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Die Neutralitätspolitik der Eidgenossenschaft vor und während des Spanischen Erbfolgekrieges am Beispiel der Diplomatie von England - Abraham Stanyan

Abraham Stanyan

AutorStefan Ackermann
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl124 Seiten
ISBN9783640191796
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Lizentiatsarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, Note: 5.5 (CH), Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz) (Institut für Neuzeit), 72 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: 'Die aussenpolitischen Beziehungen der Eidgenossenschaft vor und während des Spanischen Erbfolgekrieges am Beispiel der Diplomatie von England - Abraham Stanyan'. So lautet der Titel dieser Arbeit. Welche Inhalte verbergen sich hinter dieser Überschrift? Wie lauten die Zielsetzungen dieser Studie. Welches ist die Konzeption? Diese Arbeit befasst sich mit zwei Themen. Zum einem soll die Entwicklung der eidgenössischen Neutralitätspolitik vor und während des Spanischen Erbfolgekrieges untersucht werden und zum anderen wird die aktive Rolle der englischen Diplomatie im Spanischen Erbfolgekrieg in der Eidgenossenschaft aufgezeigt. Der Spanische Erbfolgekrieg war ein langer und grausamer Krieg, den man als eigentlichen Ersten Weltkrieg in der Neuzeit bezeichnen kann. Der Krieg beginnt in einem Jahrhundert, welches mit der Aufklärung und der Französischen Revolution einschneidende und epochale Veränderungen in der Menschheitsgeschichte mit sich bringt. In diesem Krieg ist die Weiterentwicklung und die allgemeine Anerkennung der schweizerischen Neutralität begründet. Welche Rolle spielte die im Herzen Europas liegende Schweiz während dieses epochalen Krieges? Wie sahen die angrenzenden Grossmächte, im Spannungsfeld der Erbfolgepolitik, die Rolle eines konfessionell gespaltenen Staatenbunds? Aus welchem historischen Kontext entstand überhaupt die schweizerische Neutralitätspolitik? Wie konnte ein solch kleiner und loser Staatenbund eine effiziente Neutralitätspolitik betreiben? Wurde die Neutralität überhaupt von allen anerkannt? Und wenn ja, mit welchen Mitteln konnte dieser Staatenbund die Neutralität aufrechterhalten? Was brachte der Spanische Erbfolgekrieg für die Eidgenossenschaft? Welche Rolle spielte die englische Diplomatie in der Schweiz in diesem Krieg? Welches Verhältnis bestand zwischen England und den Reformierten Orten? Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag zur Erforschung der aussenpolitischen Entwicklung in der Schweiz vor und während des Spanischen Erbfolgekrieges leisten. Eng verbunden mit dieser Entwicklung ist die Schweizerische Neutralitätspolitik, deren Anfänge im 17. Jahrhundert zu finden sind und sich in den Vorkriegsjahrzehnten aufgrund der aggressiven französischen Hegemonialpolitik weiterentwickelt haben.

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Leseprobe

II. Ereignisgeschichtlichen Zusammenhänge des Spanischen Erbfolgekrieges

 

2.1 Europa im politischen Umbruch

 

2.1.1 Europäische Lage gegen 1700

 

Die Frage der Spanischen Erbfolge beschäftigte während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im zunehmenden Masse die europäischen Kabinette. Der Grund dafür lag erstens in der Person des seit 1665 in Spanien regierenden Karls II., der durch die habsburgischen verwandten Ehen geistig und körperlich angeschlagen, keine Nachkommenschaft erwarten konnte und zweitens im Umfang seines Besitzes, der neben Spanien und seinen europäischen Nebenlanden (Sardinien, Neapel-Sizilien, Mailand, Spanische Niederlande) auch weite Teile Süd-, Nord- und Mittelamerikas, die Philippinen und zahlreiche weitere Stützpunkte auf den Weltmeeren umfasste.[4] Die Häupter Kaiser der beiden erbberechtigten Häuser, Leopold I. und König Ludwig XIV. hatten schon 1668 Absprachen getroffen, die aber durch die politische Entwicklung (Niederländischer Krieg, Pfälzischer Krieg) und die daraus resultierende Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Herrscherhäusern gegenstandslos wurden.[5]

 

Das im Frieden von Rijswijk[6] mühsam hergestellte Gleichgewicht in der Staatenwelt Westeuropas schien aber erneut gefährdet, als die zunehmende Verschlechterung des Gesundheitszustandes Karls II. einen baldigen Eintritt des Erbfalles erwarten liess. Falls das Erbe an die Habsburger gefallen wäre, hätte sich Frankreich in lebensgefährlicher Umklammerung befunden, da Mailand ein Reichslehen war und durch den Tod Karls II. wieder an den Kaiser zurückgefallen wäre. Dieser Zustand wäre für Frankreich nicht tolerierbar gewesen. Wenn Frankreich aber das Erbe Spaniens sich angeeignet hätte, so wäre nicht nur das Gleichgewicht in Westeuropa verloren gegangen, sondern die zu erwartende Übernahme französischer Wirtschaftsmethoden in Spanien und die mögliche Begünstigung des französischen Handels in den spanischen Kolonien hätten auch die Handelsinteressen der Seemächte empfindlich getroffen.[7] Es war nicht zu erwarten, dass England einer solchen Entwicklung tatenlos zusehen würde.[8]

 

Es lag also im Interesse aller Beteiligten, das am 11. Oktober 1698 ein Vertrag zwischen Holland/England und Frankreich abgeschlossen wurde, der dem Kurprinzen Joseph Ferdinand von Bayern, einem Enkel Kaiser Leopolds, Spanien mit den Spanischen Niederlanden und Kolonien zusprach, Frankreich Neapel-Sizilien und dem Kaiser Mailand zuwies. Aber Joseph Ferdinand starb am 06.02.1699.[9]

 

Der neue Vertrag der zwischen Holland/England und Frankreich abgeschlossen wurde, lehnte Wien ab.[10]

 

So war gegen Mitte des Jahres 1700 die spanische Erbfolgefrage nach wie vor offen, ein Konflikt jederzeit möglich.[11]

 

2.1.2 Frankreich- Aussenpolitik Ludwigs XIV.

 

Im Jahre 1661 trat König Ludwig XIV. mit 22 Jahren die Macht in Frankreich an. Sein primäres Ziel war es, die Hegemonie über Europa und eine Abrundung des Staates nach Norden und Westen zu erlangen. Er konnte sich erstens auf die gegen Habsburg gerichtete Rheinische Allianz[12] stützen, und zweitens suchte er zur Umfassung des Reiches die „Nachbarn des Nachbarn“, sprich Schweden, Polen und die Türkei zu gewinnen.[13] Durch seinen Expansionsdrang verwickelte sich Ludwig XIV. immer wieder in Kriege mit seinen Nachbarländern. Als im Jahr 1665 der spanische Thron von Philipp IV. zu Karl II. wechselte, fielen in den spanischen Niederlanden französische Truppen ein. Der Grund dieses Einfalls war, dass Maria Theresia, die Tochter Philipps V. und Ehefrau Ludwigs XIV. aufgrund des niederländischen Devolutionsrechts (Erbrecht, nach dem die Kinder aus erster Ehe vor den Kindern aus zweiter Ehe erbberechtigt sind) vor ihrem Halbbruder Karl II. an den spanischen Niederlanden erbberechtigt war.[14]

 

Französische Truppen besetzten die Grafschaft Burgund, die ebenfalls unter spanischer Herrschaft stand. Spanien unternahm selber keine Anstrengungen, sein Territorium zu verteidigen. Unter dem Druck einer englisch-holländisch- und schwedischen Allianz erklärte sich Frankreich zum Frieden bereit. Das Ergebnis des Friedensschlusses war eine Machterweiterung Ludwigs XIV. durch die Zusprechung von einigen Teilen Flanderns. Erstmals konnte sich eine antifranzösische Koalition durchsetzen.[15] Im Niederländisch-Französischen Krieg von 1672-1678 wuchs der Unmut der Generalstaaten gegen die Expansion Frankreichs weiter an. Durch die Öffnung der Dämme und die dadurch entstandene Flutung des Gebietes, erschwerten die Holländer den Franzosen die Einnahme des Landes. Brandenburg, Sachsen, Spanien und Dänemark unterstützten Holland in diesem Krieg. Im Frieden von Nimwegen 1678/79 erhielten die Franzosen die Freigrafschaft Burgund, 13 Festungen in den Spanischen Niederlanden sowie Freiburg im Breisgau zugesprochen.[16]

 

Französische Sondergerichtshöfe erhoben im Jahr 1679 historische Ansprüche auf Städte und Dörfer im Elsass und in Lothringen. Ludwig bezeichnete es als Ziel seiner Politik, alles, was je seit Karl dem Grossen zu Frankreich gehört hatte, wieder zurückzuerobern. Als Begründung für diese Politik führte er  auf, dass die Gebiete, die Frankreich 1648 erhalten hatte, lehensrechtlich an Territorien gebunden waren. In dieser Reunionspolitik überfiel er Strassburg ohne Vorwarnung und annektierte die Stadt.[17]

 

Entgegen dem Vertrag von Nimwegen baute Ludwig Festungen auf deutschem Boden aus. Nach dem Tod des kinderlosen Pfälzischen Kurfürsten wollte er die rechtlich unhaltbare Erbfolge seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz durchsetzen. Die Franzosen marschierten darauf in die Pfalz. Die „grosse Europäische Allianz“ mit England, Spanien, Holland und Savoyen zwangen die Franzosen, die Pfalz wieder zu verlassen. Im Friede von Rijswijk (1697) verzichtete König Ludwig auf alle Eroberungen in den Spanischen Niederlanden und gab die Pfalz sowie zahlreiche Reunionen zurück. Mit diesen Exzessen am Rhein brachte König Ludwig XIV. nicht nur das Reich, sondern ganz Europa gegen Frankreich auf und stellte sich mit seiner aggressiven Expansionspolitik ins aussenpolitische Abseits der europäischen Führungsriege.[18]

 

2.1.3 Deutsches Reich/Österreich-Leopold I.

 

Nach den schweren Kriegsjahren des Dreissigjährigen Krieges erfolgte ein rascher Wiederaufbau des Reiches dank dem starken Einsatz der Fürstenhöfe. Durch Konzentration der Heeresverwaltung und des Steuerwesens wurden die Fürstenhöfe zum Mittelpunkt des politischen und kulturellen Lebens im Land. Das Reich bestand aus 300 souveränen Teilen ohne gemeinsames „Reichsgefühl“. Nach dem Staatsrechtslehrer Samuel von Pufendorf ist es ein „gotisches (lehensrechtliches) Monstrum“ mit absolutistischen Gliedern.[19]

 

Im Jahre 1658 wurde Leopold I. zum Kaiser dieses „monströsen“ Reiches gewählt. Die Reichsorgane waren aber zwischen Kaiser und Reich nach einem dualistischen Ständeprinzip aufgeteilt. Die Hofkanzlei und der Reichshofrat befanden sich in Wien, die Reichserzkanzlei war in Mainz und das Reichskammergericht tagte ab 1693 in Wetzlar. Der Reichstag, ein so genannter Gesandtenkongress, wurde in Regensburg abgehalten. Österreich gehörte zu den stärksten deutschen Staaten im Reich.[20]

 

Seit den 60er Jahren des 17. Jahrhundert wurden die Österreicher in den Sog der Türkenangriffe auf Mitteleuropa gezogen. Im 1. Türkenkrieg, der durch österreichische und türkische Eingriffe in die politischen Wirren von Siebenbürgen entstand, kam nach der Schlacht von St. Gotthard/Raab der „Schandfriede von Eisenburg“ zustande, der die Teilung Ungarns und Tributleistungen Österreichs mit sich brachte. Im Jahr 1683 begann der 2. grosse Türkenkrieg mit der Belagerung Wiens. Durch die Entsendung eines europäischen Ersatzheeres, geführt vom Polenkönig Johannes Sobieski, gelang es den „Allierten“, die Türken zu besiegen und ein Ende des türkischen Drucks auf Europa zu erreichen.[21]

 

Der Frieden von Karlowitz bestätigte Österreich die Erwerbung von Ungarn und Siebenbürgen mit Ausnahme des Banats. Mit der Eroberung Ungarns war Österreich als Territorialmacht in den Kreis der europäischen Grossmächte aufgestiegen und zugleich aus dem Reich herausgewachsen. Der Schwerpunkt seiner Politik verlagerte sich in den folgenden Jahrzehnten zunehmend auf die dynastischen Interessen, die auch den Hintergrund des Spanischen Erbfolgekrieges bildeten.[22]

 

2.1.4 Preussens Aufstieg zur Grossmacht

 

Wie der habsburgische Besitz war auch das Territorium der...

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