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Der Ungrund der Freiheit im Denken von Böhme, Schelling und Heidegger

Quellen und Abhandlungen zur Philosophie F.W.J. Schellings

AutorHans Joachim Friedrich
Verlagfrommann-holzboog Verlag e.K.
Erscheinungsjahr2009
ReiheSchellingiana 24
Seitenanzahl262 Seiten
ISBN9783772830051
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis86,00 EUR
Heidegger sah in der Freiheitsschrift den 'Gipfel der Metaphysik des deutschen Idealismus'; das deshalb, weil die Unterscheidung zwischen Grund und Existenz hier auf das Wollen als Grund der Existenz zurückgeführt werde. Schelling selbst hat die Unterscheidung jedoch nicht auf das Wollen zurückgeführt, sondern auf den von Jakob Böhme übernommenen Begriff des Ungrundes. Schelling bezeichnet damit die Indifferenz der Freiheit, worin das Seiende durch den Willen erst zur Entscheidung zu bringen ist als das Seinkönnende und Seinsollende.

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Leseprobe
III. Das Auge im Ungrund (Gottes Auge und Menschen-Blick) (S. 127-128)

[…] ausser der Natur ist das Nichts, das ist ein Auge der Ewigkeit, ein ungründlich Auge, das in nichts stehet oder siehet, dann es ist der Ungrund. (Böhme: De signatura rerum, 3, 2) Der Wille des Menschen ist […] der in der Tiefe verschlossene göttliche Lebensblick, den Gott ersah, als er den Willen zur Natur faßte. (Schelling: Über dasWesen der menschlichen Freiheit, SW VII, 363) Er-eignen heißt ursprünglich: er-äugen, d.h. erblicken, im Blicken zu sich rufen, an-eignen. (Heidegger: Der Satz der Identität, GA 11, 45)

1. Imagination und Ereignis


Im selben Jahr, in dem Heidegger seine erste Vorlesung über die Freiheitsabhandlung hielt, also 1936, hatte er mit der Abfassung der Beiträge zur Philosophie begonnen. Der inKlammern gesetzte Untertitel der Beiträge lautet „Vom Ereignis“. Heidegger unternahm hier erstmals den Versuch, die Seinsfrage vom „Ereignis des Seyns“ aus zu denken.Was darunter zu verstehen ist, wurde allerdings erst zwei Jahrzehnte später in dem Vortrag Der Satz der Identität (1957) öffentlich zur Anzeige gebracht: Das Wort Ereignis ist der gewachsenen Sprache entnommen. Ereignen heißt ursprünglich: er-äugen, d.h. erblicken, im Blicken zu sich rufen, an-eignen. (GA 11, 45)

Zunächst scheint hier der methodische Grundsatz der Phänomenologie durch, von dem Heidegger in Sein und Zeit ausgegangen war. In den Ideen zu einer reinen Phänomenologie charakterisierte Edmund Husserl die „originär gebende Anschauung“ als das „Prinzip aller Prinzipien“. Das Prinzip liege darin, daß jede originär gebende Anschauung eine Rechtsquelle der Erkenntnis sei, daß alles, was sich uns in der ‚Intuitio‘ originär, (sozusagen in seiner leibhaften Wirklichkeit) darbietet, einfach hinzunehmen sei, als was es sich gibt, aber auch nur in den Schranken, in denen es sich da gibt, […].

Auch im „Ereignis“ geht eswesentlich umdas Anschauen oder Erblicken einer Sache: er-eignen heißt er-äugen. Grundsätzlich verschieden ist jedoch die „Sache selbst“, die als solche in den Blick gebracht werden soll. Für Husserl ist die Sache selbst das gegenständlich Erscheinende (das Noema), so wie es sich in den intentionalen Akten der transzendentalen Subjektivität unmittelbar als solches konstituiert. Für Heidegger hingegen ist die Sache selbst die Blickstätte oder das „Dasein“. Das Dasein entspricht hier dem, was Heidegger in seinem Kantbuch (1929) erstmals als „Einbildungskraft“ erörtert hat:
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Danksagung7
Inhalt8
Einleitung10
1. Vom Ursein desWollens zum Ungrund der Freiheit10
2. Die Frage nach dem Anfang (Schelling – Hegel)44
I. Die Geburt des Willens aus dem Ungrund der Freiheit54
1. Die Wiedergeburt54
2. Die Materie des Platon69
II. Der Ungrund als Nichts88
1. Der Abyssus der Gnostiker88
2. Der Streit um die Göttlichen Dinge101
3. DerWille im Ungrund107
4. Der Ungrund und der Satz vom Grund111
5. Der Ungrund als Selbstbewegungsquelle122
III. Das Auge im Ungrund (Gottes Auge und Menschen-Blick)136
1. Imagination und Ereignis136
2. Die wahre und die falsche Imagination151
3. Annihilation und Ekstase166
4. Evolution und Ereignis181
5. Die ewige Freiheit als Augenblick im Ungrund der Zeiten192
6. Der Panentheismus als Ungrund der Metaphysik213
Anhang218
Der Gegenstand der Freiheitsschrift und die ontologische Differenz218
Der Gang der Freiheitsschrift (Beilage zu Abschnitt II, 2)224
1. Der Gang zu den Müttern224
2. Die Flucht vor dem Weltgeist229
Siglen- und Literaturverzeichnis248
1. Siglen248
2. Werke Heideggers250
3. Werke Jakob Böhmes251
4. AndereWerkausgaben252
5. Sonstige Literatur255
Personenregister268

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