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E-Book

Forschungsmethoden der Psychologie und Sozialwissenschaften für Dummies

AutorMartin Dempster, Donncha Hanna
VerlagWiley-VCH
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl340 Seiten
ISBN9783527805884
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Eine aussagekräftige Stichprobe wählen, die richtigen Fragen stellen, ein Experiment professionell vorbereiten, eine Umfrage so gestalten, dass das Ergebnis repräsentativ ist ... Wenn Sie als Psychologe oder Sozialwissenschaftler forschen, gibt es eine ganze Reihe von empirischen Methoden, die Sie kennen sollten. Bei Experimenten, Befragungen, Beobachtungen und psychologischen Tests gibt es einiges zu beachten, damit die Ergebnisse auch aussagekräftig sind. Martin Dempster und Donncha Hanna begleiten Sie von der Wahl des Forschungsdesigns bis zur Präsentation des Ergebnisses, erklären den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen, zwischen interner und externer Validität und vieles mehr. Damit Ihr nächstes Experiment glückt und Ihre Befragung sinnvolle Ergebnisse liefert.

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Leseprobe

Kapitel 1

Forschung und wozu sie dient

IN DIESEM KAPITEL

Was Forschung ist und wozu empirische (Sozial-)Forschung dient

Die verschiedenen Stadien einer Forschungsstudie

Unterschiedliche Forschungsmethoden und wie damit Informationen gewonnen werden

In diesem Kapitel stellen wir Ihnen die wichtigsten Forschungsmethoden, Studiendesigns und andere Aspekte der wissenschaftlichen Forschung vor, die Ihnen im Rahmen Ihres Studiums begegnen werden. Außerdem zeigen wir hier auf, in welchen Kapiteln des Buches Sie weiterführende Informationen dazu finden.

Was Forschung ist

Unter Forschung versteht man in der Regel die systematische Erhebung von Daten, um eine Hypothese zu prüfen.

Eine Hypothese ist einfach eine prüfbare (oder falsifizierbare) Aussage. Eine gute Hypothese könnte zum Beispiel sein: »Es gibt einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Mittelwerten der Testergebnisse für Selbstbewusstsein bei männlichen und weiblichen Studierenden der Psychologie.« Eine schlechte Hypothese dagegen ist nur schwer zu prüfen (oder zu falsifizieren). Ein Beispiel wäre: »Geschlechtsspezifische Unterschiede im Selbstbewusstsein entstehen bei manchen Menschen bereits im Mutterleib.« Wie könnte man Daten erheben, um so eine Aussage zu widerlegen?

Das Ziel einer einzelnen Forschungsstudie sollte es nicht sein, eine Hypothese abschließend zu beweisen. Vielmehr erzeugen Studien mit der Zeit immer neue Hypothesen, prüfen diese, formulieren sie genauer und prüfen die überarbeiteten Hypothesen erneut. Dadurch werden Daten generiert, aus denen wiederum Wissen erwächst. Je mehr sich eine Theorie der Widerlegung durch empirische Studien widersetzt, umso besser kann sie sich bewähren. Forschung ist also ein Prozess, keine einmalige Angelegenheit.

Sie brauchen das nötige Rüstzeug, um eigene Forschungsarbeiten durchführen zu können, aber Sie müssen auch bereits bestehende Studien kritisch prüfen und bewerten können.

Sinn der empirischen Forschung

Wir könnten Ihnen jetzt erzählen, dass Sie im Rahmen Ihres Studiums forschen müssen, weil es Spaß macht, weil Sie so etwas ganz Neues herausfinden können, das noch niemand weiß, weil Sie darüber Einsicht in faszinierende Teilgebiete Ihrer Wissenschaft erhalten und sich gleichzeitig Fertigkeiten aneignen, die Ihnen auch an anderer Stelle noch viel nützen werden. Aber Sie würden uns wahrscheinlich für voreingenommen halten und uns nicht glauben.

Also versuchen wir es anders: In der Psychologie und den empirischen Sozialwissenschaften gibt es zwei wesentliche Gründe, aus denen geforscht wird. Forschung dient erstens dazu, das Fachwissen zu erweitern und soziale sowie psychologische Phänomene zu erklären. Zweitens ist Forschung nötig, um das neu gewonnene Wissen anzuwenden und so Einzelnen und der Gesellschaft insgesamt zu helfen. Indem sie eine verlässliche Datenbasis schaffen, können Forscher Verhalten beschreiben und erklären, Ursache-Wirkungs-Beziehungen erkennen und Ergebnisse vorhersagen. Von Forschungsergebnissen profitieren so politische Entscheidungsträger, klinische Psychologen und Ärzte, aber auch Einzelpersonen.

Denken Sie an einen Psychologen in seiner ersten Sitzung mit einer Klientin, die an Depressionen leidet und der ihr eine passende Therapie empfehlen möchte.

Woher weiß er, dass das Konstrukt Depression überhaupt existiert?

Woher weiß er, dass der Fragebogen oder die strukturierte Befragung zur Beurteilung der Depression diese auch erfasst?

Woher weiß er, dass eine Intervention zur Linderung der Depression wirkt?

Woher weiß er, ob eine Maßnahme besser wirkt als eine andere?

Woher kennt er die möglichen Ursachen einer Depression?

Auf alle diese Fragen lautet die Antwort: aus der Forschung!

Forschen in der Psychologie und den empirischen Sozialwissenschaften

Ein Forschungsprojekt durchzuführen kann ein sehr komplexer Prozess sein. Betrachten Sie die verschiedenen Stadien, die Sie dabei durchlaufen müssen (und von denen Sie keins einfach überspringen dürfen!):

Als Allererstes brauchen Sie einen umfassenden und durchführbaren Plan. Dazu benötigen Sie eine Idee und müssen eine Forschungsfrage formulieren.

Sie müssen entscheiden, ob Sie die Aspekte, die Sie interessieren, messen und quantifizieren wollen (quantitative Forschung) oder die Erfahrungen und Meinungen von bestimmten Personen in deren eigenen Worten zusammentragen möchten (qualitative Forschung).

Als Nächstes müssen Sie sich für ein Forschungsdesign entscheiden, das es Ihnen erlaubt, Ihre Forschungsfrage auch zu beantworten.

Zuletzt müssen Sie Ihre Forschungsergebnisse nach Abschluss der Forschungsarbeiten auch veröffentlichen, beispielsweise in einem Bericht, einem wissenschaftlichen Poster oder in einem Vortrag.

Die einzelnen Abschnitte eines Forschungsprojekts lassen sich nicht immer sauber voneinander trennen. zum Beispiel müssen Sie sich möglicherweise gleichzeitig zwischen quanitativer und qualitativer Forschung entscheiden sowie verschiedene Forschungsdesigns in Erwägung ziehen. Bei der Arbeit mit diesem Buch werden Sie erkennen, dass sich die verschiedenen Stadien durchaus überlappen können.

In den folgenden Abschnitten werden die verschiedenen Stadien eines Forschungsprojekts skizziert. Es wird auf die zugehörigen Kapitel im Buch verwiesen, die Ihnen helfen können, Ihr Forschungsprojekt erfolgreich durchzuführen.

Forschung planen

Wenn wir unseren Studierenden die Aufgabe stellen, eine Forschungsstudie durchzuführen und ihre Ergebnisse zu dokumentieren, wollen sie sich meistens sofort in die Arbeit stürzen. Die Planungsphase empfinden sie als frustrierende Verzögerung. Gute Forschung ist aber ohne Planung einfach nicht möglich – und eine gute Planung erfordert Zeit.

Zunächst müssen Sie Ihre Idee formulieren. Dazu müssen Sie erst einmal lesen, was schon alles auf dem Gebiet publiziert wurde, das Sie interessiert. Eine gute Literaturrecherche zeigt Ihrem Betreuer, dass Ihnen die veröffentlichte Literatur bekannt ist und dass Sie Stärken und Schwächen früherer Arbeiten kennen. Sie sorgt auch dafür, dass Sie es merken, falls Ihre Forschungsfrage bereits beantwortet oder bearbeitet wurde. Außerdem können Sie Ideen für die Verbesserung Ihrer Forschungsidee bekommen, beispielsweise eine neuartige Methode kennenlernen oder die Einbeziehung einer Variablen, an die Sie noch nicht gedacht hatten. Außerdem können Sie später Ihre eigenen Forschungsergebnisse in den aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand einsortieren und mit den Ergebnissen anderer Studien vergleichen.

Eine umfassende Literaturrecherche braucht Zeit. Unterschätzen Sie nicht, wie lange es dauert, mit elektronischen Suchmaschinen die relevanten Quellen zu finden, sich diese zu besorgen und dann das Ergebnis der Recherche aufzuschreiben. Zahlreiche Informationen zur Durchführung einer Literaturrecherche finden Sie in Kapitel 16.

Wenn Sie sich für eine Forschungsidee entschieden und Ihre Forschungsfrage formuliert haben, müssen Sie Ihr Forschungsvorhaben beschreiben. Das daraus entstehende Dokument bezeichnet man als Forschungsantrag, Exposé oder auch Research Proposal. Sie halten darin fest, was Sie machen möchten und warum. Dieses Exposé müssen Sie bei Ihrem Betreuer oder unter Umständen bei einer Ethikkommission einreichen, um sich die Durchführung der Arbeiten aus fachlicher und ethischer Sicht genehmigen zu lassen (Kapitel 3 behandelt das Thema Ethik in der Forschung und wie man diese Genehmigung beantragt).

Der Forschungsantrag sollte aus zwei Abschnitten bestehen:

Aus einer Einleitung, die Ihre Literaturrecherche beschreibt und die Forschungsfragen oder Hypothesen aufführt.

Aus einem detaillierten Forschungsplan, der Design und Methodik der geplanten Studie beschreibt, für die Sie sich entschieden haben (Forschungsdesigns betrachten wir noch ausführlicher im nachstehenden Abschnitt »Ein Forschungsdesign wählen«). Im Exposé geben Sie klar und deutlich an, was Sie vorhaben und wie diese Arbeiten der Beantwortung Ihrer Forschungsfrage oder der Prüfung Ihrer Hypothesen dienen. Sie beschreiben auch, wie Sie Ihre Daten analysieren möchten und stellen einen Zeitplan für die einzelnen Stadien des Forschungsvorhabens auf.

In Kapitel 18 begleiten wir Sie schrittweise durch die Entwicklung eines soliden Forschungs-antrags.

Ein guter Forschungsantrag hilft sowohl Ihnen selbst (als Forschendem) als auch Ihrem Betreuer, festzustellen, ob Ihr Projekt überhaupt machbar, also praktisch und realistisch durchführbar ist. Ihre Idee mag brillant sein – aber können Sie Ihr Vorhaben auch in der vorgesehenen...

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