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Peer-to-Peer-Learning in der tiermedizinischen Lehre. Am Beispiel von CASUS-Fällen

AutorJan P. Ehlers
VerlagDiplomica Verlag GmbH
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl123 Seiten
ISBN9783836621731
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis43,00 EUR

Um Studierende der Tiermedizin auf den praktischen Unterricht am Patienten tierschutzgerecht vorzubereiten und das diagnostische Denken zu schulen, können fallbasierte eLearning-Techniken eingesetzt werden. Vor allem in der Humanmedizin werden seit längerem verschiedene fallbasierte eLearning-Module eingesetzt. In die Tiermedizin wurde hiervon das CASUS-System übernommen. Es konnten bis zu 70% der Studierenden mit freiwilligen, ergänzenden CASUS-Fällen erreicht werden.
Um den Einsatz neuer Lehrformen in der Tiermedizin zu forcieren und den Aufwand der Fallgestaltung zu verringern wurde untersucht, ob qualitativ hochwertige Fälle auch im Sinne des "peer-to-peer learnings" von Studierenden erstellt werden können.
Hierzu wurden an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover qualitative Experteninterviews mit elf CASUS-Autoren und sechs Tutoren von Wahlpflichtfächern „Multimediale Fallerstellung mit CASUS“, in denen CASUS-Fälle von Studierenden unter Betreuung von Experten entwickelt wurden. Außerdem wurde eine online-Befragung von 78 studentischen Teilnehmern (Rücklaufquote: 53,8%) an diesem Wahlpflichtfach durchgeführt.
Folgende Ergebnisse ergaben die Befragungen: Der Einsatz von CASUS-Fällen findet eine breite Akzeptanz bei den befragten Dozierenden und Studierenden. Beide Gruppen sehen hierin eine wesentliche Ergänzung der traditionellen Lehre, die auf dem Grundwissen aufbaut und es fallbasiert festigt. Dabei finden die Fälle sowohl in der Vorklinik als auch in der klinischen Ausbildung Anwendung. Sie vereinen die Vorteile von eLearning (Unabhängigkeit, self-assessment, Multimedialität) mit denen des fallorientierten Lernens (Praxisrelevanz, Konstruktivismus, Interdisziplinarität).
Der Aufwand der Fallerstellung ist sehr hoch, was vor allem an der didaktischen Aufbereitung liegt. Technisch ist CASUS so gestaltet, dass es auch Ungeübten kaum Schwierigkeiten macht.
Die Qualität der Fälle zeigt sich durch Praxis- und Prüfungsrelevanz, klare Strukturierung, passendem Schwierigkeitsgrad und hochwertigen Medien. Für die Gestaltung hochwertiger Fälle muss der Autor vor allem fachliche und didaktische aber auch technische Kompetenzen aufweisen. Die Fallbearbeitungen müssen fest ins Curriculum integriert sein, damit sie gut genutzt werden.
Alle Befragten waren sich einig, dass diese Fallerstellungen auch von gut betreuten Studierenden geleistet werden können. Eine Zeitersparnis konnte hierdurch aber nicht erreicht werden. Allerdings kam es stattdessen zu einer deutlichen Qualitätssteigerung und genaueren Zielgruppenansprache in den Peer-Fällen. Es wurde in der Untersuchung deutlich, dass durch das „peer-to-peer learning“ Nutzen für alle Beteiligten (Peer-Autoren, Tutoren, Institutionen, Lerner) entstand.
Die Kombination von eLearning, fallbasiertem Lernen und „peer-to-peer learning“ führte zwar nicht zu einer Zeitverkürzung bei der Fallerstellung, der Nutzen aller Beteiligten war aber so umfangreich, dass es sich ein verstärkter Einsatz empfiehlt.

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Leseprobe


"Kapitel 5.2 Beschreibung des Bildungsproblems
Als Bildungsproblem und damit als Grund, sich CASUS zu zuwenden, wurde von
den Dozierenden vor allem die ort- und zeitunabhängige Ergänzung und Erweiterung der Präsenzlehre genannt. Weiterhin war ein wichtiger Punkt die Multimedialität. Hier zeigt sich eine Besonderheit die medizinischen Fächer (BEIER et al. 1997, KALLINOWSKI et al. 1997), in denen die Diagnose zum großen Teil an optischen Befunden erhoben wird. Gerade bei bewegten Befunden (z.B. lahmendes Pferd) oder akustisch zu erhebenden (z.B. Herzgeräusche) zeigen die neuen Medien große Vorteile beim Selbstlernen gegenüber Mitschriften oder Büchern. Hierbei muss aber stets beachtet werden, durch die Bilder und Videos auch tatsächlich einen didaktischen Mehrwert zu erreichen. Eine Hilfestellung geben die Qualitätskriterien für Elektronische Publikationen in der Medizin (SCHULZ et al. 1999). Die Darstellung von realen Fällen geht über die „Idealbefunde“ im Lehrbuch noch hinaus und zeigt damit Befunde und Diagnosewege, die oft sehr viel schwieriger zu interpretieren sind, so aber eben in der Praxis vorkommen.
Ein weiteres wichtiges Ziel ist, den Studierenden das „self-assessment“ zu ermöglichen, also eine formative Wissensüberprüfung. Hierauf zielen vor allem die Fälle der Anatomie ab, die nicht nur den Vorlesungsstoff nachbereiten, sondern auch auf die Testate und das Physikum vorbereiten. Hier werden nämlich die mündlichen Prüfungen von den Fallautoren durchgeführt. Auch die klinischen Fälle bereiten die Studierenden gut auf die Prüfung vor, da hier mittlerweile schriftliche, computergestützte Prüfungen eingesetzt werden. Durch die Bearbeitung der Computerfälle können also in diesem Medium und auch mit den Multiple-Choice-Fragen Erfahrungen gesammelt werden.
"

Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Peer-to-Peer-Learning in der tiermedizinischen Lehre1
Inhaltsverzeichnis3
Abkürzungsverzeichnis4
1 Einleitung5
2 Literaturteil: Entwicklungslinien in der tiermedizinischen Ausbildung7
2.1 Das Tiermedizinstudium in Deutschland7
2.2 Das Tiermedizinstudium im internationalen Vergleich10
2.3 Problem- und Fallorientiertes Lernen12
2.4 Medizinisches fallbasiertes eLearning in Deutschland16
2.5 Peer-to-peer-learning in Medizin und Tiermedizin23
3 METHODIK26
3.1 Einsatz von CASUS in der Tiermedizin26
3.1.1 Einsatz von CASUS an der UZH26
3.1.2 Einsatz von CASUS an der LMU26
3.1.3 Einsatz von CASUS an der TiHo27
3.2 Fragestellungen28
3.3 Befragungen29
3.3.1 Experteninterviews29
3.3.2 Befragung der Studierenden31
4 ERGEBNISSE33
4.1. Experteninterviews33
4.1.1 Befragte Experten33
4.1.2 Beschreibung des Bildungsproblems33
4.1.3 Einsatz von CASUS35
4.1.4 Fallgestaltung41
4.1.5 Beschreibung guter Fälle44
4.1.6 Nutzen von peer-to-peer-learning48
4.2 Befragungen der Studierenden50
5 Diskussion62
5.1 Befragungen62
5.2 Beschreibung des Bildungsproblems63
5.3 Einsatz von CASUS64
5.4 Fallgestaltung69
5.5 Beschreibung guter Fälle71
5.6 Nutzen von peer-to-peer-learning72
6 Zusammenfassung75
7 Abstract77
8 Literaturnachweis79
9 Abbildungsverzeichnis93
10 Tabellenverzeichnis94
11 Anhang95
Dr. med. vet. Jan P. Ehlers, M.A.121

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