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Atomausstieg? Ja bitte! Gründe und Folgen einer Abkehr von der Atomenergie in Deutschland

AutorJulia Steblau, Haike Blinn, Henrik Nagel, Tobias Henze, Marcus Kreysch
VerlagScience Factory
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl215 Seiten
ISBN9783656614258
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Noch wenige Monate vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 wurde vom Bundeskabinett eine Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke vereinbart. Als Japan den atomaren Notstand ausrief wurde deutlich, dass nicht einmal ein Hochtechnologieland wie Japan die Risiken der Kernenergie sicher beherrschen kann. Die Katastrophe wurde zum Auslöser von Großdemonstrationen der Atomkraftgegner und führte schließlich zur politischen Kehrtwende: Der Atomausstieg wurde beschlossen, 2022 sollen die letzten Meiler vom Netz gehen. Mit der vollständigen Abkehr von der Atomenergie wird Deutschland Vorreiter und Vorbild sein. In diesem Buch werden die Gründe aber auch die Folgen des Atomausstiegs näher beleuchtet. Aus dem Inhalt: Vorzüge und Probleme der Atomenergie Einfluss und Erfolg der Anti-Atomkraftbewegung Ablösung der Kernenergie durch erneuerbare Energien Deutschlands neues Energieprogramm Wirtschaftliche Folgen der Energiewende

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Leseprobe

2. Hauptteil: Die Atomenergiegewinnung


2.1. Wie funktioniert die Atomgewinnung aus Atomen?


Atomenergie zu gewinnen, werden Atomkerne gespalten. Effizient sind sehr schwere Atome wie beispielsweise Uran-Isotop 235 (92 Protonen, 143 Neutronen) oder Plutonium-239. Uran befindet sich als Uranerz in vielen Böden und wird unter anderem in den USA, Niger und der Ukraine abgebaut.

Atomkerne bestehen aus positiv geladenen Protonen und ungeladenen Neutronen. Gleiche Ladungen stoßen sich eigentlich ab, sodass die Protonen auseinanderstreben müssten. Das wird durch eine Elektronenhülle mit negativ geladenen Elektronen verhindert. Die Energie aus diesen Kraftwirkungen kann durch Kernspaltung freigesetzt und zur Stromerzeugung genutzt werden.

Um den Kern zu spalten, muss ein Neutron mit einer bestimmten Geschwindigkeit auf das Atom treffen. Ein Teil der Bewegungsenergie wird auf den Kern übertragen, woraufhin sich dieser bewegt. Da sich nun ein weiteres Neutron im Kern befindet, verändern sich auch die Abstände zwischen den Protonen. Es entsteht ein Ungleichgewicht. Dadurch bricht der Atomkern auseinander. Aus den Bruchstücken entstehen zwei neue Atome. Gleichzeitig werden noch einige Neutronen frei, die andere große Uranatome in unmittelbarer Nähe anstoßen können, wenn sie nah genug sind. Es kommt zu einer Kettenreaktion.[4]

Um dies zu bewerkstelligen, muss das natürliche Uran angereichert werden. Im Anreicherungsprozess werden die im natürlichen Uran enthaltenen Isotopentypen getrennt, denn nur das Uran-Isotop 235 ist zu einer nuklearen Kettenreaktion fähig.

2.2. Das Atomkraftwerk


In Kernkraftwerken kann man diese Kettenreaktion genau steuern. Das Uran wird zu kleinen Tabletten (Pellets) verarbeitet und befindet sich in langen Brennstäben. Diese sind zu Brennelementen zusammengefasst und werden von Wasser umspült. Durch die freiwerdende Spaltungsenergie wird das Wasser so stark erhitzt, dass es verdampft. Der Wasserdampf wird in eine Turbine geleitet, die ähnlich wie ein Fahrraddynamo funktioniert: Der Dampf treibt die Schaufeln der Turbine an, wodurch in einem angeschlossenen Generator Strom erzeugt wird. Anschließend wird der Wasserdampf in einem Kühlturm oder durch Flusswasser abgekühlt und dort zu Wasser kondensiert. Dieses Prinzip wird auch zur Gewinnung von Antriebsenergie in U-Booten oder Flugzeugträgern genutzt.[5]

Da beim Bau eines Kernkraftwerkes viele Dinge beachtet werden müssen, sind die Investitionskosten enorm hoch. Seit Ende der 80er Jahre sind zudem die staatlichen Zuschüsse zurückgegangen. Die Betreiber der Werke sind demnach bestrebt, so lange wie möglich so viel Strom wie möglich zu produzieren. Neben den reinen Baukosten kommen noch hohe Kosten für die Materialien (Uran, Wasser…), Transport, Endlagerung und Sicherheitsüberprüfungen hinzu.[6]

Tab. 1 zeigt eine Übersicht über die Kernkraftwerke in Deutschland, ihr Baujahr, der geplante Betriebsschluss und die bisherigen Vorfälle. Aktuell laufen in weiteren sechs Kraftwerken Wartungsarbeiten, weswegen nur 4 Werke am Netz sind. Nach Abschluss der Arbeiten nehmen diese den Betrieb wieder auf.[7]

KKW

Baujahr

Geplanter Betrieb bis

Vorfälle

Aktuell

Neckarwestheim 1

1976

2019

427

Abgeschaltet

Neckarwestheim 2

1988

2036

80

 

Brokdorf

1986

2033

211

 

Brunsbüttel

1976

2020

462

Abgeschaltet

Emsland, Lingen

1988

2034

121

 

Grafenrheinfeld

1981

2028

222

 

Isar 1, Essenbach

1977

2019

280

 

Isar 2, Essenbach

1988

2034

72

 

Krümmel

1983

2033

322

Abgeschaltet

Philippsburg 1

1979

2020

337

Abgeschaltet

Philippsburg 2

1984

2032

182

 

Unterweser, Esenshamm

1978

2020

340

Abgeschaltet

Gundremmingen B

1984

2030

105

 

Gundremmingen C

1984

2030

99

 

Biblis A

1974

2020

419

Abgeschaltet

Biblis B

1976

2020

422

Abgeschaltet

Gronde

1984

2032

222

 

Tab.1. Atomkraftwerke in Deutschland – Baujahr, Betrieb und...

Blick ins Buch

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