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E-Book

Grundlagen des Systemdenkens

Entscheiden in komplexen Situationen

AutorOthmar von Ettingshausen
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl342 Seiten
ISBN9783743155534
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Wir alle müssen, um zu überleben, unser Umfeld verstehen. Wir können aber unmöglich Experten auf jedem Gebiet sein, das uns betrifft. Besteht vielleicht ein Ausweg aus dieser Zwangslage? Erstaunlicherweise gibt es aber eine verhältnismäßig einfache Methode, unser komplexes Umfeld zu begreifen und mit ihm umzugehen. Die Antwort lautet: Systemdenken. Es ist das Ziel dieses Buches, Sie mit dieser Methode vertraut zu machen. Es befasst sich mit den Strukturen und den Gesetzen, die in Systemen herrschen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf sozialen Systemen, die Familien, Volkswirtschaften und industrielle Organisationen betreffen und auf Systemen, die Menschen, Ressourcen und Technologien miteinander verbinden. Soziale Systeme sind Systeme, die sich demnach auf menschliche Gemeinschaften beziehen. Sie verkörpern die Wechselwirkungen zwischen Menschen und umfassen Familien, kleinere Gruppen, Unternehmen, Länder, Volkswirtschaften, internationale Beziehungen oder die Globalisierung und vieles mehr. Das Buch richtet sich an alle, die ihre Fähigkeiten verbessern wollen, Probleme in komplexen Situationen zu lösen. Ich hoffe, es verschafft den Lesern einen Zugang zu neuen Denkweisen und Einblicken in die komplexe Welt, in der wir leben und die unsere Kinder erben werden.

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Leseprobe

Man ist schneller weg vom Fenster als man denkt.

Falsche Konzepte, fehlende Weitsicht

und ängstliche Entscheidungen

sind meist die Ursachen!

3. Was ist ein System?


Zuerst müssen wir die Konzeption des Systemgedankens verstehen, bevor wir uns auf den Weg machen, die Veränderungen in unseren Sichten zu begreifen, die auftreten, wenn wir Systeme in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen und Entscheidungen stellen.

Ein System ist eine Anordnung von Komponenten, die voneinander abhängig sind und zusammenarbeiten, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen oder ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Die Einzelteile kommunizieren miteinander und sind untereinander rückgekoppelt. Das bedeutet, dass jede Veränderung an einer Stelle im System zwangsläufig das ganze System verändert und somit auch Auswirkungen auf alle anderen Faktoren und Beteiligten im System hat. Das Wetter, Ökosysteme, Immunsysteme, neurale Netzwerke, lebende Zellen, der Blutkreislauf, Augen, Volkswirtschaften, Ministerialbürokratie, Wertschöpfungsketten, Produktionsbetriebe, Kraftwerke, Wettbewerb, Landesverteidigung, Banken, Versicherungen, Familien, Universitäten, Verkehrssysteme, Kommunikationssysteme, Haushaltsgeräte oder Uhren sind einige Beispiele für Systeme.

Jedes System kann eine Vielzahl charakteristischer Merkmale besitzen. Auch gehen die unterschiedlichen Eigenschaften ineinander über und lassen sich nicht immer voneinander trennen. So sind zum Beispiel anpassungsfähige (adaptive) Systeme zumeist auch fehlertolerant und selbstorganisierend. Auch können Systeme dynamisch sein und trotzdem ein verzögertes Verhalten aufweisen. Fast immer verhalten sich ihre Variablen im Zeitverlauf nicht linear. Diese Vielzahl verschiedener Eigenschaften macht es schwer, die Systemstruktur zu erkennen und ihr Verhalten daraus abzuleiten.

Entscheidungen in dynamischen, komplexen Systemen, deren Struktur man nicht kennt oder nicht berücksichtigt, führen häufig zu Fehlschlägen oder Enttäuschungen, wenn man versucht ihr Verhalten zum Besseren zu verändern. Wer das Problem nicht versteht, wird schwerlich Lösungen finden. Und wer das System zu wenig versteht, um ein einfaches Problem von einem komplexen zu unterscheiden, kommt kaum zu geeigneten Lösungen. Jedenfalls heißt Management, danach Ausschau zu halten, welches Problem gerade unter den Nägeln brennt und mit welchen Problemen in Zukunft zu rechnen ist. Und dann dafür zu sorgen, dass nicht alle möglichen, sondern nur erwünschte Zustände eintreten.

Als komplexe Systeme werden nichtlineare, stark vernetzte Strukturen bezeichnet. Alle Systeme, in denen Menschen wirken, fallen unter diesen Begriff. So weist die Managementstruktur eines Unternehmens alle Eigenschaften eines komplexen Systems auf. Ebenso sind Städte, Regierungen, Wirtschaftsprozesse und der internationale Handel komplexe Systeme. Sie alle haben viele unerwartete und wenig verstandene Eigentümlichkeiten. Nur wenn es gelingt, das Verhalten eines Systems, das durch diese Eigentümlichkeiten bestimmt wird, zu verstehen, kann man die Systemstruktur so verändern, dass sie die erwarteten Ergebnisse erzeugt. Denn die Struktur bestimmt das Verhalten des Systems.

Systeme bilden ein vielschichtiges und einheitliches Ganzes. Ihre Einzelteile stehen in genau definierten Beziehungen zueinander und sind miteinander vernetzt. Jedes Einzelteil hat eine für sich gesondert zu betrachtende Eigenschaft. Diese kann materiell wie in technischen Systemen oder in Wertschöpfungsketten aber auch immateriell wie in Rechtssystemen, Familien, Unternehmen oder Volkswirtschaften sein. Die Art, wie die Teile eines Systems zu einander in Beziehung stehen, bestimmt ihre Einflussmöglichkeiten auf das ganze System. Die Elemente, deren Einfluss auf das Systemverhalten entscheidend ist, nennt man Schlüsselvariable.

Die Einzelteile des Systems bilden seine Struktur. Das Systemverhalten wird durch die Wechselwirkungen seiner Einzelteile bestimmt. Ein System verändert sich oder es bricht zusammen, wenn einzelne Systemkomponenten verändert werden oder die ihnen zugewiesene Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Jedes System, als Ganzes beobachtet, besitzt eine augenfällige Eigenschaft, die keines seiner Teile, gesondert betrachtet, aufweist. Seine konkreten Eigenschaften verliert ein System, wenn man es zerlegt. Jedes System hat eine Bestimmung- auch wenn diese nur darin besteht sich am Leben und stabil zu halten. Jedes System hat eine untrügliche Grenze nach außen und weist ein zeitliches Entwicklungsverhalten auf, es verändert sich über die Zeitachse. Die Veränderung einzelner Komponenten eines Systems im Laufe der Zeit, das Systemverhalten, ist ein inhärentes Merkmal eines Systems. Kenntnisse des Systemverhaltens führen zu verantwortungsbewussten nachhaltigen Entscheidungen.

Es werden zwei Typen von Systemen unterschieden: offene oder geschlossene Systeme.

  • Offene Systeme

Bezeichnend für offene Systeme ist die fortwährende Wechselwirkung mit ihrer Umwelt. Offene Systeme haben durchlässige Grenzen. Informationen und Anreize kommen aus der Umgebung in das System. Sie werden im System verarbeitet. Ebenso fließen Informationen und Anreize aus dem betreffenden System in andere Systeme. Es findet ein kontinuierlicher Austausch statt. Offene Systeme leben von den Wechselwirkungen zwischen ihren Komponenten und ihrer Umgebung.

Das heißt, ein offenes System wird von seiner Umgebung beeinflusst. So reagieren z. B. Finanzmärkte auf die Gewinnprognosen von Unternehmen, Verkehrsströme werden beeinträchtigt, wenn bestimmte Straßen wegen Bauarbeiten geschlossen werden.

Ein offenes System müssen wir sowohl nach innen als auch nach außen betrachten. Wir müssen unser Interesse auf die Beziehungen und Muster der Wechselwirkungen zwischen dem System und seiner Umgebung innerhalb seiner Grenzen richten. Aber ebenso müssen wir unser Augenmerk auf die Wechselwirkungen und gegenseitigen Einflüsse zwischen dem System und der Umgebung außerhalb seiner Grenzen richten. Hierzu einige Beispiele:

Ein See ist ein offenes System. Ein Fluss speist den See und Regen verändert den Wasserpegel. Fische schwimmen in den See und wieder heraus. Solchermaßen erhält der See Reize und Bewegungen von außen. Und überdies fließt Wasser aus dem See oder verdampft. Fische, die im See auf die Welt gekommen sind, schwimmen flussabwärts. Auf diese Weise erzeugt der See Reize und Anstöße in benachbarten Systemen. Trotzdem bleibt der See immer ein See. Seine Grenzen sind bekannt. Aber die Grenzen halten keine Anreize und keine Eingriffe in benachbarte Systeme zurück. Es existiert ein freier Austausch.

Auch unser Körper ist ein offenes System. Wir nehmen Nahrung, Luft und Wasser aus der Umgebung auf –wir essen, atmen und trinken. Wir werden beeinflusst von unseren Erfahrungen, unseren Beziehungen und unserer Umgebung. Und wir beeinflussen durch unser Verhalten andere Systeme.

Auch eine Familie kann man als offenes System bezeichnen. Ihre Mitglieder stehen in einem Wechselverhältnis zueinander. Jedes Element (Vater, Mutter, Kinder) hat eine Beziehung zueinander und gleichzeitig zur Gesamtheit der Mitglieder der Familie. Außerdem hat jeder Angehörige der Familie noch Beziehungen zur Umgebung, zum Beispiel zur Nachbarschaft, Verwandtschaft, Schule oder Beruf

Unternehmen sind offene Systeme, denn sie agieren nicht autonom. Sie sind in vielfältiger Weise in die Systemumwelt eingebunden. Dadurch werden sie Zwängen und Bedingungen ausgesetzt, die im Regelfall durch das Unternehmen selbst als nicht immer veränderbar anzusehen sind. Sie haben verschiedene Organisationseinheiten, wie Einkauf, Forschung und Entwicklung, Marketing, Produktion, Controlling und Vertrieb, die sich bei ihrer Zusammenarbeit gegenseitig beeinflussen. Nicht zuletzt sind sie auch Beziehungssysteme, in denen die Zusammenarbeit der Belegschaft geregelt ist. Die Grenzen nach außen sind offen –zu Kunden, Lieferanten, Wettbewerbern, Behörden oder Anteilseignern. Unternehmen erhalten Anstöße von außen zum Beispiel durch Kundenwünsche, gesetzliche Vorschriften, Verhalten von Wettbewerbern oder den Einfluss von Wetterbedingungen auf den Vertrieb von Waren oder Dienstleistungen.

Bewegung und Veränderung sind für ein Unternehmen normal. Die gut funktionierende Wechselwirkung eines Unternehmens mit seiner Umgebung ist die Voraussetzung dafür, dass es sich bestmöglich an die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen anpassen kann. Wenn Unternehmen nicht im Austausch mit ihrem Umfeld stehen, dann erhalten sie nicht die richtigen Informationen über die Zustände in ihrem Umfeld. Wenn sie nicht neue Signale, Geld oder neue Mitarbeiter von außen bekommen, dann fehlt ihnen die Möglichkeit notwendige Veränderungen zu vollziehen. Erst dann wissen sie warum, wie und wohin sie sich verändern müssen, weil sie dann erst die richtigen Fragen stellen können.

Unternehmen sind offene Systeme, welche grundsätzlich lebensfähig sind, sofern seine Elemente in einem ständigen Prozess gefördert werden und es die Fähigkeit besitzt, eigenständig und von anderen zu...

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