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Diagnose Burnout - von den Ursachen bis zur Wiedereingliederung

AutorSarah Justus
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl80 Seiten
ISBN9783656304326
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Führung und Personal - Burnout, Stress am Arbeitsplatz, Note: 1,0, Leibniz Akademie Hannover - Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hannover, Sprache: Deutsch, Abstract: Die emotional-körperliche und geistige Überleistung in der modernen 'postindustriellen Informationsgesellschaft, geprägt von Globalisierung, Wertewandel und Verlust individueller Sicherheiten, kann den arbeitsstärksten und erfolgreichsten Menschen zu Boden reißen.13 Diesem Phänomen entgegenzuwirken ist Sinn und Ziel dieser Arbeit. Nachdem die Relevanz und Aktualität des Themas Burnout herauskristallisiert werden, liegt der Fokus zunächst auf den wissenswerten Grundlagen wie dem geschichtlichen Hintergrund, der Begriffsentwicklung und den Definitionsvorschlägen. Anschließend sind die Symptome einer Depression sowie die Burnout- Entwicklung anhand der 12 Stadien von Burnout nach Freudenberger und North veranschaulicht. Um einen Überblick über mögliche Ursachenbereiche für die Entstehung von Burnout zu geben, werden begünstigende Persönlichkeitsfaktoren, der gesellschaftliche Einfluss und der vermehrt auftretende Stress in Unternehmen thematisiert. Problemfelder der Ursachenidentifizierung werden ebenfalls herausgestellt. Von der Personalbedarfsplanung und -deckung während der Arbeitsunfähigkeit des Burnout-Betroffenen bis zur Wiedereingliederung in den Beruf werden neben diesen reaktiven auch die präventiven Maßnahmen wie beispielsweise die Sensibilisierung der Führungskräfte für Burnout-Symtpome, die Realisierung von Entspannungsmöglichkeiten und die Vorteile regelmäßiger Mitarbeitergespräche umfassend dargelegt. Einen zentralen Themenbereich bildet die umfangreiche Befragung, in der alle relevanten Inhalte dieser Arbeit detailliert zur Überprüfung eingebunden sind. Nach der Darstellung der gewählten Befragungsmethode und der Informationen zum Aufbau des Fragebogens wird die Durchführung der Untersuchung ausführlich beschrieben. Es folgt die Auswertung der gewonnenen Antworten mit veranschaulichenden Grafiken zum besseren Verständnis. Auf Grundlage der Ergebnisse der Befragung werden als Empfehlung für Unternehmen zum Umgang mit Burnout abschließend die Nutzenpotenziale des Personalaufbaus statt -abbaus sowie die Evaluierung der Interdependenz von Burnout und Mobbing zur Unterstützung der Präventionsmaßnahmen aufgegriffen.

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Leseprobe

2 Grundlagen zum Burnout in Unternehmen


 

2.1 Definitionsproblematik von Burnout


 

2.1.1 Geschichtlicher Hintergrund von Burnout


 

Wird die Entwicklung des Forschungsfeldes Burnout betrachtet ist klar zu erkennen, dass die Existenz von Burnout als Konzept nicht neu ist.[14]

 

Es wird zwar häufig davon ausgegangen, dass Burnout eine Art „Modediagnose“ ist, doch ein Blick in die Vergangenheit gibt Aufschluss darüber, dass es bereits im Jahr 1880 eine Zeitkrankheit mit Burnout-ähnlichen Symptomen gegeben hat, die unter dem Begriff „Neurasthenie“ diskutiert wurde.[15]Diagnostische Leitlinien für Neurasthenie werden noch heute vom Diagnosesystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelistet.[16]

 

Burnout selbst wurde erst weitere hundert Jahre später verstärkt betrachtet. Während in den 1970er Jahren „das Entdecken und Beschreiben des Phänomens von Burnout charakteristisch“[17]waren, wurden zu Beginn der 1980er Jahre die ersten empirischen Untersuchungen durchgeführt[18] und es erfolgte der erste Eintrag in ein Lexikon.[19]

 

Nennenswert ist vor allem das Maslach Burnout Inventory (MBI) – ein Messinstrument, welches sich Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts als standardisierte Erhebungsform etablierte.[20]Es handelt sich hierbei um einen Fragebogen, anhand dessen der Zustand des „Ausgebranntseins“ (Burnouts) ermittelt werden kann. Entwickelt wurde dieser Fragebogen von Christina Maslach und Susan E. Jackson.[21]

 

Seit den 1980er Jahren wurden mehr als 10.000 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Burnout veröffentlicht und noch ist kein Ende in Sicht.[22]

 

2.1.2 Begriffsentwicklung und Definitionsvorschläge


 

Journalisten gehen heute offensichtlich davon aus, dass der Begriff Burnout in der Gesellschaft angekommen und Leserinnen sowie Leser wissen, was damit gemeint ist.[23]Dies hat zur Folge, dass in der Übersetzung und Definition des Begriffs häufig keine Notwendigkeit mehr gesehen wird.[24]Da es bis heute keine allgemeinverbindliche Definition von Burnout gibt,[25]kann auch in dieser Arbeit folglich nur von Definitionsvorschlägen gesprochen werden.

 

Burnout wird vermehrt als Prozess verstanden, der zur totalen Erschöpfung oder auch Auszehrung führt[26] und meistens Verwendung im beruflichen Kontext findet.[27]Desweiteren können Überforderungen und Enttäuschungen neben der emotionalen Erschöpfung auch zur Resignation, zur Entfremdung von sich selbst hin zu völligem Rückzug führen und schließlich in eine Depression und/oder andere körperliche Erkrankungen münden.[28]

 

Übersetzt aus dem Englischen heißt Burnout „Ausbrennen“ und ist im psychologischen Sinn als bildliche Umschreibung für einen bestimmten Zustand zu verstehen.[29] Diese Metapher erweist sich allerdings als nicht allzu treffend, so Burisch.[30]

 

Denn bei Burnout handelt es sich um eine „langdauernd zu hohe Energieabgabe für zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub – etwa so, wie wenn eine Autobatterie nicht mehr über die Lichtmaschine nachgeladen wird, dennoch aber Höchstleistungen abgeben soll“.[31] Während das Ausbrennen eines Gebäudes also durch ein kurzes, heftiges Feuer ausgelöst werden kann, beschreibt Burnout bei Menschen oftmals eine jahrelange Quälerei.[32]

 

Menschen, die ihren Zustand selbst als ausgebrannt oder erschöpft bezeichnen, leiden regelrecht, so Hillert und Marwitz.[33] Zudem bleibt anzumerken, dass die Umkehr aus Burnout heraus desto mühevoller sein wird, je weiter und ernsthafter die Burnout-Entwicklung fortgeschritten ist.[34]

 

Seit 1991 enthält der internationale Diagnoseschlüssel zur Klassifikation von Krankheiten, herausgegeben von der WHO, einen Eintrag zum Phänomen Burnout als „Zustand der totalen Erschöpfung“.[35]

 

Folgende Ausführungen zeigen die Eingliederung des Diagnoseschlüssels für Burnout in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme:[36]Krankheiten mit dem Schlüssel Z00 bis Z99 stellen Faktoren dar, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen.[37]Dies ist vorerst sehr allgemein gehalten. In der Kategorie Z70 bis Z76 werden Personen geführt, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen. So gesehen fällt die Diagnose Burnout aktuell unter „sonstige Gründe“ und stellt als „Z-Diagnose“ eine Art Zusatz-Diagnose dar, jedoch bemerkenswerter Weise nicht in der Kategorie der psychischen Störungen.[38]Z73.0 schließlich ist der derzeitige Diagnoseschlüssel für Burnout, welcher beschrieben wird als Ausgebranntsein, Burn-out, Zustand der totalen Erschöpfung.[39]

 

Nun kommt erschwerend hinzu, dass Burnout zwar ein Begriff von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist, er aber im Katalog der Deutschen Krankenkassen noch nicht geführt wird.[40]Wenn Burnout also von medizinischer Seite behandelt wird, muss zur Abrechnung über die Krankenkassen beispielsweise auf die Diagnose Depression ausgewichen werden.[41]

 

Fengler jedoch geht davon aus, dass die Diagnose Burnout künftig als psychische Störung aufgenommen und dann nicht mehr als Zusatz-Diagnose gelten wird.[42]

 

Fasst man diese Aspekte zusammen, soist Burnout also der Prozess und auch der Zustand der totalen Erschöpfung.

 

2.2 Burnout-Symptomatik


 

2.2.1 Grenzziehung zwischen gesund und krank –


Symptome einer Depression


 

Es heißt: „Wer nicht früh genug in seine Gesundheit investiert, wird später in seine Krankheit investieren müssen.“[43]Dies allein ist Grund genug, die Grenzziehung zwischen gesund und krank näher zu betrachten und mögliche Symptome einer Depression sowie Symptome des Burnouts aufzuzeigen.

 

Einige Autoren, die sich mit dem Thema Burnout beschäftigen, sind sich darüber einig, dass zwischen Burnout und Depression ein enger Zusammenhang besteht.[44] Bangert stellt diesbezüglich eine konkrete Hypothese auf, indem er feststellt:

 

„Burnout (im Endstadium) ist eine Depression oder zumindest eine depressive Verstimmung (...).“[45]

 

Dieser gedankliche Ansatz erklärt, weshalb hier nicht nur Symptome von Burnout beschrieben werden, sondern auch die Symptome einer Depression.

 

Fachleute sprechen von einer Depression, wenn bereits mehrere der folgenden Beschwerden auftreten: Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, eine innere Leere, unerklärliche Müdigkeit, Schlafstörungen, schlechtes Selbstwertgefühl bis hin zu Gedanken an den Tod.[46]

 

Ähnliche und zum Teil auch identische Symptome können bei einem Burnout auftreten. Ausgebrannte klagen über ganzheitliche Befindensbeeinträchtigungen wie beispielsweise Energielosigkeit, Unausgeschlafenheit, Aufmerksamkeitsstörungen, Stimmungsschwankungen, Hilfslosigkeit, Ohnmacht, Alleinsein.[47]

 

Oftmals kommt noch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen hinzu, die den Leidenszustand des Individuums verstärkt.[48] Entscheidend ist, dass die körperlichen Beeinträchtigungen von den geistigen nicht mehr zu trennen sind.[49]

 

Weiter ist auffällig, dass die Burnout-Entwicklung und -Symptomatik bei den Betroffenen erheblich voneinander abweichen können.[50] Nicht jeder Ausgebrannte leidet dementsprechend unter den gleichen Symptomen. Ein Merkmal jedoch ist allen gemeinsam. Nämlich, dass burnoutgefährdete Menschen in einer Inkongruenz leben.[51] Dies bedeutet, dass sich ihr Sein nicht mit dem deckt, was sie sein möchten oder glauben zu sein.[52]

 

Die Autorin Maslach, bereits als Entwicklerin des MBI erwähnt, hat aus den verschiedenen Burnout-Symptomen drei Hauptsymptome herauskristallisiert:[53]

 

1. Emotionale Erschöpfung

2. Depersonalisierung

3. Leistungsfähigkeit

 

Unter den Punkt „Emotionale Erschöpfung“ fallen beispielsweise Symptome wie die chronische Müdigkeit, ein Gefühl des Ausgelaugtseins und ein abnehmendes Bewusstsein für andere Menschen bzw. eine gedämpfte Reaktion auf andere Menschen.[54]

 

Die Depersonalisierung führt zudem zu einem veränderten Persönlichkeitsgefühl,...

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