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E-Book

Altindische Weisheit aus Brahmanas und Upanishaden

Philosophie des Ostens

VerlagJazzybee Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783849600075
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,99 EUR
Unsere Zeit ist geneigt, den Geist des indischen Altertums mit anderem Auge zu betrachten, als die großen Männer getan haben, die zu Anfang und Mitte des vorigen Jahrhunderts mit den Werken indischer Denker und Dichter bekannt geworden sind. Nicht viele von den Staatsmännern der Gegenwart werden W. von Humboldts Urteil unterschreiben, der in einem Briefe an Gentz Gott dankte, daß er ihn habe so lange leben lassen, um die Bhagavadgita lesen zu können; Goethes Distichon über die Shakuntalâ wird den Kindern einer von der Romantik entfernten Zeit überschwenglich erscheinen; Schopenhauers Enthusiasmus, der in den Upanishads den Trost seines Lebens und Sterbens sah, wird in Deutschland nur wenige, außerhalb Deutschlands niemanden berauschen.

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Leseprobe

Die Beiden Formen des Brahman


 

Das Brahman hat zwei Erscheinungsformen, eine körperhafte und eine körperlose, eine sterbliche und eine unsterbliche, eine stehende und eine gehende, eine seiende (sat) und eine jenseitige (tyam).

 

 

Auf die Welt angewendet:

 

 

Alles mit Ausschluß von Wind und Luftraum ist die körperhafte, die sterbliche, die stehende, die seiende Erscheinungsform. Von dieser körperhaften, dieser sterblichen, dieser stehenden, dieser seienden ist der, der dort glüht, (die Sonne), die Essenz; denn er ist die Essenz von dem Seienden.

 

Wind und Luftraum, das sind die körperlose, unsterbliche, gehende, jenseitige Erscheinungsform. Von dieser körperlosen, dieser unsterblichen, dieser gehenden, dieser jenseitigen ist der Geist (der Purusha) in der Sonnenscheibe die Essenz; denn er ist die Essenz von dem Jenseitigen. Soviel hinsichtlich der Gottheit.

 

 

Auf den Menschen angewendet:

 

 

In bezug auf die Person heißt es: Alles mit Ausschluß des Hauches und des Raumes im Herzen ist die körperhafte, sterbliche, stehende, seiende Erscheinungsform. Von dieser körperhaften, dieser sterblichen, dieser stehenden, dieser seienden ist das Auge die Essenz; denn es ist die Essenz des Seienden.

 

Hauch und Raum im Herzen, das ist die körperlose, unsterbliche, gehende, jenseitige Erscheinungsform. Von dieser körperlosen, dieser unsterblichen, dieser gehenden, dieser jenseitigen ist der Geist (der Purusha) im rechten Auge die Essenz; denn es ist die Essenz von dem Jenseitigen.

 

Die Gestalt dieses Geistes (Purusha) ist wie ein safrangefärbtes Gewand, wie ein weißes Schafsfell, wie ein Indragopakäfer, wie eine Feuerflamme, wie eine Lotusblüte, wie ein einmaliges Aufblitzen. Wer so weiß, dem wird wie ein einmaliges Aufblitzen Glück zuteil.

 

Der Hinweis darauf ist: na, na. Es gibt nichts anderes, das über diesem iti na stände1. Aber sein Name ist ›die Wahrheit der Wahrheit‹. Die Hauche sind die Wahrheit (Realität); es ist deren Wahrheit.

 

 

 (II, 3)

 

 

Fußnoten

 

 

1 Man übersetzt das hier eigentlich unübersetzbare neti neti in der üblichen Weise mit »nicht, nicht«; meine Einwendungen dagegen habe ich ZDMG. 69, 105 zum Ausdruck gebracht; es liegt ein Wortspiel vor, das an den Doppelsinn von na = »ja« (für nai, veraltet) und = »nicht« anknüpft und den deutelustigen Theologen willkommen war.

 

 

 

Vom Tode und vom Karman


 

 Das Karman, die Tat, welche die Seele von Dasein zu Dasein führt und die Ursache der Wiedergeburt wird. Das Thema wird in den Upanishaden zwar öfter berührt, doch, abgesehen von zwei Stellen, nicht eingehender behandelt und stand noch nicht in demselben Maße wie später im Mittelpunkt des Denkens, noch wird es als Quelle des Unglücks derart wie in buddhistischen Texten geschildert. Unsere Stelle betrachtet das Wissen davon noch als Geheimnis. Siehe aber unten IV, 4 und VI mit dem Zitat aus der Chândogya-Upanishad.

 

 

›Yâjnavalkya‹, sprach Jâratkarâva Ârtabhâga, ›wenn hier ein Mensch stirbt, was verläßt ihn nicht?‹ »Der Name. Der Name hat kein Ende; die Allgötter haben kein Ende; kein Ende hat die Welt, die er durch ihn ersiegt

 

›Yâjnavalkya‹, sprach er, ›wenn hier ein Mensch stirbt, ziehen die Hauche da aus ihm aus oder nicht?‹ »Nein«, sprach Yâjnavalkya, »sie fließen in ihm zusammen, er schwillt an, bläst sich auf. Aufgeblasen liegt der Tote da

 

›Yâjnavalkya‹, sprach er, ›wenn nun die Stimme des verstorbenen Menschen ins Feuer eingeht, sein Odem in den Wind, sein Auge in die Sonne, sein Geist in den Mond, sein Gehör in die Himmelsgegenden, sein Leib in die Erde, sein Selbst in den Raum, sein Körperhaar in die Pflanzen, sein Kopfhaar in die Bäume, sein Blut und Same ins Wasser, wo bleibt dann der Mensch?‹ »Reiche mir deine Hand, lieber Ârtabhâga«, sprach er. »Wir beide wollen darum allein wissen. Nicht gehört unser Wissen vor die Leute Sie gingen beide hinaus und unterredeten sich. Was sie besprachen, davon sprachen sie als von dem Karman; was sie verkündeten, das verkündeten sie als Karman. Gut wird einer durch gute, schlecht durch böse Tat. Darauf schwieg Jâratkarâva Ârtabhâga.

 

 

 (III, 2, 11 ff.)

 

 

Kahoda und Yâjnavalkya


 

 

Da fragte ihn Kahoda, der Sproß des Kaushîtaka: ›Yâjnavalkya‹, sprach er, ›das Brahman, das vor Augen liegt, das sich unseren Augen nicht mehr entzieht, das Selbst, das allem innewohnt, erkläre mir.‹ »Es ist dein Selbst, das allem innewohnt ›Was für eins ist das, Yâjnavalkya, das allem innewohnt?‹ »Das, was jenseits von Hunger und Durst, von Kummer, Irrtum, Alter und Tod steht, darin sehen die Brahmanen das Selbst, lassen ab von dem Wunsch nach Kindern, von dem Wunsch nach Besitz, von dem Wunsch nach der Welt und ziehen als Bettler hinaus. Denn der Wunsch nach Söhnen ist ein Wunsch nach Besitz, der Wunsch nach Besitz ist ein Wunsch nach der Welt. Wunsch ist beides. Darum soll ein Gelehrter, der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden, in Einfalt verharren. Der Einfalt wie der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden, wird er ein schweigender Asket. Des Nichtschweigens wie des Schweigens überdrüssig geworden, wird er ein echter Brahman. Auf welche Weise ist er ein Brahman? So wie er ist, dadurch ist er ein solcher. Alles andere ist leidvoll Darauf schwieg Kahoda, der Sproß des Kaushîtaka.

 

 

 (III, 4)

 

 

Ushasta Câkrâyana und Yâjnavalkya


 

 

Da fragte ihn Ushasta Câkrâyana: ›Yâjnavalkya‹, sprach er, ›das Brahman, das vor Augen liegt, das unseren Augen sich nicht entzieht, das Selbst, das allem innewohnt, erkläre mir.‹ »Es ist dein Selbst, das allem innewohnt ›Was für eins ist das, das allem innewohnt?‹ »Das, was durch den Einhauch einatmet, das ist dein Selbst, das allem innewohnt; das, was durch den Aushauch ausatmet, das ist dein Selbst, das allem innewohnt; das, was durch den Zwischenhauch zwischenatmet, das ist dein Selbst, das allem innewohnt ...«1

 

Da sprach Ushasta Câkrâyana: ›Damit ist soviel erklärt, wie wenn man sagen wollte: das ist ein Rind, das ist ein Pferd. Das Brahman, das vor Augen liegt, das unsern Augen sich nicht entzieht, das Selbst, das allem innewohnt, erkläre mir.‹ »Es ist dein Selbst, das allem innewohnt ›Was für eins ist das, Yâjnavalkya, das allem innewohnt?‹ »Nicht kannst du den Seher des Sehens sehen, nicht den Hörer des Hörens hören, nicht den Denker des Denkens denken, nicht den Erkenner des Erkennens erkennen. Das ist dein Selbst, das allem innewohnt. Alles andere ist leidvoll Darauf schwieg Ushasta Câkrâyana.

 

 

 (III, 5)

 

 

Fußnoten

 

 

1 Es folgen die gleichen Äußerungen über die anderen Atemzüge Udâna usw. siehe Ewing a.a.O.

 

 

 

»Der geheime (innere) Lenker«


 

Da fragte ihn Uddâlaka Âruni: ›Yâjnavalkya‹, sprach er. ›Wir hielten uns im Lande der Madrer, im Hause des Patancala Kâpya auf zum Studium des Opfers. Dessen Gattin war vom Dämon gepackt. Wir fragten ihn: »Wer bist du Er sprach: »Kabandha Âtharvana

 

»Der sagte zu...

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