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Qualität und Professionalität in Bildungs- und Berufsberatung

AutorAlexander Dauner, Christiane Schiersmann, Miriam Bachmann, Peter Weber
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl193 Seiten
ISBN9783763946044
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,90 EUR
Standardisierte Bildungs- und Berufsverläufe verlieren angesichts der raschen gesellschaftlichen Entwicklungen an Bedeutung. Individuen stehen vor der Herausforderung, ihre jeweilige Bildungs- und Berufsbiografie weitgehend individuell und in eigener Verantwortung zu gestalten bzw. zu 'konstruieren'. Dies beginnt mit der Entscheidung über die Schullaufbahn, geht über die Wahl einer Berufsausbildung oder eines Studium bis zur Teilnahme an Weiterbildung. In diesem Zusammenhang gewinnt Beratung als Unterstützungsleistung an großer Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurde jedoch erkannt, dass die Systeme und Verfahrensweisen auf dem Gebiet der Bildungs- und Berufsberatung reformbedürftig sind. Qualität und Professionalität stellen zwei zentrale Ansatzpunkte zur Optimierung der Situation dar. Die vorliegende Studie, die von einem Team des Instituts für Bildungswissenschaft an der Universität Heidelberg, Arbeitseinheit Weiterbildung und Beratung, erarbeitet wurde, trägt unter Auswertung der internationalen Diskussion dazu bei, Eckpunkte dafür herauszuarbeiten. Es werden unterschiedliche Zugänge zum Thema Qualität (Standards, Evaluation, Qualitätsmanagementkonzepte) beleuchtet und diese in einen Vorschlag für einen Qualitätsentwicklungsrahmen eingebunden. Als Annäherung an das vielschichtige Thema der Professionalität wird ein Kompetenzprofil für Berater/innen entwickelt und mit vorhandenen Aus- und Fortbildungsangeboten abgeglichen.

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Leseprobe
6 Evaluationsverfahren (S. 49-50)

Einen weiteren Zugang zur Qualitätsentwicklung in der Beratung bietet die Evaluation. Ging es im vorangegangenen Kapitel darum zu bestimmen, was die Güte von Beratung ausmacht und wie diese in Form von Standards zu fassen ist, verschiebt sich die Blickrichtung bei der Betrachtung von Evaluation auf die Frage, wie die Güte von Beratung erfasst und bewertet, sprich evaluiert werden kann. Grundsätzlich bedeutet Evaluation oder auch Evaluieren die „Bewertung einer Handlung bzw. der Folgen einer Handlung" (Kuper 2005, S. 7).

Diese Definition weiter einengend verstehen wir unter (professioneller) Evaluation, von der hier in Abgrenzung zu alltäglichen Vorgängen des Bewertens von Handlungen die Rede sein soll, „eine besondere Form angewandter Sozialwissenschaft" (Kromrey 2000, S. 22), die durch eine „methodisch kontrollierte, verwendungs- und bewertungsorientierte Form des Sammelns und Auswertens von Informationen" charakterisiert wird (Kromrey 2000, S. 22). Unter Evaluation der Beratung soll im Folgenden die „systematische, datenbasierte und kriterienbezogene Bewertung" (Heiner 2007, S. 825) der Beratung selbst, der sie einschließenden Programme, Maßnahmen und Angebote oder der durchführenden Organisationen verstanden werden. In diesem Sinne verstandene Evaluation kann einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Beratung leisten.

Durch die systematische Bewertung des Beratungsprozesses oder anderer Bestandteile des Beratungssystems kann Aufschluss über die Stärken, Schwächen, Wirkungsweisen oder auch nicht intendierter Nebeneffekte gewonnen werden. Evaluation kann somit eingesetzt werden, um eine informative Grundlage für Qualitätsentwicklungsprozesse zu schaffen. Darüber hinaus lässt sich mithilfe der Verfahren und Instrumente der Evaluation näher bestimmen, inwieweit durchgeführte Qualitätsentwicklungsmaßnahmen als erfolgreich eingestuft werden können.

Zum einen kann ein Zusammenhang der Beratungsstandards, wie sie im vorangegangenen Kapitel entwickelt wurden (s. Kapitel 5), zur Evaluation hergestellt werden. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist die Annahme, dass jedem Bewerten, unabhängig davon, ob es sich um alltägliches oder professionelles handelt, Kriterien zur Beurteilung der Güte zugrunde liegen. Ein Kennzeichen der nicht professionellen Bewertung, wie sie im Alltag ständig auftritt, ist, dass diese Kriterien oftmals nicht spezifiziert sind und nicht explizit benannt werden. So kann beispielsweise eine Ratsuchende oder ein Ratsuchender sich sehr zufrieden über eine Beratung äußern, weil sie bzw. er das Gefühl hat, dass die Beraterin oder der Berater sehr gut auf sie bzw. ihn eingeht. Was in diesem konstruierten Fall mit dem Kriterium „Eingehen auf die Ratsuchende oder den Ratsuchenden" gemeint ist, bleibt ungewiss.

Um nachvollziehbare und verlässliche Aussagen über die Qualität der Beratung machen zu können, muss sich die Evaluation an vorab zu definierenden Kriterien orientieren. Mit den in Kapitel 5 vorgestellten Standards liegt ein Katalog von Sollgrößen vor, die sich als Kriterien für Evaluierungen heranziehen lassen. Zum anderen kann Evaluation mit Qualitätsmanagementsystemen (s. Kapitel 7) in Bezug gesetzt werden.

Gemäß der Definition von Evaluation handelt es sich hierbei um ein Sammeln und Auswerten von Daten sowie darauf aufbauenden Bewertungen. Die Frage, welche Konsequenzen in Anschluss an eine Evaluation gezogen werden, d.h., welche Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung eingeleitet werden, zu beantworten, gehört nicht zum genuinen Aufgabenbereich der Evaluation. Es bietet sich also an, die Evaluation in Qualitätsmanagementsysteme zu integrieren. Bei umgekehrter Blickrichtung – vom Qualitätsmanagement auf die Evaluation – wird noch ein weiterer Aspekt deutlich: Unabhängig vom konkreten Verfahren ist den Qualitätsmanagementansätzen gemeinsam, dass an einer Stelle im Qualitätssicherungsprozess der Ist-Stand der Qualität des Produkts bzw. der Dienstleistung zu erfassen und zu bewerten ist. Die Evaluation kann hier eine „Hilfsfunktion" für die Qualitätsmanagementsysteme übernehmen (näheres s. Kapitel 7).
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
1 Einleitung6
2 Charakteristik des Feldes der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung10
2.1 Bedeutungszuwachs von Beratung im Lebenslauf10
2.2 Anlässe für Beratung10
2.3 Beratungsverständnis12
2.4 Anbieter und Aufgabenbereiche von Beratung12
3 Eckpunkte einer systemisch-ressourcenorientierten Theorie der Beratung16
3.1 Der Beratungsprozess17
3.2 Organisationaler Kontext21
3.3 Gesellschaftlicher Kontext22
4 Grundverständnis und Eckpunkte der Qualität24
4.1 Notwendigkeit der Präzisierung des Qualitätsbegriffes25
4.2 Einbezug unterschiedlicher Akteure in eine Qualitätsstrategie27
4.3 Weitere Eckpunkte zur Implementierung von Qualitätsbemühungen in der Beratung31
5 Standards für die Beratung36
5.1 Theoretische Verortung der Standards37
5.2 Standards für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung39
6 Evaluationsverfahren50
6.1 Kriterien zur Systematisierung und Beurteilung von Evaluationsverfahren52
6.2 Analyse ausgewählter Evaluationsinstrumente für die Beratung55
7 Qualitätsmanagementkonzepte64
7.1 ISO 9000 ff.67
7.2 Das EFQM-Modell70
7.3 LQW – lernerinnen- und lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung73
8 Der Qualitätsentwicklungsrahmen ( QER) als integrierte Qualitätsstrategie78
8.1 Kriterien für die Entwicklung des QER82
8.2 Die Ausgestaltung des QER83
9 Überlegungen zu einem Kompetenzprofil für Beraterinnen und Berater92
9.1 Begründung der Kompetenzorientierung93
9.2 Ausgestaltung eines Kompetenzprofils für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung96
10 Analyse der Aus- und Weiterbildungsangebote für Beraterinnen und Berater106
10.1 Kriterien der Analyse von Aus- und Weiterbildungsangeboten107
10.2 Darstellung der Aus- und Weiterbildungsangebote für Beraterinnen und Berater109
10.3 Beurteilung des vorhandenen Aus- und Fortbildungsangebots für Beraterinnen und Berater113
11 Empfehlungen zum Handlungsund Forschungsbedarf für Qualität und Professionalität in der Beratung118
11.1 Empfehlungen in Bezug auf die einzelnen Qualitätsstrategien118
11.2 Empfehlungen für den Qualitätsentwicklungsrahmen (QER)121
11.3 Handlungsbedarf in Bezug auf die Professionalität der Beraterinnen und Berater122
11.4 Konsultationsprozess zur Implementierung der Qualitäts- und Professionalisierungsbemühungen130
Literaturverzeichnis136
Abbildungsverzeichnis144
Tabellenverzeichnis145
Abkürzungsverzeichnis146
Anhänge148

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