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Arzneiverordnungs-Report 2006

Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare

VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl1141 Seiten
ISBN9783540343707
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR

Massive Mehrkosten für Medikamente sind erneut die Hauptursache des Ausgabenanstiegs der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Plus von 17 Prozent steigert die Ausgaben für Arzneimittel auf 25,4 Mrd. €. Der Arzneiverordnungs-Report analysiert die Ursachen. Eine rationale Arzneitherapie würde 3,5 Mrd. € einsparen. Dazu müssten Strukturdefizite des deutschen Arzneimittelmarktes abgebaut werden: u.a. mehr Unabhängigkeit der Ärzte gegenüber der Pharmaindustrie, Liberalisierung der Arzneimitteldistribution in Apotheken, Eigenverantwortlichkeit der Patienten bei der Auswahl preiswerter Arzneimittel, mehr Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen.

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Leseprobe

20. Betarezeptorenblocker (S. 499-501)

Björn Lemmer

Auf einen Blick

Verordnungsprofil Betarezeptorenblocker spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen. Hauptindikationen sind arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, tachykarde Herzrhythmusstörungen und chronische Herzinsuffizienz. Wichtigste Gruppe sind die b1-selektiven Betarezeptorenblocker.

Trend
Die Verordnungen der b1-selektiven Betarezeptorenblocker haben sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht. Nichtselektive und intrinsisch aktive Wirkstoffe sind dagegen seit mehreren Jahren rückläufig.

Kosten
Trotz eines hohen Generikaanteils von 73–90% bestehen weiterhin Wirtschaftlichkeitsreserven durch Verordnung kostengünstiger Präparate.

Betarezeptorenblocker hemmen die Funktion des sympathischen Nervensystems in allen Organen, die mit adrenergen Betarezeptoren ausgestattet sind. Dazu gehören insbesondere das Herz, die Nieren und die glatte Muskulatur von Bronchien und Muskelgefäßen. Therapeutisch bedeutsam sind die Senkung der Herzfrequenz, des kardialen Sauerstoffverbrauchs, der Reninausschüttung aus der Niere und die Erniedrigung des Augeninnendrucks (vgl. Kapitel 40). Nachteilig kann sich die Betarezeptorenblockade auf die Herzkraft, die kardiale Erregungsleitung, die Bronchialfunktion (Gefahr des Bronchospasmus) und die Gefäßmuskulatur (Durchblutungsstörungen) auswirken.

In den einzelnen Organen sind vor allem zwei Typen von Betarezeptoren von Bedeutung, die durch Betarezeptorenblocker unterschiedlich beeinflußt werden können. Herz und Nieren enthalten überwiegend Beta1-Rezeptoren, Bronchien und Gefäße überwiegend Beta2-Rezeptoren. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Herz 20–40% funktionell gekoppelte b2-Rezeptoren besitzt und die Lunge etwa einen 20%igen Anteil an b1-Rezeptoren aufweist. Im Herzventrikel werden die inotropen Effekte überwiegend über b1-Rezeptoren vermittelt, die Stimulation der b2-Rezeptoren erreicht in etwa nur 50–60% des maximalen positiv inotropen Effektes (Brodde 1991).

Betarezeptorenblocker werden daher nach ihrer unterschiedlichen Wirkung auf die Rezeptorsubtypen folgendermaßen eingeteilt:

– nichtselektive Betarezeptorenblocker,
– beta1-selektive Betarezeptorenblocker,
– Betarezeptorenblocker mit intrinsischer sympathomimetischer Aktivität (ISA),
– Betarezeptorenblocker mit vasodilatierenden Eigenschaften.

Für die indikative Verwendung und die Abschätzung potentieller unerwünschter Wirkungen von Betarezeptorenblockern ist von Bedeutung, dass die nichtselektiven Blocker die Betarezeptoren in allen Organen hemmen. Beta1-selektive Blocker wirken bevorzugt auf die Beta1-Rezeptoren von Herz und Niere (s. oben), führen weniger leicht zu einer Verlängerung Insulin-bedingter hypoglykämischer Perioden und zu einer Verringerung der Muskeldurchblutung und erzeugen erst in höheren Dosierungen die therapeutisch nicht erwünschte Blockade der Beta2-Rezeptoren in Bronchien und Gefäßen.

Die Beta1-Selektivität ist also nur relativ und erfordert daher, dass die üblichen Kontraindikationen für Betarezeptorenblocker weiterhin zu beachten sind. Eine jüngste Metaanalyse von 29 Studien weist darauf hin, dass eine generelle Kontraindikation von beta1-selektiven Betarezeptorenblockern bei leichtem bis mittlerem Asthma oder COPD nicht angebracht scheint, da dabei keine akuten unerwünschten respiratorischen Effekte auftraten, andererseits Patienten mit zusätzlichen kardiovaskulären Erkrankungen von Betarezeptorenblockern profitieren würden (Salpeter et al. 2006). Betarezeptorenblocker mit intrinsischer sympathomimetischer Aktivität (ISA, identisch mit partial-agonistischer Aktivität,PAA) führen in Ruhe zu einer geringeren Abnahme der Herzfrequenz und sollen initial einen geringeren Anstieg von Gefäßund Bronchialwiderstand bewirken.

Sie haben aber aufgrund der ISA eine geringere maximale Wirkungsstärke, so dass ihre Wirksamkeit bei Angina pectoris und in der Sekundärprophylaxe nach abgelaufenem Myokardinfarkt derjenigen anderer Betarezeptorenblocker unterlegen ist (Frishman et al. 1979, Quyyumi et al. 1984).Betarezeptorenblocker mit ISA sollten heute in der Kardiologie bei koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angina pectoris nicht mehr verwendet werden. Bei Herzinsuffizienz führte die Verwendung eines Betarezeptorenblockers mit ISA sogar aufgrund mangelnder Wirkung zum Studienabbruch (Bristow 2000). Während der Langzeitbehandlung mit nichtselektiven Betarezeptorenblockern wurden ein Anstieg der LDL- und eine Senkung der HDL-Cholesterinkonzentrationen im Serum beobachtet, dies ist differentialtherapeutisch von Bedeutung (Deutsche Hochdruckliga 2003).

Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Herausgeber5
Autorenverzeichnis7
Berater der Herausgeber11
Inhaltsverzeichnis13
Teil I Allgemeine Verordnungsund Marktentwicklung16
1. Arzneiverordnungen 2005 im Überblick18
2. Neue Arzneimittel62
3. Analogpräparate120
4. Ökonomische Aspekte des deutschen Arzneimittelmarktes 2005197
Teil II Indikationsgruppen260
5. ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorantagonisten262
6. Analgetika288
7. Antiallergika306
8. Antianämika323
9. Antiarrhythmika335
10. Antibiotika und Chemotherapeutika341
11. Antidementiva366
12. Antidiabetika384
13. Antiemetika und Antivertiginosa403
14. Antiepileptika409
15. Antihypertonika423
16. Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer440
17. Antimykotika454
18. Antirheumatika und Antiphlogistika472
19. Antitussiva und Expektorantien492
20. Betarezeptorenblocker514
21. Bronchospasmolytika und Antiasthmatika527
22. Calciumantagonisten547
23. Corticosteroide559
24. Dermatika und Wundbehandlungsmittel568
25. Diuretika617
26. Durchblutungsfördernde Mittel634
27. Gichtmittel644
28. Gynäkologika649
29. Hypnotika und Sedativa656
30. Hypophysen- und Hypothalamushormone670
31. Immuntherapeutika und Zytostatika679
32. Kardiaka693
33. Koronarmittel698
34. Lipidsenkende Mittel705
35. Magen-Darm-Mittel und Laxantien724
36. Migränemittel750
37. Mineralstoffpräparate und Osteoporosemittel760
38. Mund- und Rachentherapeutika779
39. Muskelrelaxantien789
40. Ophthalmika798
41. Parkinsonmittel822
42. Psychopharmaka834
43. Rhinologika und Otologika884
44. Schilddrüsentherapeutika898
45. Sexualhormone908
46. Spasmolytika933
47. Urologika940
48. Vitamine960
Teil III Arzt- und Patientengruppen968
49. Überblick über die Arzneiverordnungen nach Arztgruppen970
50. Arzneimittelverordnungen nach Alter und Geschlecht981
Teil IV Anhang994
51. Ergänzende statistische Übersicht996
Sachverzeichnis1098

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