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Kommissionierung. Anwendungsvoraussetzungen, Gestaltungsempfehlungen und Potenziale des Strategieeinsatzes

AutorJennifer Hage
VerlagGRIN Publishing
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl142 Seiten
ISBN9783640655403
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis27,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen, Note: 2,0, Universität Siegen, Sprache: Deutsch, Abstract: Die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, geprägt von Globalisierung mit hohem Wettbewerbs- und Kostendruck, erfordern eine permanente Prozesskostenüberprüfung aller Betriebsabläufe. Damit zusammenhängend sind die Ausschöpfung aller Rationalisierungspotenziale sowie die Eliminierung aller Kostentreiber zwingende Voraussetzungen um im Wettbewerb bestehen zu können. Untersuchungen zeigen, dass 40 bis 50 Prozent der gesamten Lagerhaltungskosten durch den Kommissioniervorgang verursacht werden. Dies begründet sich vor allem darin, dass die Kommissionierung einen der komplexesten und personalintensivsten Bereiche der logistischen Kette darstellt. Aus den genannten Gründen sollte diesem Teilbereich der Logistik ein angemessener Stellenwert zukommen sowie die vorhandenen Optimierungspotenziale durch Anwendung der zahlreichen Strategien und Verfahren bestmöglich ausgenutzt werden. Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist die ausführliche Darstellung der Gestaltungsmöglichkeiten in der Kommissionierung sowie eine der begrenzten Zeit entsprechende genauere Betrachtung einiger Strategien von besonderer Bedeutung in Bezug auf die erreichbaren Verbesserungen. Der Umfang dieser Arbeit ist im Hinblick auf die behandelten Verfahren in den einzelnen Kommissionierbereichen relativ ausgedehnt und vielumfassend, erhebt aber nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Der Aufbau der Arbeit ergibt sich anhand der betrachteten Kommissionierstrategien. Jeder Strategie ist ein separates Kapitel gewidmet. Zum besseren Einstieg in das behandelte Thema wird mit einem einführenden Kapitel begonnen, in dem zunächst die Grundlagen der Kommissionierung erläutert und einige wichtige Begriffe zum besseren Verständnis des Folgenden definiert werden. In den darauf folgenden Abschnitten werden die Vorgehensweisen der behandelten Strategien jeweils zunächst kurz erläutert, bevor auf die mit deren Einsatz zusammenhängenden Voraussetzungen, Gestaltungsbedingungen sowie Potenziale ausführlicher eingegangen wird. Die teilweise zur Unterstützung des Ermittelten durchgeführten Berechnungen dienen zur Herstellung eines Praxisbezugs und belegen in diesem Zusammenhang die tatsächlichen Reaktionen auf den Einsatz einzelner Kommissionierstrategien. Die Ergebnisse werden ebenfalls in den Teilkapiteln dargestellt und durch das Einfügen von Tabellen und angefertigten Graphiken untermalt.

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Leseprobe

2. Grundlagen der Kommissionierung


 

Der Begriff der Kommissionierung wird laut der VDI-Richtlinie 3590 wie folgt definiert: „Das Kommissionieren ist das Zusammenstellen von bestimmten Teilmengen (Artikeln) aus einer bereitgestellten Gesamtmenge (Sortiment) aufgrund von Bedarfsinformationen. Dabei findet eine Umformung eines lagerspezifischen in einen verbrauchsspezifischen Zustand statt.“[3]

 

Der Vorgang der Kommissionierung lässt sich in mehrere Grundfunktionen unterteilen, welche nur teilweise zwingend in der angegebenen Reihenfolge durchgeführt werden müssen:

 

 „Vorgabe der Transportinformationen (für Güter und/oder Kommissionierer)

 

 Transport der Güter zum Bereitstellort

 

 Bereitstellung der Güter

 

 Bewegung des Kommissionierers zum Bereitstellort

 

 Vorgabe der Entnahmeinformation

 

 Entnahme der Entnahmeeinheit(en) durch den Kommissionierer

 

 Abgabe der Entnahmeeinheit(en)

 

 Quittierung des Entnahmevorgangs bzw. der Entnahmevorgänge

 

 Transport der Sammeleinheit(en) zur Abgabe der Sammeleinheit(en)

 

 Vorgabe der Transportinformation für die angebrochene(n) Bereitstelleinheit(en)

 

 Transport der angebrochenen Bereitstelleinheit(en).“[4]

 

Allerdings ergibt sich aus den oben genannten Teilprozessen noch kein sinnvolles Kommissioniersystem, da z.B. die Bereitstellung (statisch oder dynamisch bzw. Mann-zur-Ware oder Ware-zum-Mann) sowie die Abgabe (zentral oder dezentral) hier nicht eindeutig identifiziert werden können. Die Beschreibung der Kommissionierstrategien erklärt die Grundfunktionen näher und verdeutlicht die Komplexität des Kommissionierprozesses.

 

Jedes Kommissioniersystem setzt sich aus drei Teilsystemen zusammen; der Organisation der Kommissionierung, dem Material- sowie dem Informationsfluss.[5]

 

Unter der Organisation des Kommissioniersystems ist die Wahl der Struktur und Steuerung der Abläufe innerhalb des Kommissioniersystems zu verstehen. Hierbei wird zwischen der Aufbau-, der Ablauf- und der Betriebsorganisation unterschieden.[6] Die Regelung des Nachschubes sowie des Leergutes ist ebenfalls diesem Teilsystem zuzuordnen.

 

Der Materialfluss im Rahmen der Kommissionierung untergliedert sich in die Bereiche Bereitstellung, Fortbewegung, Entnahme und Abgabe. Dieses Teilsystem beschäftigt sich dementsprechend mit der Durchführung der Vereinzelung der Artikel. Der Kommissionierer sowie die einzelnen Artikel müssen räumlich und zeitlich effizient zusammengeführt werden. Anschließend werden die Entnahmeeinheiten bzw. die Sammel- oder Kommissioniereinheiten weiter befördert.[7]

 

Neben den Materialfluss- und Handhabungsvorgängen der eigentlichen Kommissioniertätigkeit kommt der administrativen Informationsverarbeitung wie Auftragserfassung, Aufbereitung und Weitergabe bis hin zu Quittierung der bearbeiteten Aufträge ebenfalls eine große Bedeutung zu.[8] Die Übermittlung von Auftragsinformationen kann entweder beleglos oder aber mit Beleg erfolgen.[9]

 

Die weiteren zentralen Begriffe des Kommissioniervorgangs, Sortiment, Auftrag und Artikel, besitzen das kleinste gemeinsame Vielfache in Form der Entnahmeeinheit. Die Bereitstelleinheit schafft dabei die Verbindung zwischen Sortiment und Artikel und stellt eine physisch abgrenzbare Teilmenge eines Artikels des Sortiments dar. Zwischen Auftrag und Artikel wird die Verbindung durch den Begriff der Position hergestellt. Die Position entspricht hierbei einer Auftragszeile / Entnahmeinformation, in welcher ein für den speziellen Auftrag benötigter Artikel in der zu entnehmenden Menge beschrieben wird.[10] Das gerade dargestellte wird in der folgenden Abb. 1 verdeutlicht.

 

 

Abbildung 1: Zentrale Begriffe in der Kommissionierung[11]

 

Bei der Planung von Kommissioniersystemen sollten die vorhandenen Strukturen bezüglich Aufträgen und Artikeln sowie zeitliche Faktoren Beachtung finden.[12] Das bei der Entscheidung zur Gestaltung eines Kommissioniersystems wichtigste Kriterium bildet allerdings die zu erreichende Leistung. Die Kommissionierleistung wird maßgeblich durch die zurückzulegenden Wege zu den Bereitstellplätzen sowie die dafür benötigte Zeit beeinflusst. Aus diesem Grund zielen in der Regel sämtliche Optimierungsmaßnahmen darauf ab, sowohl die Wege als auch die benötigten Zeiten zu reduzieren.

 

Die Kommissionierleistung in Positionen pro Stunde berechnet sich aus der Anzahl Sekunden pro Stunde dividiert durch die benötigte Kommissionierzeit in Sekunden pro Position. Die Kommissionierzeit hingegen setzt sich zusammen aus der Basiszeit, der Wegzeit, der Greifzeit sowie der Totzeit.[13] Dabei nimmt die Wegzeit mit einem durchschnittlichen Anteil von ca. 50% an der Gesamtzeit den Großteil ein[14], so dass auf diese im weiteren Verlauf noch ausführlicher eingegangen wird. Den nächst kleineren Anteil bildet die Greifzeit mit ca. 25%, gefolgt von der Basiszeit mit ungefähr 15% sowie der Totzeit von ca. 10%. Der Anteil der Greifzeit entspricht der benötigten Zeit für die Entnahme sowie die Abgabe der Entnahmeeinheiten durch den Kommissionierer. Der Greifprozess setzt sich zusammen aus den Tätigkeiten Hinlangen, Aufnehmen, Befördern und Ablegen.[15] Aufgrund eines Anteils von ungefähr einem Viertel an der Gesamtkommissionierzeit kommt der Reduzierung der Greifzeit eine relativ große Bedeutung zu. Die tatsächlich benötigte Greifzeit ist abhängig von

 

 der Anzahl der Entnahmeeinheiten pro Position,

 

 der Greifhöhe und Greiftiefe,

 

 der Ablagehöhe,

 

 dem Gewicht und Volumen pro Entnahme

 

 sowie den Eigenschaften des Kommissionierers.[16]

 

Aufgrund der notwendigen Justierung ergibt sich eine deutlich geringere Greifzeit des Menschen im Vergleich zu einem Roboter.[17] Dennoch kann ein Einsatz von Automatisierungstechnik unvermeidbar sein, z.B. bei besonders hohen Gewichten der Artikel.

 

Die Basiszeit wird angegeben pro Auftrag. Sie ergibt sich aus den Zeitanteilen der grundlegenden Aufgaben des Kommissioniervorgangs wie beispielsweise dem Aufnehmen von Auftragsinformationen, dem Ordnen von Belegen und der Übergabe des fertig kommissionierten Auftrags.[18]

 

Mit dem Begriff der Totzeit wird der Zeitanteil bezeichnet, innerhalb dessen die Kommissionierperson aufgrund von Tätigkeiten wie beispielsweise dem Lesen der Belege, der Orientierung im Kommissionierlager und dem Suchen der Entnahmepositionen unproduktiv ist.[19] Die Totzeit kann hauptsächlich durch Systeme wie Pick-to-Light, bei denen die Pickplätze durch Leuchtsignale eindeutig und einfach erkennbar sind, reduziert werden.

 

Zu guter Letzt wird nun die Wegzeit betrachtet. Diese ist durch die zurückzulegenden Kommissionierwege, die ein- oder zweidimensionale Fortbewegung sowie das Kommissionieren zu Fuß oder aber auf einem Fördergerät veränderbar. Während die Bewegung auf einem Fördergerät größere Höchstgeschwindigkeiten ermöglicht, ist die Kommissionierung zu Fuß gerade auf kurzen Strecken schneller. Die Wege an sich lassen sich z.B. durch eine Zonung des Lagers, bei der die Artikel nach ihren Zugriffshäufigkeiten sortiert angeordnet werden, reduzieren.[20] Weiterhin gibt es Strategien wie die dynamische Bereitstellung, bei denen der Wegzeitanteil gegen Null tendiert, da der Kommissionierer seine Arbeit an einem festgelegten Platz ausführt und die zu kommissionierenden Artikel zu ihm transportiert werden. Daraus folgt, dass das Rationalisierungspotenzial in Bezug auf die Wegzeit als sehr hoch einzustufen ist.

 

Die Betrachtung der nachfolgend thematisierten Strategien zeigt Voraussetzungen und Potenziale des Einsatzes sowohl zur Prozessoptimierung als auch zur Leistungssteigerung auf. Weitere Ziele, die mit einer Verbesserung des gesamten Kommissioniersystems erreicht werden sollen, sind z.B. die Senkung des Personalbedarfs, der Auftragsdurchlaufzeiten und der benötigten Grundfläche sowie die Erhöhung des Servicegrad und der Fehlerfreiheit, der Flexibilität und der Nutzung der vorhandenen...

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