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Die Liebe im Narrenhause

Die Opern der Welt

AutorJohann Gottlieb Stephanie, Karl Ditters von Dittersdorf
VerlagJazzybee Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl115 Seiten
ISBN9783849600594
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis2,49 EUR
Dies ist das Libretto zur Oper Die Liebe im Narrenhause. Genießen Sie zum Klang Ihrer Lieblingsoper die Original-Texte auf Ihrem Bildschirm. Einzelne Akte und, falls mehrsprachig, Sprachen lassen sich über das Inhaltsverzeichnis auswählen.

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Leseprobe

Personen


 

Bast, Aufseher im Narrenspital

Trübe, dessen Freund, und Vater der Constanze

Clärchen, ihr Dienstmädchen

Albert, Liebhaber der Constanze

 

Kranke im Spital unter folgenden Namen:

 

Orpheus, ein Musikus,

Erster Poet,

Zweyter Poet, Narren

 

Lucrezia,

Virginia, Närrinnen

Nicolo, Narrenwächter

 

 

Erster Aufzug.


 

Innerer Hof im Spital. Man sieht auf beyden Seiten Fenster mit Läden, welche die Behältnisse der Kranken anzeigen; im Grunde eine eiserne Thüre, welche den Eingang ins Spital von der Straße her bezeichnet, dann an beyden Seiten ebenfalls Thüren.

 

Erster Auftritt.

 

Constanze und Clärchen kommen aus einer Seitenthüre

 

CONSTANZE.

Erschrecklich! entsetzlich! ich kann es kaum denken!

Ich sollte noch heute mein Herz ihm verschenken,

An einen so häßlichen steinalten Mann!

CLÄRCHEN.

Nur stille! ich bitte! noch ists nicht geschehen,

Es kann sich noch alles so wunderlich drehen,

Daß jedes von Ihnen zufrieden seyn kann.

CLÄRCHEN UND CONSTANZE.

Die Liebe hat öfters schon Wunder verrichtet,

Und manche bestimmte Verbindung zernichtet,

Sie nimmt sich vielleicht wohl auch meiner / Ihrer noch an.

BAST kömmt dazu.

Geschwinde mein Püppchen! komm sieh nur die Sachen,

Die unsre zwey tollen Poeten itzt machen,

Sie streiten und stehn da wie Hahn gegen Hahn.

 

Anfangs allein, dann zusammen.

 

CONSTANZE. ganz ernsthaft.

Ich kann über solche Geschöpfe nicht lachen,

Denn so was steht keinem Vernünftigen an.

CLÄRCHEN heimlich zu Constanzen.

Sie werden ihn sicher noch mißtrauisch machen,

Dann scheitert mein schöner und herrlicher Plan.

BAST.

Komm, folge, sie treiben die närrischsten Sachen,

Und packen einander ganz sicher noch an.

 

Nach einer Pause, in der Bast Constanzen aufmerksam betrachtet, Constanze sich aber mit Clärchen heimlich bespricht.

 

BAST für, sich.

Was seh' ich! sie zögert? das macht mir Bedenken,

Sie trägt sich vermuthlich mit heimlichen Ränken!

Da muß ich behutsam und aufmerksam seyn.

CONSTANZE zu Clärchen.

Es ist mir nicht möglich mit Liebe zu heucheln,

Den, so ich verachte, dem kann ich nicht schmeicheln

Ich laß' mich auf Trug und Verstellung nicht ein.

CLÄRCHEN heimlich zu Constanzen.

Ein wenig Verstellung ist eher zu wählen,

Als lange vergebens mit Hoffnung sich quälen;

Und endlich ein Opfer des Eigensinns seyn.

CLÄRCHEN heimlich zu Constanzen. Ich bitte, seyn Sie klug, Sie wissen nicht, was ich für Sie unternommen habe.

CONSTANZE ebenfalls heimlich. Ach! was wird es nützen!

BAST. Mein Puppchen was ist Dir? Du bist ja so niedergeschlagen.

CLÄRCHEN. Wundert Sie das Herr? So eingesperrt, trotz einer Gefangenen! Keinen Menschen zum Umgang – muß man nicht endlich traurig werden? Ich selbst fühle, daß ich anfange meine Munterkeit zu verlieren.

BAST. Eben deswegen schlag' ich ja vor, die zwey Poeten zu sehen, die werden Sie gewiß aufmuntern.

CONSTANZE. Und glauben Sie, daß dies etwas beytragen wird, meinen Humor umzustimmen? Es wäre nur vorübergehend, und würde mich dann um so trauriger machen, weil ich mir das Elend der armen Leute dabey vorstelle.

BAST. Glaubst Du, daß diese Leute elend sind? Im Gegentheil, sie sind glücklicher als wir, sie fühlen nur ihre eingebildete Größe, ihre Gelehrsamkeit und nicht ihr Elend.

CLÄRCHEN. Richtig, ein Narr ist immer glücklicher, als ein Kluger, das sieht man täglich in der Welt, und braucht deshalb nicht erst ins Narrenhaus zu gehen.

BAST. Das ist vernünftig gesprochen. Aber hier sieht man sie in ihrem ganzen Glanze, und kann sie nach der Wahl haben. Sieh mein Püppchen, wenn ich mürrisch bin, so laß ich mir die lustigen Narren kommen, die heitern mich gleich auf. Und – ich wünschte, daß Du das auch thun möchtest, denn da wir nun bald ein Paar werden, so mußt Du auch meine Lebensart gewöhnen,

CLÄRCHEN. Das sag ich auch Mamsel; da Sie einmal bestimmt sind, mit Narren zu leben, müssen Sie sich auch an ihnen zu belustigen suchen. Heimlich. Geben Sie ihm Hoffnung.

CONSTANZE. Ich will sehen.

BAST. O sieh, sieh, da kommen sie.

 

Zweiter Auftritt.

 

Die Vorigen, zwey Poeten.

 

ERSTER POET. Nein, nein, ich will nicht weiter ringen, Du möchtest mir gern meinen Mayenkranz entreißen, um Deine verdorrten Lorbern damit aufzufrischen. Mein wartet Minnesold, den sollst Du mir nicht rauben. Zu Constanzen. Ach Holde! harrest Du schon? O wie beklag ich Dich! schon lang wollte ich Dir dies Roßmarinsträuchgen und dies Blümchen Vergißmeinnicht bringen, aber dieser Eber trat mir in den Weg.

BAST. Ha, ha, ha! Nun? Zu Constanzen. Was sagst Du Püppchen?

CONSTANZE zwingt sich zu lachen Er ist nicht übel.

ZWEYTER POET. Du! der Du so tief bist unter mir, als der Welten taufende Raum fassen, und als, berechnet nach der Länge, dieser tausendfache Weltenumfang in gerader Linie beträgt; Raupe des Parnassus! Du willst es wagen, Deinen Staubkopf zu messen mit mir dem Adler im Dichterhayn! Ich wäre lüstern nach Deinem Kranze, der geflochten ist von stinkenden Blumen, die da dienen zum Futter den Wächtern des Kapitols? und die die Magd der Käse und Buttergeberinnen nennt Gänseblumen? Wiß' es Krähe und verstumme: mein Ruhm ist gleich der hochwipplichten Eiche am hohen Berge, welche da steht fest und unerschüttert im Sturmwind, der Deine hingegen ist wie ein Binsenhalm im schlammigten Mooßgrunde.

 

Bast und Clärchen lachen überlaut.

 

BAST. Nun? gefällt Dir das Ding nicht?

CONSTANZE lächelnd. Ich muß freylich lachen, aber sie auch beklagen.

ERSTER POET. Mir traust Du dich das zu sagen, Du Eichelkönig? Mir, der ich die Liebesleyer so gut zu stimmen weiß, und Minnelieder ertönen lasse? Mir? der ich auf Lilien und Rosen schlafe, da Du wie ein Schwein im Eichenlaub herumwühlst? Mir, der ich die Sprache der Götter so vollkommen verstehe? der ich mich so leicht auf den Pegasus schwinge, als eine Lerche im Frühlingsmorgen empor steigt? Aber warte, ich will Dir eine Wunde versetzen, die Dir unheilbar werden soll. Ich will einmal für das Theater schreiben, und der Ruhm, der Reichthum, den ich dadurch erwerben werde, wird Dich lehren, welch ein Unterschied zwischen mir und Dir sey.

ZWEYTER POET. Recht so, dahin gehörst Du auch mit Deinem Flötenspielergesang, den Du abgelernt hast den Hütern der Wollenträgerheerde. Das Theater ist eine Gemeinweide, wo das edle Streitroß, der Esel, der Ochse und die Kuh neben einander weiden; wo neben den herrlichsten Kräutern die schlechtesten Disteln stehen. Dort nimmt man oft das Falsche für das Wahre, das Schlechte für das Gute; oft sieht dort der Vernünftige, der Künstler sich von einem Dummkopf, einem Charlatan verdrängt, da wirst Du also auch Aufnahme finden. Denn nichts kann so abgeschmackt und albern dort erscheinen, daß es nicht Anhanger finden sollte.

ERSTER POET. Das spricht der Neid aus Dir, weil Du mit Deinem hochtrabenden gelehrten Unsinn, den kein Sterblicher versteht, dort keine Aufnahme finden wirst.

ZWEYTER POET. Flieh' eh' mein gerechter Eifer entbrennt, und mein Donner Dich zermalmt. Du Geschmeiß unter den Insekten des Parnaßus! Wisse, ich bin der...

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