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E-Book

Studium ohne Abitur

Möglichkeiten und Perspektiven der akademischen Qualifizierung für Facharbeiter

Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl200 Seiten
ISBN9783763944019
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,90 EUR
Bei der Zulassung von Facharbeitern zum Studium erweist sich die fehlende Anerkennung von Zertifikaten aus der beruflichen Bildung ebenso als Hindernis wie die Unübersichtlichkeit von Zulassungsregelungen der Hochschulen. In diesem Tagungsband diskutieren Vertreter aus Hochschulen, Unternehmen, Bildungspolitik und Berufsbildungsforschung Hindernisse, Anforderungen und Ansatzpunkte für eine akademische Qualifizierung von Facharbeitern. Beispiele innovativer Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft runden den Band ab.

Herbert Loebe ist Geschäftsführer des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw). Eckart Severing ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) und verantwortlich für die Bildungsforschung des Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft.

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Leseprobe

Technische Fachkräfte dringend gesucht – Ursachen und Handlungsstrategien (Seite 31)
Lutz Galiläer, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

1 Einleitung

Die konjunkturelle Aufschwungphase der vergangenen Jahre wurde begleitet von Berichten über einen zunehmenden Mangel an Fachkräften. Vor allem in Unternehmen aus volkswirtschaftlich bedeutsamen Branchen wuchsen die Schwierigkeiten, Stellen vor allem für Ingenieure und Techniker zu besetzen – in Großunternehmen ebenso wie in kleinen und mittelständischen Betrieben. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft hat der Fachkräftemangel auch gravierende finanzielle Auswirkungen. Danach kosteten die 165 000 unbesetzten Stellen für Ingenieure im Jahr 2006 die deutsche Volkswirtschaft 0,8 % ihres BIP, das entspricht ca. 18,7 Milliarden Euro (IW Köln 2007).
Obgleich die Knappheit von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt vor allem Ingenieure bestimmter Fachrichtungen, IT-Spezialisten und andere technische Fachkräfte betrifft, gibt es auch aus anderen Beschäftigungssegmenten Meldungen über Personalengpässe und nicht besetzbare Stellen, etwa in der Altenpflege oder der ärztlichen Versorgung ländlicher Gebiete im Osten Deutschlands. Für diese Mangelsituationen werden so unterschiedliche Gründe verantwortlich gemacht wie die schlechte Abstimmung von Ausbildungs- und Beschäftigungssystem, stagnierende Absolventenzahlen, „qualifikatorischer Mismatch“ (Klös 2001), unattraktive Arbeitsbedingungen, eine plötzliche und starke Expansion der Nachfrage nach bestimmten Arbeitskräften sowie regionale Standortnachteile. Bei einigen Berufsgruppen wie den derzeit gesuchten Ingenieuren lassen sich wiederkehrende, temporäre Über- und Unterangebotszustände beobachten. So wurden beispielsweise Mitte der 90er-Jahre vergleichsweise wenige Ingenieure und Informatiker eingestellt, während nur wenige Jahre später der enorme Nachfrageüberhang mit der Anwerbung ausländischer Fachkräfte abgebaut werden sollte (Stichwort „Greencard“). Auch in der seit 2006 herrschenden Knappheitslage steht die Nutzung des Potenzials an Fachkräften aus dem Ausland wieder in der Diskussion.
Fachkräftemangel ist also ein vielschichtiges Phänomen. Die Verfügung über eine wachsende Anzahl hoch qualifizierter Fachkräfte ist eine entscheidende Bedingung für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in allen entwickelten Volkswirtschaften. In Deutschland – und einigen anderen europäischen Staaten – gibt es Anzeichen dafür, dass jenseits zyklischer, meist konjunkturell bedingter Knappheiten der Fachkräftemangel auch strukturelle Ursachen hat und daher mittel- und langfristig weiter zunehmen wird, wenn nicht gegengesteuert wird. Diese Diagnose und die daraus ableitbaren Gegenstrategien sind keineswegs neu (siehe etwa die Vorschläge der Bertelsmann Stiftung 2002, Eichhorst/Thode 2002 sowie Reinberg/Hummel 2002). Der Handlungsdruck – auf politischer Ebene wie in der Wirtschaft – besteht allerdings nach wie vor und wird größer: Während wirtschaftliche und technologische Entwicklungen zu einem steigenden Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften führen, werden sozioökonomische Faktoren das Erwerbspersonenpotenzial für dieses Berufssegment in den nächsten Jahrzehnten weiter verknappen. Gefragt sind vorausschauende, präventive Strategien, die dieser Entwicklung entgegenwirken.
Angesichts der aktuellen Diskussion sowie der begrenzten Wirksamkeit bisheriger Aktivitäten zur Erhöhung des Reservoirs an hoch qualifizierten Arbeitskräften skizziert der Artikel den Status quo, sich abzeichnende Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sowie betriebliche wie überbetriebliche Handlungsoptionen gegen den Fachkräftemangel. Die Darstellungen in diesem Beitrag konzentrieren sich auf den Bereich technische Fachkräfte.

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Grußwort8
Von der betrieblichen zur Hochschulausbildung: Eine notwendige Diskussion – auch aus europäischer Sicht10
Europäische Anstöße nutzen14
Neue Ansätze zur Öffnung15
Steigender Bedarf an (hoch) qualifizierten Fachkräften in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie18
1 Ausgangspunkt18
2 Fachkräftemangel: Herausforderungen für die Metall- und Elektroindustrie20
3 Die bayerische Wirtschaft: Seit vielen Jahren aktiv für Bildung und Weiterbildung21
4 Den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden: Neue Wege in der Hochschulpolitik implementieren26
Teil 1 Handlungsstrategien zur Erschließung von „High Potentials“30
Technische Fachkräfte dringend gesucht – Ursachen und Handlungs-strategien32
1 Einleitung32
2 Fachkräftemangel – Status quo und Perspektiven33
3 Strukturelle Ursachen des Fachkräftemangels36
4 Strategien gegen den Mangel41
5 Ausblick46
Ohne Abitur studieren – Aufgaben der Unternehmen, der Politik und der Hochschulen52
Durchlässigkeit in der Arbeitswelt, Abschottung im Bildungssystem?60
Im Gespräch74
Teil 2 Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte: Zwischen Abschottung und Öffnung80
Die Hochschulen zwischen Abschottung und Öffnung82
1. Einleitung82
2. Selektion statt Förderung – Förderung statt Selektion84
3. Zielgruppenorientierung und Bildungsmarkt86
4. Die bildungs- und arbeitsmarktpolitische Herausforderung und die Verantwortung des Einzelnen88
Berufliche Wege zur (Fach-)Hochschulreife in Bayern90
Ausblick98
Akademische Weiterbildung für Facharbeiter100
1 Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte: Zur aktuellen Situation in Deutschland und Europa100
2 Elemente der Durchlässigkeit: Hochschulzugang, Anrechnung beruflicher Kompetenzen, Studienmodelle104
3 Anrechnung: Die BMBF-Initiative „Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge – ANKOM“106
4 Studienmodelle112
5 Fazit und Ausblick114
Studium ohne Abitur in Finnland118
1 Berufliche Ausbildung120
2 Erwachsenenbildung122
3 Zugang zum Studium ohne Abitur in Finnland123
Validierung nonformalen und informellen Lernens im europäischen Vergleich – Ansätze und Perspektiven für mehr Durchlässigkeit126
Teil 3 Innovative Angebote und Angebotsformen144
Studium ohne Abitur: Was brauchen Unternehmen?146
Impulse für die wissenschaftliche Weiterbildung durch Formen der Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschule146
1 Ausgangslage146
2 Erhöhung der Durchlässigkeit des Berufsbildungs-systems: Chancen zur Förderung der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschule149
3 Ansätze für eine Kooperation von Wirtschaft und Hochschule154
4 Schlussfolgerungen und Ausblick: Was brauchen Unternehmen?156
Erfolgsmodell „duales Studium“162
1 Das duale Studium in Bayern – „hochschule dual“162
2 Eckpunkte von „hochschule dual“162
3 Die dualen Studienmodelle in „hochschule dual“163
4 Das duale Studium – ein Gewinn für beide Seiten166
Neue Formen der Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschule im Bereich wissenschaftlicher Weiter-bildung: Die Bayerische Akademie für Management und Technik (BAMT)170
Verbund Ingenieur Qualifizierung, eine Initiative zur Qualifizierung technischer Fach- und Führungskräfte180
Kooperation von Wirtschaft und Hochschule: Der weiterbildende Masterstudiengang Organisations-und Personalentwicklung190
1 Ausgangslage: Organisations- und Personalentwicklung – empirischer Bedarf191
2 Didaktisch-methodischer Ansatz192
3 Organisatorische Umsetzung als berufsbegleitendes Angebot194
4 Zusammenfassung195
Autorinnen und Autoren198

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