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Bilderbücher als religionsdidiaktische Chance - Reflexion von Eigenarten, Möglichkeiten und Grenzen eines Unterrichtsmediums - konkretisiert am Thema 'Freundschaft'

Reflexion von Eigenarten, Möglichkeiten und Grenzen eines Unterrichtsmediums - konkretisiert am Thema 'Freundschaft'

AutorIsabelle Neuhaus
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl83 Seiten
ISBN9783638627603
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Theologie - Didaktik, Religionspädagogik, Note: 1,7, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 59 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Um den Wandel vom klassischen zum modernen Bilderbuch nachvollziehen zu können, widmet sich das erste Kapitel dieser Arbeit der geschichtlichen Entwicklung des Bilderbuches. Daraus ergibt sich die Fragestellung, was ein Bilderbuch ist und was es ausmacht. Jedoch handelt es sich hierbei eher um einen Definitionsversuch, da, so wird es sich zeigen, eine eindeutige Begriffklärung nicht möglich ist. Im Anschluss daran, wird eine erste grobe Qualitätsdifferenzierung vorgestellt. Hierbei geht es im Besonderen um die Unterscheidung von so genannten 'Kaufhausbilderbüchern' und den 'künstlerisch und inhaltlich anspruchsvolleren Bilderbüchern'. Dass diese Kategorisierung durchaus seine Berechtigung hat, wird erörtert und deutlich anhand von verschiedenen Kriterien festgestellt. Anschließend werden verschiedene Qualitätsmerkmale zur Beurteilung von Bilderbüchern vorgestellt und deren Probleme aufgezeigt. Nachdem diese Begrifflichkeiten, die immer wieder in Verbindung mit Bilderbüchern stehen, erläutert wurden, soll ein Ausblick in die praktische Umsetzung gegeben werden. Konkret wird hier beschrieben, wie das Medium Bilderbuch im Unterricht der Grundschule, insbesondere im Fach Religion, eingesetzt werden kann. Ferner gibt das Kapitel Antworten auf die Fragen: Welche Themen sind für den Religionsunterricht fruchtbar? Was sagt der Lehrplan und welche Legitimation findet das Medium Bilderbuch im Religionsunterricht?

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Leseprobe

3. Kinderfreundschaften


 

In diesem Kapitel der Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Freundschaft“ mit besonderem Blick zwischen Kindern beschäftigen.

 

Freundschaften gehören zu unserem Leben. Die meisten Freundschaften beginnen im Kindergarten, spätestens jedoch in der Grundschule. 

 

Daraus ergibt sich nun die Frage wie man Freundschaft, insbesondere unter Kindern, definiert. Dies lässt sich allerdings nicht eindeutig beantworten, wie in diesem Kapitel gezeigt wird.

 

Des Weitern wird das Stufenmodell von Selman vorgestellt. Es bietet eine gute Grundlage zum Freundschaftsverständnis von Kindern. Im Anschluss daran wird die Frage geklärt, weshalb Kinder Freunde brauchen und welche Auswirkungen Freundschaften auf das Selbstwertgefühl haben. 

 

In dem darauffolgenden Abschnitt geht es um die Entstehung und Entwicklung von Freundschaften. Dabei werden Faktoren aufgegriffen die für Vorraussetzungen der Entstehung und Aufrechterhaltung von Freundschaft wichtig sind. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass Erwachsene in vieler Hinsicht Einfluss nehmen, wenn sie ihre Sicht auf Freundschaften der Kinder Geltung verschaffen. Im Folgenden soll nun die Perspektive der Kinder in den Vordergrund rücken.

 

Aus Interviews mit Kindern zu konkreten Freundschaftsbeziehungen und zu allgemeinen Sichtweisen auf Freunde und Freundschaft werden Passagen gezeigt, welche die Wahrnehmung von Beziehungsprozessen markant illustrieren. Die wichtigsten Phasen: Schließen, Pflege, Konfliktspannung und gegebenenfalls Beendigung einer Freundschaft, kommen in den Blick.

 

3.1 Ein Definitionsversuch


 

Es gibt eine Reihe von Definitionen zu dem Begriff „Freundschaft“. Stellt man sich einmal selbst die Frage, was Freundschaft eigentlich ist, wird einem recht schnell deutlich, dass dies nicht so einfach zu beantworten ist. Wenn man dann noch mit anderen über den Begriff Freundschaft diskutiert, fällt auf, dass (fast) jeder eine andere Auffassung von Freundschaft hat. In den wissenschaftlichen Diskussionen ist dies nicht anders.[66] Ignace Lepp fasst zusammen:

 

„Es gibt nur wenige Themen, über die so viele Dichter, Schriftsteller und Philosophen nachgedacht haben, wie gerade die Freundschaft. [...] Jedoch verstehen nicht alle diese Autoren unter dem Begriff ‘Freundschaft’ dieselbe psychische und gefühlsmäßige Realität.“[67] 

 

Lepp folgend kann die Unbestimmtheit von „Freundschaft“ gerade mit einer Festlegung begründet werden: Freundschaft wird nicht an objektiven Kriterien wie Kontakthäufigkeit gemessen, sondern zuerst und vor allem als innere Realität aufgefasst, deren Maßstab notwendig je subjektiv bleibt. So erscheint es diffizil und gewagt, eine Definition aufzustellen. Dennoch ist es hier sinnvoll den weiteren Betrachtungen zu Freundschaften von Kindern eine Arbeitsdefinition voranstellen: Bei einer Freundschaft handelt es sich um eine freiwillige, persönliche Beziehung zwischen zwei Menschen. Gegenseitige Sympathie spielt dabei die entscheidende Rolle. Ein weiteres Kriterium ist, dass eine Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht, die ausgehende Zuneigung geht von beiden Seiten aus.[68]

 

Für die Art und Weise, wie Menschen solche Beziehungen eingehen ist zunächst das Alter von großer Bedeutung. Kinderfreundschaften unterscheiden sich von Freundschaftsbeziehungen in anderen Lebensphasen. Außerdem ist hier für Kinder eine genauere Differenzierung nach Altersstufen angezeigt.

 

Zunächst zum Unterschied zwischen Erwachsenen- und Kinderfreundschaften: Wenn man ein Kind fragt, was er unter Freundschaft versteht wird es höchstwahrscheinlich Antworten geben wie: „Jemand mit dem ich gut spielen kann“ oder „Jemand der mit mir sein Pausenbrot teilt“. Erwachsene hingegen würden dies nicht als Kriterium für eine Freundschaft sehen. So einfach wie der Stellenwertes eines Freundes bei Kindern erreichbar scheint (gut-Spielen-können), so schnell kann die Freundschaft auch durch nichtige Auseinandersetzungen wieder beendet werden. Freundschaften untereinander zu schließen – zu beenden – ist offenbar für Kinder einfacher als für Erwachsene. Kinder sind ungezwungener und haben relativ wenig Sinn für Peinliches oder Unangenehmes. Sie gehen auf andere Kinder zu und spielen einfach mit. Unter Erwachsenen gestaltet sich das Kennenlernen von „Fremden“ schon etwas schwieriger.

 

Zum Verständnis von Kinderfreundschaften ist darüber hinaus nach Altersstufen der Kinder zu differenzieren: Je älter ein Kind ist, desto höher sind auch die Ansprüche, die es an eine Freundschaft hat. Vielleicht noch enger als mit dem genauen Alter hängt die Veränderung der Ansprüche an Freundschaft mit dem Entwicklungsstand des Kindes zusammen, bzw. solche Ansprüche sind entwicklungsabhängig und ermöglichen wiederum differenziertere Erfahrungen. Entsprechende Prozesse lassen sich schon ab einem Alter von zirka drei Jahren beobachten, in dem Kinder bereits zwischen Freunden und Nicht – Freunden unterscheiden können.[69]

 

So schnell Kinder auch Freundschaften schließen und beenden können, jene Qualitäten, die an als „wahre“ Freundschaft bezeichnen möchte, reifen nicht innerhalb kürzester Zeit oder während eines Spiels. Die Zeitdimension ist hier ganz entscheidend: Die intensivsten Lebensfreundschaften entstehen meistens schon im Kindesalter, so mit einem Kind aus der Nachbarschaft, mit dem man oft spielt, anschließend zusammen in den Kindergarten und womöglich noch weiter zur selben Schule geht, und mit dem man sich Nachmittags wieder zu gemeinsamen Aktivitäten trifft. Spätestens dann, wenn die Kinder einmal erwachsen geworden sind und immer noch die selben Interessen teilen, werden sie zurückdenken und feststellen, dass es sich hierbei um einen wahren Freund handelt.

 

3.2 Fünf Stufenmodell nach Selman[70]


 


Die angedeutete Entwicklungsperspektive auf Kinderfreundschaften soll im weiteren anhand des „Stufenmodells der Freundschaftskonzeptualisierung“ von Robert L. Selman vertiefend weiter verfolgt werden. Selman geht es darum, die entwicklungsbedingten Veränderungen zu beschreiben, die das Kind hinsichtlich seiner Auffassung interpersonaler Beziehungen zeigt. Zunächst zum theoretisch-konzeptionellen Hintergrund: Selman ist von den Entwicklungs- und Kognitionstheoretischen Arbeiten von Jean Piaget beeinflusst, dessen Stufen- bzw. Niveausystematik er interpretiert:

 

„Mit unserem Interesse an Entwicklungsstufen, die den wesentlichen Kriterien der strukturierten Ganzheit, der Invarianz der Abfolge und der Universität genügen, stehen wir in der Tradition Piagets. Auch mit unserer Konzentration auf die formalen Aspekte des Denkens und ihm zugrundeliegenden kognitiven Strukturen sowie unserer relativen Vernachlässigung von Affektivität und den Unterschieden zwischen Individuen bzw. Gruppen folgen wir Piaget.“[71]

 

Die zentrale Variable seiner Untersuchungen entwickelt Selman in Anlehnung an G.H. Mead, „nämlich die Fähigkeit zur Übernahme bzw. Koordination sozialer Perspektiven, die der Entwicklung des Freundschaftsverständnisses zugrundeliegt.“[72]

 

Selman definiert Freundschaft als einen Bereich interpersonalen Verstehens. Die anderen Bereiche sind Individuum, Gleichaltrigengruppe und Eltern-Kind-Beziehungen. Jeder dieser Bereiche gliedert sich wiederum in mehrere Themen (issues). Für den Bereich Freundschaft wären das: Zustandekommen einer Freundschaft, Enge und Intimität, Vertrauen, Eifersucht, Konflikt und Konfliktlösung, Beendigung einer Freundschaft.[73]

 

Selman entwickelte fünf Niveaustufen der Fähigkeit zu sozialer Perspektivenübernahme. Gemeint ist die Fähigkeit, von sich selbst abzusehen und Dinge aus dem Blickwinkel des anderen zu betrachten, eine Fähigkeit, die notwendig ist, um mit anderen umgehen und auf sie eingehen zu können. Das entsprechende Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen ist in Selmans Modell auf jeder Niveaustufe höher entwickelt, als auf der jeweils vorhergehenden. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme wirkt sich, so Selman, deutlich auf die Freundschaften eines Kindes aus, insbesondere auf die Möglichkeit, gegenüber situativen Konflikten autonom zu handeln, und eine Beziehung bewusst aufrechtzuerhalten.

 

Selman modelliert seine Annahme, dass die Entwicklung jedes Menschen entlang eines Stufenmodells verläuft, indem er von fünf Stufen jede einem Lebensabschnitt zuordnet. Den empirischen Hintergrund der Entwicklung des Fünf-Stufen-Modell gewinnt Selman mit dem Material aus Interviewanalysen. Von wesentlicher Bedeutung ist die Methodik der Befragung: Die Interviews wurden mit Kindern im Alter ab 3 Jahren und mit Erwachsenen bis 32 Jahren durchgeführt. Hier wird nun im Folgenden von Kindern gesprochen, weil diese thematisch im Mittelpunkt stehen.

 

Die Interviewer begnügen sich nicht mit oberflächlichen Antworten des Kindes, sondern versuchen durch umsichtiges und geschicktes Rückfragen herauszufinden, was das Kind tatsächlich...

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