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E-Book

Die Permanente Revolution

Ergebnisse und Perspektiven

AutorLeo Trotzki
VerlagMEHRING Verlag
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl274 Seiten
ISBN9783886348350
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
'Der Abschluss einer sozialistischen Revolution ist im nationalen Rahmen undenkbar. Sie beginnt auf nationalem Boden, entwickelt sich international und wird vollendet in der Weltarena. Folglich wird die sozialistische Revolution in einem neuen, breiteren Sinne des Wortes zu einer permanenten Revolution: Sie findet ihren Abschluss nicht vor dem endgültigen Siege der neuen Gesellschaft auf unserem ganzen Planeten.' Die Theorie der permanenten Revolution bildete 1917 die strategische Grundlage der russischen Oktoberrevolution. Sechs Jahre später stand sie im Mittelpunkt der Angriffe auf die Linke Opposition, die sich der bürokratischen Entartung der Sowjetunion und dem Stalinismus widersetzte. Die Theorie der permanenten Revolution geht auf Marx und Engels zurück. Auf ihrer Grundlage entwickelte der junge Leo Trotzki 1906 in 'Ergebnisse und Perspektiven' die zukünftige Strategie der Oktoberrevolution. Unter dem Titel 'Die permanente Revolution' verteidigte er sie 1928 gegen die stalinistischen Angriffe und Verfälschungen. Dieses Buch ist bis heute eine der aktuellsten Schriften der sozialistischen Bewegung. Die vorliegende Ausgabe fasst beide Werke in einem Band zusammen.

1879 als Sohn jüdischer Bauern in der Ukraine geboren, schließt Leo Trotzki sich als Student der marxistischen Bewegung an. Er spielt eine führende Rolle in den Revolutionen von 1905 und 1917. Nach der Oktoberrevolution baut er die Rote Armee auf. 1923 gründet er die Linke Opposition, die den Kampf gegen die bürokratische Entartung der Sowjetunion führt, und 1938 die Vierte Internationale. 1940 wird er im mexikanischen Exil von einem stalinistischen Agenten ermordet.

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Zu diesem Buch


Leo Trotzki schrieb »Die permanente Revolution« 1928 in Alma-Ata, dem heutigen Almaty in Kasachstan. Die stalinistische Bürokratie, die in den Jahren nach Lenins Tod in der Sowjetunion die Macht an sich riss, hatte den neben Lenin angesehensten Führer der Oktoberrevolution im Januar 1928 in die Verbannung nach Zentralasien geschickt. Tausende Mitglieder der trotzkistischen Linken Opposition erlitten ein ähnliches Schicksal. Kurz nach Vollendung des Buches, Anfang 1929, wurde Trotzki aus der Sowjetunion ausgewiesen und in die Türkei abgeschoben. Die stalinistische Herrscherclique hoffte – vergeblich –, so ihren konsequentesten marxistischen Kritiker zum Schweigen zu bringen und seinen politischen und theoretischen Einfluss zu unterbinden.

Als sich die sozialen Gegensätze in der Sowjetunion in den 1930er Jahren infolge der katastrophalen, von Trotzki kritisierten Politik Stalins weiter zuspitzten, griff die Bürokratie zum Mittel des Terrors, um sich ihrer sozialistischen Gegner zu entledigen. Zwischen 1936 und 1938 ließ sie massenhaft überzeugte Kommunisten, Wissenschaftler, Ingenieure und Künstler sowie einfache Arbeiter unter der Anschuldigung des »Trotzkismus« verschleppen, einsperren, von geheim tagenden Schnellgerichten zum Tode verurteilen und erschießen. Die Zahl der Opfer des Großen Terrors wird auf etwa eine Million geschätzt. Die öffentliche Fassade dieses politischen Völkermords bildeten die drei großen Moskauer Prozesse, in denen fast die gesamte Führung von Lenins bolschewistischer Partei auf die Anklagebank gesetzt und unter erfundenen Anklagen zum Tode verurteilt wurde.[1]

Trotzki selbst wurde am 20. August 1940 in Coyoacan/Mexiko ermordet, wo er nach Aufenthalten in der Türkei, Frankreich und Norwegen die letzten Jahre seines erzwungenen Exils verbrachte. Ramon Mercader, ein Agent der stalinistischen Geheimpolizei GPU, verschaffte sich mithilfe eines weitverzweigten Agentennetzes Zutritt zu Trotzkis bewachtem Haus und streckte ihn mit einem Eispickel nieder. Trotzki starb am folgenden Tag an den Folgen des Anschlags.

Der Grund für die mörderische Gewalt, mit der Stalin seine sozialistischen Widersacher verfolgte, waren die unüberbrückbaren sozialen und politischen Gegensätze zwischen der privilegierten Bürokratie, die den Staats- und Parteiapparat kontrollierte, und der Arbeiterklasse. Stalin, der miterlebt hatte, wie die Bolschewiki 1917 innerhalb weniger Monate Masseneinfluss gewonnen hatten, fürchtete, das marxistische Programm der Linken Opposition könnte mit der sozialen Unzufriedenheit der Arbeiterklasse zusammenkommen und zum Sturz seines Regimes führen, das die Interessen der Bürokratie verteidigte.

Das Anwachsen der Bürokratie und von konservativen Elementen innerhalb der Kommunistischen Partei, die Stalin schließlich zur Macht verhalfen, war eine Folge der verheerenden Auswirkungen von sieben Jahren Welt- und Bürgerkrieg sowie der anhaltenden Isolation der Sowjetunion aufgrund der Niederlagen der internationalen Arbeiterklasse, insbesondere in Deutschland. Seinen bewussten politischen und theoretischen Ausdruck fand der Gegensatz zwischen Bürokratie und Arbeiterklasse im Konflikt zwischen der Theorie des Sozialismus in einem Land und der Theorie der permanenten Revolution.

Vor 1923 war kein ernsthafter Marxist davon ausgegangen, dass der Sozialismus in Russland auf nationaler Grundlage aufgebaut werden könne. Die globale Krise des Kapitalismus, die in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs gipfelte, hatte die Voraussetzungen geschaffen, unter denen die Arbeiterklasse im rückständigen Russland als Erste die Macht ergreifen und die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft in Angriff nehmen konnte. Doch die Vollendung der sozialistischen Revolution hing von deren Sieg in den fortgeschrittenen Zentren des Weltkapitalismus ab.

Erst nach dem Ende des Bürgerkriegs und dem Übergang zur markt­orientierten Neuen Ökonomischen Politik wurden Stimmen laut, die für eine Abkehr von der Perspektive der Weltrevolution eintraten und behaupteten, die Sowjetunion könne den Sozialismus aus eigener Kraft aufbauen. Diese Haltung bildete die Grundlage des Programms des »Sozialismus in einem Land«, das Stalin und Bucharin 1924 formulierten. Seine rückwärtsgewandte, nationalistische Orientierung entsprach den Interessen der Bürokratie, die ihre privilegierte gesellschaftliche Stellung durch die Fortsetzung und Ausweitung der Revolution gefährdet sah.

Unmittelbar vor »Die permanente Revolution« hatte Trotzki eine andere, wichtige programmatische Schrift verfasst: die »Kritik des Programms der Komintern«, die unter dem Buchtitel »Die Dritte Internationale nach Lenin« veröffentlicht wurde.[2] Darin befasste er sich ausführlich mit dem Programm des »Sozialismus in einem Land« und seinen verheerenden Folgen für die Sowjetunion und die internationale kommunistische Bewegung. Trotzki sandte diese »Kritik« an den 6. Kongress der Kommunistischen Internationale, der im Sommer 1928 in Moskau tagte. Dort fiel sie trotz der stalinschen Zensur einigen Teilnehmern in die Hände und erreichte durch die nordamerikanischen Delegierten James P. Cannon und Maurice Spector auch das Ausland, wo sie die Grundlage für den Aufbau der internationalen Linken Opposition und später der Vierten Internationale bildete.

»Die permanente Revolution« konnte Trotzki dagegen, ergänzt durch eine Einleitung und einen Epilog, erst Anfang 1930 im Exil veröffentlichen. Er knüpfte damit an die »Kritik des Programms der Komintern« an und vertiefte die Auseinandersetzung. Es empfiehlt sich, die beiden Bücher im Zusammenhang zu lesen.

Im Mittelpunkt der Angriffe auf die Gegner der Bürokratisierung und der nationalistischen Orientierung Stalins und Bucharins stand von Anfang an die Theorie der permanenten Revolution. 1917 hatte sie die strategische Grundlage der Oktoberrevolution gebildet; nur sechs Jahre später wurde sie als ketzerische Abweichung vom Marxismus verleumdet.

Die Theorie der permanenten Revolution geht auf Marx und Engels zurück. Die Autoren des »Kommunistischen Manifests« verwendeten diesen Begriff, als sie 1850 die Lehren aus der Niederlage der europäischen Revolutionen des Jahres 1848 zogen. Die Bourgeoisie und ihre kleinbürgerlichen demokratischen Verbündeten waren der Revolution in den Rücken gefallen, weil sie die erstarkende Arbeiterklasse als Bedrohung ihres Eigentums weit mehr fürchteten als die adligen Herrscher. Marx und Engels zogen daraus den Schluss:

Während die demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch … zum Abschlusse bringen wollen, ist es unser Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind.[3]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Theorie der permanenten Revolution angesichts der sich anbahnenden revolutionären Krise in Russland neue Aktualität. In der internationalen marxistischen Bewegung löste sie eine Diskussion aus, an der sich neben Trotzki auch Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Alexander Helphand (Parvus), Karl Kautsky und andere beteiligten.[4] Das riesige Land, in dem die reaktionäre zaristische Autokratie auf verarmte Bauernmassen und eine kleine, aber hochkonzentrierte Arbeiterklasse prallte, stand vor einer gesellschaftlichen Explosion.

Aber wer würde die Revolution führen? Was waren ihre Aufgaben? Welche Rolle würden die verschiedenen Klassen spielen? Würde sich die liberale russische Bourgeoisie anders verhalten als die deutsche 1848?

Trotzki schildert in seiner Einleitung zur »permanenten Revolution«, wie die verschiedenen politischen Strömungen diese Fragen beantworteten, so dass dies hier nicht wiederholt werden muss. Er selbst vertrat den kühnsten und weitgehendsten Standpunkt, der im Verlauf des Jahres 1917 bestätigt wurde. Trotzki war der Auffassung, dass die Revolution, auch wenn sie vorwiegend demokratische Aufgaben hatte, nur erfolgreich sein konnte, wenn die Arbeiterklasse die Führung übernahm und die armen Bauernmassen auf ihre Seite zog. Sobald sich die Arbeiterklasse an der Macht befinde, müsse sie dann allerdings den Weg sozialistischer Maßnahmen beschreiten.

Die Politik, welche die Bolschewiki 1917 nach Lenins Rückkehr aus dem Exil verfolgten, entsprach weitgehend dieser Konzeption der permanenten Revolution, die Trotzki 1906, im Alter von 27 Jahren, in der Schrift »Ergebnisse und Perspektiven« erstmals ausführlich dargelegt hatte. Sie bildet den ersten Teil dieses Buches.

Trotzki stützte seine Analyse auf die Veränderungen in der Struktur der Weltwirtschaft. Seine Herangehensweise »stellte einen wichtigen theoretischen Durchbruch dar«, wie David North im Buch »Verteidigung Leo Trotzkis« schreibt:

Sie führte zu einer Verschiebung der analytischen Perspektive, unter der revolutionäre Prozesse betrachtet wurden. Vor 1905 wurden Revolutionen als Resultat fortschreitender nationaler Ereignisse aufgefasst, deren Ergebnis von der Logik ihrer inneren sozioökonomischen Struktur und Beziehungen bestimmt wurde. Trotzki trat für eine andere Herangehensweise ein: Die Revolution sollte in der modernen Epoche als ein im Wesentlichen welthistorischer...

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