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Die Spieltheorie als Analyseinstrument für internationale Konflikte - Produktionsorientierte Unterrichtsreihe in einem Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13

AutorSven Soltau
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl75 Seiten
ISBN9783640900374
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Gemeinschaftskunde / Sozialkunde, Note: 3+, , Veranstaltung: Referendariat, Sprache: Deutsch, Abstract: Aus der Einleitung: 'Die Analyse internationaler Konflikte anhandspieltheoretischer Modelle wird in der politikwissenschaftlichen Teildisziplin Internationale Beziehungen schon seit Längerem erfolgreich durchgeführt. In den Politikunterricht erhält die Spieltheorie aber nur zögerlich Einzug, obwohl im Grunde auch hier nichts gegen ihren Einsatz spricht - im Gegenteil. Die spieltheoretischen Überlegungen in den Sozialwissenschaften gehen alle von nachvollziehbaren (in Geschichten gekleidete) problematischen Entscheidungssituationen, die zum Nachdenken anregen, aus. Mathematische Aspekte können dabei, ohne dass dadurch wichtige Einsichten gefährdet wären, weitgehend ausgeblendet werde. In der vorliegenden Unterrichtsreihe soll die Spieltheorie als Analyseinstrument des Konflikts zwischen den USA und Russland um die US-Raketenabwehrpläne genutzt werden. [...] Der Konflikt 'hat reichlich Potenzial, zu einer veritablen internationalen Krise auszuufern' , zumal auch eine Reihe anderer Staaten (wie z.B.: die Nato-Staaten, die EU, China, Iran) darin verwickelt sind. Der aktuelle (und sicherlich auch in Zukunft bedeutsame) Konflikt um die globalen Raketenabwehrpläne der USA, der sich gerade in jüngster Zeit verschärft, bietet also nicht nur die Möglichkeit spieltheoretische Modelle sinnvoll anzuwenden und somit die Analyse-fähigkeit der Schüler auf ein neues Niveau zu bringen. Er nötigt auch zu einem direkt motivierten Rückgriff auf den Ost-West-Konflikt in Zeiten einer 'Neuen Weltordnung', zeigt besonders nachvollziehbar die Interdependenz im internationalen System und lädt zu spannenden Diskussionen ein.'

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Leseprobe

3. ABLAUF DER UNTERRICHTSREIHE

 

3.1 Kurzbeschreibung der 1. Stunde (Mo, 22.10.)

 

Elemente einer globalen US-Raketenabwehr in Europa! Warum?

 

Didaktische Vorüberlegungen

 

Die erste Stunde der Unterrichtsreihe bildet den Einstieg in das Reihenthema „Spieltheoretische Analyse des Konfliktes zwischen den USA und Russland um die US-Raketenabwehrpläne“. Die Stunde dient der Annährung an die Thematik. Die Schüler formulieren erste Fragen zu den globalen und europäischen US-Raketenabwehrplänen (s. Anhang 7), die als Leitfragen für die Reihe betrachtet werden können. Sie erlangen erste Kenntnisse über die Begründung und Architektur des US-Raketenschildes und realisieren in Folge eines affektiven Lernschrittes, dass sie zur differenzierten Bewertung des Konfliktes noch nicht in der Lage sind und sich deshalb zunächst eine tragfähige Wissensgrundlage erarbeiten müssen. Schließlich setzen sie sich in arbeitsteiliger Gruppenarbeit mit der Einschätzung der USA über die eigene Bedrohungslage auseinander.   

 

Methodische Vorüberlegungen

 

Zum Stundeneinstieg wähle ich eine Methode, die die Schüler aktivieren soll. Indem ich ihnen den Brief einer Friedensinitiative (Variante einer Unterschriftenaktion, s.: Anhang 1)  gegen die  US-Raketenabwehrpläne in Europa und darüber hinaus zur Unterschrift vorlege, entmündige ich sie vorgeblich und provoziere ihre kritische Gegenwehr, um sie – über diesen affektiven (Um-)Weg – zur einer ersten intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zu bringen. Alternativ könnte ich zum Stundeneinstieg eine provokative These, die den Inhalt des Briefes zusammenfasst, äußern. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass ältere Schüler den fiktionalen Charakter einer solchen These schnell erkennen und sich dadurch weder besonders provoziert noch zur engagierten Formulierung von Fragen veranlasst fühlen. 

 

In der ersten Erarbeitungsphase, die erste Antworten auf die in der Einstiegsphase aufgekommenen Fragen zu den US-Raketenabwehrplänen bringen soll, lasse ich einen kurzen Filmbeitrag laufen. Zu dem Beitrag stelle ich drei Fragen, die die Aufmerksamkeit der Schüler auf die wesentlichen Aspekte lenken und sie grundsätzlich zu aktivem Fernsehen veranlassen soll. Die zweite Erarbeitungsphase erfolgt in arbeitsteiliger Gruppenarbeit. Diese Sozialform soll den eher zurückhaltenden Schülern Handlungsraum bieten und trotzdem die Erarbeitung einer relativ großen Menge von Ergebnissen ermöglichen. 

 

Es ist davon auszugehen, dass die Gruppenarbeit nicht vollständig erledigt werden kann. Der Abschluss und die Vorbereitung der Ergebnispräsentation wird also Hausaufgabe sein.

 

Lernziele

 

Kognitive Lernziele

 

Die Schüler sollen

 

Fragen zu den europäischen und globalen US-Raketenabwehrplänen formulieren

 

aus dem Filmbeitrag entnehmen, dass sich die GBMD gegen vermeintliche „Schurkenstaaten“ richten soll, dass die GBMD-Elemente in Osteuropa vor allem gegen ballistische Raketen aus dem Iran gerichtet sind und vor allem die europäischen Verbündeten der USA schützen sollen sowie, dass Russland sich entschieden gegen die Pläne der USA wendet.

 

erkennen, dass ihr Wissen über die GBMD-Pläne der USA nicht ausreicht, um sich eine differenziere Meinung dazu zu bilden.

 

anhand der Umfrage erkennen, dass sich die US-amerikanische Bevölkerung durch Massenvernichtungswaffen in den Händen vermeintlicher „Schurkenstaaten“ bedroht fühlt und sich deshalb mehrheitlich für die Errichtung einer Raketenabwehr ausspricht.

 

dass die vorschreitende Proliferation als Gefährdung der internationalen Sicherheit aufgefasst werden kann.

 

erkennen, dass die US-Geheimdienste die angeblichen Fortschritte Nordkoreas und Irans im nuklearen und raketentechnologischen Bereich  als ernsthafte Bedrohung für die USA auffassen. 

 

Methodische Lernziele  

 

aus einem Filmbeitrag die wichtigsten Informationen herausfiltern.

 

Affektive Lernziele

 

sich durch eine unzulässige Forderung des Lehrers bevormundet fühlen und sich dagegen zu Wehr setzen.

 

Verlaufsplan

 

 

Kritische Nachbetrachtung

 

Der Stundeneinstieg über Unterschriftenaktion gegen die US-Raketenabwehrpläne hatte einige Schwächen. Das erste Problem lag darin, dass die Schüler Schwierigkeiten mit dem Textverständnis des englischsprachigen Kurzbriefs hatten. Zwar gelang es nach etwa zehn Minuten eine Interpretation, an der sich alle mehr oder weniger ernsthaft beteiligten, zu erarbeiten, das erwartete Aufbegehren gegen meine Aufforderung, regte sich aber nicht. Stattdessen fragten einige Schülerinnen, ob sie den ausgefüllten Brief bei mir abgeben sollten. Allerdings erreichte die Methode das Ziel, dass einige Leitfragen, die wichtige Kategorien der Konfliktanalyse ansprechen, formuliert wurden.

 

Die Einsicht, dass sie nicht genug Wissen für eine Bewertung des Konflikts um die US-Pläne haben, stellte sich zumindest bei einigen Schülern, die versuchten die aufgeworfenen Fragen gleich zu beantworten erst ein, nachdem ich einige kritische und speziellere Nachfragen gestellt hatte.

 

Mit dem kurzen Filmbeitrag über die amerikanischen Raketenabwehrpläne gelang es die Aufmerksamkeit der Schüler zu bündeln und eine gewisse Konfusion, die entstanden war, legte sich. Die Fragen zum Beitrag konnte der Kurs schnell beantworten und es war deutlich das Interesse für die globalen und europäischen Raketenabwehrpläne der USA und den Konflikt darum deutlich spürbar, weshalb sich auch eine angeregte Diskussion über weiterführende Fragen entwickelte. Es bildete sich die allgemeine Meinung heraus, dass es sich lohnen würde diesem Thema weiterhin nachzugehen und darüber nachzudenken.

 

Die anschließende Gruppenarbeit war somit motiviert und verlief, obwohl auch sie zwei englischsprachige Texte enthielt, gut. Die Gruppenmitglieder halfen sich gegenseitig bei Verständnisproblemen. Allerdings blieben für die Bearbeitung der Materialien und Fragen gerade noch zehn Minuten, sodass die Hausaufgabe – die Vorbereitung der Präsentation der Ergebnisse der Gruppenarbeit und dazu noch die Lektüre eines knapp vierseitigen Textes über die Architektur des von den USA geplanten Abwehrschildes – bei einigen Schüler Unmut erzeugte. Aufgrund dieser (verständlichen) Reaktion stellte sich mir erneut die Frage, ob die Stunde nicht hätte vorentlasten werden können. Diese Frage hatte ich im Vorhinein verneint, weil ich die Dramaturgie der Einstiegsstunde nicht gefährden wollten.

 

3.2 Kurzbeschreibung der 2. und 3. Stunde (Di, 23.10.)

 Die US-GBMD-Pläne – ihre Bewertung und technologische Realisierbarkeit

 

Didaktische Vorüberlegungen

 

In der vergangenen Stunde haben die Schüler gelernt, dass die USA den Aufbau einer GBMD mit der angeblichen Bedrohung durch ballistische Raketen vermeintlicher „Schurkenstaaten“, wie Iran und Nordkorea, begründen. In einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit konnten sie jeweils in Ausschnitten Erkenntnisse darüber erlangen, wie die Gefahr durch Proliferation und durch nordkoreanische sowie iranische ICBMs von den USA bewertet wird und wie sie von einem neutralen Standpunkt aus einzuschätzen ist. Damit geraten sie  in Folge der zur Anfang der Doppelstunde durchgeführten Schülerpräsentation der Ergebnisse der Gruppenarbeit allgemein in die Lage, die US-amerikanische Bedrohungsperzeption insgesamt kritisch zu hinterfragen und darüber zu diskutieren. Im Anschluss daran setzen sie sich mit der technologischen Realisierbarkeit der GBMD-Pläne auseinander und erkennen, dass ein Raketenabwehrschild nur sehr bedingt Schutz bieten kann.      

 

Methodische Vorüberlegungen

 

Die Durchführung der Doppelstunde liegt weitgehend in der Hand der Schüler. Sie präsentieren die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit und halten ihre wichtigsten Ergebnisse an der Tafel fest. Der Kurs wird aufgerufen an die Präsentierenden Fragen zu stellen, sodass es zu einem regen Austausch/einer Diskussion über die Lerninhalte kommt. Die Wahl der Methode Schülerpräsentation fördert nicht nur die Eigenständigkeit der Schüler, sondern dient auch immer der Festigung methodischer Fähigkeiten (s. Lernziele).

 

Lernziele

 

Kognitive Lernziele

 

Die Schüler sollen

 

den Stand der nordkoreanischen und der iranischen Militärtechnologie erläutern sowie die Gefahr der Proliferation einschätzen.

 

erkennen, dass zum jetzigen Zeitpunkt weder von Nordkorea noch von Iran eine akute Bedrohung durch ballistische Raketen ausgeht.

 

die Einschätzung der USA zur eigenen Bedrohungslage kritisch beleuchten und somit die Frage stellen, ob die GBMD-Pläne tatsächlich begründet sind.

 

die Funktionsweise der geplanten GBMD erläutern.

 

...
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