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E-Book

Liszt

Biographie eines Superstars

AutorOliver Hilmes
VerlagSiedler
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl432 Seiten
ISBN9783641056339
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Franz Liszt Superstar
Franz Liszt (1811-1886) war eine absolute Ausnahmeerscheinung, ein musikalischer Revolutionär, eine europäische Berühmtheit, ein romantischer Exzentriker, kurzum: ein Superstar des 19. Jahrhunderts, der sein Publikum zur Raserei trieb. In seiner neuen großen Biographie breitet Oliver Hilmes das außergewöhnliche Leben und das faszinierende Werk dieses schillerndsten Künstlers seiner Zeit vor uns aus.
Liszt war ein Mann, der sich in immer neuen Rollen selbst erfand: Als Wunderkind, Klaviervirtuose, Komponist, Freigeist, Frauenschwarm und katholischer Abbé mit zeitweiligem Wohnsitz im Vatikan. Er war ein begnadeter Schauspieler und legendärer Verführer, manchmal auch ein bombastischer Schaumschläger und charmanter Aufschneider. Alles dies findet man in seiner Musik, die oft lässig auftrumpfend und ebenso oft zärtlich-fragil ist. Oliver Hilmes nimmt Liszt die zahlreichen Masken ab und zeichnet so ein neues Bild dieses romantischen Virtuosen und Wegbereiters der Moderne. Er beantwortet die Frage, wer dieser Franz Liszt - fernab aller Selbststilisierung - wirklich war, und entschlüsselt die Bedeutung seiner kühnen Musik sowie die Faszination, die noch heute von ihr ausgeht.


Oliver Hilmes, 1971 geboren, studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam. Er wurde in Zeitgeschichte promoviert und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker. Seine Bücher über widersprüchliche und faszinierende Frauen 'Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel' (2004) und 'Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner' (2007) wurden zu Bestsellern. Zuletzt erschienen 'Liszt. Biographie eines Superstars' (2011) und 'Ludwig II. Der unzeitgemäße König' (2013).

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Leseprobe
ROM (1861 – 1868) (S. 191-192)

Alle Wege führen nach Rom

Du kannst Dir gut vorstellen, dass wir in den letzten drei Wochen nur auf Okra’s Rückkehr gewartet haben«, schrieb Franz Liszt Anfang April 1860 an Marie in Wien. »Minette [Carolyne] kann weder essen, noch trinken, noch schlafen – Was mich betrifft, ich hoffe und hoffe und hoffe.«1 Im September des Vorjahres hatte Wladislaw Okraszewski seine diplomatische Mission begonnen, jetzt, ein halbes Jahr später, waren die Erwartungen riesengroß, und in der Altenburg lagen die Nerven blank.

Dann kam die erlösende Nachricht: Wenceslaus Zylinski, der Erzbischof von Mohilow, hatte Carolynes Ehe für ungültig erklärt. Der Jubel erhielt bald einen Dämpfer, als der Bischof von Fulda, in dessen Diözese Weimar lag, den Beschluss per Dekret wieder aufhob. Der dortige Oberhirte handelte aber nur im Auftrag von Antonino Saverio De Luca, dem Apostolischen Nuntius am Kaiserhof in Wien. Doch auch De Luca fungierte nur als Strohmann, denn die eigentlichen Drahtzieher waren die Gebrüder Hohenlohe.

Monsignore Gustav Adolf zu Hohenlohe hatte seinen Mitbruder De Luca mit geheimen Informationen versorgt: Okraszewski sei ein Halunke, die 70 000 Rubel seien nichts anderes als Bestechungsgeld, und überhaupt könne von einer seinerzeit erzwungenen Hochzeit von Nikolaus und Carolyne gar keine Rede sein. Für eine Annullierung bestehe also keine juristische Geschäftsgrundlage. Der Nuntius war alarmiert. Warum diese Feindseligkeit der Hohenlohes?

Konstantin konnte kein Interesse an einer Wiederverheiratung seiner Schwiegermutter haben. Die Person Franz Liszt spielte dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle, es ging ihm vielmehr um eine grundsätzliche Überlegung: Sollte Carolyne mit ihren Bemühungen Erfolg haben und ihre Ehe mit Nikolaus von Sayn-Wittgenstein annulliert werden, dann würde deren Tochter Marie den Status eines illegitimen Kindes erhalten. Das würde aber auch bedeuten, dass Marie wahrscheinlich das riesige Vermögen verlieren würde, das Carolyne ihr einst überschrieben hatte. Darüber hinaus war Carolyne noch im gebärfähigen Alter.

Sollte sie Liszt heiraten, und sollten die beiden noch ein legitimes Kind zeugen, so Konstantins Angst, dann wäre die Erbfrage endgültig zuungunsten seiner Frau geklärt. Nicht auszudenken! Die Angst der Hohenlohes war also ganz diesseitiger Natur. Plötzlich rächte es sich, dass Marie in diesen Clan eingeheiratet hatte.

Carolyne konnte von den Machenschaften ihres Schwiegersohnes noch nichts wissen. Vielleicht hielt sie das Fuldaer Urteil für ein Missverständnis – gut möglich. Sie wähnte sich jedenfalls wenige Meter vor dem Ziel. Um den Erfolg zu garantieren, entschloss sie sich, persönlich nach Rom zu reisen, und verließ am 17. Mai 1860 Weimar in Begleitung von Wladislaw Okraszewski und ihrer Kammerfrau Augusta. Als sie an diesem Donnerstag Franz Liszt Adieu sagte, konnte sie sich wohl kaum vorstellen, dass sie ihn erst 16 Monate später wiedersehen würde. Der Abschied von Weimar war indes für immer; Carolyne von Sayn-Wittgenstein sollte nie wieder in die Goethe-und-Schiller-Stadt zurückkehren.
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