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Die Erdölpolitik der USA unter der Administration von George W. Bush

AutorKevin Krippner
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl101 Seiten
ISBN9783640148448
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Politik - Internationale Politik - Region: USA, Note: 1,1, Freie Universität Berlin (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft), 170 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Untersuchung geht der Frage nach, welche politischen, ökonomischen und militärischen Strategien die US-Administration unter George W. Bush verfolgt und anwendet, um die Versorgungssicherheit der USA mit Erdöl zu gewährleisten. Die Versorgungssicherung mit Erdöl ist für die USA und ihre ökonomische Überlebensfähigkeit entscheidend. Da die eigene Erdölproduktion immer weiter zurückgeht, der Verbrauch aber immer weiter ansteigt, müssen die USA immer mehr Erdöl importieren. Die Sicherung der Energieversorgung erlangt also höchste Priorität in der US-Politik. Ziel der vorgelegten Diplomarbeit ist es, den gegenwärtigen Charakter der US-amerikanischen Erdölpolitik zu erörtern und die Motivation der Bush-Administration für die durchgeführte Erdölpolitik zu erklären. Zudem soll deutlich gemacht werden, dass die aktuelle US-amerikanische Erdölpolitik Teil eines hegemonialen außenpolitischen Konzepts ist, welches Diplomatie, Handels-, Währungs- und auch die Militärpolitik mit einbezieht. Zunächst wird analysiert (2.), wie elementar Erdöl für die Weltwirtschaft und somit auch für die USA als führende Wirtschaftsmacht ist und welche Folgen auftreten, wenn es zu einer Verknappung dieser Ressource kommt. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Endlichkeit der Ressource Erdöl absehbar ist und das Produktionsmaximum (Peakoil) in den kommenden Jahren eintreten wird. Die Konsequenzen sind weit reichend und die Konkurrenz um die verbliebenen Ölquellen wird härter. Die erkennbare Endlichkeit der Ressource Erdöl hat also unmittelbare Auswirkungen auf die Erdölpolitik der Bush-Administration. Das nächste Kapitel (3.) untersucht die Bedeutung der Ressource Erdöl für die USA und das Ausmaß der US-amerikanischen Abhängigkeit vom Erdöl. Im Zentrum stehen zunächst drei Fragen, die die Motivation der US-amerikanischen Erdölpolitik verdeutlichen sollen: Wie viel Öl benötigen die USA, um ihre Ökonomie zu versorgen? Wie viel Öl produziert das Land auf eigenem Territorium und welche Menge an Erdöl muss gegenwärtig und in Zukunft eingeführt werden, um den Bedarf zu decken? Schließlich erläutert das Kapitel die Konsequenzen, die die Bush-Administration aus der zurückgehenden eigenen Ölproduktion verbunden mit einem wachsenden Bedarf und steigenden Ölimporten gezogen hat. [...]

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Leseprobe

2. Die Endlichkeit der Ressource Erdöl:

 

2.1. Die Ressource Erdöl und seine Bedeutung für die Weltwirtschaft:

 

Die kapitalistische Weltwirtschaft und somit die Existenz unserer heute bestehenden Industriegesellschaften ist in großem Maße abhängig vom Rohstoff Erdöl. Öl ist der „Lebenssaft der modernen Ökonomien“(Altvater 2005a: 142), ohne diesen Rohstoff würde die Weltwirtschaft innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. „Wir haben es soweit kommen lassen, dass wir praktisch bei allem, was wir tun, auf Öl angewiesen sind. 90 Prozent unserer Transportmittel, sei es zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, werden mit Öl angetrieben. 95 Prozent der Waren in den Geschäften sind unter Einsatz von Öl hergestellt worden. Für 95 Prozent unserer Nahrungsmittel braucht man Öl. Die Aufzucht einer einzigen Kuh und ihr Transport zum Abnehmer verschlingt sechs Barrel Erdöl[1] […]“(Leggett 2006a: 27). Der Rohstoff Erdöl ist also auf der momentanen Entwicklungsstufe kapitalistischer Industriegesellschaften unverzichtbar.

 

Welche Folgen für die Industriestaaten auftreten, wenn es zu einer Unterbrechung des Ölflusses kommt, haben die Ölkrisen der 1970er Jahre gezeigt. In den westlichen Industrienationen löste die Kombination aus einer von der OPEC[2] initiierten Drosselung der Erdölförderung verbunden mit einer hohen Steigerung des Ölpreises eine tiefe Wirtschaftskrise aus. Während der beiden Energiekrisen 1973 und 1979 verzehnfachte sich der Ölpreis und es kam zu erheblichen Wachstumsverlusten, vermehrter Arbeitslosigkeit sowie einer enormen Steigerung der Inflationsrate[3]. Allein durch die zweite Energiekrise 1979 gingen nach Angaben der OECD sechs Prozent des Weltwirtschaftswachstums verloren[4]. Die zeitweilige Unterbrechung der Versorgung war die Hauptursache für diese Ölpreisentwicklung.

 

Im Jahr 2008 ist aber nicht eine künstliche Verknappung des Angebots die Ursache für die Preisentwicklung beim Öl, sondern starke Nachfrageschübe vor allem aus den USA und China oder auch aus Indien sowie Brasilien verbunden mit sinkenden Ölreserven sind die Hauptgründe für einen Ölpreis von  mehr als 100 $ pro Barrel[5]. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass etwa ab dem Jahr 2020 die weltweite Nachfrage das globale Angebot an Erdöl übersteigen wird, so dass der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Deshalb und aufgrund von knapper werdenden Ölvorräten sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut den Ölpreis langfristig auf 250 $ pro Barrel steigen[6]. In der Vergangenheit hatte eine signifikante Steigerung des Ölpreises stets eine weltweite, ökonomische Rezession zur Folge[7]. Zudem gehören eine Verminderung der Erdölförderung oder ein abrupter Stopp des Versorgungsstroms zu den größten Gefahren für die Entwicklung der Weltwirtschaft[8].

 

Nachfrage und Verbrauch des Rohstoffs Erdöl wachsen beständig weiter. Die „Internationale Energieagentur“(IEA)[9] geht in ihrem jüngsten „World Energy Outlook 2007“ davon aus, dass „die Welt bis 2030 einer von fossilen Brennstoffen geprägten Zukunft“ entgegensieht. Nach ihren Angaben wird der Ölverbrauch auf 116 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) ansteigen, das sind 32 mb/d bzw. 37 Prozent mehr als im Jahr 2006[10]. Doch im Gegensatz zur IEA sind andere Institutionen wie die „Energy Watch Group“[11] oder der Ölexperte und Geologe Jeremy Leggett der Auffassung, dass die Ölindustrie gar nicht in der Lage sein wird, diese hohe Nachfrage zu decken, da der Rohstoff Erdöl immer knapper wird[12].

 

2.2. Die globalen Ölreserven und die globale Ölproduktion:

 

Studien und Untersuchungen über die Größe der weltweiten Ölreserven gehen weit auseinander. Ursache hierfür sind unterschiedliche Definitionen und Meinungen über die Art und Weise der Berechnung von Ölreserven. Zwar gibt es in der wissenschaftlichen Theorie relativ eindeutige Definitionen bei der Kategorisierung von Ölreserven[13], doch in vielen Studien ist trotzdem unklar, wie die Daten und Zahlen hergeleitet wurden. Oft sind die Untersuchungen wenig wissenschaftlich und von wirtschaftlichen und politischen Interessen beeinflusst. „Reserves estimation is a bit like a blindfolded person trying to judge what the whole elephant looks like from touching it in just a few places. […]. Specialists who estimate reserves use an array of technical methodologies and a great deal of judgment. Thus, different estimators might calculate different reserves from the same data. Sometimes self-interest influences reserves estimates, e.g., an oil field owner may provide a high estimate in order to attract outside investment, influence customers, or further a political agenda”(Hirsch 2005: 2).

 

Nach Angaben der Öl- und Energiewirtschaft bzw. einem seiner größten Vertreter auf dem Weltmarkt, nämlich BP (British Petroleum), betrugen die weltweit nachgewiesenen Erdölreserven Ende des Jahres 2006 1.208 Milliarden Barrel[14]. Der von BP jährlich im Juni herausgegebene „Statistical Review of World Energy“ „wird in vielen Kreisen als maßgeblich angesehen und dürfte die prominenteste Informationsquelle über Ölreserven und Ölförderung sein“(Global Challenges Network 2002: 166). Doch die vom „Statistical Review of World Energy“ veröffentlichten Daten zu den noch vorhandenen Erdölreserven gelten bei vielen Institutionen und Experten als zu hoch angesetzt und damit als unglaubwürdig[15]. BP verwendet in seinen jährlichen Berichten nicht einmal eigene Daten und Zahlen, sondern benutzt eine „Kombination aus primären offiziellen Quellen und den Angaben Dritter aus dem OPEC-Sekretariat […]“(BP 2007: 6). Zudem ist das US - amerikanische „Oil & Gas Journal“ eine der wichtigsten Quellen für den Bericht von BP. Auch die Zahlen dieser Zeitschrift zu den nachgewiesenen Ölreserven sind wenig wissenschaftlich und glaubwürdig[16].

 

Die Zahlen von BP sind also „nur eine Zusammenstellung der Zahlen anderer Leute. Und ein Großteil davon stammt auch noch aus zweiter Hand“(Leggett 2006a: 49). BP verfügt über eine hundertjährige Geschichte im Ölgeschäft, förderte Erdöl rund um den Globus und hat trotzdem kein eigenes Wissen über die Ölreserven der Erde?

 

Wie unglaubwürdig die von BP veröffentlichten Zahlen wirklich sind, zeigt das folgende Zitat aus dem Bericht selbst: „Die Zahlen über nachgewiesene Öl- und Gasreserven im BP Statistical Review of World Energy June 2007 entsprechen nicht unbedingt den Definitionen, Richtlinien und der Praxis […] der US – amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde für nachgewiesene Reserven, außerdem stellen sie nicht unbedingt die Meinung von BP über die nachgewiesenen Reserven pro Land dar“(BP 2007: 2). Mit anderen Worten gesagt, veröffentlicht BP Daten und Zahlen, die erstens nicht seriös sind und die zweitens auch für das Unternehmen selbst nicht glaubwürdig sind. Der Geologe Jeremy Leggett, der mehr als zehn Jahre für die Ölindustrie gearbeitet hat, kommentiert den jährlichen Bericht von BP wie folgt: „Die glauben nicht einmal die Zahlen, die sie selbst veröffentlichen! Dennoch wird die Veröffentlichung weltweit in der Forschung als Energiebibel benutzt. Geologie – Studenten im Grundstudium zitieren daraus, als handele es sich um die reine Wahrheit. Journalisten führen sie in Legionen von Artikeln als Evangelium an. Und immer ohne die entsprechenden Warnungen“(2006a: 49).

 

Nach Angaben von BP stiegen die weltweit nachgewiesenen Ölreserven in den letzten Jahrzehnten immer weiter an (von ungefähr 600 Milliarden Barrel im Jahr 1973 auf ca. 1.200 Milliarden Barrel Ende des Jahres 2006)[17]. Im Diskurs über die Endlichkeit der Ressource Erdöl wird die angeblich ständige Zunahme der Reserven dazu benutzt, zu behaupten, dass auch bei einem starken Anstieg des Ölverbrauchs kein Versorgungsproblem auftreten wird. Neoklassische und neoliberale Ökonomen sind der Auffassung, dass mit Hilfe des technischen Fortschritts bei der Exploration immer „neue Lagerstätten“(Weizsäcker 2004: 8) gefunden werden. Sie „tun sich schwer zu begreifen, dass ökonomische Prozesse naturgebunden sind. Produktion und Konsumtion sind ja auch Prozesse der Transformation von Stoffen und Energien, und sie finden in Zeit und Raum statt. Sie verstehen die Selbstverständlichkeit nicht, dass die Erde endlich ist, dass irgendwann die Erdkruste durchlöchert wie ein Schweizer Käse ist und keine neuen Reserven gefunden werden […]“(Altvater 2005a: 146f.).

 

Der signifikante Anstieg der nachgewiesenen Ölreserven beim „BP Statistical Review of World Energy“ lässt sich auf wenige Jahre eingrenzen und kann einigen wenigen Staaten zugeordnet werden. Zwischen 1985 und 1990 erhöhten einige Länder, ausnahmslos Mitglieder der OPEC, ihre nachgewiesenen Reserven um 40 Prozent (über 300 Milliarden Barrel[18])[19], obwohl in dieser Zeitspanne nur knapp zehn Milliarden Barrel neu entdeckt wurden[20]. Die Staaten, welche die größten Erdölproduzierenden Länder darstellen, gaben als Grund für die Erhöhung an, dass die Schätzungen der Reserven in der...

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