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E-Book

Gottes Krieger

Die Kreuzzüge in neuem Licht

AutorRodney Stark
VerlagHaffmans Tolkemitt Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl383 Seiten
ISBN9783942989480
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Dieses Buch räumt mit der gängigen Sicht auf, die Kreuzzüge seien ein brutaler, imperialistischer, räuberischer Feldzug des christlichen Abendlandes gegen einen gebildeten, toleranten und friedlichen Islam gewesen, geführt, um sich zu bereichern und das Christentum zu verbreiten. Ein Krieg, der den berechtigten Hass der muslimischen Welt auf den Westen bis heute begründet. Mit Überblick und dennoch detailreich zeichnet Stark die Geschichte der Eroberung weiter Teile Europas, des Mittleren Ostens und Nordafrikas durch Mohammed und seine Erben nach. Er schildert die Behandlung der Juden und Christen in den besetzten Ländern und die Massaker an den Pilgern, die ins Heilige Land fuhren, um sich dort von ihren Sünden zu befreien. Er beschreibt die flehende Bitte Alexios' I. an den Graf von Flandern, Byzanz vor der Invasion der gerade zum Islam konvertierten Türken zu schützen, sowie den berühmten Aufruf Papst Urbans II. an die Ritter Europas, den Byzantinern zu helfen und den Weg ins Heilige Land für die christlichen Pilger wieder zu sichern. Er analysiert die blutigen Schlachten der Kreuzritter, ihre Siege und fatalen Niederlagen, die unterschiedlichen Strategien der Kriegsführung beider Seiten und die logistische Organisation dieser enormen Truppenbewegungen. Mit Gottes Krieger gibt uns einer der renommiertesten Religionssoziologen ein neues und realistischeres Bild der sieben großen Kreuzzüge und zeigt auf, was in den Jahren von 1095 bis 1291 in Europa und im Nahen Osten wirklich geschah. Dieser Titel wird als HardcoverPlus veröffentlicht. Im gebundenen Buch finden Sie hinten einen Code, mit dem Sie das E-Book auf Ihren Reader laden können. Der Preis steigt dadurch im Gegensatz zum herkömmlichen Buch nicht. Mehr Informationen zu HardcoverPlus auf der Homepage der Verlage Haffmans & Tolkemitt.

Rodney Stark (1934, Jamestown, North Dakota) ist Religionssoziologe und prägt dieses Feld mit der von ihm vertretenen Methode, Religionen als eine Art Wirtschaftszweig mit Anbietern und Nachfragern zu betrachten. Er lehrte mehrere Jahrzehnte an der University of Washington und ist seit 2004 Co-Leiter des Instituts für Studien der Religion an der Baylor University. Stark hat 30 Bücher und über 140 wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, für die er internationale Preise gewonnen hat. Auf Deutsch erschien seine Studie Der Aufstieg des Christentums, die für den Pulitzer-Preis nominiert war.

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Leseprobe

Einleitung

BEUTEGIERIGE BARBAREN IN RÜSTUNGEN?

Papst Urban II. bittet Bischöfe und Klerus auf dem Konzil von Clermont, ihn bei seiner Predigt für den Ersten Kreuzzug zu unterstützen. Am folgenden Tag ruft er vor den Toren der Stadt das Volk zum Kreuzzug auf. Miniatur von Jean Colombe aus Les Passages d’outre mer, um 1490, BnF (© Bridgeman-Giraudon / Art Resource, NY)

 

 

Am 27. November des Jahres 1095 besteigt Papst Urban II. ein auf einer Wiese vor den Toren der französischen Stadt Clermont errichtetes Podium, umringt von einer riesigen Menschenmenge. Urban, ein kräftiger Mann von über fünfzig Jahren, ist mit einer ungewöhnlich starken und ausdrucksvollen Stimme gesegnet; man kann ihn auch in einiger Entfernung noch vernehmlich hören. Bei diesem denkwürdigen Anlass spricht der Papst zu unzähligen Menschen, zu armen Bauern, zu Adligen und Klerikern. Seine Rede sollte den Lauf der Geschichte verändern.

Urban hatte eine Synode einberufen lassen als Reaktion auf ein Sendschreiben, das der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos aus seiner bedrohten Hauptstadt Konstantinopel an den Grafen Robert von Flandern geschickt hatte. Darin bat er ihn und auch dessen christliche Brüder um Hilfe. Truppen sollten sie schicken, um den Byzantinern beizustehen gegen die vor kurzem zum Islam übergetretenen seldschukischen Türken. Sie waren in den Nahen Osten eingefallen, hatten Jerusalem erobert und standen nun 150 Kilometer vor Konstantinopel. In seinem Brief schilderte der Kaiser detailliert, dass christliche Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land grausam gefoltert, Kirchen, Altäre und Taufbecken schändlich entweiht werden. Sollten die Türken in Konstantinopel einfallen, würden nicht nur weitere Tausende von Christen gefoltert, vergewaltigt und umgebracht, es würden auch die über Jahrhunderte zusammengetragenen »heiligsten Reliquien des Erlösers« verloren gehen:

Komme also mit Deinem ganzen Volk und ziehe mit Deiner ganzen Macht in die Schlacht … damit das Christenreich nicht verschwindet … das Heilige Grab nicht verloren geht … Und für Dein Kommen wirst Du im Himmel Vergeltung finden, und wenn Du nicht kommst, wird Gott Dich verdammen.1

Die Europäer hatten viele Gründe, solche Hilferufe aus Byzanz zu ignorieren. Ihr kulturelles Erbe, ihr Christentum in der weströmischen beziehungsweise römischkatholischen Tradition standen dagegen, Byzanz war aus dem Oströmischen Reich hervorgegangen, hier hatte sich die griechische Kultur durchgesetzt. Der Lebensstil der Byzantiner (oder »Griechen«, wie sie abfällig auch genannt wurden) galt bei den Europäern als dekadent, ja weibisch; umgekehrt behandelten diese wiederum den lateinischen Katholizismus verächtlich, beriefen sich auf ihr »orthodoxes« Christentum – nicht selten hatten sie katholische Priester und Gläubige verfolgt. Dennoch, als Papst Urban II. dieses Bittschreiben las, war er entschlossen, es mit würdigen Taten zu beantworten. So berief er eine Synode nach Clermont ein, zu deren Höhepunkt seine berühmte Kreuzzugspredigt wurde.2

Der Papst, der Französisch sprach, begann mit einer drastischen Schilderung der Folterungen, Vergewaltigungen und Ermordung von christlichen Pilgern, von den Schändungen der Kirchen und heiligen Stätten durch die Türken (die er »Perser« nannte):

Sie haben die Altäre mit Unrat entheiligt und besudelt. Sie haben Christen beschnitten und ihr Blut auf die Altäre geschmiert, oder in die Taufbrunnen gegossen. Sie machten sich ein Vergnügen daraus, Christen zu töten, indem sie ihnen die Bäuche aufschlitzen, das Ende der Gedärme herausreißen und es dann an einem Pfahl befestigen; darauf schlugen sie auf ihre Opfer ein und zwangen sie, um diesen herumzulaufen, bis die ganzen Gedärme aufgewickelt waren und sie tot zu Boden fielen. … Was soll ich zu den scheußlichen Vergewaltigung von Frauen sagen? Darüber zu sprechen ist noch schlimmer als zu schweigen. Wer aber soll dieses Unrecht rächen. Wer diese Länder zurückgewinnen, wenn nicht ihr?3

An diesem Punkt schnitt der Papst ein zweites Problem an, auf dessen Lösung er und sein illustrer Vorgänger Gregor VII. jahrelange Mühe verwandt hatten – die ständigen Fehden und Kriege im Mittelalter. Die Päpste wollten einen »Gottesfrieden« zwischen Adligen und Rittern stiften, die oft nur um des bloßen Kämpfens willen ins Feld zogen, selbst gegen ihre Freunde. Dazu freilich waren sie seit ihrer frühen Kindheit erzogen und ausgebildet worden. Nun aber hätte man ja ein Betätigungsfeld für sie!

Christliche Kämpfer, die ihr ständig und vergeblich nach Vorwänden für einen Krieg sucht, freut euch, denn heute habt ihr einen gültigen Grund gefunden. … Wenn sie euch besiegen, verdient ihr euch den Ruhm, am gleichen Ort zu sterben wie Jesus Christus, und Gott wird nie vergessen, dass Er euch in den heiligen Schlachtreihen gesehen hat … Soldaten der Hölle, werdet Soldaten des lebenden Gottes!4

Da erhob sich in der Menge der Ruf Deus lo vult! (Gott will es!), die Männer rissen Streifen aus Umhängen und Tüchern und machten daraus Kreuze, die sie sich aufs Brustwams nähten. Alle waren sich einig, im nächsten Jahr würden sie ins Heilige Land ziehen. Und sie hielten Wort.

So weit die traditionelle Erklärung für Beginn und Gründe des Ersten Kreuzzugs. In jüngerer Zeit ist allerdings eine weitaus zynischere, recht finstere Erklärung populär geworden. Unmittelbar nach der Zerstörung des World Trade Center durch muslimische Terroristen wurde immer wieder auf die Kreuzzüge verwiesen, sie seien der Ursprung des islamistischen Furors. Man sprach von der Verbitterung, die in der islamischen Welt herrsche, weil der christliche Westen die Muslime schlecht behandelt habe, und das seit dem Ersten Kreuzzug. Grund der Kreuzzüge seien nicht Frömmigkeit oder die Sorge um die Sicherheit der Pilger und der heiligen Stätten in Jerusalem gewesen, nein, man müsse sie als das erste blutige Kapitel in der langen Geschichte des brutalen europäischen Kolonialismus betrachten.5

Nicht aus Idealismus seien die Kreuzfahrer nach Osten gezogen, sondern um neue Gebiete zu erobern und Beute zu machen, angestiftet von machthungrigen Päpsten, die das Christentum durch die Bekehrung muslimischer Massen verbreiten wollten;6 Barbaren seien die europäischen Ritter gewesen, die auf ihrem Zug jeden anderen brutal beseitigten und »die erleuchtete muslimische Kultur … verwüsteten«.7 Die Kreuzzüge, so Akbar Ahmed, Professor für Islamwissenschaften an der American University in Washington, D. C., »schufen eine geschichtliche Erinnerung, die bis heute anhält – die Erinnerung an die lange Aggression seitens der Europäer«.8

Zwei Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärte Expräsident Bill Clinton vor einem Auditorium in der Georgetown University, dass »diejenigen von uns, deren Vorfahren aus europäischen Ländern kamen, nicht ohne Schuld sind« – der Kreuzzüge wegen. Diese seien ein Verbrechen gegen den Islam gewesen, und zum Beleg zitierte Clinton einen mittelalterlichen Bericht über das Blutvergießen, das die Kreuzfahrer unter Gottfried von Bouillon im Jahr 1099 bei der Eroberung Jerusalems verübt hatten.

Dass die Kreuzzüge ein furchtbares Verbrechen gewesen seien, das unbedingt nach Sühne verlange, war bereits ein populäres Thema, bevor die islamischen Terroristen die entführten Flugzeuge in die beiden Hochhäuser lenkten. Schon 1999 konnte man in der New York Times die feierliche Erklärung lesen, dass die Kreuzzüge mit Hitlers Gräueltaten und der ethnischen Säuberung im Kosovo zu vergleichen seien.9 Im selben Jahr, anlässlich des 900. Jahrestags der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, nahmen Hunderte frommer Protestanten an einem »Versöhnungsmarsch« teil, der in Köln begann und ins Heilige Land führte. Die Teilnehmer trugen T-Shirts mit dem Aufdruck in arabischer Schrift: »Ich entschuldige mich.« In einer offiziellen Erklärung wurden die Gründe erläutert, warum diese Entschuldigung der Christenheit notwendig sei:

Vor neunhundert Jahren trugen unsere Vorfahren den Namen Jesu Christi im Kampf durch den Nahen Osten. Angetrieben von Angst, Gier und Hass … erhoben die Kreuzfahrer das Banner des Kreuzes über euer Volk … Am Jahrestag des Ersten Kreuzzugs … wollen wir uns auf den Spuren der Kreuzfahrer für ihre Taten entschuldigen … Wir bedauern zutiefst die Gräueltaten, die im Namen Jesu Christi von unseren Vorfahren begangen wurden. Wir entsagen Gier, Hass und Angst und verurteilen alle Gewalttaten, die im Namen von Jesus Christus verübt wurden.10

Karen Armstrong, eine ehemalige Nonne und...

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