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Die offene Ganztagsschule im Spannungsfeld zwischen Bildung, Betreuung und Erziehung

Eine Evaluation an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen

AutorDaniela Gennrich
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl169 Seiten
ISBN9783638035989
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Sozialpädagogik / Sozialarbeit, Note: 1,0, Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen, 52 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Thema der vorliegenden Arbeit lautet 'Die offene Ganztagsschule im Spannungsfeld zwischen Bildung, Erziehung und Betreuung - Eine Evaluation an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen'. Die offene Ganztagsschule wurde zum Schuljahr 2003/2004 von der Bundesregierung eingeführt und ist momentan ein brisantes Diskussionsthema. Entstanden aus dem Bedarf erhöhter Bildungsqualität, welche durch die PISA Ergebnisse von 2001 deutlich wurden, sowie dem Bedarf an mehr und besseren Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern, sollte die offene Ganztagsschule gleich mehrere Probleme zugleich lösen. Sie soll verschiedene Professionen zusammenführen - die Schule, seit jeher in Monopolstellung, soll nun mit der Kinder- und Jugendhilfe, dem Revier der Sozialen Arbeit, Hand in Hand gehen, um ihre Ziele, unter anderem Chancengleichheit für alle Kinder und bessere Bildungsqualität, zu erreichen. Soweit die Vorstellung der Bundesregierung. Doch auch die Kritik an der offenen Ganztagsschule wird immer lauter. So ist z. B. von einer 'pädagogischen Billiglösung' die Rede, in der Kinder nicht mehr gebildet, sondern nur verwahrt würden. Diese Diskussion weckt das Interesse, sich die OGS einmal in der Praxis anzusehen. Die Arbeit in zwei Teile unterteilt - im ersten, theoretischen Teil geht es um die offene Ganztagsschule in ihrem Spannungsfeld, das zwischen ihrem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag existiert. Dieses Spannungsfeld wird in den Kapiteln zwei und drei erklärt. Dazu werde ich nach einer begrifflichen Annäherung des Titels dieser Arbeit die Systeme Familie und Kindheit, Schule und Kinder- und Jugendhilfe erklären. In Bezug auf die Familie wird insbesondere auf die veränderten Lebensbedingungen von Kindern sowie die veränderten Familienstrukturen in unserer heutigen Gesellschaft eingegangen. Daraufhin wird das Spannungsfeld Jugendhilfe und Schule betrachtet, indem ich die jeweiligen Aufträge, Gemeinsamkeiten und Unterschiede versuchen werde aufzuzeigen und die Schwierigkeiten der Kooperation am Beispiel ihrer unterschiedlichen Berufsgruppen zu verdeutlichen versuche. Diese theoretische Einführung ermöglicht einen Einblick in die vielfältigen Erwartungen und Anforderungen, die an die offene Ganztagsschule aus unterschiedlichsten Perspektiven gestellt werden.

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Leseprobe

1. Einleitung


 

1.1 Einleitung und Aufbau der Arbeit


 

Das Thema der vorliegenden Arbeit lautet „Die offene Ganztagsschule im Spannungsfeld zwischen Bildung, Erziehung und Betreuung – Eine Evaluation an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen“.

 

Die offene Ganztagsschule wurde zum Schuljahr 2003/2004 von der Bundesregierung eingeführt und ist momentan ein brisantes Diskussionsthema.

 

Entstanden aus dem Bedarf erhöhter Bildungsqualität, welche durch die PISA Ergebnisse von 2001 deutlich wurden, sowie dem Bedarf an mehr und besseren Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern, sollte die offene Ganztagsschule gleich mehrere Probleme zugleich lösen.

 

Sie soll verschiedene Professionen zusammenführen – die Schule, seit jeher in Monopolstellung, soll nun mit der Kinder- und Jugendhilfe, dem Revier der Sozialen Arbeit, Hand in Hand gehen, um ihre Ziele, unter anderem Chancengleichheit für alle Kinder und bessere Bildungsqualität, zu erreichen.

 

Soweit die Vorstellung der Bundesregierung. Doch auch die Kritik an der offenen Ganztagsschule wird immer lauter. So ist z. B. von einer „pädagogischen Billiglösung“[1] die Rede, in der Kinder nicht mehr gebildet, sondern nur verwahrt würden.

 

Diese Diskussion weckt das Interesse, sich die OGS einmal in der Praxis anzusehen.

 

Die Arbeit in zwei Teile unterteilt – im ersten, theoretischen Teil geht es um die offene Ganztagsschule in ihrem Spannungsfeld, das zwischen ihrem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag existiert. Dieses Spannungsfeld wird in den Kapiteln zwei und drei erklärt.

 

Dazu werde ich nach einer begrifflichen Annäherung des Titels dieser Arbeit die Systeme Familie und Kindheit, Schule und Kinder- und Jugendhilfe erklären.

 

In Bezug auf die Familie wird insbesondere auf die veränderten Lebensbedingungen von Kindern sowie die veränderten Familienstrukturen in unserer heutigen Gesellschaft eingegangen.

 

Daraufhin wird das Spannungsfeld Jugendhilfe und Schule betrachtet, indem ich die jeweiligen Aufträge, Gemeinsamkeiten und Unterschiede versuchen werde aufzuzeigen und die Schwierigkeiten der Kooperation am Beispiel ihrer unterschiedlichen Berufsgruppen zu verdeutlichen versuche.

 

Diese theoretische Einführung ermöglicht einen Einblick in die vielfältigen Erwartungen und Anforderungen, die an die offene Ganztagsschule aus unterschiedlichsten Perspektiven gestellt werden.

 

In Kapitel vier geht es konkret um die offene Ganztagsschule im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen. Das Rahmenkonzept des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW (MSJK) sowie seine Entstehungsbedingungen werden in Kürze vorgestellt.

 

Anschließend bilden Ausführungen zum aktuellen Forschungsstand der OGS sowie kritische Beurteilungen die Überleitung zum zweiten und damit zum Hauptteil der Arbeit.

 

Im zweiten Teil der Arbeit geht es um die Umsetzung der offenen Ganztagsschule in der Praxis. Dazu wurde eine Evaluation an einer Grundschule in W. durchgeführt, die zu Beginn des laufenden Schuljahres 2005/2006 die OGS eingeführt hat.

 

Mein Anliegen und Ziel der Befragung war es, die Umsetzung der offenen Ganztagsschule in der Praxis vor dem Hintergrund ihres Spannungsfeldes, welches im ersten Teil deutlich wird, zu dokumentieren und die Erwartungen und Zufriedenheit der beteiligten Personengruppen zu ermitteln.

 

Dabei war es mir besonders wichtig, die Sichtweisen aller an der OGS beteiligten Personen einzuholen, aus diesem Grund wurden sowohl die Mitarbeiter der OGS, die Lehrer, die Schulleitung, die Eltern, die Kinder selbst und der freie Träger mit Hilfe von Fragebögen und Interviews befragt.

 

Den zweiten Teil meiner Arbeit beginne ich mit Vorüberlegungen und Vorbereitungen zu der Untersuchung, stelle das Forschungsdesign und die Erhebungsinstrumentarien vor und beschreibe den Ort der Untersuchung sowie die an der OGS beteiligten Institutionen.

 

Danach beschreibe ich die Durchführung der Evaluation und präsentiere die Ergebnisse in einer Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten.

 

Die Motivation und Idee, diese Arbeit zum Thema „Offene Ganztagsschule“ zu schreiben, entstand durch mein persönliches Interesse an dem Thema, das sich sowohl durch mein Praxissemester als auch durch meine das Studium begleitende Tätigkeit in einem Kinder- und Jugendbegegnungszentrum entwickelt hat. Das Praxissemester habe ich an einer Schule für Lernbehinderte absolviert und dort bereits die Nachmittagsbetreuung „13+“ kennen gelernt.

 

Diese Betreuung wurde zum Schuljahr 2004/2005 in ein nahe gelegenes Kinder- und Jugendzentrum verlegt, da in der Schule Umbauarbeiten für die geplante offene Ganztagsschule durchgeführt wurden.

 

Seit nunmehr fast drei Jahren arbeite ich nun schon bei dieser 13+ Betreuung mit und interessiere mich dadurch sehr für die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern sowie den Übergang bislang gängiger Betreuungsformen in die offenen Ganztagsschulen.

 

Durch die Arbeit in der Offenen Tür konnte ich zusätzlich einen Einblick in die (offene) Kinder- und Jugendhilfe erhalten und finde es spannend, diese Arbeitsweise mit der in einer Schule zu vergleichen und zu sehen, wie diese beiden Berufsfelder miteinander kooperieren können.

 

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ich aus Gründen besserer Lesbarkeit an einigen Stellen dieser Arbeit auf die Nennung beider Geschlechter verzichte.

 

Des Weiteren werden die Berufsbezeichnungen Sozialpädagoge/in und Sozialarbeiter/in synonym gebraucht. Häufig verwendete Wörter werden zwischenzeitlich durch Abkürzungen ersetzt, die jedoch im Zusammenhang des Textes ersichtlich und verständlich sind (z. B. OGS = offene Ganztagsschule).

 

1.2 Bildung, Erziehung und Betreuung – eine Begriffsannäherung


 

Die offene Ganztagsschule im Spannungsfeld zwischen Bildung, Erziehung und Betreuung – so lautet der Titel meiner Arbeit – doch was heißt das?

 

Die Begriffe Bildung, Erziehung und Betreuung sind geläufig, jeder kennt sie und für jeden haben sie eine Bedeutung.

 

Ich möchte jedoch an dieser Stelle keine theoretischen Begriffsbestimmungen dieser einzelnen Begriffe vornehmen, vielmehr geht es mir darum, in diesem Abschnitt zu verdeutlichen, dass diese drei Begriffe eine zusammenhängende Einheit darstellen sollten und als solche in dieser Arbeit verwendet werden.

 

Im Folgenden möchte ich auf den Zusammenhang zwischen diesen drei Begriffen versuchen hinzuführen.

 

Zielsatz der OGS ist ein „ganzheitliches pädagogisches Konzept, welches die Elemente Bildung, Erziehung und Betreuung vereint.“[2]

 

Der 12. Kinder und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beschäftigt sich mit dem Thema „Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule“.[3]

 

Er weist auf die frühere klare Aufgabenverteilung hin, als die Schule für Bildung und die Familie für Betreuung und Erziehung zuständig war, und auf die Notwendigkeit, dieses Verständnis zu überdenken und weiter zu entwickeln.[4]

 

Mit dem Leitgedanken „Bildung ist mehr als Schule“[5] bringt der 12. Kinder- und Jugendbericht zum Ausdruck, was längst bekannt ist: Dass Bildung nicht nur als Aufgabe der Schule gesehen werden darf und als solche lediglich im Unterricht übermittelt wird, sondern dass Bildung einen überall stattfindenden und niemals abgeschlossenen Prozess beschreibt.

 

Er umfasst nicht nur das formale Lernen in der Schule, sondern auch nicht-formales und informelles Lernen, die von der europäischen Kommission[6] wie folgt definiert werden:

 

- Formales Lernen findet in der Regel in einer Bildungs- oder Ausbildungseinrichtung statt, ist strukturiert, zielgerichtet und führt zur Zertifizierung.

 

- Nicht formales Lernen findet nicht in Bildungseinrichtungen statt und führt im Normalfall auch nicht zur Zertifizierung. Es ist jedoch ebenso systematisch und aus der Sicht der Lernenden zielgerichtet.

 

- Informelles Lernen meint das Lernen im Alltag, in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. In den meisten Fällen ist dieses Lernen nicht strukturiert und führt...

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