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E-Book

Tinnitus

AutorChristina Archonti, Roberto D'Amelio, Wolfgang Delb
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2002
Seitenanzahl245 Seiten
ISBN9783840913792
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis35,99 EUR
Ohrgeräusche sind ein weitverbreitetes Phänomen. Viele Erwachsene fühlen sich durch Tinnitus in ihrem Alltag und Schlaf belästigt und nehmen deshalb ärztlichen und zunehmend auch psychologischen Rat in Anspruch. Das Manual liefert einen detaillierten und praxisorientierten Leitfaden zur kombinierten medizinisch-psychologischen Therapie des Tinnitus. Die insgesamt 12 Einheiten umfassende Therapie basiert auf der Tinnitus-Retrainingtherapie und wird durch eine Gruppenverhaltenstherapie ergänzt.

Das Manual bietet zunächst eine Einführung in die Beschreibung, Klassifikation, Epidemiologie, Ätiologie sowie Diagnostik der Störung. Anschließend wird sowohl das praktische Vorgehen bei der apparativen Versorgung des Patienten, bei den ersten Informationsgesprächen als auch bei der Gruppenverhaltenstherapie beschrieben.

Anhand von Beispielen werden sowohl Hinweise für die praktische Patientenarbeit gegeben als auch Probleme, die in der Therapie auftauchen können, beschrieben. Die Vielzahl der mitgelieferten Therapiematerialien machen das Manual zu einer unentbehrlichen Hilfe für die Praxis.  

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Vorwort
  2. Kapitel 1 Historisches zum Tinnitus
  3. Kapitel 2 Epidemiologie
  4. Kapitel 3 Medizinische Grundlagen
  5. Kapitel 4 Psychosoziale Aspekte bei chronischem Tinnitus
  6. Kapitel 5 Diagnostik des chronischen Tinnitus
  7. Kapitel 6 Therapie des Tinnitus
  8. Kapitel 7 Übersicht über bisherige Studien zur Effektivität von psychologischen Verfahren in der Therapie des chronischen Tinnitus
  9. Kapitel 8 Therapeutische Elemente der Tinnitus-Retrainingtherapie
  10. Kapitel 9 Die psychologische Tinnitus-Therapie (PTT)
  11. Kapitel 10 Evaluation der Homburger Tinnitus-Therapie
  12. Kapitel 11 Materialien
  13. Literaturverzeichnis und Anhang
Leseprobe
Kapitel 6 (S. 48)

Therapie des Tinnitus

Beim chronischen Tinnitus wurde eine Vielzahl von Therapieverfahren versucht, ohne daß ihre Wirksamkeit überprüft bzw. nachgewiesen werden konnte (einen Überblick dazu findet man u. a. in Biesinger et al. 1998). Wir möchten im folgenden einige Therapieformen vorstellen, die zur Standardintervention gehören und deren Wirksamkeit hinreichend dokumentiert ist.

Es soll auch ein Überblick über die Therapiemethoden der sog. „Alternativmedizin" gegeben werden, da Patienten oftmals nach dem vermeintlichen Scheitern der gängigen Verfahren, große Hoffnung in naturheilkundliche, homöopathische und esoterische Methoden setzen. Das Wissen über diese Verfahren und deren (Nicht-)Wirksamkeit ist von großer Wichtigkeit, um bei entsprechenden Anfragen z. B. im Counseling, gezielt darauf eingehen zu können.

6.1 Verdeckung und Teilverdeckung des Tinnitus

6.1.1 Umweltgeräusche

Die zunächst naheliegendste therapeutische Möglichkeit ist die Maskierung des Tinnitus durch ein externes Geräusch. Diese therapeutische Option ist bereits seit alters her bekannt und wurde z. B. von Aristoteles in seinem Buch „Problemata physika" beschrieben: „Warum hört das Summen der Ohren auf, wenn jemand ein Geräusch macht? Doch wohl deshalb, weil das größere Geräusch das kleinere vertreibt!" (nach Feldmann 1999) Auch der französische Arzt Itard beschrieb in seinem bereits erwähnten Buch, mehrere Fälle von Tinnitus. Interessant ist folgendes Zitat: „...

Es ist bemerkenswert, daß dieses verschiedene äußere Geräusch, was nothwendig stärker als die krankhafte Wahrnehmung seyn muß, anstatt den Schlaf abzuhalten, wie es das Ohrentönen thut, diesen vielmehr nach und nach herbeiführt und tief und ruhig macht." (nach Feldmann 1999) In Itards Beschreibung werden, ähnlich wie wir dies heute tun, Umweltgeräusche gezielt zur Verdeckung eines Tinnitus eingesetzt. Mögliche zur Verdeckung einzusetztende Geräusche wären dabei Musik, Ventilatorengeräusche, das Plätschern eines Zimmerspringbrunnens und viele in der Umwelt vorkommende Geräusche mehr (s. a. Abschnitt 8.5.1.3).

Wichtig ist, daß die Geräusche, die zur Verdeckung des Tinnitus eingesetzt werden, emotional indifferent sind und von der zentralen Hörbahn leicht herausgefiltert werden können. Bereits durch die Empfehlung solcher Maßnahmen kann man, insbesondere in den Fällen, in denen nur wenig externer Schall zu Tinnitusverdeckung notwendig ist, mitunter eine deutliche Verringerung der Beschwerden erreichen. Wichtig sind diese Maßnahmen vor allem vor dem Einschlafen, da hier die unten zu besprechenden apparativen Maßnahmen wie Rauschgeneratoren (Noiser) oder aber auch Hörgeräte zumeist nicht getragen werden können.

In diesen Situationen ist ein zeitlich programmierbarer Radiowecker oder ein im Schlafzimmer aufgestellter Springbrunnen häufig hilfreich. Die Rücksichtsnahme auf den vom Tinnitus nicht betroffenen Ehepartner, kann die Anwendung möglicher verdeckender Maßnahmen vor dem Einschlafen einschränken. Gleichbleibende, indifferente, mitunter sogar angenehm zu nennende Geräusch wie der im Zimmer aufgestellte Springbrunnen können jedoch oft akzeptiert werden.

6.1.2 Hörgeräte

Etwa 80% der Patienten mit einem Tinnitus haben gleichzeitig eine Hörstörung. Auch sind viele der von den Patienten berichteten Beschwerden nicht primär auf den Tinnitus, sondern vielmehr auf die begleitende Hörstörung zurückzuführen. So wird von Tinnituspatienten immer wieder ein reduziertes Sprachverstehen insbesondere im Gespräch mit mehreren Personen berichtet, wobei die Patienten selbst dies häufig auf den Tinnitus zurückführen. Ein Blick auf das Audiogramm des Patienten identifiziert aber zumeist eine Innenohrschwerhörigkeit als die Ursache dieser Beschwerden. In diesen Fällen kann eine Hörgeräteversorgung bereits über eine Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten des Patienten, eine Reduktion der Beschwerden erreichen. In einer von v. Wedel (1987) veröffentlichten und
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis5
Kapitel 1: Historisches zum Tinnitus (W. Delb).5
Kapitel 2: Epidemiologie (W. Delb) Kapitel 3: Medizinische5
Grundlagen (W. Delb)5
Kapitel 4: Psychosoziale Aspekte bei chronischem Tinnitus (C. Archonti)5
Kapitel 5: Diagnostik des chronischen Tinnitus5
Kapitel 6: Therapie des Tinnitus (W. Delb)6
Kapitel 7: Übersicht über bisherige Studien zur Effektivität von psychologischen Verfahren in der Therapie des chronischen Tinnitus6
(R. D’Amelio)6
Kapitel 8: Therapeutische Elemente der Tinnitus-Retrainingtherapie6
(W. Delb, R. D’Amelio)6
Kapitel 9: Die psychologische Tinnitus-Therapie (PTT) (R. D’Amelio)6
Kapitel 10: Evaluation der Homburger Tinnitus-Therapie8
(W. Delb, R. D’Amelio, C. Boisten, C. Archonti)8
Kapitel 11: Materialien (R. D’Amelio)8
Literaturverzeichnis8
Anhang8
Vorwort9
Kapitel 1 Historisches zum Tinnitus10
Kapitel 2 Epidemiologie12
Kapitel 3 Medizinische Grundlagen13
3.1 Anatomie und Physiologie des Ohres13
3.2 Einteilung des Tinnitus16
3.3. Ursachen des Tinnitus17
3.3.1 Objektiver Tinnitus17
3.3.2 Subjektiver Tinnitus18
3.4 Modellvorstellungen zur Entstehung des chronischen Tinnitus21
Kapitel 4 Psychosoziale Aspekte bei chronischem Tinnitus26
4.1 Einleitung26
4.2 Beschwerden bei dekompensiertem Tinnitus26
4.2.1 Beeinträchtigungen im Sozialbereich27
4.2.2 Psychiatrische Komorbidität28
4.3 Mechanismen der Dekompensation30
4.3.1 Persönlichkeitsmerkmale30
4.3.2 Vulnerabilitätsmodell31
4.3.3 Mangelnde Toleranzentwicklung32
4.4 Bewältigungsverhalten34
4.4.1 Kontrollüberzeugungen und Bewältigungsstrategien35
4.5 Operante Faktoren36
4.6 Therapeutische Implikationen37
Kapitel 5 Diagnostik des chronischen Tinnitus39
5.1 Medizinische Diagnostik39
5.1.1 Anamnese39
5.1.2 Befunderhebung40
5.1.3 Audiologische Untersuchung41
5.2 Psychologische Diagnostik44
Kapitel 6 Therapie des Tinnitus49
6.1 Verdeckung und Teilverdeckung des Tinnitus49
6.1.1 Umweltgeräusche49
6.1.2 Hörgeräte49
6.1.3 Rauschgeneratoren („Noiser“)50
6.2 Die Pharmakotherapie des Tinnitus50
6.2.1 Pharmakotherapie des akuten Tinnitus50
6.2.2 Pharmakotherapie des chronischen Tinnitus51
6.3 Anwendung von Sauerstoff beim Tinnitus52
6.4 Elektrotherapie52
6.5 Elektrostimulation52
6.6 „Alternative“ Therapiemethoden53
6.6.1 Softlaser/ Gingkotherapie53
6.6.2 Neuraltherapie53
6.6.3 Homöopathie53
6.6.4 Akupunktur bei Tinnitus54
6.6.5 Klangtherapie54
6.6.6 Körpertherapien54
Kapitel 7 Übersicht über bisherige Studien zur Effektivität von psychologischen Verfahren in der Therapie des chronischen Tinnitus55
7.1 Entspannungsverfahren und Biofeedback55
7.2 Kognitiv-behaviorale Verfahren57
Kapitel 8 Therapeutische Elemente der Tinnitus-Retrainingtherapie62
8.1 Grundlagen der Tinnitus- Retrainingtherapie62
8.2 Studien zur Tinnitus- Retrainingtherapie65
8.2.1 Fazit68
8.3 Kombiniertes medizinischpsychologisches Vorgehen68
8.4 Indikation zur Durchführung einer Tinnitus- Retrainingtherapie69
8.5 Medizinisches Vorgehen71
8.5.1 Das Tinnituscounseling72
Kapitel 9 Die psychologische Tinnitus-Therapie (PTT)79
9.1 Allgemeines Procedere79
9.1.1 Tinnitus- Therapie als störungsspezifische Psychotherapie79
9.1.2 Ziele psychotherapeutischer Intervention79
9.2 Einführung in das Manual81
9.2.1 Aufbau der einzelnen Stunden81
9.2.2 Überblick über die 12 Stunden der PTT82
9.3 Ablauf der psychologischen Tinnitus-Therapie (PTT)84
9.3.1 Erste Stunde84
9.3.2 Zweite Stunde91
9.3.3 Dritte Stunde97
9.3.4. Vierte Stunde102
9.3.5 Fünfte Stunde109
9.3.6 Sechste Stunde120
9.3.7 Siebte Stunde126
9.3.8 Achte Stunde132
9.3.9 Neunte Stunde138
9.3.10 Zehnte Stunde142
9.3.11 Elfte Stunde149
9.3.12 Zwölfte Stunde154
Kapitel 10 Evaluation der Homburger Tinnitus-Therapie157
10.1 Einleitung157
10.2 Patientenkollektiv und Methode157
10.2.1 Beschreibung der Stichprobe157
10.2.2 Aufbau der Studie157
10.3 Darstellung der Ergebnisse158
10.4 Fazit159
Kapitel 11 Materialien160
Literaturverzeichnis235
Anhang245
Nützliche Adressen245
Weiterführende Literatur für Patienten245

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