben, waren doch seine Kräfte in Italien gebunden, wo er zunächst ein entschiedener und mächtiger Parteigänger der Staufer war. Nach dem Tod König Konrads IV. wechselte er die Seiten, wurde zum Tode verurteilt, begnadigt und 1256 oder 1257 im Kerker ermordet.

Sehr wahrscheinlich ist er mit dem Hohenburger Markgrafen, der als Verfasser von Minneliedern Bekanntheit erlangte, identisch. Die Dichtkunst brachte ihm sogar einen Eintrag mit entsprechender Abbildung in der berühmten »Großen Heidelberger Liederhandschrift« (Codex Manesse) ein und unterstreicht ebenso wie seine Beziehungen zu dem jüdischen Gelehrten Moses ben Salomon...

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